Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Die Fahrt | Wenn man mit dem Fahrrad von Haltern am See nach Hamburg fährt, fällt vor allem eines auf: Dass es zwischen diesen Städten viel Gegend gibt.

Ein Fahrrad auf einem Wirtschaftsweg neben einem windgebeugten Baum.

Sieben Etappen lang fuhren wir über lang gezogene und kurvige Feldwege, glatte und holprige Pfade, Wege durch Maisfelder und durch Wälder oder vorbei an Weizen, Gerste und Roggen. Wir erlebten Landstraßen, die Dorf mit Dorf verbinden – und solche, die überall vorbeiführen. Manchmal rollten wir über Panzerstraßen aus Betonplatten, mit und ohne Rillen, die Kanten aufgesprungen, die Schlaglöcher tief. Es gab Pfade, die mitten in tiefen Sand führten; das voll beladene Fahrrad glitt hinein wie ein Messer in weiche Butter. Und immer wieder Brücken: über Bundestraßen und Autobahnen, über Flüsse und Kanäle, über Bahnstrecken und stillgelegte Trassen. Wir hatten Brücken, auf die wir uns hinaufplagen mussten und von denen wir zufrieden wieder hinunterrollten – und Brücken, die uns nichts abverlangten und nur einen Kanal mit Seerosen überquerten.

Brücke über einen schmalen Kanal voller Seerosen. Am Brückengeländer hängen Geranien.

Wir fuhren von Dorf zu Ort und von Ort zu Stadt. Wir sahen Haufendörfer mit Dorfkernen und Ackerfluren. Wir durchfuhren Straßendörfer, deren Gehöfte sich an einem einzelnen Weg entlang reihen. Wir durchkreuzten verstreute Siedlungen. Wir passierten mindestens sechs Dorf Grill, alle ohne Kopplungsbindestrich, dafür mit den gleichen, weißen Monobloc-Stühlen vor der Tür.

Wirtschaftsweg zwischen Feldern, in der Ferne ein Haus. Strommasten am Rand.

Viele Felder waren bereits abgeerntetet. Es kam mir zu früh im Jahr vor. In meiner Erinnerung ist der Juli der Monat, in dem sattgelbe Felder auf dunkelblaue Himmel stoßen. Der Wind frischt auf und trägt den schweren Geruch eines drohendenen Gewitters über die Landschaft. Ein Monat wie ein Obstkorb: satt, prall, üppig, übervoll.

Auf dieser Strecke, in dieser Landschaft zwischen Haltern und Hamburg, in diesem Jahr fehlte die Fülle. Alles war knochentrocken, die Gräser verdorrt, und Stoppeln säumten den Weg, als hätte der August den Juli überholt. Es war staubig.

Feld mit Strohballen, der Himmel bedeckt

Im Kreis Herford, zwischen Belke-Steinbeck, Hiddenhausen und Gohfeld, hatte ich ein seelisches Tief: Felder zwischen Kreisstraßen und Autohäusern, eine Landschaft ohne Ehrgeiz. Äcker, Landstraßen und Gewerbehallen, dazwischen Aldi, Deichmann und Takko, gebündelt zu Fachmarktzentren mit monströsen Parkplätzen. Rückblickend erinnere ich keine Orte, sondern Kreuzungen, Ampeln und Baustoffändler. 

Als wir erst auf den Werre-, dann auf den Weser-Radweg stießen, wurde es besser: Die Flüsse halten einen Korridor frei und ordnen die Landschaft, die großen Straßen rücken ab, die Welt wird wieder fröhlicher.

Vanessa macht ein Selfie auf dem Fahrrad. Sie trägt einen Helm, im Hintergrund andere Radfahrer. Die Strecke führt an Bahngleisen entlang.

Inmitten ostwestfälischer Melancholie musste ich mir einmal die Speichen richten lassen: Sie wackelten, mein Hinterrad knarzte. In Bad Oeynhausen fanden wir eine Werkstatt in einer alten Tankstelle.

Doch das sollte nicht das Ende der Geschichte sein. Dreißig Kilometer vor Soltau – die Gegend war gefällig, die Melancholie hatte sich gelegt, nur das Wetter zeigte sich ungnädig -, sagte der Reiseleiter: „Dein Hinterrad hat eine Acht.“ Wir fanden schnell den Grund: Eine Speiche war gebrochen, weitere waren locker. Strömender Regen setzte ein. Die Stimmung in der Gruppe war grenzwertig, die Kinder wollten nur noch ins Trockene. Noch 25 Kilometer.

Wir fuhren die Landstraße entlang auf der Suche nach Lüneburger Heide, durch Dörfer ohne Dorf Grill. Wir hoppelten über Kopfsteinpflaster, durch Schlaglochpisten und slalomierten um Nacktschnecken herum, die sich zu Hunderten auf den Wegen sammelten. Der Regen sickerte durch die Nähte, wir ließen Soltau rechts liegen.

Schließlich erreichten wir, wild trampelnd, ich eiernd, eine Pension, die auf meiner Liste der deprimierendsten Übernachtungsorte direkt auf Augenhöhe mit der Höhle von Bilbao kam. Unsere Übernachtungen waren bis dato immer gut gewesen: Ferienhäuser und kleine Wohnungen, eine Pension in Steinhude, alles zweckmäßig und liebevoll eingerichtet. Diese Pension aber bestand aus nichts weiter als aufgekauften, sanierungsbedürftigen Einfamilienhäusern, deren einzelne Zimmer man zu Pensionszimmern gemacht hatte, mit abgelaufenen Laminatböden, abgewohnten Möbeln, Bad auf dem Flur und fünf Duftspendern unterschiedlichen Odeurs, denen es dennoch nicht gelang, den muffigen Geruch zu vertreiben. Wir rundeten die Melange aus „Meeresbrise“, „Vanille-Kokos“ und schimmelnder Dämmwolle ab, indem wir beim Lieferservice Fritten, Currywurst und Thunfischpizza bestellten. Aber hey, wir waren trocken, und es gab eine Dusche, aus der klares, warmes Wasser kam. Man wird doch immer wieder positiv überrascht! 

Am nächsten Morgen machte ich mich früh auf in die nächste Fahrradwerkstatt: Elf Kilometer Gegenwind nach Schneverdingen. Beim zweiten Versuch fand sich ein Mechaniker, der sich spontan Zeit für mein Rad nahm und die Ursache allen Übels fand: mehrere Risse in der Felge. Ich brauchte ein neues Hinterrad. Wenn ich irgendwo ein neues Laufrad fände, sagte er, könne er eins einbauen; er selbst habe gerade keins da. Ich ging zu dem Fahrradladen, der mich zunächst abgewiesen hatte, stellte mein ausgebautes Hinterrad auf die Theke und fragte, ob sie sowas im Lager hätten. Sie nahmen Maß, stiegen auf ihren Dachboden und fanden dort ein einzelnes DT-Swiss-Laufrad, ausgebaut aus einem fabrikneuen Rennrad; es sei das einzig passende, das sie mir in diesem Augenblick anbieten könnten. Ich kaufte es und trug es zum Mechaniker, der es einbaute und mir gratulierte. Das Laufrad habe eine deutlich höhere Qualität als sein Vorgänger, ich werde Freude damit haben. Das hoffe ich auch bei dem Preis. Nun fahre ich mit einer Rennradnarbe, die im Leerlauf eindrücklich laut surrt. Ich bin immer noch eine dicke Frau auf einem Trekkingrad, fühle mich aber nun ausnehmend Tour-de-francig, besonders wenn mich nicht anstrenge und nur rollen lasse.

Ein schattiger Wirtschaftsweg, in der Ferne zwei Mädchen auf einem Fahrrad

Und dann waren wir auch schon fast in Hamburg. Die letzte Etappe führte und über Stock und Stein, über unerfreulich viele Hügel, durch Wald, kleine Orte, über Landstraßen und sandige Trails. Ein Stimmungstief in den Buchenwäldern im Rosengarten, das Ziel schon in Reichweite, kurierten wir mit Schnittchen und Knoppers. Dann fuhren wir in Hamburg ein – über Vahrendorf, Wilhelmsburg, Steinwerder, durch den Hamburger Hafen, über die Rethe-Klappbrücke und durch den Alten Elbtunnel. 

Panoramaaufnahme der geöffneten Rethe-Klappbrücke in Hamburg: Vier Fahrräder stehen vor der Brücke, links am Ufer ein Getreidespeicher

Hamburg | In Hamburg residierten wir in der Jugendherberge Auf dem Stintfang, dem Hügel oberhalb der Landungsbrücken. Mein Dank geht an Paula Karpinski, einst Jugendsenatorin in Hamburg, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg beharrlich dafür einsetzte, dass auf dem Hügel kein Luxushotel, sondern ein Ort für Familien entsteht. Die Aussicht aus dem Speisesaal ist sensationell.

Die Uhr der Landungsbrücken, dahinter Hafenkräne und der Hafen inm Abendrot

Bad Rothenfelde | Einige Worte zu dem, was wir auf unserem Weg sahen, angefangen mit Ostwestfalen.

Unsere ersten Etappen führten uns durch Nordrhein-Westfalen: vom Münsterland über den Teutoburger Wald und durch den Kreis Herford. Wir befanden uns in einem Zustand der Melancholie, angefacht durch viel Gegend, und waren außerdem hungrig, als wir Bad Rothenfelde erreichten.

Tor in den "Konzertgarten", davor Geranien

Wenn Sie noch nicht in Bad Rothenfelde waren, aber die 80er Jahre kennen, stellen Sie sich bitte Geranien und Springbrunnen vor, Kurorchester, Kofferradios und Kaugummiautomaten, Prospektständer und Schwarzwälder-Kirschtorte, Flutschfinger und Frotteebademäntel. Und inmitten dessen: ein Ihr Platz, eine Seifenpuls-Filiale.

Ihr-Platz-Filiale. Es sieht alles aus wie 1986.

Vierundvierzig Märkte gibt es noch in Deutschland, betrieben als Franchise von einer Handelsgenossenschaft, die zur Rewe Group gehört. Ich recherchierte das, denn ich war verwundert – und kurzzeitig besorgt, in der Zeit zurückgereist zu sein und nach Ende der Sommerferien wieder Hausaufgaben machen und Vokabeltests schreiben zu müssen.

Historische Uhr im Kurhaus zeigt viertel nach zwei an.

Nach Bad Rothenfelde sahen wir auch Bad Oeynhausen. In beiden Orten – und dazwischen – hätte ich alle fünfhundert Meter anhalten und Perlen der Zeitgeschichte fotografieren können: Gartenzwerge und Jägerzäune, Waschbeton und Wäschespinnen, Sparkassenfilialen, Betonfiguren, Hundefriseure, Kreisverkehre mit Findlingen, Schaufenster mit vergilbten Aufklebern und Werbetafeln für Geschäfte, die es nicht mehr gibt.

Doch ich hielt nur beim Salon Maike: Coiffeur, Cosmetic, Caribikbräune.

Schuild über einem Ladengeschäft: Salon Maike - Couiffeur, Cosmetic, Caribikbräume

Eisenerz-Bergwerk „Wohlverwahrt“ |  Auf unserer vierten Etappe – es ging von Rinteln nach Steinhude – ächzten wir das Wesergebirge hinauf. Erst war es sehr steil, dann nur noch mäßig steil. Irgendwann gab es keinen Radweg mehr, dafür viele Autofahrer, die es nicht aushielten zu warten, bis sie auf der kurvige Strecke überholen konnten. Es wurde aus-, eingeschert und angehupt – uns oder den Entgegenkommenden, je nachdem.

Oben auf dem Hügel, in Kleinebremen, besuchten wir das Eisenerz-Bergwerk „Wohlverwahrt“.

Vier Fahrräder in einem Fahrradständer. Darüber das Schild "Zur Grubeneinfahrt".

Zwischen den 1830ern und den 1950er haben die Kumpel dort Kathedralen in den Berg gesprengt, geklopft und geschlagen, erst mit Hämmerchen, dann mit Bohrhammern, dann mit schwerem Gerät. Auch wenn es niemals einen Toten gab, war es eine elende Plackerei. 

Eine Gruppe steht in m Berg vor Werkzeugen, das Licht ist funzelig, die Decke beeindruckend hoch.

Man kann das Bergwerk nur mit einer Führung besuchen. Ehemalige Bergarbeiter aus der Region – in Nammen wird bis heute abgebaut – führten kenntnisreich durch die viele Meter hohen Gänge, fuhren uns mit einer rumpelnden Bahn an immer weitere, immer größere Abbaulinsen, erzählten Geschichten und stiegen mit uns bis zu einem See hinab, der tiefsten Stelle im Berg. 

Im Berg: Steige führen durch einen ausgehöhlten Berg, im Hintergrund ein grünblau schimmernder See

„Wenn ich mal keine Lust aufs Arbeiten habe“, sagte der Reiseleiter, als wir vor einer der Loren standen, in die die Bergleute im funzeligen Licht dicke Brocken Erzgestein schaufelten, „dann erinnere ich mich hieran. Dann wird es wieder gehen.“


Steinhuder Meer | Nach vier Etappen legten wir eine Pause ein und rasteten einen Tag am Steinhuder Meer. Dort war es unerwartet hübsch: ein kleiner Ort mit Wasser und Enten, Promenaden, Restaurants und Eisdielen, Bootsverleihen und einem Hauch mediterraner Lässigkeit. Nun ja, für Hannoveraner Verhältnisse.

Panoramaaufnahme des Steinhuder Meer im Sonnenuntergang

Während ich das Foto machte, hockte der Reiseleiter zu meinen Füßen und erbrach sich ins Schilf. Die Eiskugel „Omas Apfelkuchen“ war ihm nicht bekommen. Ich tätschelte ihm die Schulter, mehr konnte ich nicht machen. Nachdem er alles von sich gegeben hatte, war ihm wohler.

Wir mieteten ein Bötchen und fuhren damit auf die Insel Wilhelmstein, die 1.400 Meter vom Ufer entfernt im Steinhuder Meer liegt.

Die Spitze eines kleinen, blauen Bootes auf dem Wasser. Der Himmel hat Schäfchenwolken, die Sonne scheint.

Darauf gibt es nichts, was man gesehen haben müsste, aber man kann von der Insel aus ans Ufer gucken, ein Eis kaufen, man hat eine Festung und kann einen Hydrocopter angucken, einen Kunststoffschlitten, der dank eines Flugzeugpropellers sowohl auf Wasser als auch auf dem zugefrorenen See fahren kann. Allerdings erlitt er 1996 einen Getriebeschaden und ist seitdem kaputt.

Briefkasten mit der Aufschrift "Inselpost" vor einem Kiesweg und weiß getünchten Häusern

Während wir in Steinhude waren, fanden dort die Finals 2026 statt. Wir sahen Triathlon und irgendwas mit Rudern, das ich nicht verstand: Coastal Rowing, eine Mischung aus Rennen und Rudern, beides allerdings eher kurz. Bevor man verstanden hat, dass es losgeht, ist schon etwas passiert. Es ist aber nicht klar, was geau, und man ist ganz durcheinander. Ich hatte auch keine Kapazitäten, mich näher damit zu beschäftigen: Die meisten meiner Gehirnzellen sind im Urlaub, nur eine Rumpftruppe hält den Betrieb aufrecht.

Dem Triathlon konnte ich besser folgen, obwohl ich mir auch hier erstmal das Reglement erarbeiten musste: Es war die Deutsche Meisterschaft im Mixed Relay – zwei Frauen und zwei Männer machten hintereinander einen Mini-Triathlon. Also nicht: Einer schwimmt, einer radelt, eine rennt, sondern alle schwimmen, rennen und radeln – viermal.

Steinhuder Meer, davor Beachflags und eine digitale Uhr, die zeigt, wie lange das Rennen schon geht. Im Hintergrund Schwimmer im Wasser.

Das war kurzweilig: Die Sportler’innen mussten nur 750 Meter schwimmen, zwanzig Kilometer Rad fahren und 1,2 Kilometer laufen. Es ging Schlag auf Schlag. Immer kam jemand Neues vorbei, ständig passierte etwas. Ein Sportler klaute einem anderen die Schuhe. Wir waren alle beeindruckt von der Spannung und der Athletik.


Deutsches Erdölmuseum in Wietze | Die fünfte Etappe, von Steinhude nach Wietze, führte uns an Erdölfeldern vorbei.

Denn die weltweit erste Erdölbohrung gab es nicht in Kuwait oder Texas, sondern in Wietze in der Lüneburger Heide. Schon im 17. Jahrhundert gewann man dort das erste Öl: Aus Teerkuhlen schöpfte man Sand, aus dem man Schweröl auswusch. Die Menschen machten Wagenschmiere und Wundsalbe daraus. Als Mitte des 19. Jahrhunderts die industrielle Revolution im Königreich Hannover ankam und man Energiequellen suchte, erinnerte man sich man an das schwarze Zeug. Georg Christian Hunäus, Professor für Geognosie am Polytechnikum in Hannover, marschierte los, untersuchte das Land und nahm im Juli 1858 die erste Bohrung vor – eigentlich auf der Suche nach Kohle. 

Schwarz-weiß-Foto von Männern in unterschiedlicher Kleidung, darüber das Schild DEA WIETZE.

Es dauerte einige Jahre, bis das Geschäft ans Laufen kam. Dann brach in Wietze das Ölfieber aus. Arbeiter aus deutschen Landen und darüber hinaus kamen in die Lüneburger Heide – und dazu findige Unternehmer. Bis Mitte der 1930er Jahre hatten 52 Gesellschaften ihre Claims abgesteckt. Wietze brummte und brodelte. Plötzlich waren in dem beschaulichen Landstrich nicht mehr alle Menschen gleich; plötzlich gab es arme und reiche Landbesitzer, Bauern und Magnaten, Verwalter und Verwaltete. Herbergen und Hotels wurden gegründet, Häuser und Baracken gebaut, Puffs und Spelunken etabliert. Bis 1964 plötzlich Schluss war: Die Förderung war unrentabel geworden. 

Gerät zur Erdölförderung auf der Wiese hinter dem Museum. Ein Lkw und ein Bohrturm.

Das Erdölmuseum erzählt diese Geschichte, lässt Zeitzeugen zu Wort kommen, man kann Dokumente und Zeitungsartikel hören und Fotos anschauen. Außerdem stellt es allerlei Gerät zur Erdölförderung vor. 


Bergen-Belsen |  Unsere sechste Etappe, von Wietze nach Soltau, verbanden wir mit einem Besuch in Bergen-Belsen. Es ist der Ort, an dem Anne Frank gestorben ist – und mit ihr 52.000 andere Menschen.

Bergen-Belsen war nicht nur Konzentrationslager, es war auch Kriegsgefangenenlager und nach dem Krieg ein Ort für Displaced Persons, für Heimatlose, die nicht wussten, wohin. Als britische Truppen das Lager im April 1945 befreiten, fanden sie mehr als 50.000 Häftlinge und mehr als 10.000 nicht bestattete Leichen vor – auch, weil zuvor viele Züge aus Lagern im Osten angekommen waren. Nach ihrer Befreiung starben 14.000 ehemalige Gefangene an Unterernährung, Seuchen und Krankheiten.

Für die Kinder ist Anne Frank eine Identifikationsfigur. Als sie in der Schule über Anne Frank sprachen, kamen sie mit vielen Fragen nach Hause. Wir kauften die Graphic Novel von Ari Folman und David Polonsky. Diese Etappe war eine gute Gelegenheit zu erspüren, wie Anne Frank starb und was das mit uns heute zu tun hat.

Grabstein von Margot und Anne Frank in Bergen Belsen

Wir bekamen eine Führung über das Gelände. Das war auch gut, denn von dem damaligen Lager ist nichts mehr zu sehen: keine Baracken, kein Krematorium. Mein Dank geht an Doreen Krohne, die das Grauen mit Worten lebendig gemacht hat. Wenn sie einmal dort sind, kann ich eine Führung mit ihr sehr empfehlen.

Wenn ich an Orten wie Bergen-Belsen stehe, frage ich mich jedesmal: Wie konnte das geschehen? Ich habe viele Bücher gelesen. Ich habe die Konzentrationslager Dachau, Buchenwald und Stutthoff besucht. Ich habe Filme und Dokumentationen gesehen. In neun Jahren Gymnasium begegenete mir der Holocaust in jedem Schuljahr, in fast jedem Fach. Woraus ich aber immer noch keine Antwort habe, ist: Wie können Menschen anderen Menschen so etwas antun? Wie kann es seine, dass eine ganze Nation eine industrielle Menschenvernichtung mitträgt?  

Ich möchte mich nicht über die damaligen Deutschen erheben. Ich weiß nicht, welch ein Mensch ich gewesen wäre, aufgewachsen im Kaiserreich, im Stolz der Industrialisierung, dann der Erste Weltkriegs, das verletzte Ego, die Suche nach Haltung, die Weltwirtschaftskrise. Und doch: Es bleiben Fragen.

Während der Führung über das Gelände wird eine Stellenanzeige herumgereicht: Gesucht werden KZ-Aufseherinnen, Bezahlung nach TVöD, ein Beruf in Dienstkleidung und mit Rentenpunkten.

Kleinanzeige: "Für den einsaz bei einer militärischen Dienststelle werden gesunde weibliche Arbeitskräfte im Alter von 20 - 40 J. gesucht. Die Entlohnung erfolgt nach der Tarifordnung für ie angestellten im öffentlichen Dienst. Außerdem werden gewährt: Freie Unterkunft, Verpflegung und Bekleidung (Uniform). Angeb. unter Beifügung eines kurzen Lebenslaufes u. Lichtbild erb."

400 Menschen arbeiteten im Lager: Männer aus der SS, dazu viele Helferinnen und Helfer, Aufsichtspersonen und Hilfskräfte, Frauen und Männer aus der Bevölkerung, Angestellte. Sie werden zu Hause von ihrer Arbeit erzählt haben; natürlich haben sie das. War es allein deshalb nicht allgemein bekannt, was in den Lagern vor sich ging? Dass die Menschen dort hingekarrt wurden, dass sie gefoltert wurden und verhungerten? 

Neu ankommenden Häftlinge, die die Fahrt im Viehwaggon überlebt hatten, liefen über Straßen und Feldwege zum Lager, sechs Kilometer. Wir fuhren die Strecke mit dem Rad.

Fahrräder vor einem Eisenbahnwaggon (Viehwaggon), mit dem damals die Häftlinge nach Bergen-Belsen kamen

Die Gedenkstätte zeigt Fotos, die in den frühen 40er Jahren kursierten, die angeblich in die Briefkästen der Umgebung gesteckt wurden. Fotos, die die Menschen ansahen und dann auf Dachböden aufbewahrten, bis ihre Söhne, Töchter und Enkel sie Jahrzehnte später fanden und zur Gedenkstätte brachten.

Wie kann man das aushalten? Wie mittragen? Vielleicht, weil man dachte, sie werden es schon verdient haben. Vielleicht, weil man sie nicht als Menschen wahrnahm. Vielleicht, weil man die Realität ausblendete. Weil man um das Grauen wusste, aber keinen Weg sah zu handeln. Wie auch aufbegehren gegen die Nationalsozialisten, wenn man fünf Kinder zuhause hat, die ernährt werden wollen? Wenn man eigene Probleme hat – und Angst.

Als die 10.000 Leichen nach der Befreiung irgendwo hin mussten, als man Gruben aushob und die nackten Leiber mit dem Bulldozer erst übereinander und dann in die Massengräber hineinschob, beschwerten sich die Nachbarn über den Gestank, machten Eingaben über die Zumutungen, die vom Lager ausgingen.

Aus Angst vor Seuchen brannten die Briten das ganze Lager nieder: die Baracken, das Entlausungsgebäude, die Küchen, das Krematorium. Was einzig blieb, war: Fläche. Und es blieben die Hügel der Massengräber. 

Schneise zwischen Bäumen

Auch nach diesem Besuch bleiben Fragen offen.


Hamburg | In Hamburg stand chillen (wir alle), shoppen (die Teenager) und Eis essen (wir alle) auf dem Programm.

Wir sahen uns natürlich auch etwas an. Das Hamburger Schulmuseum zum Beispiel, das ich überraschend lehrreich und unterhaltsam fand – die Kinder auch. Es befindet sich im Stadtteil St. Pauli, man muss anklingeln, es öffnen freundliche Menschen, und man bekommt Zugang in die erste Etage, wo sich die Ausstellungsräume befinden.

Wir sahen uns an, wie Schule in der Kaiserzeit vonstatten ging und dass man geschlagen wurde, allerdings höchstens sieben Schläge pro Tag, so stand es in der Schulordnung. Danach hatte man einen Freifahrtschein. Eindrücklich waren auch die Exponate aus der Nazi-Zeit, besonders die Auszüge aus den Unterrichtsmaterialien – wie man im Mathematikunterricht ausrechnete, bei welcher Vermehrungsrate die „Untermenschen“ den „Herrenmenschen“ überlegen sein würde oder welche Schädelmaße man haben musste, um rassisch rein zu sein. Das Fotografieren war hier verboten – wohl, damit diese Material nicht in falsche Hände gelangt.

Wir besuchten auch den Hochbunker auf St. Pauli, nahmen auch hier ein bisschen Geschichte mit, schauten aber hauptsächlich hinunter. Das kann man von hier aus hervorragend und mit guter Aussicht.

Blick auf das Stadion von St. Pauli mit seiner Regenbogen-Photovolatik

Am Fuße des Bunkers, neben dem Stadion, war Dom, also Kirmes. Wir betrachteten sie vor allem von oben. Wir sahen der Achterbahn zu, wie sie Loopings drehte, und dem Kettenkarrussel, das an einer Säule hoch in die Luft stieg.

Von den Landungsbrücken bis nach Finkenwerder und zurück nutzten wir unser Deutschlandticket für eine Fährfahrt. Das war eine entspannende Sache.

Entdeckung: das Café mit angeschlossener Buchhandlung in den Rathauspassagen, ein integrativer Betrieb für Menschen, die es auf dem ersten Arbeitsmarkt (noch) nicht schaffen. Die Bücher sind neu und gebraucht. Unter den gebrsuchten finden sich verschiedene Sprachen. Wir verbrachten eine ganze Weile dort.


Chronistenpflicht | Die Etappen nach Hamburg, insgesamt 442 Kilometer:

WIrtschaftsweg, vorne fahre zwei Mädchen auf ihren Fahrrädern, dahinter ein Mann auf einem Gravelbike. Die Fahrräder sind bepackt, Bäume spenden Schatten.
  • von Haltern am See nach Greven (Münsterland) über Senden und Albachten (62 Kilometer)
  • von Greven nach Enger (Kreis Herford) über Glandorf, Bad Rothenfelde und Dissen im Teutoburger Wald (76 Kilometer)
  • von Enger nach Rinteln (Weserbergland) über Löhne, Bad Oeynhausen, entlang Werre und Weser (63 Kilometer)
  • von Rinteln nach Steinhude (Wunstorf) über Bückeburg und Stadthagen ans Steinhuder Meer (54 Kilometer)
  • von Steinhude nach Wietze (Lüneburger Heide) über Resse und Mellendorf (53 Kilometer)
  • von Wietze nach Wolterding (bei Soltau) über Winsen (Aller), Belsen, Wietzendorf und Soltau (59 Kilometer)
  • von Wolterding nach Hamburg über Schneverdingen, Buchholz, Vahrendorf, Moorburg, Steinwerder und durch den alten Elbtunnel (75 Kilometer)

Gelesen | Jørn Horst Lier: Når det mørkner. Deutscher Titel: Wisting und die Stunde der Wahrheit. Der erste Fall von Kommissar Wisting. Er ist junger Streifenpolizist und träumt davon, eines Tages Ermittler zu werden. Jetzt entdeckt er aber erstmal einen Oldtimer in einer Scheune, der ein Einschussloch hat. Außerdem verfolgt er in seiner Nachtschicht Bankräuber. Klassische Ermittlungsarbeit, ein Puzzleteil findet zum anderen, unspektakulär ohne psychopathiche Mörder und wilde Verfolgungsszenen. Ich mag die Serie.

Buch auf einem Tisch

Gesehen | Bereits vor dem Urlaub gesehen: Die schwedische Verbindung. Es ist die Geschichte von Gösta Engzell, einem schwedischen Beamten, der 1942 viele dänische und nordwegische Juden rettete, indem er ihnen gestattete, einen schwedischen Pass zu bekommen und nach Schweden einzureisen. Der Film hat mich sehr berührt, denn er zeigt die schwedische Perspektive auf die Ereignisse, die ich im April im eindrücklichen Dänisch-jüdischen Museum in Kopenhagen sah.

Gelesen | Maxim Leo: Wo wir zu Hause sind – Die Geschichte meiner verschwundenen Familie, erworben für einen Euro auf dem Bücherflohmarkt im Untergschoss der Hamburger Stadtbibliothek. Maxim Leo erzählt die Geschichte seiner Berliner Familie, die sich ab 1933 in alle Himmelsrichtungen zerstreute, zwangsweise und freiwillig, die Übergänge sind fließend. Er erzählt das Leben seiner Großtanten: die von Hilde, einer Schauspielerin, die in London zur Millionärin wurde; die von Irmgard, einer Jura-Studentin, die einen Kibbuz auf den Golanhöhen gründete; die von Ilse, der Gymnasiastin, die im französischen Untergrund überlebte. Und er erzählt von seiner Generaton, die der Kinder und Enkelkinder. Kurzweilig und bewegend.


Schweine | Die Schweine hatten eine Ferienbetreuung und sind wohlauf. Die Asyl-Oma musste nach unserer Ankunft erstmal zum Friseur. Das Fell schleifte über den Rasen, und am hinteren Ende des Schweins wurde es unappetitlich. Das Tier war schicksalsergeben.

Schwarz-weißes Meerschwein auf der Küchenarbeitsplatte. Es wird festgehalten. Drumherum abgeschnittene Fellhaare.

Situation | Ich befinde mich in einer schweren Quiche-Phase.

Quiche mit Kirschtomaten, Porree, Zucchini und Ziegenkäse

Es hängt damit zusammen, dass im Garten nun alles reif wird: Zucchini, Porree, Tomaten – und alles verarbeitet werden will. Auf der Suche nach einem schnellen Rezept habe ich Quiche für mich entdeckt: Fertigteig aus der Kühlung, Gemüse anbraten; Sahne, Schmand und Eier zusammenrühren – fertig. Es gibt nun alle fünf Tage Quiche. Das begeistert nicht alle Haushaltsmitglieder, aber ich finde es super.

Die Gurken sind auch reif. Wir haben eine Gurken-Zucchini-Situation.

Drei Gurken und vier Zucchini nebeneinander auf einem Tisch.

Zum Glück mögen die Schweine gerne Gurke. KindZwei auch. Ich auch. Die gehen also problemlos weg.

Laut Meerschweinratgeber mögen die Schweine auch Zucchini. Allein, sie scheinen ihn nicht gelesen zu haben. Ab und zu gelingt es mir, ihnen ein klein geschnittenes Endstück unterzujubeln, ohne dass sie mich angucken, als wollte ich sie würgen.

Ein Gruß geht raus an alle Bestäubenden, denen wir die reiche Ernte zu verdanken haben.


CSD | Wir hatten CSD hier in Haltern – einen schnuckeligen, kleinen Christopher Street Day, der viele Menschen auf dem Marktplatz zusammenbrachte: queere und nicht queere Menschen, Drag Queens, die Omas gegen rechts, die Kirchengemeinden, Kinder, Familien und Senior:innnen, die Caritas, den Asylkreis, Anmesty International und Queer von hier!, es gab Shows und Slush-Eis, ein schwules Paar heiratete auf der Bühne, und alle waren freundlich und friedlich miteinander.

Außerdem schön: Das Orga-Team schafft es jedes Jahr, Musikerinnen und Musiker nach Haltern zu holen, die ich zuvor nicht kannte, die mir aber ausgesprochen gut gefallen. Dieses Jahr war es Queen Mahoro. Sympathische Frau, gute Songs.


Seelenfrieden | Perfekter Schwumm heute. Bedeckter Himmel, kaum Gäste im Freibad, ich hatte eine Bahn für mich. Das Wasser war perwollweich. Ich schwamm 2.5000 Meter. Ein einziger, meditativer Moment.

Freibadbecken

On the road again | Die nächsten zwei Wochen verbringe ich auf dem Fahrrad. Der Reiseleiter und ich fahren mit KindZwei und KindDrei von Haltern nach Hamburg. Es wird also etwas ruhiger hier. Folgen Sie mir gerne auf Instagram. Dort wird die ein oder andere Impression landen.

gepacktes Fahrrad auf der Terrasse

KindEins zieht alleine mit einem Kumpel los. Nur die erste Etappe fahren wir zusammen.


Schweine | Während wir auf der Straße sind, bekommen die Schweine einen Feriengast, der seinerseits Urlaub bei uns macht und für Catering und Housekeeping sorgt. Sie werden eine gute Zeit haben.

Verantwortung | In der vergangenen Woche habe ich einen interessanten Vortrag gehört. Das Rheingold-Institut hat eine Auftragsstudie vorgestellt. Es hat untersucht, was verschiedene Altersgruppen unter Verantwortung verstehen und ob jüngere Menschen weniger gerne Verantwortung übernehmen, beispielsweise in Führungspositionen. Das habe ich mitgenommen:

  • Junge Menschen erleben wenig gesellschaftliche Stabilität: Ihr bisheriges Leben ist geprägt von aufeinander folgenden wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, nichts bewirken zu können. Unternehmen füllen diese Stabilitäts- und Wirksamkeitslücke: Die Arbeit gibt Struktur, man kann sich als wirkungsvoll erleben.
  • Die Generationen blicken defizitorientiert aufeinander: Jugendliche und junge Erwachsene erleben Menschen ab 40 als erschöpfte Dauer-Manager, emotional instabil, unnahbar und ständig unter Druck. Sie sehen die Älteren zwar als leistungsstark und verlässlich, aber gleichzeitig als hart, hierarchisch und wenig flexibel.
  • Die Älteren nehmen sich selbst als letzte Generation wahr, die Verantwortung trägt und vermissen Anerkennung. Sie erleben Jüngere zwar als reflektiert, aber auch als unverbindlich und anspruchsvoll.
  • Dieses Generationenbashing ist Spiegel einer mangelnden Fehlerkultur in unserer Gesellschaft. Es schiebt Schuld zu anstatt gemeinsame Werte und Ziele zu stärken.
  • Ältere und Jüngere haben ein unterschiedliches Verständnis von Verantwortung: Ü40er und Ü50er verbinden Verantwortung damit, hart zu arbeiten, Macht zu erlangen, das Steuer zu übernehmen und geradlinig Ziele zu erreichen. Jüngere verstehen Verantwortung als das Gestalten von Gemeinschaft und Dialog, das Geben und Erleben von Strukturen und das Eingebundensein in eine wirkungsvolle Aufgabe. Jüngere wollen Verantwortung übernehmen, aber die bestehenden Bilder von Führung und Verantwortung – Macht, Status und über andere zu bestimmen – sind nicht attraktiv für sie.

Aus meiner Sicht entsteht hier eine Herausforderung: Denn natürlich beinhaltet Führung immer, Ziele zu setzen. Unternehmen wollen Produkte und Dienstleistungen verkaufen. Diese müssen entwickelt werden – und auch effizient hergestellt beziehungsweise erbracht werden, sonst ist man nicht wettbewerbsfähig. Führung bringt auch immer Konflikt mit sich: Organisationen sind voller Zielkonflikte – Wirtschaftlichkeit beißt sich mit der besten fachlichen Lösung, die Interessen des Controllings mit denen des Projekts und so weiter. Und da sind wir noch gar nicht beim Zwischenmenschlichen.

Ich denke, es ist wichtig, zukünftog stärker beides in einem Führungsbild zu vereinen: Ziele setzen und sie gemeinschaftlich erreichen. Diskutieren und um die beste Lösung ringen – und dennoch klare Verantwortlichkeiten haben. Hierarchie einsetzen, um Komplexität zu reduzieren. Macht haben und sie zum Gestalten nutzen. Klare Strukturen und Gemeinschaft schließen sich nicht aus, genauso wie Macht und Dialog sich nicht ausschließen. Wenn Unternehmen jüngere Menschen für Führung begeistern wollen, müssen sie eine gute Balance finden und Ausprobieren ermöglichen.


Proud Supporter | Ich war erneut beim Triathlon in Hamburg und habe mittelalte Männer angefeuert.

Rucksack mit einem Aufkleber "Proud Supporter"

Diesmal lief Herr Stoer keinen Ironman, sondern tat sich mit dem Reiseleiter und einem weiteren Herrn zusammen. Gemeinsam absolvierten sie eine Staffel. Jeder musste nur eine Disziplin machen und das auch nicht so lang wie vor zwei Jahren: Statt 3,6 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und einem Marathon sind sie nicht einmal halb so weit geschwommen, nur 40 Kilometer Fahrrad gefahren und zehn Kilometer gelaufen. Das geht auch mit mittlerer körperlicher Ausstattung. Quasi vom Sofa aus. Und die Veranstaltung ist deutlich kürzer.

Ganz viele Fahrräder, aufgehängt an Metallstangen und mit Startnummern versehen, am Jungfernstieg. Läufer laufen ins Bild. Im Hintergrund Fahnen und Ballons.

Es war kurzzeitig in der Diskussion, dass ich schwimme, aber dann erübrigte sich doch noch einen Kumpel, und ich konnte an Land bleiben. Rückblickend denke ich: Wäre ich mal geschwommen – das wäre weniger anstrengend gewesen als das Anfeuern. Man latscht nämlich ganz schön weit umher in dem Bemühen, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und Dinge wie: „Super!“ und „Weiter so!“ zu rufen, um dann festzustellen, dass es gar nicht der Reiseleiter war, der vorbeifuhr, sondern jemand völlig Unbekanntes, der nur ähnliche Kleidung trug.

Binnenalster. Es schwimmen Leute mit farbigen Badekappen darin. Ein Mensch in einem Kajak sorgt für Sicherheit.

Zwölf Kilometer zeigte mir meine App hinterher an, ich lief mir eine Blase in meiner Sandale. Immerhin gab es nach dem Zieleinlauf Frozen Yoghurt mit Cookie Dough. Das war gut.

Der Reiseleiter hat nun eine Medaille, auf deren Band steht: I am unstoppable. Dazu ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Finisher – World Triathlon Championship Series Hamburg 2026„, obwohl er weniger geradelt ist als auf jeder unserer Dänemark-Etappen und die anderen zwei Disziplinen andere Leute für ihn erledigt haben.* Im Fitnessstudio werden demnächst ein paar Männer anerkennend nicken, wenn er seine Rückenübungen macht.


Gelesen | Heiko hat die Toten Hosen im Olympiapark gesehen und hat eine besondere Art der Balkonbewässerung.

Gelesen | Markus macht Urlaub, baut eine Holzbank und begegnet einem Mann mit einem baumelnden Penis.

Gelesen | Karen urlaubt auch und wandert in der Westtatra.

Gelesen | Carsten erzählt von seiner Woche und Erlebnissen rund um die gesperrte Bonner Rheinbrücke.

Gelesen | Thomas schreibt etwas zu blühenden Landschaften und dem Ostdeutschsein.


Schweine | Das Asylschwein und seine Groupies.

Ein schwarz-weißes, langhaariges Meerschwein steht auf der Wiese schaut in die Kamera. Neben und hinter ihm grasen zwei braune Schweine.

*Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass er zwar nur 40 Kilometer, aber einen 30er-Schnitt fuhr. Also 40 Kilometer in 1 Stunde 15, noch dazu mit einem Platten auf dem letzten Kilometer – das ist ganz schön schnell. Das T-Shirt ist also mehr als verdient und ich bin selbstverständlich angemessen stolz.

Zusammen Eis essen | Wie würde es sein, sich wiederzusehen, während unsere Länder auf unterschiedlichen Seiten stehen? Unsere letzte Begegnung ist neun Jahre her, dazwischen eine Pandemie, ein Kriegsbeginn und mehr als zwei Meter, die ihre Söhne, alle zusammen, in dieser Zeit gewachsen sind.

Und doch ist es, als wären wir uns vergangene Woche zuletzt begegnet, meine russische Freundin und ich. Nahtlos knüpften wir an das Leben des anderen an, als wir uns am Wochenende in den Niederlanden trafen, nahmen die Gespräche aus 2017 auf, dem Jahr, in dem wir uns zuletzt gegenüberstanden.

Gracht in Leiden, im Hintergrund eine Brücke. Im Vordergrund ein Schiff mit Gastronomie. Die Sonnenschirme sind geöffnet, Menschen sitzen auf Stühlen.

Wir kennen uns seit 36 Jahren. Seit einem Schüleraustausch 1992, als Moskau ins Sauerland kam, auf Initiative eines Lehrers, vielleicht auch einer Lehrerin – so genau weiß ich es nicht mehr. Wir gingen gemeinsam zur Schule, besichtigten Burg Altena, wanderten und fuhren Fahrrad. „Die Butterbrote in Deutschland“, sagt meine Freundin heute, „sie waren so lecker. Es waren köstliche Brote, die deine Mutter mir mit in die Schule gab, knusprig und dick bestrichen.“

Ein Jahr später flog ich nach Moskau. Unsere Abreise verzögerte sich um drei Tage. Der Grund: Putsch gegen Jelzin, Ausschreitungen, Häuserkampf, hundertdreißig Tote, der Brand des Weißen Hauses. Unsere Schulleitung, eine ebenso rührige wie resolute Nonne, telefonierte mit den Russen und ließ sich berichten, wie die Lage ist. Ach, sagte man in Moskau, es sei etwas unruhig, aber es gebe keinen Grund zur Besorgnis. Die Stadt sei groß, die Kinder seien keine Putschisten, außerdem habe man alles für die Ankunft vorbereitet, Tänze und Lieder geprobt, wir könnten ganz unbeschwert sein. Also stiegen wir, die Schüler und Schülerinnen, ein Lehrer, zwei Eltern und eine Nonne, in die Aeroflot-Maschine und flogen nach Moskau.

„Wie war es für dich, nach Moskau zu kommen?“, fragte meine Freundin, als wir über das Damals sprachen, „wir hatten doch nichts, nicht einmal Lebensmittel, und keine so köstlichen, knusprigen Brote.“ Ich war fasziniert von der Stadt, von der Metro, den prunkvollen Stationen und der Geschwindigkeit der Züge. Ehrfürchtig stand ich auf dem Roten Platz und erkundete, wie sechs Jahre zuvor wohl Matthias Rust dort gelandet war. Ich betrachtete den bröckelnden Lenin in seinem Mausoleum, sah die Schätze im Kreml, erlebte große Herzlichkeit und verspeiste eine erkleckliche Anzahl Blinis.

Ein Jahr später reiste ich erneut nach Russland, diesmal alleine und nur mit einem Brustbeutel um den Hals, ich war 15 und es waren Sommerferien – und danach fuhr ich noch etliche weitere Male. Zweimal waren wir in St. Petersburg, jeweils mit dem Nachtzug, ich sah die Erimitage und Schloss Peterhof, wir flanierten durch weiße Nächte. Als wir älter wurden, heirateten, Berufe ergriffen und sie Kinder bekam, trafen wir uns auf Zypern, in Estland, in Lettland, in Bayern und in Berlin – bis zuletzt eine Seuche die Welt heimsuchte, ihr Land einen Krieg begann und unsere Freundschaft plötzlich unterbrochen war.

Am Wochenende sahen wir uns nun zwischen Amsterdam und dem Meer. Ihr Mann und ihre zwei jüngeren Söhne waren dabei, der Reiseleiter auch, und als wir uns gegenüberstanden, umarmten wir uns erstmal fest.

Blick auf Strand und Meer mit wolkigem Abendhimmel. Im Vordergrund ein Platz mit einer Figur. Es ist windig. Auf dem Strand stehen Büdchen und Strandkörbe.

Wir aßen zusammen, die Männer schwammen im Meer, und wir fuhren nach Leiden. Es war ihre Idee, ins Museum De Lakenhal zu gehen. Sie hat einen Faible für alte Bilder und hatte über Jan Steen gelesen, der vor dreieinhalb Jahrhunderten in Leiden eine Taverne betrieb und gerne mehrdeutige Bilder malte. Ganze Geschichten sind es, die sich in seinen Gemälden wiederfinden: über Laster und Leidenschaft, Liebeskummer, Spiel- und Trunksucht.

Anschließend besuchten wir den Hortus botanicus, den botanischen Garten der Universität Leiden, bestaunten Pflanzen und die unerwartete Größe dieses Refugiums inmitten der Stadt. Carolus Clusius, Präfekt des kaiserlischen Heilkräutergartens, hat ihn einst angelegt – ungefähr 50 Jahre, bevor Steen seine Taverne eröffnete. Clusius, so erfuhr ich, hat die ersten Tulpen nach Europa gebracht und wesentlich zur Verbreitung der Kartoffel beigetragen. Außerdem brachte er, nach Stillstand im Mittelalter, wieder Schwung in die Pilzkunde, indem er die erste, umfassende Pilzmonographie der westlichen Welt verfasste. Was man nicht alles lernt, wenn man Blumen und Blätter anguckt!

Als wir den Garten verließen, verlangte die Jugend nach мороженое, maroschnaja. Ich schnappte das Wort auf, es dockte sofort in meinem Herzen an, und wir gönnten uns episch große Eisbecher.

Während wir durch Stadt und Garten streiften, sprachen wir über die Kinder und unsere Eltern, übers Älterwerden, über den Beruf und über das Leben. Wir sprachen darüber, wie das Leben in Moskau heute ist, über Alltag und Sorgen, über die Auswirkungen der Sanktionen und immer, wenn wir den Krieg streiften, sagte jemand нет, nein, nicht dieses Thema. Doch es war nicht zu umgehen. Der große und der mittlere Sohn sind im wehrfähigen Alter; die Armee streckt ihre Hände nach ihnen aus. Sie müssen bald Wehrdienst leisten, zwar nur ein Jahr und nur auf heimischem Boden, so sagt der Staat zumindest, aber niemand weiß, was er mit den jungen Männern vorhat, wenn sie erst einmal seine Uniform tragen.

Gracht in Leiden. Ein Boot mit Gastronomie und wehenden Fahnen ist am anderen ufer vertäut. Im Vordergrund ene Laterne mit Geranien.

Wir saßen in der Sonne an einer Gracht, neben mir ein 16-Jähriger, schlaksig und hoch aufgeschossen. Er trainiert viel, am liebsten draußen, laufen und Calisthenics, auch bei Schnee und Sturm. Er ist ein zurückhaltender Mensch mit einem filigranen Gesicht, in seinen Augen Neugier und Freundlichkeit, auf seinem Kopf wilde Locken. Er ist ein guter Zuhörer, stellt viele Fragen und hat Pläne für seine Zukunft. Am liebsten möchte er im Ausland studieren. Er spricht fließend Englisch und lernt Deutsch, mit dem Goethe-Institut und Duolingo.

Wir betrachteten die Boote, die an uns vorbeizogen, Möwen und Tauben umflatterten uns. Er habe Schwierigkeiten in der Schule gehabt, erzählte er, das System sei streng und er habe sich nicht gut aufgehoben gefühlt. Aber nun habe er etwas gefunden, das ihn interessiere: Er programmiert und designt. Seitdem gehe es ihm besser. Eine Freundin habe er jetzt auch, seine erste. „Vermisst du sie?“, fragte ich. Er nickte. An seinem Rucksack hing eine gehäkelte Frucht; seine Freundin habe sie ihm mit auf die Reise gegeben, damit er sie immer bei sich habe. Als er sagte, dass er zur Armee müsse, vielleicht sogar sehr bald, stand Furcht in seinen Augen.

Gracht in Leiden, fotografiert von einer Brücke, im Vordergrund Geranien.

Wir umarmten uns lange, als wir auseinander gingen, die Jungen, meine Freundin und ich. Jetzt, nachdem alles wie früher war, konnten wir uns erzählen, wie wir uns vor dem Treffen gesorgt hatten; wie wir uns gefragt hatten, ob wir noch die sind, die wir einst waren; ob wir unsere Freundschaft in der Vergangenheit zurücklassen oder mit in die Zukunft nehmen.

Wir gingen erfüllt und zugleich sorgenvoll auseinander, denn wer weiß, wann wir uns wiedersehen, in welcher Zeit, in was für einem Zustand der Welt. Diesmal wird es nicht wieder neun Jahre dauern, den Verhältnissen zum Trotz. Das haben wir uns versprochen. Weil man regelmäßig zusammen Eis essen sollte, ungeachtet der Umstände.


Gehört | Die Lange Nacht im Deutschlandfunk: Radfahren – Pedale, ein Lenker und das reicht. Kurzweilig.

Gelesen | Eine Frage, die ich mir seit Längerem stelle – immer dann, wenn ich durch eine weitere dieser neuen, Minecraft-ähnlichen Klötzchensiedlungen fahre: Why don’t we have nicer buildings? Die Antwort: Schöne Architektur erhöht den Wert des Gebäudes selbst wie auch seiner Nachbarschaft. Der Investor profitiert aber nur zum Teil von seinem Invest – der Rest des Gewinns wird vergemeinschaftet.


Schweine |  Abendlicher Schnadegang.

Drei Meerschweine im Garten, die einen unter einer Malve, das andere Schwein knabbert an einem Dickblattgewächs.

Chronik | Es regnet hier weiterhin nicht. Ich erzähle das aus Chronistenpflicht, falls jemand in 100 oder 200 Jahren dieses Café besucht und nachlesen möchte, wie es damals war, als sich die Erde veränderte. Es mögen zwischendurch ein- oder zweimal, vielleicht auch dreimal Tropfen gefallen sein, ich kann es nicht genau sagen – lässliche Schauer, für die man nicht einmal eine Jacke überzieht, wenn man gerade spazieren geht. Heute morgen etwa war ich beim Frühschwumm, als plötzlich Regen einsetzte. Noch während ich dachte: „Ich habe die Wäsche draußen“, war es auch schon wieder vorbei. Als ich heimkam, war die Wäsche trocken, immer noch oder schon wieder. So ein Regen ist das.


Wenn es ruckelt | Anfang des Jahres besuchte ich das EinsA in Dülmen, ein offenes Haus für alle Generationen direkt am Marktplatz. Während ich in diesem schönen, lichten Gebäude stand, verspürte ich den sofortigen Drang, dort ein Seminar anzubieten und fragte: Was wünscht Ihr Euch?

In der vergangenen Woche hatte ich 16 Menschen zu Gast. Sie kamen aus unterschiedlichen Branchen und Arbeitskontexten: aus der Medizintechnik, der Wissenschaft, der IT, aus dem Museumsbetrieb, der Bildung & Pädagogik, der Pflege, Der Finanzberatung, der Automobil- und der Pharmabranche. Wir sprachen über Zeiten, in denen es nicht rund läuft, über eigene Gefühle, über den Umgang mit Frust und Widerstand und über die Begegnung mit Menschen, die wir als unangenehm empfinden. Alle Teilnehmer:innen hatten den Wunsch, etwas zu verändern: sich, das Verhalten der anderen,

Seminarraum mit vollen Tischen und Getränken

Der Ort hielt, was er – mit etwas Fantasie – im Winter versprochen hat: Ein heller Tagungsraum mit Blick in den grünen und beschatteten Kirchhof, mit genügend Raum für Austausch im Plenum, zu Zweit und in Gruppen. Wir arbeiteten im Tagungsraum, in den Sitzgruppen im Haus und im Hof.

In meinem kommenden Newsletter werde ich ein Themenfeld, über das wir sprachen, herausgreifen: Was hinter Frust steckt und wie ich als Organisationsberaterin Menschen begegne, die frustriert von ihrer Arbeitssituation und den Veränderungen im Unternehmen sind. In dem Zusammenhang werde ich über primäre und sekundäre Gefühle sprechen – ein Augen öffnender Unterschied, der, wenn man ihn kennt, ein großer Hebel für Führungskräfte und den Umgang mit Kolleg’innen ist. Hier geht’s zur Anmeldung.

Blick von oben in einen Kirchhof mit Bäumen, Bänken und Rasen. Bunte Fähnchen sind zwischen zwei Laternen gespannt.

Nicht nur ich habe viel in den Tag eingebracht. Ein Riesendank geht an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Danke für Eure Offenheit untereinander und das gegenseitige Vertrauen!

Für den Spätherbst plane ich eine weitere Veranstaltung am gleichen Ort. Mehr dazu im Verlauf des Sommers.

Eine gefalteter Papierkranich auf einer Dtoftebox

Themenvorschlag | Eine Frage von der Themenvorschlagsliste: „Was ist deine größte Schwäche?“

Schwäche beruflich: tiefe Detailarbeit. Ich bin jemand, der in die Breite arbeitet, nicht in die Tiefe. Irgendwann sage ich: „So! Genug geredet! Lasst uns machen! Wir müssen nicht die vierte Ausnahme besprechen!“ Das hat den Vorteil, dass man mit mir ins Tun kommt. Es hat aber auch Nachteile, weil ich manchmal schon bei der zweiten Ausnahme nörgelig werde und dadurch Details übersehe, die relevant sind oder im späteren Verlauf Probleme bereiten, die man hätte verhindern können. Deshalb ist es gut, wenn ich, in Teamarbeit gedacht, mindestens einen Erbsenzähler an meiner Seite habe. Gemeinsam finden wir dann das richtige Maß zwischen Gründlichkeit und Schnelligkeit – Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten vorausgesetzt.

Wenn ich nun tiefer darüber nachdenke, ist es allerdings seltsam. Es gibt durchaus Arbeiten, bei denen ich sehr pingelig bin und an denen ich mit Detailversessenheit dranbleibe. Ich wäre wahrscheinlich eine gute Chirurgin. Gleichzeitig wäre ich niemals eine gute Konditorin. Wenn eine Fondantblume nicht auf der Torte hält – dann halt nicht! Worin aber liegt der Unterschied zwischen Chirurgie und Konditorei? Vielleicht, weil es beim Einen um Menschen geht, beim Anderen um Torten. Möglicherweise ist die Tragweite für mich relevant. Je mehr Tragweite, desto mehr Pingeligkeit? Ja, könnte sein.

Weitere Schwäche: Anderen Menschen geduldig etwas am Computer erklären. Kann ich nicht gut; ich werde sofort ungeduldig. Ich mag mich dann selbst nicht. Und: fluffige, helle Waffeln. Für die habe ich auch eine Schwäche.


Themenvorschlag | Direkt noch eine Frage von der Themenvorschlagsliste: „Hast Du Sommerbuch-Empfehlungen?“

Ich mag die Bücher von Moa Herngren: Scheidung und Schwiegermutter. Herngren seziert das Zwischenmenschliche, ohne pathetisch zu werden. Die Geschichten haben Tiefe und facettenreiche Charaktere. Dennoch kann man sie gut weglesen. Das neueste, Geschwister, habe ich noch nicht gelesen. Ich freue mich jedoch schon darauf, wenn es soweit ist.

Falls noch nicht gelesen: Die Bücher von Joachim Meyerhoff. Ich empfehle den Einstieg mit Alle Toten fliegen hoch – Amerika. Wunderbar tragikkomische, autobiographische Bücher.

Ein dickeres Werk, quasi ein Schmöker: Ann Marie MacDonald – Wohin die Krähen fliegen. Ein großartiger Roman, reich und dicht, mit einer Auflösung, die erst nach mehr als 1.000 Seiten kommt. Ideal fürs tiefe Abtauchen. Die Geschichte spielt in den sechziger Jahren, der Zeit der Kuba-Krise, des Wettrüstens und des Wegs zum Mond. Im Mittelpunkt steht die junge Madeleine, die gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf verschiedenen Militärstützpunkten aufwächst. Die Geschichte entwickelt sich langsam und wird immer intensiver, fast unerträglich.

Ebenfalls tolle Sommerbücher – und auch Winterbücher, für Stunden des entspannten Seins: Elizabeth Strout. Die Mehrheit der Geschichten spielt in einer kleinen Stadt in Maine. Der erzählerische Fokus liegt in jedem Buch woanders, entweder auf einer anderen Person oder einem anderen Handlungsstrang. Der Stil ist ähnlich wie bei Herngren: unaufgeregte, präzise Zeichnungen von Figuren, Gefühle ohne Gefühlsduselei, Alltagsleben.

Weitere Empfehlungen: Curtis Sittenfeld – Prep und Die Frau des Präsidenten. Chad Harbach – Die Kunst des Feldspiels. Ulrich Woelk – Der Sommer meiner Mutter. Katja Oskamp – Marzahn, mon amour. J.L. Carr – Ein Monat auf dem Land und Die Lehren des Schuldirektors George Harpole. Für den Freundeskreis Kiminalroman: Die Manz-Bücher von Matthias Wittekindt.


Schweine | Wenn man am Nachmittag kurz einnickert und plötzlich jemand klingelt:

Meerschein schaut etwas lädiert aus einem Häuschen aus der Wiese. Es sieht aus, als sei es gerade geweckt worden.

Ende der Hitze | Obwohl wolken- und wortreich angekündigt, regnete es nicht. Die Hitze endete einfach trockenen Fußes.

Für den Freundeskreis Chronologie: Etwas viermal mehr Todesfälle am Wochenende am Wochenende

Der ärztliche Leiter der Stadt Köln, Alexander Lechleutner, geht davon aus, dass die Hitze Ursache für die deutlich erhöhte Sterberate ist. Geklärt sei das aber nicht, weil in den meisten Fällen kein rechtsmedizinisches Gutachten vorliegt. 

Nun – ich gehe nicht davon aus, dass sie sich verabredet haben.


Morgenschwumm | Der morgendliche Freibadschwumm heute dergestalt, dass man wieder schwimmen konnte. Das Becken war mäßig belegt, nur zwischendurch drubbelte es sich für ein paar Bahnen. Belebende 2000 Meter geschwommen, danach geduscht und direkt den Wocheneinkauf erledigt. Dann Frühstück. Es gibt kein besseres Frühstück als ein Nach-dem-Sommerschwumm-Frühstück.

Ich freue mich jedes Jahr wie Bolle über dieses Freibad und meine Mitgliedschaft im Freibadverein, die mich zum Jahresbeitrag so oft schwimmen lässt, wie ich möchte.


Broterwerb | Ich stand sehr früh auf und fuhr in eine große Stadt. Dort arbeitete ich mit einem Team, das sich in der vergangenen Zeit gewandelt hat: Menschen sind ausgeschieden, andere sind gekommen, einige sind mehr als 20 Jahre dabei. Jeder und jede bringt ihre Stärken, Ideen und Eigenheiten mit. Dazu wandelt sich das Umfeld, und Abläufe, die lange passten, sind vielleicht nicht mehr ideal.

Um einen Blick auf die eigene Arbeit zu erlangen, ist es manchmal sinnvoll, sich von ihr zu entfernen. Ich beauftragte die Gruppe, als Berater und Beraterinnen für ein Start up zu fungieren, das die Branche aufmischen möchte: Wie sehen effiziente Abbläufe aus? Welche Verantwortlichkeiten braucht es? Wer sollte mit wem zusammenarbeiten? An welchen Stellen werden Entscheidungen getroffen – und wer entscheidet? Wo werden Reibungen entstehen? Welche Tools unterstützen den Arbeitsprozess? Was ist überflüssig? Mit diesem neuen Framing konnte das Team mutig sein und eine neue Perspektive entwickeln. Es steht nun noch viel Klärung aus, wie die angepassten Arbeitswege und Verantwortlichkeiten im Detail aussehen sollen. Aber der Anfang ist gemacht.


#serviceblog | Jemand hat Bahn.jetzt gebaut: Es zeigt, wo Züge sich in Echtzeit befinden – sozusagen Trainradar24. Ich kenne die Datenbasis nicht und weiß auch nicht, ob die Darstellung mit der Realität übereinstimmt oder sich der gleichen Quelle bedient wie der DB Navigator, werde die Seite aber mal testen. Besonders dann, wenn die Angaben im DB Navigator nicht korrekt sind, wenn zum Beispiel ein Zug laut App schon losgefahren ist, obwohl man definitiv noch am Bahnsteig steht und auf ihn wartet, wäre es gut zu wissen, wo er sich befindet. Mit diesem Wissen kann ich mich entscheiden, ob ich weiter warte oder auf einen anderen Bahnsteig wechsle und eine andere Verbindung nehme.


Frauennetzwerk | Hier in Haltern bin ich Mitglied im Frauennetzwerk, einer lockeren Vereinigung von Frauen aus der Stadt, entstanden aus einer WhatsApp-Gruppe. Wir arbeiten in unterschiedlichen Berufen, stärken uns gegenseitig und organisieren Vorträge und Veranstaltungen. Zuletzt hat die tolle Stephanie Ossenbrink, Vermögensberaterin, einen Vortrag zu ETFs und Altersvorsorge gehalten, der rundheraus super war. Ich werde jetzt ein paar Justierungen in meinem Depot vornehmen.

Seit der vergangenen Woche haben wir ein Logo. Es ist in einer großartigen Zusammenarbeit mit dem Hans-Böckler-Berufskolleg hier in Haltern entstanden. Dort werden junge Menschen in Medientechnik ausgebildet. Wir haben angefragt, ob Interesse an einer Praxisarbeit besteht. Die Antwort war: Ja, gerne!

Eine Tasse und ein Notizbuch mit dem Logo des Frauennetzwerks Haltern am See. Das Logo zeigt die Silhouette eines Frauenkopfes, kombiniert die verschiedenfarbigen Kreisen

Die Schülerinnen und Schüler haben Entwürfe gefertigt. Die fünf, die uns am meisten zusagten, hat die Gruppe nochmal weiterentwickelt. Am Ende haben wir uns für eine Arbeit entschieden.

Die drei besten Entwürfe enthielten von uns Preise, alle Beteiligten außerdem eine Tasse mit dem neuen Logo. Ein Bild von der Preisverleihung. Interessant: Die Auswahl erfolgte anonym, die Preisträger sind allesamt männlich – obwohl es mindestens genauso viele Frauen in der Klasse gibt. Zufall? Oder braucht es die andere Perspektive?

Ich habe das Ganze koordiniert: mit dem Frauennetzwerk einen Workshop zu Zielen und Werten gemacht, die Schülerinnen und Schüler gebrieft, die Entscheidungsfindung durch mehrere Stufen moderiert, zwischen dem Berufskolleg und den Frauen koordiniert und einen Preis gesponsert. Ein tolles Projekt mit einer super engagierten und tollen Lehrerin. Viele Herzen gehen raus ans Berufskolleg und die Klasse! <3


Gelesen | Herr Buddenbohm über sein – nein, unser, denn ich bin auch betroffen – Leben als Rechtschreibreaktionär: Ein Anblick grässlich und gemein.

Gelesen | Heikos Hitzenotizen . Er bricht eine Lanze für männliche Fächernutzung.


Vorschlagsliste | Keine neuen Themen. Falls Sie welche haben, hier entlang.


Schweine | Keine Sorge, die Oma blutet nicht. Sie mag nur gerne saftige Tomate.

Ein schwarz-weißes Meerschwein reckt den Kopf in die Höhe. Unter dem Maul ist das Fell rot. Dahinter im Stall frisst ein Meerschwein Heu.

Hitze | Zunächst die Zahl des Wochenendes: 39 Grad im Schatten. Mehr als 50 Grad in der Sonne.

Thermometer in der Sonne. Es zeigt 50 Grad. Höher geht die Anzeige nicht.

Thermalbad | Die vergangenen zwei Tage fuhren wir früh ins Freibad. Wassertemperatur: fast 30 Grad, quasi Thermalbad. Keine große Schwimmleistung. Wir trieben im Wasser wie Brennstäbe im Abklingbecken.

Danach lagen wir zwei Stunden unterm Baum. Lesen, Melone essen, Leute gucken, Bekannte treffen. Am Mittag verlegten wir nach Hause, mit einem Umweg über die Eisdiele, und platzierten uns vor dem Ventilator.

Im Vordergrund ein paar Füße mit rot lackierten Zehennägeln, dahinter eine Freibadwiese

Sunset Beach | Am Freitagabend wäre ich eigentlich auf dem Sunset Beach Festival hier in Haltern gewesen, auf dem Konzert von Jan Delay. 24 Stunden vorher kam eine E-Mail vom Veranstalter: Das Festival wurde abgesagt, alle bekommen ihr Geld zurück.

Ich war erleichtert. Mir fehlte die Fantasie, wie ich den Abend überstehen sollte – auf einem Strandgelände, auf dem es so gut wie keinen Schatten gibt. Bei mehr als 50 Grad in der Sonne! Es wäre auch unverantwortlich gewesen, Menschen dort arbeiten zu lassen. Die Notaufnahmen haben genug zu tun, auch ohne Festival.

Jan Delay äußerte sich auf Instagram polemisch zur Absage: Man sei es gewohnt, bei solchen Temperaturen zu spielen. Antworten auf Kommentare waren patzig. Er bzw. sein Social-Media-Team löschte den Post, als Gegenwind bekam. Die Lust, nochmal Karten für ein Jan-Delay-Konzert zu kaufen, ist angesichts des Statements nicht besonders groß.


Materialermüdung | Wäschewaschwetter für Menschen mit Garten und Balkon. Gleichzeitig hitzebedingte Materialermüdungen: Die Kunststoff-Wäscheklammern zerbröseln.


Letzte Chance | Für Entschlossene: Bei meinem Seminar ist ein Platz frei geworden. Jetzt noch schnell dazukommen! Nächsten Freitag, 3. Juli, 9 – 17 Uhr, Dülmen im Münsterland. Thema: Angemessen und professionell bleiben, auch wenn es ruckelt. Für alle, die in angespannten Phasen einen inneren Kompass behalten und handlungsfähig bleiben wollen.

Ich habe die Erwartungsabfrage gesichtet, den Tag vorbereitet und freue mich! Es kommen sehr interessante Menschen – aus dem Süden, dem Norden und sogar aus den Niederlanden, aus der Medizin, der Pädagogik, der Wissenschaft und der Bildung. Dazu weitere, von denen ich es gar nicht weiß. Ich hoffe, wir haben gutes, nicht allzu heißes Wetter.


Garten | Auch der Garten leidet unter der Hitze. Ich wässere kräftig. Das verhinderte jedoch keine Verbrennungen. Dennoch: Die Blumen schießen ins Kraut, die Tomaten wachsen wie verrückt, und wenn wir so viele Gurken kriegen, wie wir Blüten haben, kann ich mich auf den Wochenmarkt stellen.


Gelesen | Sven Plöger, warum ist es so heiß? – mit klaren Worten zum Klimawandel

Geguckt | Der ARD-Brennpunkt zur Hitzewelle war überraschend deutlich dank Mobilitätsforscher Andreas Knie und Intensivmediziner Dr. Uwe Janssens.

Gehört | Zwei Folgen von Bettina Böttingers Interviewpodcasts gehört: mit Annette Dittert, Großbritannien-Korrespondentin der ARD, und Moderator Steven Gätjen. Ich schaue wenig lineares TV, Privatfernsehen noch weniger. Steven Gätjen kenne ich nur aus alten Schlag-den-Raab-Zeiten und war positiv überrascht. Passenderweise hat die Folge den Titel: „Ich mag es, unterschätzt zu werden.“

Gelesen | Die gedruckte Süddeutsche Zeitung, darin zwei große Stücke zur deutschen Wirtschaftskrise, die erhellend sind, allerdings keine gute Laune machen. Das Interview mit den Ökonomen Niall Ferguson und Moritz Schularick ist online [€]: „China und die USA werden Europa aufessen, Stück für Stück“

Gelesen | Karl-Theodor zu Guttenberg: Der Mann aller Märkte


Schweine | Wir haben Kühlakkus angeboten, den Stall mit feuchten Tüchern behängt, mehrmals täglich frisches Gemüse gereicht, den Boden befeuchtet. Die Schweine hockten unterm Stall und ließen die Hitze dort über sich ergehen. Sie sind wohlauf.

Drei Meerschweine hocken unterm Stall.

Ungnädige Hitze | Fünfunddreißigkommafünf. Das war die Zahl heute im Auto, also ich von einem Geschäftstermin heimfuhr. 35,5 Grad im Ruhrgebiet. Auf dem Rückweg hielt ich im Supermarkt. Der Kühlschrank war schon wieder leer. Erstaunlich, wie schnell das geht, wenn alle Kinder da sind und alle, sowohl Kinder als auch Erwachsene, übers Wochenende Besuch haben.

Im Rewe, vollklimatisiert, hätte ich am liebsten meinen Klappstuhl ausgefaltet und mich für den Rest des Tages in die Molkereiabteilung gesetzt.


Tag der Bundeswehr | Von einer Sache möchte ich noch erzählen: dem Tag der Bundeswehr. Es ist schon ein paar Tage her, dass er stattfand, Anfang des Monats.

Weil wir einen Teenager im Haus haben, der bald einen Brief von der Bundeswehr bekommen wird, weil wir geopolitisch interessante Zeiten haben und weil die Bundeswehr eine Parlamentsarmee ist und wir alle ihr Auftraggeber sind, sind wir dorthin gefahren, zwei Erwachsene, drei Jugendliche. Ein befreundeter Solat kam auch mit, als Conferencier.

Schild vor einer Wiese, im Hintergrund sieht man eine Menschenmenge: "Tag der Bundeswehr" - "Fluchtweg". Oben rechts der Spruch: "Wir sind da."

Mit uns waren 50.000 andere Menschen dort, in Worte: Fünzigtausend. Das waren ganz schön viele. Die Bundeswehr hatte 150 Busse im Einsatz, um die Leute von den Parkplätzen – angemietet bei großen Logistikunternehmen – zur Glückauf-Kaserne nach Unna und von dort zum Standortübungsplatz nach Holzwickede zu bringen.

Wir parkten auf einem der ausgeschilderten Parkplätze, Soldaten wiesen ein. Es wurde zügig zum Vordermann aufgeschlossen und bündig angeparkt. Eine Parkierdisziplin, von der jedes Schützenfest träumen kann. Da blieb kein Platzerl frei! In lockerer Formation liefen wir zur Warteschlange für den Bus. Ein freundlicher Soldat sagte, dass man, wenn man nicht warten wolle, auch zu Fuß zur Kaserne gehen könne, geradeaus, eineinhalb Kilometer. Wir nickten uns zu, schoben die Kinder aus der Schlange, und nahmen Schritt auf.

In der Kaserne eine ausgelassene Stimmung. Menschen über Menschen spazierten durchs Tor: Eltern, Kinder, Saboteure – ein Armageddon für den Militärischen Abschirmdienst. Wir liefen etwas verloren zwischen Wertmarkenstand und Bergepanzer Büffel umher, jemand drückte uns ein Programm in die Hand. Triebwerkziehen, Häuserkampf und dynamische Waffenschau, Überflug des Eurofighter und Auftritt des Heeremusikkorps, Vorführung des militärischen Nahkampfs und Versorgung durch Mittlere Kräfte. Wir beschlossen, erstmal den Übungsplatz zu besuchen: dynamisches Gefecht der Schweren Kräfte. Also forsch voran: Durchschlagen zum Bus und aufsitzen!

Am Truppenübungsplatz ebenfalls viele Menschen und allerhand anzuschauen. Mich zog es zur Bundesmähraupe, einem Militärrasenmäher mit einem Bodendruck, der geringer ist als der menschliche Fuß, bestens geeignet für Moore, Feuchtwiesen und abschüssiges Gelände. Da begann auch schon das Gefecht.

Wir versammelten uns am Absperrzaun.

Ein Panzer, der baggern kann ("Dachs"), und ein Brückenpanzer in einem Feld, das schon ziemlich durchwühlt ist. Im Hintergrund Bäume.

Auftritt Spähwagen Fennek, anmoderiert über einen Lautsprecher. Das war auch nötig, denn vor dem Wald war er kaum zu sehen. Zu hören war er auch nicht. „Ich lag mal im Gras, als er plötzlich neben mir stand“, sagte unser Conferencier. Der Motor sei so gedämmt, „den hörst du kaum“, und auf Wärmebildkameras sei er auch nicht zu sehen.

Auftritt Dachs, Biber und Leopard. Es folgte die Choreographie eines Kriegseinsatzes, eine Landeroberung entlang eines Waldstücks über einen fiktiven Fluss. Es wurde geräumt, verlegt und geschossen. Nicht wirklich geschossen natürlich, sondern nur mit Übungsmunition – auf einen Feind, den man sich denken musste. Die Kinder waren fasziniert. Der Ukraine-Krieg war schon oft Thema bei uns gewesen, am Esstisch und in der Nachbesprechung der logo-Nachrichten. Als Russland angriff, brauchte es genaue Angaben, wie weit eine Rakete fliegen und ein Panzer schießen kann. Ich kaufte das Buch „Was ist Krieg?“ von Eduard Altarriba, in dem der Autor erklärt, warum es Krieg gibt und wie er funktioniert. Viele Male las ich daraus vor, auf ausdrücklichen Wunsch auch beim Zubettgehen. Bei Erklärungen zu Waffensystemen schliefen die Kinder ein; es beruhigte sie offenbar, genau Bescheid zu wissen.

Nach dem Ende des Gefechts, die Kinder waren ganz ergriffen, gab ich zu Protokoll, dass, anders als in dieser Übung, in Wirklichkeit Menschen sterben. Dass sie jetzt tot sind. Die Kinder waren dennoch guter Dinge. Bei ihnen blieb hängen: So wie gerade gesehen, auf diese Weise, beschützt uns die Bundeswehr.

Wir gingen eine Bratwurst essen.

Wertmarke mit der Aufschrift: Versorgungsbataillon Glückauf-Kaserne - Tag der Bundeswehr - Wir sind da"

Die Bundeswehr gab sich viel Mühe – nicht nur zu rekrutieren, sondern auch zu informieren. Sie hatte auffallend viele weibliche Soldaten vor Ort, die Mädchen waren beeindruckt. Wir ließen uns Helme, Rucksäcke und schusssichere Westen zeigen, außerdem Zelte und EPA-Pakete, die Einpersonenpackung zur Verpflegung, die es im Jahr 2026 auch koscher, vegetarisch und ohne Schweinefleisch gibt. Wir schauten in Einsatzleitwagen und mobile Gefechtsstände, beobachteten den Einsatz der Mittleren Kräfte, und der Reiseleiter ließ sich Naturschutz und Landschaftspflege auf Truppenübungsplätzen erklären. Drei Transportflugzeuge A400M überflogen die Szenerie.

Am späten Nachmittag verließ uns die Kraft, wir stiegen wieder in den Bus und ließen uns zum Parkplatz chauffieren. Zurück blieb ein ambivalentes Gefühl: eine Faszination für das Gesehene, für die Technik, die Koordination und Präzision – und der innige Wunsch, dass all das niemals zum Einsatz kommen möge.


Gesehen | Am späten Abend desselben Tages, die Kinder waren im Bett, zappte ich in die Doku „Der Feind in den Wäldern . Ostfront Ukraine“ hinein und blieb darin hängen. Fürchterliche, absolut schonungslose Einblicke in den Kriegsalltag – gefilmt mit Bodycams an den Körpern der ukrainischen Soldaten.

Gelesen | Sarah Gilmartin: Service, aus dem irischen Englisch von Anna-Kristin Kramer. Der Vorwurf der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung, eine Geschichte, vier Perspektiven: die von Daniel, dem Restaurantchef und Angeklagten; die von Hannah, seiner ehemaligen Angestellten; die von Julie, Daniels Frau. Präzise erzählt. Gerne gelesen.


Themen-Vorschläge | Keine Themen oder Fragen auf der Vorschlagsliste. Ich schaue regelmäßig rein.


Schweine | Fünfunddreißigkommafünf. Die Schweine hocken unterm Stall und sind genervt.

Meerschwein unterm Stall, nur die Schnauze guckt zweichen Grüne hervor.

Die Wärme | Mit der Hitze ist es folgendermaßen: Wenn ich frei habe, also wirklich frei, ganz ohne Verpflichtungen, weder beruflich noch privat, finde ich sie prima. Dann kann ich morgens schwimmen gehen, ein wunderbarer Tagesstart. Danach frühstücke ich ausgiebig. Dann begebe ich mich an die Aufgaben, die anstehen: das aktuelle Buch weglesen, die Gemüsebeete kontrollieren, den Schweinen beim Nichtstun zusehen, eine leichte Mahlzeit zubereiten.

Wenn ich allerdings Verpflichtungen habe, ist mir die Hitze äußerst unangenehm, allzuvorderst wenn ich irgendwie gekleidet sein muss, gesellschaftlich kompatibel und zum Kontext passend. Dann wird mein Gehirn puddingweich, ich fühle Schwere und möchte unverzüglich ins Freibdad.

Ziel ist es also weiterhin, Privatière zu werden, um ohne Verpflichtungen in den Tag hinein zu leben. Leider stehen die Chancen dazu gleichbleibend schlecht.


Broterwerb | Solange es mit dem Privatière-Dasein nichts wird, verdiene ich mein Geld freudvoll – zum Beispiel auf dem Ersten Frauentag der Ruhrbahn. Die Gleichstellungsbeauftragte hatte mich engagiert, einen Vormittag zu gestalten, der Frauen stärkt und ihnen Kraft gibt.

Wir haben uns mit Kommunikationsmustern beschäftigt und was man tun kann, wenn man von oben herab behandelt wird. Dazu haben wir geübt, schlagfertig dumme Sprüche zu kontern. Spoiler: Man muss nicht sonderlich kreativ dafür sein.

Folie auf einem Monitor im Design der Ruhrbahn: "Workshop - Klug kontern, schlagfertig antworten!"

In den Tagen zuvor durfte ich zwei Kunden aus dem Ingenieurbereich begleiten. Bei einem Kunden ging es um gute Kundenbeziehungen im Projekt – gerade dann, wenn es knifflig und man zum Spielverderber wird. Beim anderen Kunden widmeten wir uns internen Fragestellungen. Ich mag die Arbeit mit Ingenieurinnen und Ingenieuren sehr; beide Kunden sind sehr spezialisiert. Was sie fachlich tun, ist faszinierend.


Pintxo-Premiere | Am Wochenende hatten wir Besuch. Ich probierte Neues aus: Pintxos. Diese kleinen Häppchen haben der Reiseleiter und ich im Baskenland kennengelernt und uns anschließend ein Rezeptbuch zugelegt. Die Rezepte darin sind entweder fleisch- oder fischlastig, was sich für eine vegetarisch-vegane Runde nicht eignet. Also veganisierte ich sie.

Zwei Teller mit Pintxos wie im Text beschrieben. Sie sehen saftig und lecker aus.

Zutaten für zwei Sorten Pintxos:

  • Baguettebrot (frisch oder selbst gebacken)
  • zwei Paprika, Farbe nach Wahl
  • Kirschtomaten
  • eine große, süße Zwiebel
  • veganer Speck
  • vegane Mayonnaise
  • Fleischersatz nach Wahl, zum Beispiel Burger Patties oder veganes Steak
  • Olivenöl, Salz, Thymian, Koblauch

Paprika sowohl in breite als auch in der schmale Streifen schneiden. Zwiebel aufblättern. Paprika und Zwiebel gemeinsam mit Kirschtomaten auf ein Backblech geben. Reichlich Olivenöl und Meersalz zugeben. Thymianzweige und Knoblauch auf die breiten Paprikastreifen verteilen und alles im Ofen rösten.

Pintxo mit Speck, Zwiebel und Paprika: Auf die Baguettescheibe zunächst Mayo geben. Dann den breiten Paprikastreifen, Zwiebelscheibe, Speck und Kirschtomate drauflegen. Pintxo mit Burger und Paprika: Mayo auf die Baguettescheibe geben. Burger/veganes Steak drauflegen, dünne Paprikastreifen draufgeben.

Das Baguette ist diesmal gut gelungen: knusprige Krume und innen fluffiger als sonst. Ich habe mit hohen Temperaturen und viel Wasserdampf gearbeitet. Werde das fürs nächste Mal noch verbessern.

Drei Baguettes mit knuspriger Krume auf einem löchrigen Baguettebackblech.

Notfall | Beim Zubereiten der Pintxos schnitt ich mir episch in den Zeigefinger.

Sollten Sie die Anschaffung eines scharfen Messers erwägen, kann ich Ihnen das Kochmesser Vivo von Villeroy & Boch wärmstens ans Herz legen. Es schneidet anstandslos durch Fingerkuppe und Fingernagel; man spürt nichts, der Nagel knackt nicht einmal beim Durchtrennen, die Schnittkante ist völlig glatt.

Es dauerte eine Weile, bis ich das Ergebnis dieser Schnittkunst begutachten konnte. Nach dem zweiten Druckverband toppte die Blutung einigermaßen, und es wurde sichtbar. Famos.

Der Freibadschwumm ist erstmal ausgesetzt, bis die Wundheilung ausreichend fortgeschritten ist.


Backofenfahrt | Am Samstag hatte ich die dumme Idee, in der Hitze Fahrrad zu fahren. Solange ich fahre und nicht stehenbleibe, so mein Gedanke, würde der Fahrtwind gut kühlen. Tatsache war: Der Fahrtwind kühlte keineswegs. Es war, als strampele ich im Backofen. Auf freier Strecke war es extrem, die Luft über dem Asphalt flimmerte. Im Wald ging es einigermaßen. Ich kehrte am Sportplatz von KindZwei und KindDrei ein, die ein Fußballturnier spielten, und begab mich ins dortige Kneipp-Becken. Welch eine Wohltat! Nach einer eiskalten Apfelschorle und dem Beklatschen eines Sieges fuhr ich gut gekühlt heim. 30 Kilometer – das reichte.


Gelesen |  Nøglevidnet von Jørn Horst Lier. Ein alter Mann wird tot in seinem Wohnzimmer aufgefunden. Weder besaß er viel Geld noch war er in Verbrechen verwickelt. Doch er wurde gefoltert, seine Wohnung durchwühlt. Kommissar Wisting übernimmt den Fall. Was ich an den Wisting-Krimis mag: Sie konzentrieren sich auf den Kriminalfall und den Verlauf der Ermittlungen. Kapitel für Kapitel setzt sich ein Puzzle zusammen. Keine privaten Geschichten der Ermittler, keine aufzuarbeitenden Traumata. Wohltuend.


Schweine | Als ich letztens in den Küchengarten ging, traf ich Marianne. Wir waren beide gleichermaßen überrascht. Denn der Küchengarten ist für Marianne jenseits des Zauns. Dort kommt sie eigentlich nicht hin.

Wenn Schweine ausbüxen, ist das Problem nicht, dass sie weglaufen. Sie sind Herdentiere und wollen zurück zu ihren Leuten. Das Problem ist, dass sie nicht wieder zurückfinden. Statt anständig nachzudenken: „Auf dem Hinweg bin ich am Lavendel vorbei und an der Malve links, also müsste ich jetzt …“, geht ihnen das Konzept der inneren Landkarte völlig ab. Entsprechend marschierte Marianne, ebenso euphorisiert wie entsetzt über ihren eigenen Wagemut, ziellos durch den Küchengarten, lief am Zaun auf und ab, fand den Rückweg nicht, quiekte nach den Kameradinnen und verkroch sich schließlich im Unterholz.

Für die Nachbarn muss es ein einzigartiges Schauspiel gewesen sein, wie der Reiseleiter und ich versuchten, das Schwein zurück ins Gehege zu locken. Mit Erbsenflocken, mit Petersilie, mit einer Gemüseschale, wir schnitten Marianne den Weg ab, krochen zwischen Beeten und riefen Dinge wie: „Sie ist hier vorne!“ – „Nein, jetzt ist sie bei dir.“ – „Hier ist sie nicht.“ – „Schneid ihr den Weg ab!“ – „Da! Da!“ Eine komödiantische Aufführung.

Nach zwanzig Minuten war Marianne wieder zu Hause, halb geschoben, halb gelockt. Durch welches Loch sie durchgekrochen ist, kann ich bis heute nicht sagen. Ich habe die Enden des Zauns nochmal neu verbarrikadiert – mögen sie nun dicht sein.

Fotoserie des abgängigen Schweins, zurück im angestammten Habitat:

Berlin | Ich war beruflich in Berlin und bin nur einer nackten Person begegnet. Sie war auch nicht komplett nackt, sondern hatte nur die Hose heruntergelassen und pinkelte mit festem Strahl in einen Hauseingang in der Invalidenstraße.

Abgesehen von diesem Ereignis verhielten sich alle Menschen angemessen. Das ist erstaunlich, diese Quote habe ich in Berlin sonst nicht, besonders nicht in den S- und U-Bahnen. Bei meinem letzten Besuch traf ich einen Mann in einem Cowboykostüm, besser gesagt, nun ja, in Teilen davon: Er trug Cowboystiefel, eine Weste, einen Hut und ein Pistolenhalfter, sonst nichts. Er sang ein Lied, und es war schwer zu sagen, was unerquicklicher war, der Gesang oder das übersichtliche Gewand.

Eckkneipe "Hauptmann von Köpenich" mit eine Kreidetafel mit Süeisen ("Cordon Bleu und Kroketten 8,40 Euro"), vor dem Fenster Holzbänke, daneben ein großes Bild von Heinz Rühmann.

Ich schweife ab.

Ich war beruflich in Berlin, erst am Müggelsee, dann in Mitte. Am Müggelsee war ich vorher noch nie. Das ist toll, ich konnte eine neue Gegend entdecken. Ich fuhr mit der S-Bahn bis nach Köpenick und dann mit dem Bus bis in den Wald hinein, wo das Tagungshotel war. Ein interessanter Ort! Das Hotel wurde einst als Arbeiterwohnheim errichtet – für alle, die am Bau des Palasts der Republik beteiligt waren. Später wurde ein Hotel daraus. Heute, im Jahr 2026, hängt ein morbider Charme über dem Plattenbau. Auf einer Architektenwebsite heißt es:

Unter dem Motto „Schnell. Spürbare Veränderung. Preiswert.“ soll das in die Jahre gekommene Hotel behutsam, aber kreativ modernisiert und in die heutige Zeit übersetzt werden.

Work in Progress. Im Innenhof steht hoch das Gras, in den Gängen fehlt die ein oder andere Deckenplatte. Efeu überwuchert Laubengänge und wächst bis ins Innere hinein. Aber die Zimmer sind in Ordnung, das Restaurant ist renoviert, die Menschen im Service sehr freundlich. Es gab Spargel zu essen, dazu Blick auf den See. Ich wünsche dem Ort nur das Beste.

Ein langer Bootssteg in den Müggelsee - aus Beton mit Metallgeländer. Es ist Abend und dämmrig, aber gutes Wetter.

Ich war dort für ein Seminar. Wir beschäftigten uns mit Entscheidungen, mit der Psychologie dahinter, mit Entscheidungsphänomenen und mit Organisationsdynamik. Die Teilnehmenden waren allesamt Fachleute, Naturwissenschaftler. Wir besprachen, welche Faktoren neben den fachlichen Argumenten zu einer Entscheidung beitragen (mehr dazu).

Vom Müggelsee wechselte ich nach Mitte: Der Wald wich Bürohäusern, der See verschwand im Heckfenster des Busses. In Mitte schlief ich im Gartenhotel. Dort war ich schon einmal, und ich mag es sehr: ein Altbau mit knarrenden Dielen, wunderbaren Zimmern, einem Hinterhof mit Garten und einem Hotelkater.

Im Hotel schaute ich, während ich mich für den Tag bereitmachte, morgenmagazin. Der Menge an Männern in Nationaltrikots entnahm ich, dass die Herren-Fußball-WM bevorsteht. Ich hatte das zwar mitbekommen – eine Freundin arbeitet beim zdf sport und wir sprachen jüngst über ihre Dienste -, aber der genaue Tag war mir entfallen. Bei keiner WM habe ich bislang weniger Begeisterung empfunden.

Zwei Tage lang begleitete ein Führungsteam durch die Wirren, die unsere dynamischen Zeiten mit sich bringen. Wir schauten hinter Mechanismen und fegten ein bisschen durch. Abends aß ich Piroggi und las einen Krimi.


Klötzchen | Zwischen Ende der Arbeit und Abfahrt meines Zuges hatte ich zwei Stunden frei. Ich ging in den Hamburger Bahnhof, die Nationalgalerie der Gegenwart, um mir diese Klötzchensache anzuschauen, von der ich gehört hatte.

Was Kunst angeht, vor allem Gegenwartskunst, fehlt mir einigermaßen der Sinn. Ich schaue sie dennoch an und mag es, wenn ich etwas darin erkenne. Außerdem werde ich gerne überrascht, und das ist, denke ich, das Wesentliche an Kunst: Die bestehenden Perspektiven und Erwartungen zu crashen. Deshalb ging ich Klötzchen gucken.

Die litauische Künstlerin Lina Lapelytė hat 400.000 Holzwürfel in die historische Bahnhofshalle gekippt, Musik angemacht, und nun können alle mitmachen. We Make Years Out of Hours heißt die Performance, und ich verstand den Satz sofort: Man kann in den Klötzen versinken, sich in den Bau vertiefen, und nach eine Stunde, die sich wie ein Jahr anfühlt, wieder auftauchen.

Eine Wand aus Klötzen, gestapelt in unterschiedlichem Abstand, manche auch quer, so dass sich Muster ergeben.

Da war zum Beispiel das Paar, beide bereits im Rentenalter, die gemeinschaftlich an einer Mauer bauten. Sie neigten sich einander zu, besprachen sich, gingen auseinander, holten Klötze und stapelten. Die Klötze standen weit auseinander, sie bauten ein Sieb, und sie bauten hoch.

Am anderen Ende der Halle, entfernt von ihnen, lebte ein junger Burgherr, vielleicht einen Meter hoch (der Burgherr), die Burg ebenfalls, aber eindeutig eine Festung mit Zinnen und Türmen. Er lief hinaus und hinein, winkte einer Frau mit weißem, wallenden Haar, und verschwand wieder hinter seinen Mauern. Das tat er mehrere Male, und immer, wenn er hinter den Mauern verschwand, hüpfte er kurz vor Freude.

Holzklätze, aufgestapelt zu einer Mauer, unten ein Viereck, oben ein Dreieck.

An einer anderen Stelle war ein Mann, der sich bedächtig bewegte. Er war sehr dünn, seine Bewegungen waren ohne Ecken und Kanten, ein geschmeidiger Tanz. Er legte die Klötze mit Abstand in einem Rund, stapelte weitere darauf. Sie neigten sich leicht in die Mitte. In Minuten, die vielleicht Stunden waren, stapelte er Reihe für Reihe, bis aus dem Rund ein Kegel wurde, der in einer Antenne mündete.

Währenddessen fiel dem Paar im Rentenalter krachend eine Wand um. Sie lachten und stupsten sich. Du warst es, nein Du! Sie nahmen das Unglück zum Anlass, die Reste zu betrachten und zu beraten, zu was sie noch taugten, wie es nun weitergehen sollte. Dann nahme sie den Bau wieder auf.

Ich selbst baute nichts, ich hatte meine Kreativität im Tag gelassen. Ich dachte nur: Alleine wäre ich nicht einmal auf einen Bruchteil der Kreationen gekommen.

Lina Lapelytės Klötze erzählen vom gemeinschaftlichen Seins und davon, was bleiben darf und was geht, was Neues anstößt und was umfällt, und was mehr ist, als andere in ihm sehen. Eine große Freude.


Wahrheit | In einem der Seitenflügel betrat ich die Wahrheit, Truth, ein Werk von Shilpa Gupta. Je nachdem, wo man steht, sieht die Wahrheit immer anders aus. Gefiel mir.

Die Buchstaben TRUTH stehen und liegen in einem Raum. Sie sind sehr groß. Man kann um sie herumgehen.

Leser’innenfrage | Eine Frage auf der Themenvorschlagsliste: „hast du yesteryear schon gelesen und was hältst du davon?“

Von dem Buch hatte ich bis zu der Frage noch nichts gehört. Aber jetzt! Das werde ich auf jeden Fall lesen. Leider ist mein Geburtstag und damit ein Schenkanlass bereits vorüber. Ich denke, es wird eine gute Lektüre für den Sommerurlaub, wenn ich, ermattet vom Fahrradfahren, in einem Sessel niedersinke.


Gelesen | Henning Ahrens: Mitgift. Eine Geschichte über sieben Generationen. Im Mittelpunkt steht das, was zwischen den Generationen passiert und sich mit ihnen fortpflanzt: Selbstverständis, Traumata, Hybris und die Verantwortung für einen Hof. Anfangs kam ich schwer rein, zumal alle Männer Wilhelm heißen, was die Sache nicht vereinfacht. Das löste sich auf, und am Ende gefiel mir das Buch gut.


Schweine | Das Oma-Schwein musste in die Frisierstube. Ihr Fell ist so dicht und lang geworden, dass ich einmal drumherum schneiden und Knoten entfernen musste. Nun fällt es wieder in lockeren Stufen, schwungvoll und voluminös. Sie ließ es gelassen – oder in Schockstarre, man weiß es nicht – über sich entgehen.



In diesem Kaffeehaus werden anonym Daten verarbeitet. Indem Sie auf „Ja, ich bin einverstanden“ klicken, bestätigen Sie, dass Sie mit dem Datenschutz dieser Website glücklich sind. Dieser Hinweis kommt dann nicht mehr wieder. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen