Achtzehn Bemerknisse* zum Urlaub:
- Zu Siebt zu verreisen ist eine wunderbare Sache, kann ich nur jedem empfehlen. Man meint ja, das sei auf Dauer anstrengend, aber es gibt vieles, das man sich teilen kann: Das Kochen, die Kinderbespaßung, die Reparatur von Dingen. Das ist sehr praktisch.
- Der Kochelsee war überdies ein ideales Reiseziel, vor allem mit drei Kindern. Stöcke, Steine und Dinosaurierskelette – es gab alles. Auch Schwäne, die sich streicheln ließen.
- Und Zwerge.
- Fünf der sieben Urlauber waren ja Russen, Freunde aus Moskau, und ich muss sagen, dass es sehr kommod ist, Russisch zu lernen, wenn man einfach so beisammen ist. Mein Sprachverständnis hat sich deutlich verbessert.
- Ich kann nun aufgrund der entsprechenden Interessenslage in der Reisegruppe sämtliche Tierarten auf Russisch benennen (auch Nacktschnecken), einschließlich ihrer unverpuppten Form (Raupe), ihren Kindern (Kälbchen, Ferkelchen) sowie sämtlichen Bestandteilen (Schwanz, Flügel, Schnauze, Popo). Hier beispielhaft eine коза:
- Überdies kenne ich nun, nachdem gefragt wurde und ich nachgesehen habe, das russische Wort für Haubentaucher, was für meine zukünftige Sprachentwicklung sicherlich noch von Bedeutung sein wird.
- Im Kochelsee darf man angeln, wobei es nicht so einfach ist, an eine offizielle Angelerlaubnis für urlaubende Russen zu kommen. Aber es war der Herzenswunsch des Jungen, da setzt man alle Hebel in Bewegung. Die Damen und Herren in Kochel waren sehr freundlich, und so wurde nach 50 Euro in die Gemeindekasse und eineinhalb Stunden Behördengängen denn auch geangelt, ganz legal.
- In den drei Kindern befand sich ein Eis-Wecker. Ab eine Stunde vor Eis begannen sie, oboenhaft zu quengeln, wobei Eis mal um zwei Uhr und mal um vier sein konnte, immer aber dann, wenn gerade kein Eis erreichbar war.
- Der kindliche Eis-Wecker hat sich sehr schnell mit meiner eigenen inneren Eis-Uhr synchronisiert.
- Falls Sie übrigens mal Kascha probieren wollen, den russischen Hirsebrei, kochen Sie einfach ein paar Hirsekörner. Erst kurz in heißem Wasser, danach abgießen, sonst wird es bitter. Danach im Verhältnis 2:1 (2 Wasser, 1 Hirse) 30 Minuten in heißem Wasser quellen lassen. Milch und ein bisschen Zucker dazu.
- „Ordnung everywhere!“, wie oft habe ich diesen erstaunten Ausruf gehört. Überall gemähtes Gras, nirgends steht etwas herum – wie bezaubernd, wie verstörend. Von oben sieht unser Land sogar noch ordentlicher aus als von unten. Was uns so selbstverständlich vorkommt, ist es offensichtlich nicht.
- Sommerrodeln ist eines dieser Dinge, an denen ich wahrscheinlich auch mit 80 nicht den Spaß verlieren werde.
- Ich bin allerdings die, die auf der Sommerrodelbahn immer die lahmen Enten vor sich hat. Ich sehe es ihnen auf dem Weg nach oben schon an und kann trotzdem nichts tun!
- Kühe gibt es in Bayern an jeder Ecke, sogar solche mit Glocke um den Hals. Letztere grasen dann unter meinem Schlafzimmer. Es gibt sie mit und ohne Euter. Die ohne Euter sind mir suspekt, auch wenn sie noch sehr jung sind. Ich bin ihnen aber offensichtlich auch nicht geheuer.
- Nach sechs Tagen, an denen wir Berge hinauf und Berge hinab fuhren, Tiere bestaunt, München besichtigt und eine Klamm erobert hatten, packte mich dann doch die Wanderlust und ich legte an einem Tag laut Moves-App 25,7 Kilometer zu Fuß zurück – bei blendendem Wetter.
- Danach taten mir zugegebenermaßen ein bisschen die Beine weh.
- Das Wetter war übrigens sehr freundlich zu uns: Es regnete nachts und war tagsüber weitestgehend trocken.
- Am Ende dann, nach sieben Tagen ebenso enthusiastischen wie geduldigen Angelns, stetigem Nachjustieren am Gerät und dem Wechsel des Angelplatzes, fing der Junge dann endlich einen Fisch. Einen einzigen, eine Äsche. Wir haben diesen 50 Euro teuren Fisch angemessen lange und andächtig betrachtet, bevor wir ihn (weil unter Schonmaß) ins Wasser zurückgesetzt haben.

*Wort geborgt von Frau Gmingmangg

























