Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Traum | Frühes Weckerklingeln erwischt mich stets in einer Traumphase. Ich wache mitten in der Handlung auf. Letztens wollte ich in die Toskana fliegen, bekam aber meinen Tofu nicht transportiert. Der Tofu sollte auf eine Pizza – im Traum aß ich täglich und obsessiv Tofupizza (sehr fragwürdig). Tofupizza wird allerdings in der Toskana nicht angeboten (weiß man ja). Also musste ich meinen eigenen Tofu mitbringen. Der Tofu war jedoch nicht gut eingeschweißt, Flüssigkeit suppte aus der Verpackung. Deshalb wollte ich den Tofu in eine Tupperdose packen. Weil Tupper Insolvenz angemeldet hat, waren die Dosen im Flugzeug nicht erlaubt (völlig logisch). Außerdem reagiert Tofu wie Sprengstoff (weiß man ja): Drähte rein, und das Zeug explodiert. Ich war gerade dabei, das auszuprobieren, fand aber nur einen Wust von Ladekabeln, als der Wecker klingelte. Die Tofusache bleibt ungelöst.


Themenvorschlag | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste:

Sie fahren sowohl im Alltag als auch über längere Strecken viel Rad. Welche Tipps können Sie weitergeben für den Kauf eines neues Rads, das ebenfalls im Alltag und für Touren genutzt werden soll (kein E-Bike)? Worauf sollte man unbedingt achten? Vielen Dank :)

Ich kann nur von mir sprechen, ohne Allgemeingültigkeit.

  • Für Ihren Nutzungskontext kommen zwei Arten von Fahrrädern in Frage: ein Trekkingrad und ein Gravelbike. Ich fahre ein Trekkingbike und kann vor allem dazu etwas sagen.
  • Die Rahmengröße: Messen Sie Ihre Innenbeinlänge und geben Sie sie in einen Rechner für Fahrradgrößen ein. Die gibt es im Internet. Das Ergebnis gibt einen Hinweis. Ein weiterer Hinweis: Ihr Unterarm. Der Abstand zwischen Sattelspitze und Steuerrohr (das aufrechte Rohr, an dem Lenker und Radgabel befestigt sind) sollte so lang sein wie die Strecke von Ihrem Ellbogen bis zu den Fingerspitzen.
  • Die Ergonomie: Am Ende muss die gesamte Ergonomie stimmen. Ich habe eine relativ kleine Rahmengröße (56) für meine Innenbeinlänge (94 Zentimeter) und stattdessen einen Vorbau am Lenker. Diese Kombination sorgt dafür, dass ich sportlicher und gestreckter sitze. Wenn Ihnen das auch zusagt (ich empfehle das sehr) und Sie zwischen zwei Rahmengrößen liegen, nehmen Sie im Zweifel die kleinere. Damit ist man auch wendiger.
  • Der Lenker: Mein Lenker ist leicht nach oben gebogen, weil meine Arme im Verhältnis zu meinen Beinen ziemlich kurz sind. Dank des Vorbaus sitze ich sportlich, dank des nach oben gebogenen Lenkers liege ich nicht komplett auf meinem Schambein auf. Achtung: Wenn Sie den Lenker nach oben kippen, achten Sie darauf, dass die Bowdenzüge lang genug sind – das sind die Drahtseile, die vom Lenker zu den Bremsen führen.
  • Der Sattel: Ich rate dringend zu einem schmalen Sattel. Ich selbst fahre gerne mit Terry-Sätteln. Hilfreich für Menschen mit Vulva ist ein Sattel mit Aussparung in der Mitte so wie dieser hier. Mein größtes Problem auf längeren Strecken ist nämlich nicht, dass mir der Hintern weh tut – dafür sitze ich zu sehr nach vorne gestreckt -, sondern dass die Weichteile schmerzen. Zu dieser Problematik wird leider im Fachhandel nicht beraten. Dort verkaufen vorwiegend Männer, die, wenn man das Problem vorträgt (und besonders, wenn man dabei das Wort „Klitoris“ sagt), erröten, herumstammeln und dann das tun, was sie standardmäßig tun: die Sitzhöcker vermessen. Die sind aber ganz woanders und gar nicht betroffen.
  • Herren- oder Damenrad: Ich fahre ein Herrenrad, weil die Querstange zwei Vorteile hat. Zum Einen gibt sie dem Rad Stabilität. Zum Anderen kann man Dinge daran befestigen: Taschen mit Werkzeug und Proviant oder Navigation. Das ist vor allem auf Touren hilfreich. Man kann auch ein Herrenrad durchaus mit Rock und Kleid befahren.

Hier ein Bild meines Rades, auf dem man das Zusammenspiel von Rahmen, Vorbau und Lenker sehen kann. Der Sattel ist leicht nach vorne geneigt. Das sorgt dafür, dass das Becken kippt und der untere Rücken entlastet wird.

Ich habe mein Rad übrigens online gekauft, weil sämtliche Offline-Beratung nicht existent war. Die großen Läden berieten gar nicht, ich sollte mich „einfach mal umschauen“. Die kleineren Händler waren blank, was Ergonomie angeht („Da müssen Sie schauen, wie Sie sich wohlfühlen“) und offenbar nur auf Kunden eingerichtet, die aufrecht und gemütlich durch die Landschaft radeln.

Wenn Sie sich für eine sportliche Sitzhaltung entscheiden, werden Ihnen irgendwann die Handgelenke wehtun. Gegen taube Hände sollen die Griffe von SQLab helfen; ich habe sie aber nicht ausprobiert. Außerdem werden anfangs die Schultern schmerzen. Das geht mit der Zeit weg. Bauchmuskeltraining hilft auch. Für gute Fahrradergonomie empfehle ich Juliane Neuss. Meine Beratung war ein Geschenk einer Blogleserin, ewigen Dank dafür! Juliane hat auch ein Buch geschrieben, das sie auf ihrer Website verlinkt hat und berät auch online.

Fazit: Ein Fahrrad in einigermaßen passender Rahmengröße kaufen und über Vorbau, Lenkerform, Sattel und Sattelhöhe optimieren.


Gelesen | „Gehört das Ihnen?“ Anke Gröner ist auf der Suche. Der Name der Dame treibt jetzt auch mich um. Ihr lest auch „Martina“, oder?


Und sonst | Am Freitag absolviere ich eine Zertifikatsprüfung. Die Prüfung findet online über eine Prüfungssoftware statt. Man muss den Raum schlicht gestalten, so dass klar ist, dass man nicht schummelt. Außerdem gibt es diverse andere Regeln. In einer FAQ-Sammlung stehen alle Fragen, die jemals gestellt wurden. Darunter auch:

„Ich schreibe die Prüfung im Wohnzimmer. Dort leben aber auch meine Meerschweinchen, die von Zeit zu Zeit mal rumschreien (deutlich keine menschlichen Geräusche). Ist das ok oder muss ich mir einen anderen Raum suchen?“

Die Antwort der Prüfenden ist: Nein, kein Problem. Offenbar unterschätzen sie, welch leistungssteigernde Wirkung es hat, bei einer Prüfung Meerschweine zu beobachten.


Schweine | Die Schweine haben im Dezember ein Weihnachtsgeschenk bekommen: Eine Leserin schickte Samentütchen mit schmackhaftem Kraut. Ich züchtete daraufhin Kresse im Wohnzimmer und stellte sie vor die Schweinevilla. Die Schweine waren völlig außer sich, rannten wild umher. Freudig liefen sie zur Kresse, probierten – und wandten sich enttäuscht wieder ab. Im Bild: entrüstetes In-die-Kresse-Starren.

Der Meerschweinestall, davor ein Teller Kresse mit zwei Schweinen, mäßig begeistert. Im Stall hockt ein Schwein und beaobchtet.

Ich aß die Kresse dann selbst, im Glückscurry. Für die Schweine wächst nun Asia-Salat auf der Fensterbank.

Expedition | Ich war an der Ostsee. Es war sehr kalt dort – ist es jetzt auch noch, sehe ich auf diversen Plattformen. „Gefühlt -13 Grad“ stand in der Wetteranzeige. Ich möchte das anzweifeln: Es fühlte sich kälter an. Der Hafen war zugefroren, vom Dach des Hotels hingen Eiszapfen, lang wie Schwerter. Der Wind drang durch jede Naht der Jacke und trieb Tränen aus den Augen bis in die Mütze.

Zwei Nadelbäume, dazwischen, von hinten fotografiert, eine Bank, die aufs Meer blickt. Das Meer kräuselt sich. Man sieht, wie kalt es ist.

Ich war an der Ostsee, weil ich für ein Teambuilding gebucht war. Ein Teambuilding mit Lkw-Fahrern und -Fahrerinnen (tatsächlich) eines Containerdienstes. Container, das sind die Dinger für Schüttgut, für Gartenabfälle und Bauschutt; ich sage das, weil ich zuletzt nur virtuell mit Containern zu tun hatte. In meiner Arbeit ist angelegt, dass ich meine Kundinnen und Kunden etwas mitgebe: neue Gedanken, neue Arbeitsweisen, einen Anstoß, etwas zu verändern, konkrete Schritte. Oft ist es aber auch so, dass ich etwas mitnehme. Aus diesem Engagement habe ich sehr viel mitgenommen.

Ein Tagungsraum in bunten, fröhlichen Farben, die Tische zu einem U gestellt. Hinten an der Wand bunte Schiffsschrauben, dafür ein geblümtes Sofa.

Es waren beeindruckende Menschen, die vor mir saßen. Wir sprachen viel über die Arbeit im Containerdienst, über das Fahren in der Großstadt, in der Hektik des Straßenverkehrs und auf Baustellen, die sich täglich verändern – auf denen man gestern noch gut etwas abstellen und aufladen konnte, heute aber nicht mehr. Ein Arbeitsalltag, der um fünf Uhr dreißig beginnt, in dem man selten eine Toilette hat, wenn man sie braucht, in dem man den Zorn der Menschen auf sich zieht, nur weil man da ist, und in dem man sich mit dem Gegenüber oft schlecht verständigen kann. Die Menschen, die mir gegenüber saßen, waren stolze Menschen, und sie können es sein: Die meisten sind woanders ins Berufsleben gestartet. Vor mir saßen zwei Köche, ein Bäcker, eine Pflegekraft und der Sohn eines Olivenbauers. Sie haben sich ihren Führerschein und ihre Anstellung hart erarbeitet – beeindruckende Lebensläufe sind das, wenn man tiefer in sie eintaucht, Biografien mit Schleifen, Umwegen, Rückschlägen und Lebenserfahrung. Es waren bereichernde zwei Tage.

Eine Sache, die ich gelernt habe, gebe ich hier weiter – ein Tipp von einem der Köche inmitten der Grünkohlzeit: unter den Kohl eine Dose Birnen mischen, aus der Konserve und püriert, einschließlich Saft. Das gebe eine unauffällige, feine Note, die niemand mit Birne assoziert, die aber das besondere Etwas ausmacht.


Handball | Die Firma hatte die Fahrer’innen in ein Wellness-Ressort eingeladen und so auch mich. Ich nutzte den Spa-Bereich nicht, genoss aber die Atmosphäre und die Mahlzeiten. Frühstück mit Blick auf die Ostsee – das war wunderbar.

Am Freitag wurde ich spontan eingeladen – von einer Mitstreiterin aus meiner Coaching-Ausbildung. Sie wohnt in Neustadt, sah auf Instagram, dass ich dort war, schrieb mich an und lud mich zum Handballgucken mit ihrer Familie ein: Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Kindern und Freund. Wir saßen im Wohnzimmer zwischen Kissen, aßen Pommes und kleine Pizzen, die Kinder rannte um uns herum, es war sehr warmherzig und ich fühlte mich für zwei Stunden adoptiert. Auch hier lernte ich etwas: Nämlich, dass man im Norden die Nationalspieler persönlich kennt – Flensburg und Kiel sind nicht weit, das Land ist flach, man kann weit gucken und entweder ist man verwandt, miteinander zur Schule gegangen oder kennt den Bruder, Onkel, Cousin.


An- und Abreise | Wie fast immer nahm ich die Bahn für die Langstrecke.

Bahnhof Neustadt, ein Zug steht am Gleis. Die Anzeige zeigt "Lübeck Hbf" an.

Sowohl Hin- als auch Rückfahrt waren kommod: Die Hinfahrt mit einer Weichenstörung und einer Stunde Verspätung, doch ich saß warm, es wurden Wasser und Schokolade gereicht. Die Rückfahrt war pünktlich mit drei reibungslosen Umstiegen in Lübeck, Hamburg und Münster. Als ich in Haltern aus dem Zug stieg, war es fünfzehn Grad wärmer als im Windchill Holsteins. Es war, als wäre ich in eine andere Welt gereist.

Bevor ich nach Neustadt fuhr, hatte ich in Dortmund zu tun. Also reiste ich mit meinem Gepäck zunächst nach Dortmund und schloss es dort ein. Zum Glück gab es noch ein Schließfach für mich.

Schließfächer, viele daovn mit einem "Defekt"-Aufkleber

Rund die Hälfte der Fächer war defekt. Solange es mit den pünktlichen Zügen nicht klappt, hat die neue Bahnchefin viele andere Möglichkeiten, das Bahnfahren besser zu machen.


Themenvorschlag | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste: „Welchen Beruf (ob Ausbildung oder Studium) würdest du heute wählen, wenn du nochmal 16/18 wärst?“

  1. Ein Medizinstudium. Ich verfolge medizinische Themen mit großem Interesse und finde die Arbeit zwischen Fachwissen, praktischem Leben, neuen Erkenntnissen und Methoden und menschlichen Eigenheiten sehr spannend. Ich könnte mir die Anästhesie und Notfallmedizin sehr gut vorstellen, das hausärztliche Fach und die Palliativmedizin. Nach dem Abi habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren, hätte aber Wartesemester gehabt – und auf den Medizinertest hatte ich auch keine Lust.
  2. Eine Lehre zur Schreinerin. Die Arbeit mit Holz, Entwurf, Konstruktion, Bau – das wäre etwas. Möbel, Inneneinrichtung, Spielgeräte, Restaurierungen – und nach getaner Arbeit etwas zurücklassen, das lange bleibt. Das ist eine tolle Vorstellung. Außerdem habe ich einen Faible für gutes Werkzeug.

Gelesen | Die geschätzte Frau Kaltmamsell hat liebevoll kuratiert, was früher Tweets waren – jetzt von Mastodon.

Gelesen | Schreib mal wieder. Karsten schreibt über schriftliche Kommunikation. Die Älteren unter uns werden den Text gut nachfühlen können. Ich möchte etwas ergänzen – zu Sprachnachrichten, die die schriftliche Kommunikation vielfach ablösen, insbesondere bei den Jüngeren, aber auch im Freundeskreis. Ich empfinde Sprachnachrichten als eine Unsitte. Die meisten höre ich nicht an. Sprachnachrichten verlagern die Arbeit der Kommunizierens vom Absender auf den Empfänger, der sich zunächst Zeit und Raum nehmen muss, gegebenenfalls Kopfhörer heraussuchen muss, um sich die Nachricht anzuhören und in der meist Podcast-artigen Aufbereitung ungeordneter Gedanken die Botschaft herauszufiltern, die er danach nicht mehr wiederfinden wird, weil die Nachrichten nicht durchsuchbar sind. Ich halte Sprachnachrichten für grob unhöflich: Sie entlasten den Verfassenden, mehr nicht.

Gelesen | Karen schreibt übers Radfahren in Finnland. Jetzt, im Winter.

Gelesen | Markus Pfeifer ist nun eingebürgert, und wir können lesen, wie das vor sich ging. Ich war etwas irritiert, denn Einbürgerungen assoziiere ich nicht mit dem Namen „Markus Pfeifer“, obwohl das natürlich sein kann, wenn die Person eine schweizerische oder österreichischer Abstammung, vielleicht auch eine namibianische oder russlanddeutsche Historie hat. Ich las nach und erfuhr, dass Markus aus Südtirol kommt.

Gehört | Der Lieblings-Webworker hat ein Album herausgebracht. Sie können es auf allen gängigen Streaming-Plattformen anhören. Es läuft hier, während ich diesen Blogbeitrag schreibe. Gute Hintergrundmusik, anspruchsvoller als im Fahrstuhl, angenehmer als in der Sauna. Hören Sie mal rein, ich finde es behaglich.

Gelesen | Ein Nachruf auf Rita Süssmuth


Schweine | Bei aller Trauer um den Gold-Opa erkennen die vier Witwen: Ein Esser weniger – mehr Paprika für uns.

Vier Meerschweine an der Futterschale

Themen-Vorschlagsliste | Reichlich neue Themen auf der Vorschlagsliste. Ich freue mich! Als erstes picke ich mir die Frage heraus: „Wie erlebst du die ‚Jugend von heute‘?“

Ich erlebe sie freundlich, interessiert und wissbegierig, albern und übermütig, zurückhaltend und schüchtern. Manchmal auch traurig und angstvoll. Ich erlebe sie suchend, mit dem Sehnen nach Orientierung und Gesehenwerden. Ich erlebe sie erfreulich kritisch, gleichermaßen unerfreulich unkritisch, je nachdem, aus welcher Brille man schaut. Ich erlebe sie herzlich und menschlich, liebevoll und kümmernd. Ich erlebe sie ausgrenzend und gemein. Oft erlebe ich sie offen und tolerant. Ich erlebe sie ideenreich und leistungsbereit, gelangweilt und energielos. Ich erlebe sie voller Sorgen für die Zukunft, aber auch voller Pläne und Hoffnung. Kurzum: Ich erlebe sie in allen menschlichen Facetten.

Die Jugend hat keinen guten Ruf: Arbeitsscheu sei sie, weinerlich, freizeitorientiert und anspruchsvoll. Also alles, was den Alten auch nachgesagt wurde, als sie jung waren. Ich bin Jahrgang 1978, deutlich aus dem vergangenen Jahrtausend, achte auf meine Work-Life-Balance, finde eine Vier-Tage-Woche gut, bin ständig online, mache Insta-Stories von meinem Essen, möchte unverschämt gut bezahlt werden, schlafe gerne lang, mag Homeoffice und habe Pläne für fünf Sabbaticals. Rätselhafterweise trage ich dennoch erfreulich zum Bruttoinlandsprodukt bei; das Finanzamt schickt mir jedenfalls Briefe mit Zahlen, die darauf hindeuten.

Sie merken: Ich bin kein Fan davon, Menschen mit Eigenschaften zu belegen, nur weil sie bestimmten Geburtsjahrgängen angehören. Der größte Fehler, den wir machen, ist, mit einem 1980er-Blick auf 2026er-Menschen zu schauen. Es sind nicht nur die Jugendlichen, die anders sind als damals: Wir alle sind es. Wir sind uns heute weitgehend einig, dass man seine Ehefrau nicht schlagen und vergewaltigen sollte, Schwule ganz normale Leute sind, Depression eine Erkrankung und keine persönliche Schwäche ist, der Rohrstock damals doch geschadet hat und dass Elternzeit eine sinnvolle Einrichtung ist. So, wie die Gesellschaft sich verändert hat, hat sich das Aufwachsen in dieser Gesellschaft verändert: Wir halten es heute für wichtig, kritisch zu denken, Fakten zu checken und Behauptungen zu hinterfragen – entsprechend tut das die Jugend. Wir legen mehr Wert auf persönliche Freiheit – also tun dies auch die Jungen, wenn sie ins Arbeitsleben eintreten. Gepaart mit den Standardeigenschaften, die Adoleszenz mit sich bringt – Selbstzentrierung, aber auch Idealismus – ergibt sich der Eindruck, die Jugend sei naiv und arbeitsscheu. Dabei ist die Jugend einfach die Jugend, und zwar die Jugend von 2026, so wie es sich gehört.

Was ich hier jetzt nicht abhandle, sind die weiteren Rahmenbedingungen, die ebenfalls anders sind als 1980: Wir leben in einer Zeit der Superdiversität, der Globalisierung und der heterogenen Familienstrukturen, Schulen sind unterfinanziert, Kinder und ihre Eltern eine Minderheit. Die Jugendlichen, die heute 16 und 17 sind, haben gesellschaftlich bereits Einiges vollbracht: Sie haben Tausende minderjährige Geflüchtete in ihre Schulklassen und Sportvereine integriert, haben eine Pandemie mit zwei Jahren Unterrichtseinschränkungen, Sorgen und Unsicherheiten kompensiert, waren mit einem Kriegsausbruch in Europa konfrontiert, haben erneut Tausende Geflüchtete integriert – und nebenbei mit einiger Wahrscheinlichkeit die Scheidung ihrer Eltern erlebt und eine neue Form von Familie aufgebaut. Über diese Leistungen spricht niemand.

Wir alle, die lebenserfahren sind, haben einen Auftrag: diese Jugend zu unterstützen. Denn im Gegensatz zur Boomer-Generation und ihren Eltern, die zahlenmäßig viele waren, sind die heutigen Jugendlichen mit ihren Eltern nahezu machtlos. Sie sind schlichtweg zu wenige. Ihre Interessen sind nirgendwo strukturell vertreten. Wir alle müssen sie vertreten.


Schweine | Wir haben den Dicken in großer Trauergemeinde beigesetzt. Es gab Beerdigungskaffee.

Ein Meerschweingrab, eingefriedet durch Äste, darin Osterglocken, Hyazinthen, eine Grabkerze und ein Grabstein aus einer Scherbe, Text: "Jamie 2020-2026", gemalter Löwenzahn und Regenbogen

Schweine | Ich beginne ausnahmsweise mit dem Schluss – den Schweinen. Der Dicke ist gestorben – leise, gelassen und unerwartet. Ich fand ihn am Morgen im Stall, entrückt und teilnahmslos, nahm ihn auf und spürte sofort, dass er stirbt. Ich legte ihn auf meinen Unterarm, er tat noch drei Seufzer und war tot.

Ein hellbraunes, plüschiges Meerschwein in einer weidenrolle. Das Augenlid hängt leicht.

Er war der Kuschelminister und Brokkoli-Baron, der Gold-Opa und die Ikone des Schweinestalls. Er hatte eine Leidenschaft für Löwenzahn, Petersilie und das Pionierschwein – und das weichste Fell im Garten. James, Du warst ein tolles Schwein. Wir vermissen Dich. Mach‘s gut, lieber Freund. 


Koinzidenz | An dem Tag, an dem das Meerschwein starb, begann ich folgendes Buch:

Foto des Buches: "Am Meerschwein übt das Kind den Tod", von Nora Gomriinger - auf dem Cover ein alte, Sepcia-farbenes Bild einer Frau mit einem Rasenmäher, daneben ein kleines Mädchen. Das Buch liegt neben Osterglocken und einer Tasse kaffee.

Ich hatte es mir am Abend zuvor auf den Nachttisch gelegt. Es war nicht geplant.


Broterwerb | Ich war mit zwei tollen Frauen unterwegs (Linked.In-Beitrag): Gemeinsam mit Bettina Brenennstuhl, Vorständin der Dortmunder Hafen AG, und Patricia Erb-Korn, Direktorin des Binnenhafens Karlsruhe, habe ich überlegt, wie Binnenhäfen dem Fachkräftemangel begegnen können – und darüber, welche Rolle Frauen dabei spielen sollten. Die beiden sind nämlich zwei der wenigen Frauen, die einem deutschen Binnenhafen vorstehen.

Im Vorfeld habe ich Studien und Aufsätze konsultiert, weil ich wissen wollte – jenseits meines Gefühls -, was Frauen hindert, sich beruflich zu engagieren und Führungsverantwortung zu unternehmen. Es ergab sich das Bild:

  1. hohe Auslastung durch Beruf plus Sorgearbeit; ungleiche Aufgabenverteilung in Partnerschaften; Mental Load
  2. fehlende Entwicklungsperspektiven
  3. Mikroaggressionen und mangelnde psychologische Sicherheit
  4. fehlende Unterstützung bei unangemessenem (männlichen) Verhalten; wenig Vertrauen in Meldewege
  5. unflexible Arbeitsmodelle und Präsenzzwang
  6. gesundheitliche Herausforderungen (Menstruations- & Wechseljahrsbeschwerden, Fertilität)
  7. fehlende Sponsoren, die Türen öffnen und Talent sichtbar machen

Die Reihenfolge der Nennung stellt keine Gewichtung dar. Wer als Unternehmen hier entgegenwirkt und unterstützt, ist ziemlich gut unterwegs, das Potential von Frauen zu heben. Sie sind gerade für männerdominierte Branchen ein großer Talentpool, um resilienter und innovationsfähiger zu werden.

Diese Woche hatte ich außerdem ein Briefinggespräch für ein Seminar: Ein Unternehmen hat Ausbildungskoordinatoren in seinen Fachabteilungen. Die Koordinator:innen wollen besser darin werden, ihre Auszubildenden einerseits zu stärken und zu coachen, andererseits Kritisches – zum Beispiel schlechte Leistungen in Schule oder Betrieb – klar und frühzeitig anzusprechen. Wir haben zwei Tage zur Verfügung. Ich schlug vor, die Zeit zu nutzen, um nicht nur über, sondern auch mit den Azubis zu reden. Sie kommen nun für einen Vormittag dazu und wir hören ihre Perspektive. Ich bin sicher: Das wird für Aha-Effekte sorgen.


Gelesen | Alles Licht, das wir nicht sehen von Anthony Doerr, übersetzt von Werner Löcher-Lawrence. Der Zweite Weltkrieg aus der Perspektive zweier Jugendlicher: Hans, ein deutscher Waisenjunge, schmächtig und still, landet wegen seines technischen Geschicks in einer Spezialeinheit der Wehrmacht. Marie-Laure, Tochter eines Angestellten im Pariser Naturkundemuseum, neugierig und wissbegierig, flieht mit ihrem Vater aus der Stadt. Die Handlungsstränge werden in kurzen Kapiteln parallel erzählt, das war angenehm. Erst am Ende der Geschichte treffen sich die beiden. Mir gefiel die Mehrschichtigkeit: Das Böse ist nicht nur böse, das Gute nicht nur gut.

Dias Buch wurde als Mini-Serie verfilmt und ist auf Netflix zu sehen. Ich werde sie aber erstmal nicht anschauen. Ich möchte nicht, dass Lars Eidinger durch meine Bilder, meine Version der Geschichte läuft.

Gelesen | Die Antwort liegt im Blut [€]. Ein Forscherteam macht Menstruationsblut für Diagnostik nutzbar. Das Werkzeug: ein Teststreifen in einer Binde.

Am ersten Tag seiner Promotion stieg Lucas in die Recherche ein und machte sich auf die Suche nach Daten zu Menstruationsblut. Ein tabuisierter Stoff, der kaum erforscht war. Er stöberte in Datenbanken, las Paper, klickte sich durch Archive und fand fast nichts. „Ich dachte erst, ich hätte etwas übersehen“, sagt Lucas. 

Menstruationsblut war bislang nie im Fokus vom Forschung – dabei verliert ein menstruierender Mensch dreißig Liter Blut in seinem Leben. Das Material enthält Informationen zu Entzündungen, Krebsvorstufen und anderen Erkrankungen.

Beim Forschen entdeckte das Team, was für einzigartige Spuren im Menstruationsblut stecken: Werte, die in venösem Blut nicht vorkommen. 


Und sonst | Ich habe Fotos auf meiner Website ausgetauscht: auf der Startseite und „Über mich“. Die bisherigen waren fünf Jahre alt. Jetzt bin ich auf meiner Website genauso gealtert wie im Leben, hervorragend. Die Texte muss ich auch mal überarbeiten, es hat sich Einiges entwickelt – //*Notiz auf To-Do-Liste


Content | Keine neuen Themen auf der Vorschlagsliste. Greifen Sie zu!


Schweine |  Trostflocke für die trauernde Gefährtin.

Meerschwein, das sich nach einer Erbsenflocke reckt, die ihm hingehalten wird

Aurora | Auch hier darf das Polarlichtfoto nicht fehlen, Chronistenpflicht.

An der rechten Bildseite, als schwarze Schatten, Einfamilienhäuser. Im Himmel dahinter ein grün-rotes Polarlicht.

Mit dem bloßen Auge war das nicht annähernd so spektakulär wie auf dem Foto, nur ein transparent-rötliches, breites Band im Nachthimmel.


Lernen | Zwei Tage Weiterbildung zum KI-Manager beim Fraunhofer IAIS – vier weitere werden folgen. Ich lerne ein ideales Vorgehen, KI-Anwendungen in einer Organisation umzusetzen. Ideal nach dem aktuellen Stand, möchte ich dazu sagen; die Dinge sind ja ständig in Bewegung.

Zunächst ging es um grundsätzliche Begrifflichkeiten und Modelle – und darum, wie man beginnt, sich als Unternehmen dem Einsatz von KI zu nähern. 95 Prozent der KI-Pilotprojekte scheitern, weil sie zu allgemein sind und keine konkreten Probleme lösen und weil sie schlecht in bestehende Arbeitsabläufe integriert sind. Dass es dazu kommt, liegt an verschiedenen Dingen, die wir im Laufe der Weiterbildung durchsprechen – zusammen mit den Möglichkeiten, wie man die Fehler vermeidet. Das Ergebnis ist ein strukturiertes Vorgehen.

In der Weiterbildung fiel der Satz: „KI ist ein Mannschaftssport“. Technik ist nur ein Part in dem Ganzen – letztendlich ist das ganze Unternehmen im Boot. Das erlebe ich auch so. Ich bin gespannt auf die weiteren Tage. Wie immer sind nicht nur die Lerninhalte, sondern auch die Perspektiven der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer interessant. Sie kommen aus der Finanz- und Automobilbranche, aus der Justiz, der Baubranche und aus dem öffentlichen Sektor.


Müßiggang | Die Torfrau kam zu Besuch, das war sehr schön. Sie arbeitet in Schichten, ich bin Freiberuflerin – so ergeben sich manchmal Möglichkeiten für Treffen zu unorthodoxen Zeiten, zum Beispiel für ein spontanes Frühstück mitten in der Woche. Der Gast brachte Brot mit, selbst gebacken, sehr lecker, und das Corporate Design steht auch.

Brot in einer Tüte mit Sichtfenster. Auf dem Brot eine eingebackene Oblate mit der Aufschrift "mit Liebe gebacken", auf der Tüte ein Stempel "Handmade by Astrid".

Unserem Kanzler hätte dieses morgendliche Laissez-faire sicher nicht gefallen.


Gelesen | Interview mit Hape Kerkeling. Im Gegensatz zu manch anderem Entertainer ist er klug gealtert. Man möchte den Hut ziehen.

Es wird immer so geschimpft auf die sogenannte Wokeness. Ich möchte hier mal eine Lanze für die Wokeness brechen. Wokeness heißt nichts anderes, als dass wir alle sensibler werden für unser Gegenüber und darauf achten, die Grenze des anderen einzuhalten, ihn zu respektieren, nach Möglichkeit nicht zu diskriminieren. Und wenn ich mir alte Sketche von mir anschaue, habe ich diesen Pfad manchmal zwar nicht dramatisch, aber doch ein wenig verlassen. Ich hätte mehr darauf achten müssen, dass sich überhaupt keine Diskriminierung in meiner Kunst findet.

Natürlich hatte man vor dreißig Jahren andere Maßstäbe. Erfrischend, wenn ein Komiker das kritisch reflektiert und seine Kunst anpasst.


Schweine | Eins flüchtig, zwei im Busch.

Ein Busch, im Vordergrund sieht man verwischt ein Meerschwein aus dem Bild rennen. Unterm Busch hocken, kaum zu sehen, ein weißes und ein braunes Schwein und bemühen sich um Blattwerk.

Rant | Der Reiseleiter arbeitet für ein Unternehmen in Köln. Zweimal in der Woche fährt er dorthin. Das macht er mit der Bahn. Mit dem Auto ist es genauso spaßbefreit, wir haben das zu Genüge erprobt. Diese Woche hat er einen neuen Rekord aufgestellt: Er brauchte fast vier Stunden für den Hinweg und drei für den Rückweg – sieben Stunden insgesamt, um sechs Stunden zu arbeiten. Mehr Zeit blieb nämlich nicht übrig für seinen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt. Die Strecke beträgt 123 Kilometer, man könnte es also deutlich schneller schaffen, in der Theorie.

Ich schreibe das hier auf, weil ich ich mich frage, wie viel von der politischen Großwetterlage damit zu tun hat, dass Menschen der Glaube an den Staat verloren geht. Es ist ja nicht nur, dass unsere Infrastruktur so marode ist, dass der Weg zur Arbeit – der zweifellos notwendig ist, von irgendwas muss man leben – ungleich beschwerlicher ist als noch vor Jahren. Dass kein Arbeitsweg – wirklich keiner – reibungslos funktioniert, dass man steht, friert, Umwege fährt, mit Alternativstrecken jongliert und seine Verabredungen am Ende doch nicht einhält, dass man abends erschöpft in die Kissen fällt, nicht von der eigenen Tatkraft, sondern von der Organisation drumherum, während der Kanzler volltönend deklamiert, man solle doch bitte mehr leisten: Das ermüdet.

Vieles in unserem Leben ist unmerklich anstrengender geworden; es wird immer mühevoller, auf den kleinen Rissen eines erodierenden Fundaments die Balance zu halten. Woche für Woche wogt das Gefühl durch den Alltag, dass eine Zuverlässigkeit verloren geht, die uns über Jahrzehnte gestützt hat – Jahrzehnte, in denen Züge fuhren und Brücken hielten, in denen der Unterricht stattfand, das Kind betreut war, die Post am nächsten Tag eintraf, man beim Arzt anrufen konnte, jemand ans Telefon ging und man in absehbarer Zeit einen Termin bekam. Jahrzehnte, in denen es ein Nachvorne gab, das kein Zurück war.


Gelesen | Passend dazu möchte Kiki Zurück in die Zukunft. Eine Streitschrift, bei der ich viele Male nicken musste. Manches sehe ich anders: Die digitalen Möglichkeiten schätze ich grundsätzlich. Vieles jedoch kann ich teilen. Vor allem: Auch ich möchte nicht in die Vergangenheit zurück. Aber ich vermisse die Zukunft.

Gelesen | Anderes Thema, ein leichteres Sujet: Herr Buddenbohm ist flirty mit Fantagedanken

Geschaut | Die Ku’damm-Serie zu Ende geschaut. Hier und da etwas oberflächlich, dadurch gleichzeitig kurzweilig. Ich habe mich gut unterhalten gefühlt. Schwierig war, dass die Schauspielerinnen allesamt ein ähnliches Alter zu haben scheinen (außer Claudia Michelsen), aber zwei Generationen darstellen. Die Maske hätte gerne etwas mehr Verfall reinschminken dürfen. Dann hätte ich sie auch besser auseinanderhalten können.

Gelesen | Der aktuelle Newsletter von Nils Minkmar ist wieder einmal lesenswert: Alles klar.


Themenvorschläge | Keine neuen Themen auf der Vorschlagsliste.


Kuchen | Ich brachte Kleidung ins Fairkaufhaus und entdeckte dabei eine runde Kuchenhaube. Ich besaß noch nie eine runde Kuchenhaube, hatte aber schon viele Situationen, in denen ich einen runden Kuchen transportieren und mir behelfen musste. Ich kaufte die Haube. Daheim nahm ich sie umgehend in Betrieb, indem ich einen runden Kuchen buk.

Kuchen mit rosa Zuckerguss, im Hintergrund eine Espressomaschine.

Rotweinkuchen, ein Familienrezept: 300 Gramm Butter, 300 Gramm Zucker, Vanillezucker, 3 Eier, 375 Gramm Mehl, Backpulver, ¼ Liter Rotwein (ich habe alkoholfreien genommen), 150 Gramm Schokoraspeln, Kakao und Zimt nach Geschmack. Bei 180 Grad circa 60 Minuten backen. Zuckerguss aus Puderzucker und Rotwein herstellen und damit bestreichen.


Und sonst | Mit Konfirmations-KindZwei und -KindDrei in der Kirche gewesen. Es war warmherzig und nach vorne gewandt. Schmissige Musik. Und es hätte sogar Nudeln mit Soße für uns gegeben, wenn wir nicht gerade erst gefrühstückt hätten. Gutes Erlebnis.

KindEins nimmt im Englischunterricht das Thema KI durch. Während ich blogge, fällt beim Lernen in der Küche der Satz: Computers have data, humans have wisdom. Was den zweiten Teil des Satzes angeht, habe ich Zweifel.

Wir spielten Sechs-Sekunden-Kritzeleien und hatten großen Spaß.


Schweine | Die Damen haben sich miteinander arrangiert. Die schwarz-weiße Oma führt die Gang der Jungschweine an, das Pionierschwein bekuschelt den Dicken. Mit dieser Aufgabenteilung kann man auch gemeinsam essen.

Ein schwarz-weißes Meerschwein und ein braun-wißes Meerschwein an der Futterschale, im Hintergrund machen zwei kleine Schweine Tohuwabohu

Zeitverschiebung | In dieser Woche bin ich durcheinander. Die Woche fühlt sich 24 Stunden voraus an.


Leibesübungen | Ich gehe wieder ins Fitnessstudio. Der Beginn dieser Aktivität fiel dummerweise auf den Jahresanfang, das hatte berufliche und organisatorische Gründe, und lässt die Angelegenheit wie einen ungelenken Neujahrsvorsatz wirken. Während ich turne, möchte mir im Wechsel Schilder umhängen, auf denen steht: „Ich bin auch vor 2026 schon ins Fitnessstudio gegangen“ und „Nach Karneval bin ich noch da“. Das tue ich natürlich nicht, sondern versuche, durch die souveräne Selbstverständlichkeit zu kommunizieren, mit der ich den Crosstrainer besteige oder den Medizinball werfe.

A propos Medizinball. Auf dem Ball steht Hyrox. Ich habe mich dazu informiert. Hyrox ist eine neue Sportart: Man rennt einen Kilometer, dann macht man unfassbar anstrengende Übungen – Medizinbälle werfen, Gewichtsschlitten ziehen, Sandsack schleppen – eventuell rennt man auch nochmal, das habe ich nicht ganz verstanden. Ich bin in einem Alter, in dem ich derartige Entwicklungen mit Abstand betrachte, begleitet von einem kundig gemurmelten „Hatten wir alles“. Ich erinnere mich sehr gut an Saisonvorbereitungen, in denen inmitten der Sporthalle ein fürchterlicher Kraftzirkel aufgebaut war: Kästen, Barren, Matten, Bänke, Medizinbälle. Wir machten bestialische Übungen, dazwischen rannten wir in Kreisen durch die Halle. Wir zogen keinen Gewichtsschlitten wie beim Hyrox, sondern eine Mitspielerin, die auf einer Matte saß – je nachdem, wen man erwischte, war man gesegnet oder verflucht. Es roch nach Schweiß und verranztem Leder, der Boden war voll mit Harz und Fusseln, und die Weichbodenmatte an der Seite aufgesprungen. Wir hatten ja nichts! Jetzt sind die Geräte glanzpoliert, der Hyroxball ist frisch genäht – und dennoch: Es scheint, als bleibe Sportmachen das Gleiche.

Jüngst war ein Sportler anwesend – ich turnte auf dem Crosstrainer, während meine Playlist Lieder spielte -, ein Sportler, der unscheinbar aussah: durchschnittliche Gestalt, Sportkleidung von der Stange, keine Tätowierungen, Typ Geographielehrer. Er stand unter einem Gestell aus Metallbauteilen. An das Gestell kann man sich auf verschiedene Weise dranhängen oder -lehnen, je nach Übung, alles mit Eigengewicht. In der Mitte des Turms, quasi als Decke, befindet sich eine horizontale Leiter. Man kennt das von älteren Spielplätzen: Ein Ding, an dem man von rechts nach links hangeln kann. Nur, dass hier nicht die Farbe abplatzt ist. Man muss auch eine sehr weite Strecke zurücklegen, viel weiter als auf dem Spielplatz. Der Geographielehrer hängte sich an eine der Sprossen und hangelte, zügig und dennoch ohne übertriebene Eile, wie ein Gibbon bis ans andere Ende. Dort hing er zunächst herum, absolvierte dann zehn langsame, achtsam ausgeführte, blitzsaubere Klimmzüge und hangelte wieder zurück. Danach rannte er zehn Minuten auf dem Laufband. Dann ging er zu Ringen, die von der Decke hingen, professionelle Turnringe, stemmte sich darin hoch, ließ langsam die Arme auseinander sinken und stemmte sich wieder hoch, viele Male. Danach, Sie ahnen es, rannte er wieder. Ich war fasziniert und beeindruckt: Nicht nur angesichts der unmenschlichen Kräfte, sondern auch, weil er kein Gewese darum machte, weder durch seine äußere Erscheinung noch durch weitschweifige Gesten, Stöhnen oder Schnaufen.


Und sonst | Stillleben mit Birnenkuchen.

Auf dem Esstisch in der Küche: eine brennende Kerze und Birnenkuchen, im Hintergrund ein Buffetschrank, andeutungsweise Blick in den Garten

Der Birnenkuchen ist ein Familienrezept: einfach, ein bisschen schlotzig und zart schokoladig. 150 Gramm Butter, 150 Gramm Zucker, Vanillezucker, drei Eier, 300 Gramm Mehl, etwa 200 Milliliter Milch, fünf Esslöffel Haferflocken, 100 Gramm Schokoraspeln, Zimt und Kakao nach Belieben. Alles verrühren. Mit einem Teil des Teigs eine Kuchenform füllen, Dosenbirnen drauflegen – es hilft, wenn sie nicht gut abgetropft sind – und mit dem Rest des Teigs bedecken. Umluft, zwischen 180 und 200 Grad, 50 – 60 Minuten.


Schweine | Der Dicke ist weiterhin in Behandlung beim Pflegeteam: Augentropfen, abends ein Medikament gegen den Infekt. Die Abendgabe geht mit dem Herstellen des Dinners einher. Das Schwein zeigt sich kooperativ und guter Dinge.

Küchen-Arbeitsplatte: darauf verteilt diverses Gemüse. Mittendrin ein braunes Meerschwein, das treudoof in die Kamera schaut, ein Rucolablatt im Mund

Lernen I | Der Reiseleiter hat mir einen Dänisch-Kurs zu Weihnachten geschenkt – weil wir in den vergangenen Jahren häufiger in Dänemark waren und auch in diesem Jahr wieder eine Reise geplant ist.

Ich erzählte es Menschen mit Schwedisch-Hintergrund. Sie reagierten irritiert. Dänisch, also … klar sei das irgendwie eine Sprache. Aber es sei doch sinnvoller, eine richtige Sprache zu lernen, eine schöne, eine, die auch ästhetisch sei, was auf das Schwedische zweifellos zutreffe. Das Dänische hingegen … Sie schauten mich an, wie man jemanden anschaut, der eine total absurde Idee vorgetragen hat.

Ich lerne nun trotzdem Dänisch, erstmal zehn Kursstunden lang.


Lernen II | Ab der kommenden Woche bildet mich das Fraunhofer IAIS außerdem zur KI-Managerin weiter. Es geht darum, wie es gelingt, KI in eine Organisation zu bringen, wie man sie strategisch verankert, nachhaltig umsetzt und dabei gesetzliche sowie ethische Anforderungen verantwortungsbewusst erfüllt.

Ich bekomme nämlich immer wieder mit, dass es nicht am Willen mangelt, Künstliche Intelligenz einzusetzen, sondern daran, wie man es anstellt. Denn einerseits sind KI-Anwendungen auch nur Software, andererseits benötigen sie bestimmte Rahmenbedingungen. Die Inhalte der Fortbildung sind unter anderem: Identifikation von Anwendungsfällen, ihre Spezifizierung, Datenqualität, Datenarchitekturen und Data Governance Frameworks, Kernanforderungen an die IT-Infrastruktur, Risikoklassifizierung, Unternehmensgovernance und Compliance im Kontext der EU-KI-Verordnung.

Ich mache diese Weiterbildung, weil ich bei Unternehmen derzeit eine Lücke sehe: Auf der einen Seite steht die IT, die bereit ist, KI-Projekte umzusetzen. Auf der anderen Seite sind Geschäftsführung, Führunhgskräfte, die Fachabteilungen und die Querschnittsfunktionen (zum Beispiel Recht, Personal und Controlling), die Unsicherheit verspüren, zögerlich sind und denen der Verständnis fehlt, was KI leisten kann und was nicht. Es braucht jemanden, der übersetzt und dafür sorgt, dass gute Entscheidungen getroffen werden, dass man Dinge klug ausprobiert, bei Erfolg dauerhaft implementiert und dasss es Betriebs- und Governance-Prozesse gibt. Es gibt viele Schnittstellen zur Organisationsentwicklung. Ich werde von meinen Erkenntnissen berichten.


Lernen III | Ein Veranstaltungshinweis: In Münster bietet die Volkshochschule einen Tag der Kommunikation an – 28. Februar, 10 bis 16 Uhr. Für eine Tagesgebühr von 39 Euro kann man drei Workshops besuchen – zum Beispiel „Das bringt mich nicht aus der Ruhe! Angriffe und Killerphrasen gekonnt kontern“. Einiges ist schon ausgebucht; es gibt Wartelisten.

Ich kann an dem Tag leider nicht, sonst würde ich hingehen.


Lernen IV | Vergangene Woche war ich drei Tage lang beim Kunden. Der Raum, in dem wir uns die meiste Zeit aufhielten und intensiv arbeiteten, war mit einem CO2-Messgerät ausgestattet.

Anzeige auf einem CO2-Messgerät: 1188 PPM, ein Maskensymbol sagt: "Bad". Außerdem 20,7 Grad.

Die Anzeige motivierte uns zu konsequentem Lüften. Sobald sie über 2.000 stieg, führten wir eine Stoßlüftung durch, die es mit dem Lüftungsregime meiner Großmutter aufnehmen konnte: Jeden Morgen, sommer- wie wintertags, hängte sie die Federbetten aus dem Fenster und ließ einen frischen, sauerländischen Wind durch ihre Wohnung fahren.

Wir hatten keine Federbetten, aber drei Seminartage ohne große Müdigkeitsanfälle. Eine gute Sache, sowas.


Gelesen | Herr Buddenbohm gibt Einblick in die winterlichen Zustände in Hamburg, die dort zu untypisch guter Laune, ja, fast schon zu Enthusiamus führen: Elli, der Abgesang und Wintermärchen, updated version.

Gelesen | Heiko Bielinski geht eisbaden und hat sogar eine Anleitung dazu.

Gehört | Abenteuer Diagnose: Ein Kind muss ständig erbrechen. Meine Güte, was ein Krimi!

Gelesen | Der tägliche Newsletter von Correctiv – diesmal mit der Frage, warum Distanz-Unterricht an den Schulen unterschiedlich gut funktioniert und was ein Winter-erprobtes EU-Land macht.


Feedback | Vor Weihnachten habe ich in einer Organisation einen Transformationsprozess beendet. Knapp eineinhalb Jahre lang habe ich ein Team begleitet, das zu Beginn kein Team war, sondern eine Sammlung von Menschen mit ähnlichem Tätigkeitsprofil. Es ging darum, Strukturen zu schaffen, Zusammenarbeit aufzubauen, Rollen und Verantwortungen zu klären, Vertretung sicherzustellen, die Anzahl der Aushilfskräfte zu reduzieren und das Team zu ermutigen, digitaler zu arbeiten.

Die Kundin hat die Mitarbeitenden jetzt nach Feedback zum Veränderungsprozess gefragt – und auch, wie sie mich und meine Arbeitsweise fanden. Es waren wundervolle Antworten – hier drei davon:

 SPITZE!!! Ich habe noch nie ein Seminar, einen Workshop, einen Prozess erlebt, bei dem die Trainerin nie den Faden verloren und alle beisammen gehalten oder zurückgeführt hat wie bei Vanessa. Eine absolute Persönlichkeit, bei der jede Aufgabe Spaß macht. Ich schreibe einen großen Teil des Erfolges der Persönlichkeit von Vanessa zu!

Und:

Die Trainerin war sehr gut organisiert und immer optimistisch. Das hat einem ein gutes und sicheres Gefühl gegeben. 

Und:

 Ich fand ihre Herangehensweise toll und erinnere mich noch gerne an den ersten Workshop zurück und bin beeindruckt, wie die einzelnen Schritte, die wir gemeinsam gegangen sind, zu diesem Gesamtergebnis geführt haben. Sie hat in meinen Augen einen tollen Job geleistet.

Ich fühle mich erfüllt und beschenkt!


Schweine | Wiedervorstellung des Dicken bei der Tierärztin. Sie stellte eine Besserung des Auges, aber gleichzeitig ein Röcheln am Schwein fest. Das klinge ernst, sagte sie, zusammen mit der Geschichte am Auge könne es eine Leukämie sein, das Schwein fange sich immer mehr ein und versterbe dann – eine typische Schweinekrankheit. Wir machten ein Blutbild. Es gab rasch Entwarnung in Sachen Krebs, aber der Dicke hat einen Infekt. Er bekommt ein Antibiotikum. Sie ahnen gar nicht, was das alles kostet!

Unser Gold-Opa und drei seiner vier Ladies an der Gemüseschale:

Vier Meerschweine an der Gemüseschale. Man drängelt sich.

Leser’innenfrage | Eine Frage auf der Themen-Vorschlagsliste beschäftigt sich mit KI: „Was hältst du von ChatGPT und welche Erfahrungen hast du damit schon gemacht?“ Eine zweite Frage hat sich dazugesellt: „Ich hätte auch großes Interesse an deinem Einsatz von KI-Produkten. Ich finde es gerade enorm schwer, sie nützlich zu finden und frage mich, was ich ggf. anders machen könnte, um mehr Nutzen daraus zu ziehen.“

Ich nutze ChatGPT bzw. Language Learning Models (LLMs) für verschiedene Zwecke. Erster Anwendungsfall: Ich lasse mir Texte erstellen oder Texte überarbeiten. Ein Prompt könnte lauten:

Nachfolgend findest du einen Text.

  1. Verbessere den Text: präziser, besser auf <Zielgruppe> zugeschnitten. Kürze dabei um 20 Prozent.
  2. Liefere drei Vorschläge für einen Vorspann, die jeweils verschiedene Aspekte des Textes in den Fokus nehmen. Länge: drei Sätze.
  3. Baue aus dem Text einen Instagram-Post mit 5 Kacheln plus Caption. Stil: locker, inspirierend, professionell-verbindlich. Baue in die Caption Emojis ein.
  4. Gibt es etwas, das dir in Bezug auf <Zielgruppe> im Text fehlt?

Bei Texten nutze ich ChatGPT gerne in Kombination mit Deepl Write. Wenn ich emotional bin oder mir keine gute Formulierung einfällt, prompte ich: „Formuliere diplomatisch …“ oder „Formuliere professionell und sachlich, aber dennoch zugewandt …“

Zweiter Anwendungsfall: Ich lade bei ChatGPT Dokumente hoch – keine vertraulichen, das versteht sich von selbst, sondern nur öffentlich zugängliche – und nutze das LLM zum Querlesen. Ein Prompt könnte lauten:

  1. Fasse das Dokument zusammen. Benenne dafür die fünf Kernaussagen des Dokuments zu <Thema>.
  2. Welche wesentlichen Konflikte benennt der Text?
  3. Welche Lösungsvorschläge macht der Text zu <Thema>? Mache eine Tabelle mit zwei Spalten: Spalte 1 benennt das Problem, Spalte 2 die im Text genannten Lösungen.
  4. Welche Aspekte zu <Thema> benennt der Text nicht, die aber relevant sind?

Benenne für die Punkte 1-3 jeweils Kapitel und Seitenzahl als Beleg für deine Aussagen. Nenne für Punkt 4 Quellen zu jedem Aspekt.

Die Fragestellungen können natürlich variieren. Die Antworten helfen mir, mich einem langen Dokument zielgerichteter zu widmen. Zuletzt habe ich mir ein 70-seitiges Paper zusammenfassen lassen, das sich mit Ursachen der Überbürokratisierung befasst.

Dritter Anwendungsfall: Ich lasse mir verschiedene Perspektiven zu einem Thema geben, um einen Überblick zu gewinnen. Das hilft mir in der Vorbereitung auf Gespräche.

Thema: Einsatz von Language Learning Models (LLM) in einem Dienstleistungsunternehmens mit 20 Angestellten. Das Unternehmen bildet Erzieherinnen und Erzieher weiter und berät Kommunen im Ausbau von Kitas und offenen Ganztagsangeboten.

  1. Angenommen, ich bin der Inhaber des Unternehmens – ich habe das Unternehmen vor 30 Jahren aufgebaut, es durch zahlreiche Höhe und Tiefen geführt und bin dem Betrieb emotional stark verbunden: Welche Vorbehalte und Sorgen könnte ich die Einführung eines LLM haben? Konzentriere dich auf fünf wesentliche Vorbehalte.
  2. Welche fünf Argumente könnten mich als Inhaber überzeugen, ein LLM einzusetzen?

ChatGPT eignet sich gut für die Vorbereitung auf Gespräche und Diskussionen mit Menschen, die andere Positionen vertreten oder kritisch nachfragen werden. Man kann ChatGPT in die Rolle des Gegenübers und in die eigene Rolle schicken, Fragen, Antworten, Argumente und Gegenargumente formulieren lassen.

Vierter Anwendungsfall: Konzeption und Erstellung von Angeboten.

Ein Kunde möchte Seminare für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anbieten. Der Kunde ist ein mittelständisches Industrieunternehmen. Die Beschäftigten arbeiten in der Produktion, im Labor in der Entwicklung, in Querschnittsfunktionen im Büro sowie im Vertriebsaußendienst. Das Unternehmen wird zahlreiche Veränderungen einführen, unter anderem Produktionslinien schließen und eine Re-Organisation durchführen. Die Mitarbeiter sollen …

  • Hilfestellung erhalten, mit den Veränderungen konstruktiv umzugehen.
  • lernen, Ideen und Vorbehalte konstruktiv und zielgruppengenau zu kommunizieren.
  • lernen, Konflikte zwischen Abteilungen selbstständig zu lösen.

Konzipiere drei eintägige Seminare (9 – 17 Uhr) zu einzelnen Aspekten. Konzipiere außerdem ein zweitägiges Seminar für Teamleitungen, das alle Aspekte beinhaltet. Sie Seminare sollen …

  • Raum für die mit der Veränderung verbundenen Emotionen geben.
  • Raum geben, im gemischten Teilnehmerkreis unterschiedliche Perspektiven auszutauschen.
  • zum Re-Framing der Veränderungsmaßnahmen einladen.
  • zum Re-Framing von Konflikten einladen.
  • konkrete methodische Werkzeuge zu den genannten Punkten liefern.

Alle Beispiele sind fiktiv, entsprechen aber in ihrer Charakteristik tatsächlichen Anwendungsfällen. ChatGPT erspart mir, beim Urschleim anzufangen. Mit den Antworten denke ich weiter, prompte weiter, stelle anderweitige Recherchen an – zum Beispiel in der Fachliteratur – und mische das Ergebnis mit meinem Erfahrungswissen. Manchmal bekomme ich auch Antworten von ChatGPT, bei denen ich denke: „Nee, so nicht“, aber selbst das ist hilfreich.

Bei der Arbeit mit ChatGPT finde ich wichtig, sich klar zu sein, dass das LLM nur auf Dinge zurückgreift, die bereits im Internet existent sind, also ausschließlich reproduziert. Chat GPT nimmt in der Regel keine Bewertung und Einordnung von Quellen vor – und nennt auch keine, es sei denn, man fordert es ausdrücklich dazu auf. Seine Antworten blenden alles aus, auf das es keinen Zugriff hat oder das es nicht als relevant einordnet. ChatGPT füllt seine Wissens- und Berechnungslücken mit Unsinn, halluziniert und erfindet Antworten. Ich nutze ChatGPT deshalb nur für Bereiche, in denen ich mich auskenne oder mindestens ein Grundwissen habe, um die Antworten einordnen und sinnvoll mit ihnen weiterarbeiten zu können.

In 2026 möchte ich die Arbeit mit LLMs weiter professionalisieren. Ich werde mir auch andere Tools angucken, zum Beispiel Claude AI und Perplexity AI.


Gelesen | Passend zur Leser’innenfrage: Berufsberater aus ganz Deutschland sagen, welche Fähigkeiten man im KI-Zeitalter wirklich braucht, um im Job zu bestehen [€]. Zusammenfassung: Alles, was mit Handwerk, mit der Arbeit am und mit Menschen und mit dem Bewältigen komplexen Verhaltens zu tun hat, wird auch zukünftig Relevanz haben.


Ausflüge | Diverse Dorfspaziergänge. Knirschender Schnee, Spuren von Wichteln und ein guter Tag für Windenergie.

Ein Ausflug nach Münster. Mit dem Zug sind es nur 30 Minuten nach Münster, direkte Verbindung. Der Weg vom Bahnhof in die Altstadt ist kurz, der Kaffee in Münster ausgesprochen lecker, und ich habe neue Treckingschuhe fürs Spazieren und Radfahren gefunden. Im April radeln der Reiseleiter und ich von Lübeck nach Kopenhagen. Dafür braucht’s wetterfestes Material.


Werbeblock | In Münster traf ich mein großes Patenkind Frances. Sie ist Sach- und Wissenschaftsillustratorin. Ihre Arbeit kann man jetzt in einem Video sehen. Sie arbeitet für Museen, Verlage, Unternehmen und auch Privatleute. Empfehlen Sie gerne weiter, Aufträge sind willkommen! Zurzeit denkt sie darüber nach, ihre Arbeit auch in Workshops oder Seminaren zu vermitteln. Wenn Sie dazu Ideen oder einen Kontakt haben, lassen Sie es mich gerne wissen. Ich leite dann weiter.


Schweine | Der Dicke ist wieder in Behandlung. Er hat sich am Auge verletzt, die Hornhaut löst sich ab. Entweder hat er sich einen Strohhalm ins Auge gerammt oder ist irgendwo gegen gelaufen, der kleine Trottel. Die Tierärztin verordnete alle zwei Stunden Augentropfen. Wir haben das Wochenende also damit verbracht, das Schwein zu träufeln.

Meerschwein in einem Osterkörbchen, eine Hand hält ihm das Auge auf, eine zweite hält Augentropfen

Dazwischen haben wir Weihnachten abgerüscht.

Ulla | Die vergangenen Tage luden dazu ein, Spaziergänge zu machen, anschließend die matschigen Schuhe vor der Tür auszuziehen, mit klammen Zehen ins Haus zu tapsen, heiße Getränke aufzubrühen, unter Decken aufs Sofa zu sinken, Bücher zu lesen und einzunicken. Wunderbar.

Die Kinder fuhren Schlitten im Garten, obwohl es dort keinen Hügel gibt. Sie häufelten Schnee auf, zogen sich darüber und schlitterten im Schweineland um Hindernisse herum. Es braucht also keine besonderen Voraussetzungen, um eine Situation zu nutzen. Ich lasse diese Lebensweisheit einfach mal hier.

Außerdem bauten sie eine Schneefrau und nannten sie Ulla.

Schneemann (oder -frau) im Garten mit Mütze, Schal, eine Karottennase und Augen und Mund aus Steinen. Im Hintergrund ein Meerschweinchenstall.

Serviceblog | Eine freundliche Erinnerung für alle Eltern: Jetzt ist eine gute Zeit, die Brotdosen auszuräumen. Klicken des Links auf eigene Verantwortung. Freudiger Kommentar des Kindes: „Ich habe neues Leben erschaffen!“


Am Rande | Hinweis aus gegebenem Anlass: Auch diese Zeit wird irgendwann die gute alte Zeit sein.


Gelesen | Lukas Hartmann: Martha und die Ihren. Der Autor war mir bislang gänzlich unbekannt – ein Versäumnis! Er erzählt mit literarischer Freiheit, die Geschichte seiner Familie. Die zentrale Figur ist seine Oma Martha, die nach dem Tod des Vaters als sogenannte Verdingkind zu einer Bauersfamilie, in der sie aufwuchs. Es folgten Heirat, Kinder und harte Arbeit, später Enkelkinder. Ein Roman, der eindrücklich das Heranwachsen nach den zwei Weltkriegen zeigt, die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen und was das mit den Menschen macht.

Gelesen | Herr Buddenbohm schreibt über einen Trend zum Analogen. Die Älteren unter uns werden es lesen und verwirrt die Stirn runzeln. Denn das kennen wir aus unseren Leben – den Leben, bevor wir Smartphones hatten, den Leben unserer Kindheit und Jugend mit drei Programmen, Wählscheibentelefonen und gelangweilt auf dem Stromverteilerkasten sitzen und warten, ob jemand um die Ecke kommt, mit dem man gemeinsam Klingelstreiche machen kann.

Geschaut | Ich schaue derzeit die Ku’damm-Fernsehfilme in der ZDF-Mediathek. Bislang habe ich nur ’59 vollständig gesehen, die Jahre ’59, ’63 und ’77 sind an mir vorbeigegangen. Meine Güte, welch eine Gesellschaft damals, welch Misogynie.


Leser’innenfrage |Auf der Themen-Vorschlagsliste ist eine interessante Frage zu Chat GPT. Ich tippe bereits an einer Antwort.


Schweine | Die Schweine leben gut isoliert, auf extra dick Streu und mit viel Stroheinlage. Sie bekommen mehrmals täglich kleine Portionen Gemüse, die sie wegfressen, bevor sie gefrieren. Es bleibt festzustellen, dass die Schweine ein anderes Kälteempfinden haben als wir.

Meerschweine im Stall, auf der Rampe hinauf in den Stall liegt dick Schnee. Ein Schwein frisst Brokkoli.


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