Broterwerb | In der kommenden Woche bin ich in Berlin bei einem Verband und unterstütze die Teilnehmenden dabei, Entscheidungen zu treffen. Das Training speist sich aus meiner Erfahrung der vergangenen neun Jahre: Ich werde viel für Moderationen gebucht, immer dann, wenn es knifflig wird – zum Beispiel bei Konflikten und vielen Emotionen, aber auch, wenn eine Runde keine Entscheidung trifft, der Status Quo allerdings auch keine Option ist und man sich im Kreis dreht.
Die Runde in der kommenden Woche besteht aus Naturwissenschaftler’innen. Im Briefing haben sie den Wunsch angemeldet, mehr über Entscheidungspsychologie zu erfahren – in der eigenen Fachlichkeit sei man gut aufgestellt, aber eben nicht, was die Mechanismen jenseits der fachlichen Argumente angehe. Die Vorbereitung war mir eine große Freude, denn – ich weiß nicht, was Ihre Erfahrungen sind: Fachliche Argumente machen in Organisationen, optimistisch bewertet, maximal 50 Prozent einer Entscheidung aus. Insbesondere in politisch dynamischen Umfeldern greifen Logiken jenseits der Sachlogik.
Wir werden uns am Vormittag mit der Ebene des Individuums beschäftigen, mit Entscheidungsphänomenen, Biases und der Rolle von Emotionen in der Entscheidung. Am Nachmittag gehen wir auf die Ebene der Organisation, betrachten Organisationsdynamik und (unternehmens-/branchen-)politische Faktoren, die Einfluss auf die Sachentscheidung nehmen. Am Ende gibt es praktische Werkzeuge zur Entscheidungsfindung und zur Abbildung beider Seiten, der Sachlogik und der politischen Logik.
In der Vorbereitung habe ich noch einmal die Fachliteratur konsultiert. Hach! Da möchte man nochmal studieren. So viele interessante Erkenntnisse. Allein die Hirnforschung! Hier fünf spannende Aspekte aus dem Buch des medizinischen Psychologen Ernst Pöppel (Quelle):
- Auch Intuition ist Ratio – allerdings in verdeckten Denkprozessen. Dieses intuitive Wissen funktioniert umso besser, je reichhaltiger unsere Wissen und unsere Kompetenzen sind. Beim impliziten Denken stellt das Gehirn probeweise Verbindungen zwischen Wissensinseln her, ohne dass diese zu Bewusstsein kommen – es findet ein unbewusstes „Probehandeln“ statt, das nur dann explizit wird, also bewusst wird, wenn es Erfolg verspricht.
- In der Kernspintomographie kann man sehen, dass bei intuitiven Entscheidungen mehr Gehirnareale beteiligt sind als bei bewussten, analytischen Entscheidungen. Zusätzlich sind jene Teile aktiviert, die mit Identität und Ich-Bewusstsein verknüpft werden. Durch diese Ich-Nähe glauben wir unseren intuitiven Entscheidungen mehr als jenen, die wir auf Basis einer rationalen Analyse treffen.
- Nur unsere Gefühle sind zeitkonstant – im Gegensatz zu unseren Gedanken, die sich verändern. Emotionen bilden zeitliche Brücken zwischen unseren Gedanken und befähigen uns, Entscheidungen und Handlungen langfristig zu verfolgen (oder zu vermeiden). Deshalb ist es wichtig, Entscheidungen nicht nur analytisch zu durchdenken, sondern auch emotional. Nur wenn eine Entscheidung auch emotional verankert ist, empfinden wir sie als glaubwürdig und verfolgen sie langfristig.
- Weil wir der Welt nicht nur analytisch, sondern auch intuitiv und emotional begegnen, können wir oft nicht genau erläutern, warum wir etwas so entschieden haben – oder warum wir so gehandelt haben. Hier gibt es eine interessante Verbindung zum Lügen: Wer lügt, denkt sich Handlungsabfolgen aus – konvergent-analytisch. Die Aussagen des Lügners sind deshalb exakter als die Aussagen desjenigen, der die Wahrheit sagt.
- Der Mensch kann auf zweifache Weise denken: konvergent und dvergent. Konvergentes Denken meint das analytisch-logische Vorgehen: Es ist ein Problem gegen, ich vermute eine Lösung, und mein Denken begibt sich anhand eines Pfades auf die Suche. Alles, was dazu nicht hilfreich ist, wird ausgeblendet. Anders das divergente Denken: Jede Nervenzelle unsere Gehirns ist mit 10.000 anderen verknüpft – und jede dieser wiederum mit 10.000 anderen. Dadurch können wir assoziativ und ungezügelt denken, jenseits starrer Pfade – womit wir wiederum neue Verknüpfungen schaffen. Jedes kleineste Element ist potentiell über jedes andere im Gehirn informiert. So entsteht Kreativität. Computer – und damit auch KI – denken ausschließlich konvergent.
Bücherschranks, linke Seite. Ich freue mich, wie sich oben und unten in meiner Arbeit zusammenfügt.

Beigespachtelt | Ich habe meine berufliche Website aufgeräumt, inbesondere die Texte. Jetzt wird klarer, was ich tue, und was es meinen Kunden bringt.
Außerdem habe ich einmal durch die Seminare und Trainingsworkshops gefegt. Hier hat sich über die vergangenen Jahre ein klarer Schwerpunkt ergeben – das war vorher zu viel Sammelsurium. Außerdem habe ich drei Programme entwickelt, die über die einmalige Wissens- und Kompetenzvermittlung hinausgeht:
Führen mit Wirkung – das Exzellenz-Programm richtet sich an erfahrene Führungskräfte und bietet Raum, den eigenen Führungsstil weiterzuentwickeln. Schwerpunkt ist ein sicherer Umgang mit Konflikten, Stabilität in dynamischen Zeiten und das Führen durch Veränderung.
Fundament der Führung – Das Essentials-Programm richtet sich an alle, die frisch in einer Führungsrolle sind – und an alle, die zwar schon länger führen, aber nie ein Führungskräftetraining mitgemacht haben und merken, dass sie mehr Sicherheit brauchen.
Im Meeting Excellence Program komme ich in die Organisation und sorge dafür, dass aus zeitfressenden Meetings effiziente Besprechungen werden, die dabei helfen, Dinge nach vorne zu bringen. Wir schauen auf Meetingstrukturen, Teilnehmende, auf eine gute Moderation und die Nachverfolgung der Ergebnisse – wir arbeiten also sowohl am System als auch an persönlichen Kompetenzen.
Außerdem habe ich die Seite Über mich überarbeitet. Dort steht jetzt klarer, was ich kann, wo ich herkomme und wie meine Kunden davon profitieren. Außerdem habe ich die jüngsten Weiterbildungen ergänzt.
Demnächst werde ich noch zwei Use Cases ergänzen, in denen ich aus Projekten erzähle, die ich für Kunden umgesetzt habe.
Gelesen | Herr Buddenbohm ist zwischen den Meeren unterwegs.
Gehört | Mikroökonomen – der Podcast über Wirtschaft: Die aktuelle Folge mit einer Einordnung der UNICEF-Studie zum Kindeswohl in Deutschland. Die Macher blicken durch die Wirtschaftsbrille auf die Ergebnisse. Sie kommen, wenig verwunderlich, zu einem üblen Fazit.
Gelesen | A Field Manual for Three Years of Deutsche Bahn. Kannte ich noch nicht: bahnvorhersage.de. Ich ergänze unter dem Punkt „Routing-Folklore“:
- Wenn Chaos, nimm den erstbesten Zug in deine Himmelsrichtung. Es wird sich alles fügen.
- Wenn Du die Auswahl zwischen zwei Regionalzügen hast, wähle den mit der einstelligen Nummer. Die zweistelligen Nummern werden als erstes runterpriorisiert und gewähren anderen Zügen Vorfahrt.
- Wenn Du nicht wirklich ein Flexticket brauchst, wähle Supersparpreis mit knappen Umstiegen. Mit einiger Wahrscheinlichkeit hast du dann sowieso ein Flexticket („Zugbindung aufgehoben“, „Verbindung nicht mehr fahrbar.“). Wenn nicht, ist die Verbindung pünktlich, auch gut.
- Wähle immer den Umsteigebahnhof mit den meisten Alternativen.
- Wenn du dich entscheiden kannst, ob du in Köln oder Düsseldorf in deinen Anschlusszug umsteigst, wähle Düsseldorf.
- Die IC-Strecke am Rhein entlang dauert zwar länger als die Schnellstrecke Köln – Frankfurt, ist aber hübscher und weniger verspätungsanfällig. Außerdem ist die Fahrt ruhiger – man wird weniger reisekrank.
- Bewege dich bei knappen Umstiegen im Zug zu einer günstigen Tür. Insbesondere in Kopfbahnhöfen wie Leipzig, Frankfurt oder Stuttgart: Wer hier frühzeitig an die Spitze des Zuges/Zugteils geht, hat den kürzesten Weg zum Anschlusszug. Dann klappen auch Zwei-Minuten-Umstiege.
- Nimm zwei kleine Taschen statt eines schrankgroßen Koffers mit. Falls Du überhaupt so viel Zeug brauchst.
- Immer Proviant dabei haben. Der Tag kann lang werden.
Garten | Ein verspäteter Maikäfer. Ist vielleicht zu lange mit der Deutschen Bahn unterwegs gewesen.

Themen-Vorschlagsliste | Keine neuen Fragen oder Vorschläge.
Schweine | Marianne in Erwartung einer Erbsenflocke.








































































































