Chronik | Es regnet hier weiterhin nicht. Ich erzähle das aus Chronistenpflicht, falls jemand in 100 oder 200 Jahren dieses Café besucht und nachlesen möchte, wie es damals war, als sich die Erde veränderte. Es mögen zwischendurch ein- oder zweimal, vielleicht auch dreimal Tropfen gefallen sein, ich kann es nicht genau sagen – lässliche Schauer, für die man nicht einmal eine Jacke überzieht, wenn man gerade spazieren geht. Heute morgen etwa war ich beim Frühschwumm, als plötzlich Regen einsetzte. Noch während ich dachte: „Ich habe die Wäsche draußen“, war es auch schon wieder vorbei. Als ich heimkam, war die Wäsche trocken, immer noch oder schon wieder. So ein Regen ist das.
Wenn es ruckelt | Anfang des Jahres besuchte ich das EinsA in Dülmen, ein offenes Haus für alle Generationen direkt am Marktplatz. Während ich in diesem schönen, lichten Gebäude stand, verspürte ich den sofortigen Drang, dort ein Seminar anzubieten und fragte: Was wünscht Ihr Euch?
In der vergangenen Woche hatte ich 16 Menschen zu Gast. Sie kamen aus unterschiedlichen Branchen und Arbeitskontexten: aus der Medizintechnik, der Wissenschaft, der IT, aus dem Museumsbetrieb, der Bildung & Pädagogik, der Pflege, Der Finanzberatung, der Automobil- und der Pharmabranche. Wir sprachen über Zeiten, in denen es nicht rund läuft, über eigene Gefühle, über den Umgang mit Frust und Widerstand und über die Begegnung mit Menschen, die wir als unangenehm empfinden. Alle Teilnehmer:innen hatten den Wunsch, etwas zu verändern: sich, das Verhalten der anderen,

Der Ort hielt, was er – mit etwas Fantasie – im Winter versprochen hat: Ein heller Tagungsraum mit Blick in den grünen und beschatteten Kirchhof, mit genügend Raum für Austausch im Plenum, zu Zweit und in Gruppen. Wir arbeiteten im Tagungsraum, in den Sitzgruppen im Haus und im Hof.
In meinem kommenden Newsletter werde ich ein Themenfeld, über das wir sprachen, herausgreifen: Was hinter Frust steckt und wie ich als Organisationsberaterin Menschen begegne, die frustriert von ihrer Arbeitssituation und den Veränderungen im Unternehmen sind. In dem Zusammenhang werde ich über primäre und sekundäre Gefühle sprechen – ein Augen öffnender Unterschied, der, wenn man ihn kennt, ein großer Hebel für Führungskräfte und den Umgang mit Kolleg’innen ist. Hier geht’s zur Anmeldung.

Nicht nur ich habe viel in den Tag eingebracht. Ein Riesendank geht an alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Danke für Eure Offenheit untereinander und das gegenseitige Vertrauen!
Für den Spätherbst plane ich eine weitere Veranstaltung am gleichen Ort. Mehr dazu im Verlauf des Sommers.

Themenvorschlag | Eine Frage von der Themenvorschlagsliste: „Was ist deine größte Schwäche?“
Schwäche beruflich: tiefe Detailarbeit. Ich bin jemand, der in die Breite arbeitet, nicht in die Tiefe. Irgendwann sage ich: „So! Genug geredet! Lasst uns machen! Wir müssen nicht die vierte Ausnahme besprechen!“ Das hat den Vorteil, dass man mit mir ins Tun kommt. Es hat aber auch Nachteile, weil ich manchmal schon bei der zweiten Ausnahme nörgelig werde und dadurch Details übersehe, die relevant sind oder im späteren Verlauf Probleme bereiten, die man hätte verhindern können. Deshalb ist es gut, wenn ich, in Teamarbeit gedacht, mindestens einen Erbsenzähler an meiner Seite habe. Gemeinsam finden wir dann das richtige Maß zwischen Gründlichkeit und Schnelligkeit – Kompromissfähigkeit auf beiden Seiten vorausgesetzt.
Wenn ich nun tiefer darüber nachdenke, ist es allerdings seltsam. Es gibt durchaus Arbeiten, bei denen ich sehr pingelig bin und an denen ich mit Detailversessenheit dranbleibe. Ich wäre wahrscheinlich eine gute Chirurgin. Gleichzeitig wäre ich niemals eine gute Konditorin. Wenn eine Fondantblume nicht auf der Torte hält – dann halt nicht! Worin aber liegt der Unterschied zwischen Chirurgie und Konditorei? Vielleicht, weil es beim Einen um Menschen geht, beim Anderen um Torten. Möglicherweise ist die Tragweite für mich relevant. Je mehr Tragweite, desto mehr Pingeligkeit? Ja, könnte sein.
Weitere Schwäche: Anderen Menschen geduldig etwas am Computer erklären. Kann ich nicht gut; ich werde sofort ungeduldig. Ich mag mich dann selbst nicht. Und: fluffige, helle Waffeln. Für die habe ich auch eine Schwäche.
Themenvorschlag | Direkt noch eine Frage von der Themenvorschlagsliste: „Hast Du Sommerbuch-Empfehlungen?“
Ich mag die Bücher von Moa Herngren: Scheidung und Schwiegermutter. Herngren seziert das Zwischenmenschliche, ohne pathetisch zu werden. Die Geschichten haben Tiefe und facettenreiche Charaktere. Dennoch kann man sie gut weglesen. Das neueste, Geschwister, habe ich noch nicht gelesen. Ich freue mich jedoch schon darauf, wenn es soweit ist.
Falls noch nicht gelesen: Die Bücher von Joachim Meyerhoff. Ich empfehle den Einstieg mit Alle Toten fliegen hoch – Amerika. Wunderbar tragikkomische, autobiographische Bücher.
Ein dickeres Werk, quasi ein Schmöker: Ann Marie MacDonald – Wohin die Krähen fliegen. Ein großartiger Roman, reich und dicht, mit einer Auflösung, die erst nach mehr als 1.000 Seiten kommt. Ideal fürs tiefe Abtauchen. Die Geschichte spielt in den sechziger Jahren, der Zeit der Kuba-Krise, des Wettrüstens und des Wegs zum Mond. Im Mittelpunkt steht die junge Madeleine, die gemeinsam mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf verschiedenen Militärstützpunkten aufwächst. Die Geschichte entwickelt sich langsam und wird immer intensiver, fast unerträglich.
Ebenfalls tolle Sommerbücher – und auch Winterbücher, für Stunden des entspannten Seins: Elizabeth Strout. Die Mehrheit der Geschichten spielt in einer kleinen Stadt in Maine. Der erzählerische Fokus liegt in jedem Buch woanders, entweder auf einer anderen Person oder einem anderen Handlungsstrang. Der Stil ist ähnlich wie bei Herngren: unaufgeregte, präzise Zeichnungen von Figuren, Gefühle ohne Gefühlsduselei, Alltagsleben.
Weitere Empfehlungen: Curtis Sittenfeld – Prep und Die Frau des Präsidenten. Chad Harbach – Die Kunst des Feldspiels. Ulrich Woelk – Der Sommer meiner Mutter. Katja Oskamp – Marzahn, mon amour. J.L. Carr – Ein Monat auf dem Land und Die Lehren des Schuldirektors George Harpole. Für den Freundeskreis Kiminalroman: Die Manz-Bücher von Matthias Wittekindt.
Schweine | Wenn man am Nachmittag kurz einnickert und plötzlich jemand klingelt:
























































































