Wasser gegen Hitze | Die Hitze, sie macht manches beschwerlich, führt aber auch zu schönen Begegnungen. So brachte mich das Wetter zum Notarzt meines Vertrauens, genauer gesagt in seinen Pool. Er reichte mir dazu ein kühles Radler, als medizinische Versorgung. Ich fühlte mich direkt viel besser, war gut gekühlt und kreislaufstabil. Zur Rehabilitation gab’s anschließend Burger und gute Gespräche mit kleinen und großen Menschen.
Am heutigen Sonntag lag die Luft drückend im Garten, schwer und feucht. Bereits nach dem Frühstück fühlte ich mich so ermattet, dass ich nochmal ruhen musste. Als ich wieder erwachte, war ich kurz munter und las, nickte dabei aber wieder ein.
Am Spätnachmittag fuhr ich zur Ruhr, traf dort den Busfahrer meines Vertrauens und seine Annette. Wir ließen uns zu Wasser, schwammen stroman und trieben zurück.
Die Schwalben jagten über das Wasser und Pferde tranken am Ufer, der Himmel in der Ferne war dunkel und tiefblau, von weither Donnergrollen. An Ort und Stelle: nur Wind. Das Wunderschöne dort: Auge in Auge mit auf den Wellen wippenden Enten zu schwimmen und Teil zu sein von etwas, in dem wir nur zu Gast sind.
Als wir gingen: schöne Farben.
Am Abend beschenkte die Natur Mensch und Garten mit einem dicken Regenguss.
Käthe | So. (handlungsabschließend)
Teil Zwei ist überarbeitet. So, wie ich meine Lektorin einschätze, ist immer noch viel zu tun. Aber die Geschichte und die Figuren fühlen sich nun runder, voller, schlüssiger an. Mal schauen, was sie sagt.
Garten | Die Temperaturen gefallen den Gurken. Gut gewässert wachsen sie, dass man dabei stehenbleiben und zuschauen kann.
Die Bienen, Hummeln und Schmetterlinge sind überall am Start: an den Sonnenblumen, im Lavendel, der Echinacea, dem Agapantus, im Hibiskus, an den Anemonen, an der blühenden Minze, dem Majoran und dem Oregano, im Storchenschnabel und Eisenkraut, im Kürbis und an den aufgestellten Tränken. Der Garten hat ein Insektenaufkommen wie auf dem Jahrmarkt.
#Serviceblog | Falls es Ihnen in den kommenden Tagen warm wird, habe ich Folgendes für Sie ausprobiert: Ich habe einfach ein feuchtes T-Shirt angezogen. Zehn von zehn Punkte für das Erlebnis „Verdunstungskälte für Praktiker“.
Flipper | Heute früh war ich schwimmen. Wunderbar! Gemütliche 2.500 Meter, habe auch die Kurzflossen ausprobiert. Sensationell. Fühle mich nicht nur wie Flipper. Ich bin Flipper.
Der Vorsatz „früh hin, früh weg“ ist auch gelungen. Um 8:30 Uhr war ich im Becken, um 9:30 Uhr wieder raus. Das war auch die Zeit, zu der die Leute mit den Klappliegen und den Kühltaschen das Freibad betraten. Gleichzeitig nahm der Sicherheitsdienst mit gefährlich aussehenden, Schrank-artigen Männern seinen Dienst auf.
Fresh, Baby! | Ich werde die kommenden Tage in der Frischeabteilung der Metro verbringen. Die habe ich heute besichtigt und muss sagen: wunderbar weitläufig, kühle Temperaturen, flanieren zwischen Fisch, Gemüse und Rinderlende ist sehr angenehm; ideal, um die heißen Tage zu verbringen. Ich klemme mir eine Kioskdose weiße Mäuse unter den Arm und ziehe einen Hausmeisterkittel drüber. Merkt keiner.
#serviceblog | Hinweis des Hauses: Gutes Wetter, um die Winterjacken und Wolldecken mal durchzuwaschen, mit Schnelltrocknung in der Sonne. Da ist man in einem Tag mit allem durch.
Je pompöser dieses Zuhören nun eingefordert wird, desto unklarer wird ohnehin, was aus diesem Vorgang überhaupt erfolgen soll: Entweder das Zuhören ist eine symbolische, paternalistische Geste, die letzthin die Demonstranten zu emotional verwirrten, launenhaften Kindern verniedlicht, die nach etwas mehr Anerkennung ihrer Sorgeberechtigten rufen. Oder das Zuhören wird zum relativistischen Wahrheitsprinzip selbst erhoben, an dessen Ende alles nur noch in „Meinungen“ aufgeht und im Zweifel die Ansicht eines Virologen gleichberechtigt neben der des Mannes steht, der glaubt, Angela Merkel sei von Echsenmenschen gesteuert oder womöglich selbst einer.
Die New Yorkerin Heather Hogan erkrankte im März an Covid-19 – und erzählt von ihrem Weg ohne Happy End. Sie leidet seit der Infektion an POTS, einer orthostatischen Dysregulation: Ihr Herz-Kreislauf-System funktioniert sich nicht mehr richtig.
Exkursion | Heute war ich in unbekannten Gefilden: in der Dortmunder Nordstadt. Dort bin ich selten oder nie, fahre höchstens mal durch – mit dem Auto oder mit dem Fahrrad.
Die Nordstadt ist ein, nun ja, Viertel mit Entwicklungspotential. Auf der einen Seite eine hohe Bevölkerungsdichte: 60.000 Menschen wohnen dort, drei Viertel haben einen Migrationshintergrund. Gleichzeitig ist es das größte zusammenhängende Gründerzeitviertel Nordrhein-Westfalens, viele Studierende, Künstler und Freischaffende leben und arbeiten in der Nordstadt.
Nach Mango-Aioli und in Knoblauch gerösteten Kartoffelscheiben stand ich, als ich meinen MNS aufsetzte, kurz vor der Ohnmacht.
Vorher und nachher habe ich einige Besorgungen erledigt und mir unter anderem Kurzflossen fürs Schwimmen gekauft. Ich möchte den Kraulbeinschlag verbessern, so dass er mehr aus der Hüfte kommt und ich überhaupt mal ein Gefühl für den Wasserwiderstand bekomme. Das fehlt mir in den Beinen. Die Paddles haben mir gut geholfen, die Armtechnik zu verbessern. Mal schauen, ob die Flossen bei den Beinen helfen.
Ich erledigte alles mit dem Fahrrad. Das waren etwas über 20 Kilometer. Auto wäre unsinnig gewesen. Weil mein Auto seit Mitte März nur noch zur Fahrt in den Supermarkt aus der Garage kommt – vom Ausflug nach Essen oder nach Heidelberg mal abgesehen – meckerte letztens der Partikelfilter des Diesels und ich musste ihn freifahren. 30 Minuten auf der Bundesstraße bei 2200 Umdrehungen – eine halbe Stunde Zeit, um über die eigene Klimabilanz nachzudenken.
Nun ja, für Anfang September ist eine Expedition an die Nordsee geplant. Dann kriegt das Auto Auslauf. First-World-Problems.
Abenteuer | Ich habe mich als Wahlhelferin für die Kommunalwahl im September beworben. Das Leben braucht Abenteuer.
Geschenke | Heute war ein toller Post-Tag! Ich erhielt eine Postkarte und noch eine Postkarte und ein Geschenk. Das war super. Ich habe mich gefreut wie Bolle.
Die Brombeeren kamen nicht mit der Post, die sind aus dem Garten.
Tagebuch | Schreiben, um den See gehen, schwimmen, schreiben. Das sind die Aktivitäten.
Um den See ging ich, um die neuen Sneakers auszuführen. Leider hatte ich vergessen, dass der Sushi-Laden Montags geschlossen hat. Das war ausgesprochen bedauerlich.
37 Grad sollen es am Samstag werden. Bis dahin Hitze um die 30 Grad – und auch danach wird es warm bleiben. Ich habe direkt für Donnerstag wieder ein Freibadticket gebucht. Vorsatz: früh hin, früh wieder weg.
Jochen | Der Autor Saša Stanišić schrieb auf Twitter, er denke gern an seinen Schulkameraden Jochen zurück, der mal in der Stadtbibliothek bei 50 Büchern mit „Kochen” im Titel das „K” mit „J” überklebt habe. So seien sehr gute neue Werke entstanden wie „Jochen mit der Wunderpfanne” oder „Spaß am Jochen“.
Ich las das direkt nach dem Aufstehen, während auf dem Herd der Kaffee ins Mokka-Kännchen sprudelte und der Milchaufschäumer die Milch drehte, und mir fielen spontan viele weitere schöne Titel ein, zum Beispiel „Jochen im Wok“, „Das große Buch des Vollkornjochens“, „Jochen – fettarm und schlank“, „Jochen ist Liebe“, „Die hohe Schule des Jochens“, „Wild Jochen!“, „Keine Lust auf Jochen: 30 einfache Rezepte“.
Bemerknis | Die Demonstration in Berlin, auf der Menschen am Wochenende für eine zweite Infektionswelle protestierten, trug veranstalterseitig den Titel „Ende der Pandemie – Tag der Freiheit“.
„Tag der Freiheit“, das ist ja auch ein NS-Proagandafilm von Leni Riefenstahl über den siebten Reichsparteitag der NSDAP. Da wundert es nicht, wer dort alles herumlief.
Die schüchterne Greer Kadetsky ist noch nicht lange auf dem College, als sie der Frau begegnet, die ihr Leben für immer verändern soll: Faith Frank. Die charismatische Dreiundsechzigjährige gilt seit Jahrzehnten als Schlüsselfigur der Frauenbewegung, und sie ist das, was Greer gerne wäre: unerschrocken, schlagfertig, kämpferisch. So sehr Greer ihren Freund Cory liebt und sich auf die gemeinsame Zukunft freut, wird sie doch von einer Sehnsucht umgetrieben, die sie selbst kaum benennen kann. Durch die Begegnung mit Faith Frank bricht etwas in der jungen Frau auf, und sie stellt sich die entscheidenden Fragen: Wer bin ich, und wer will ich sein? Jahre später, Greer hat den Abschluss hinter sich, geschieht, wovon sie nie zu träumen gewagt hätte: Faith lädt sie zu einem Vorstellungsgespräch nach New York ein und führt Greer damit auf den abenteuerlichsten Weg ihres Lebens: einen verschlungenen, manchmal steinigen Weg, letztlich den Weg zu sich selbst.
Das zentrale Thema des Buches ist Macht, genauer: Macht in Hinblick auf Männer und Frauen. Wie kommt man als Frau an die Macht? Mit den gleichen Strategien wie ein Mann? Wie viel Doppelmoral braucht es?
Das Thema Feminismus kommt mit dem Holzhammer, und das ist es, was das Buch bemüht und langatmig macht. Die Charaktere habe ich allesamt als anstrengend empfunden, Greer vorneweg. Ab der Hälfte des Buches wechseln die Perspektiven. Dann wird die Geschichte besser, dynamischer, vielschichter. Ein rascherer, häufigerer Perspektivwechsel wäre spannender gewesen.
Ich kann Sie hier nur mit Schwimmbad und Garten langweilen, es tut mir leid, mehr passiert gerade nicht. Fast, als wäre Pandemie … obwohl … Moment … es ist Pandemie.
Im Freibad brachte ein Vater seinem Sohn das Schwimmen bei. Der Junge hielt den Kopf stur über Wasser und guckte dabei sehr angstrengt, er schwamm wie ein Frosch, in wilden Grätschen, Füße unten und Kopf oben, aber er schwamm eine ganze Strecke am Stück, so eine viertel bis halbe Bahn, das war ziemlich super. Der Vater lief hinter ihm her, er konnte im Becken stehen; er lief also hinter dem Jungen her und redete auf ihn ein. Er sagte ihm, was er anders machen müsse, wie er die Arme und die Beine bewegen solle, dass das alles viel besser ginge, dass er das jetzt auch mal lernen müsse, dass sie jetzt noch eine Bahn machen, damit er das dann auch kann, und als ich schon aus dem Becken raus und umgezogen war, gingen die beiden an mir vorbei zum Ausgang, und der Vater redete weiter auf den Jungen ein. Ich hätte ihm gerne „Du schwimmst toll!“ hinterher gerufen.
Eine Sache passierte dann allerdings heute doch: Ich hatte Besuch von meiner Tante, Vatta holte sie auf halbem Weg ab, und ich buk Waffeln. Es war ein guter Tag zum Waffelnbacken, denn anders als am Tag zuvor hatte es nicht 32 Grad, sondern nur Anfang 20. Ich würde Ihnen jetzt ein Foto von den wirklich sehr gelungenen Waffeln zeigen (wie Matratzen!), aber ich habe keins. Wir haben nämlich zu viel erzählt während des Backens, und dann waren die Waffeln plötzlich weg.
Käthe |Was mich ein bisschen nervt, ist eine Tatsache, die auch bei anderen Schreibprojekten schon so war, im Studium und auch bei meiner Diss: Ich kann nur abends. Von 18 bis 24 Uhr fließt der Text, dann bin ich kreativ, dann geht was. Davor: puuh. Deshalb kann ich mich abends nicht verabreden, zumindest nicht mehrmals in der Woche, weil ich dann nichts hinkriege. Die meisten Leute können aber nur abends, wegen Arbeit und so. Ein Dilemma.
Die Idee verknüpft virtuelle Plattformen mit dem physischen Raum – in dem Fall einem vorhandenen Büro. Man kann sich aber auch jedes andere Firmengebäude vorstellen, zum Beispiel das eigene. Als Mitarbeiterin kann ich das Büro betreten, am Schwarzen Brett gucken und sehen, wer gerade im Meetingraum ist (und mich dazu einladen beziehungsweise sehen, worüber gesprochen wird und wann der Raum wieder verfügbar ist). Es gibt einen Spieleraum und eine Teeküche, in der man sich treffen kann.
Freibadpommes | Das Onlinebuchungstool zeigte eine Auslastung im Stammfreibad von 104 Prozent. Ich hatte schon eine Karte und fuhr für einen Schwumm hin. Auf der Wiese war reichlich Platz. Im Becken so lala. Ich schwamm 2.000 Meter und verzichtete dann auf weitere Umkurvungen.
Bemerkenswert waren einige Sonderexemplare im Becken. Sie sind sonst nicht da, sondern scheinen nur bei optimalen Wetterbedingungen zu kommen:
der Showschwimmer. Besitzt die volle Ausstattung des Schwimmsports und legt sie auch komplett an: Paddles, Taucherflossen, Schnorchel, Pullbuoy, Schwimmbrett. Begibt sich dann auf die Reise ins Great Barrier Reef, findet aber nur gesprungene Kacheln in Dortmund-Wellinghofen. Es gibt ihn nur in männlich.
der Wasserprügler. Bei geringem Vortrieb sorgt er für maximalen Wellengang und Spritzfontänen wie ein Geysir. Wird ebenfalls nur in männlich geliefert.
die Quasseletten. Drei-, manchmal vierköpfige Damengruppe, die auf voller Breite der Schwimmerbahn gen Horizont treibt, innig ins Gespräch vertieft. Überholt- und Untertauchtwerden sorgt für keinen Erkenntnisgewinn, Hinweise Dritter und des Badpersonals verhallen. Nur in weiblich vorhanden.
der Sekundenturbo. Krauler ohne Kraultechnik, der bei Überholung durch eine weibliche Teilnehmerin alles aus sich herausholt und fassungslos zusieht, wie sie auch auf der nächsten Bahn das Tempo hält und davonzieht. Er wollte aber eh grad raus aus dem Becken.
Nach dem Schwimmen sonnte ich mich noch ein bisschen, las und aß, als mich der Mittagshunger ereilte, Freibadpommes.
Codeman | Heute beim Brötchenholen überholte mich schnaufend ein Jogger. Auf dem Rücken seines T-Shirts stand: „Codeman – My software is a lot faster than me“, und ich glaube, ich hatte Gefühle.
Käthe | Heute ein Lese- und Schreibtag. Ich hatte Claire gebeten, für mein Buchprojekt zu diversen historischen Fragen zu recherchieren. Denn ich brauche Alltagswissen. Wie sah das Leben zwischen 1890 und 1910 aus? Viele Selbstverständlichkeiten, die es heute gibt, gab es noch nicht. Oder doch. Oder zum Teil. Oder anders. Wie hat sich Käthe Paulus fortbewegt? Wie waren wohl die Wohnverhältnisse in ihren frühen Jahren, wie später, als sie über Geldmittel verfügte? Welches Denken herrschte vor, in welchen gesellschaftlichen Schichten, welchen Menschen begegnete sie? Wie erlebten die Leute die rasante Industrialisierung, die Veränderung der Städte, den Fortschritt?
Ich lese auch selbst und habe mir außerdem Magazine mit Bildmaterial bestellt, um einen visuellen Eindruck zu haben. Aber ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, eine zweite Person auf Antworten anzusetzen, die ich suche. Denn ein anderer Mensch hat eine andere Perspektive, findet zusätzliche Quellen, zusätzliche Aspekte zur selben Frage, guckt mit anderem Blick auf Informationen. Und so ist es auch: Claires Recherchen geben mir nochmal gute Anstöße.
Ich trage meine neue Lieblingsbluse. Ich habe diese Bluse nun insgesamt dreimal bestellt, davon zweimal überrascht und enttäuscht zurückgeschickt, weil sie schon nach dem ersten Waschen begann, Fäden zu ziehen. Das Geld wurde mir erstattet. Ein paar Tage später stellte ich im Büro fest, nunja – also ich stellte fest, dass die Wölbung meines Bauches manchmal so auf die Schreibtischkante trifft, dass die Ecken der Leitz-Plastikmappen, in denen ich häufig Unterlagen gereicht bekomme, den Stoff meines Oberteils streifen. Diese Ecken sind recht scharfkantig und versursachen Schäden an empfindlichen Stoffen. Verblüffenderweise ungefähr genau an der Stelle, an der die schönen neuen Blusen zweimal begannen, Fäden zu ziehen. Ich habe sicherheitshalber umgehend ein Verbot von Plastikmappen in meinem Raum ausgesprochen. Langsam verstehe ich den alten Oberchef, dem man nur Unterlagen mit Plastikbüroklammern geben durfte, weil er mit den verzinkten „schlechte Erfahrungen“ gemacht hatte. Welche Art schlechter Erfahrungen wurde nie offenbart, aber vielleicht handelte es sich auch hier um Erfahrungen aus dem Bereich „Garderobe“.
Gelesen und gehört| Sascha Lobo über unseren Verkehrsminister Andreas Scheuer: Er ist so unglaublich gut im Schlechtsein | Sportskamerad Tönnies gründet 15 Tochterfirmen für die Produktion und den Vertrieb von Fleischwaren. Ob er diese Firmen nutzt, um Gesetzesschlupflöcher im geplanten Verbot von Werkverträgen zu nutzen, oder ob es sich tatsächlich um Vorratsgesellschaften handelt, wie ein Konzern-Sprecher erklärt, haben hoffentlich wache Journalistinnen und Journalisten im Auge. | US-Präsident Donald Trump, für den die anstehenden Präsidentschaftswahlen eher ungünstig kommen, findet, man müsse die Wahlen verlegen. Beobachter warnen bereits, dass Trump die Wahlen manipulieren und alles daran setzen werde, im Amt zu bleiben. | Nochmal Sascha Lobo: Er ist zu Gast im Podcast von Matze Hielscher und erzählt zum Teil sehr persönlich von der eigene Verletzlichkeit und dem Tod seines Vaters – aber auch über die Themen, für die er bekannt ist: Internet, Netzkultur und Digitalisierung. Gerne gehört.
Ein Loblied | Ich war bei meiner Friseurin. Dazu muss man wissen, dass meine Friseurin keine Widerrede duldet. Also, ihr Mund ist zwar diplomatisch, aber ihr Gesicht ist es nicht. Sie hat allerdings auch immer recht.
Meine Friseurin heißt Ayşe, und das ist ein Loblied auf sie.
Man kann versuchen, Ayşe Frisuren mitzubringen, die man hübsch findet und von denen man sich vorstellen könnte, sie auf dem Kopf zu tragen. Man kann es aber auch lassen. Denn es endet immer so wie bei der letzten Frisur, die ich Ayşe zeigte. Sie sagte: „Guck mal, du hast Haare wie Stroh. Wenn ich dir das so schneide wie auf dem Foto, dann bist du eine Vogelscheuche. Willst du das?“
Ich habe mehrfach versucht, Vorschläge einzubringen, aber Ayşe war nie begeistert. Seitdem lasse ich sie machen. Ayşe fragt trotzdem immer: „Was machen wir denn heute, Vanessa?“ Und ich antworte: „Das, was du sagst, Ayşe.“ Dann kichert Ayşe und macht.
Gestern sagte sie, sie mache diesmal ein bisschen was anders. „Entweder du liebst mich hinterher oder du hasst mich. Mit beidem kann ich leben. Sind beides Gefühle, und ich liebe Gefühle!“
Seit ich Ayşe über meine Haare entscheiden lasse, bin ich ein glücklicherer Mensch, denn ich muss eine Entscheidung weniger treffen und sehe besser aus.
Mahlzeit! | Nachdem ich beim Friseur war, aß ich Sushi, einfach so, weil es auf dem Heimweg lag. Das war toll und galaktisch lecker.
Flipper | Schwimmen gewesen und eine sympathische, weibliche Bekanntschaft gemacht. Wir haben uns nun schon zum zweiten Mal getroffen, jedesmal zufällig beim Schwimmengehen, und unterhalten uns immer sehr nett nach dem Schwumm. Freue mich.
Zwischenfazit der Schwimmsaison: bislang 31 Kilometer. Fühle mich gut.
Testkaninchen |Frank hatte mich gefragt, ob ich Zeit hätte, einen Prototyp zu testen. Er ist Projektingenieur und Business Innovator beim Energieversorger EWE in Oldenburg. Es ging um Remote-Arbeit. Ich hatte Zeit und habe mich sehr gefreut, eine halbe Stunde rumzuklicken, laut zu denken und an der Idee teilzuhaben.
Gelesen und angeguckt | Toll: Reconstructing Journalistic Scenes in 3D. Eine Kombination auf Scrollytelling, Storytelling und 3D ermöglicht es Journalismus, Orte dreidimensional zu zeigen und mit Erklärungen zu versehen. Das Beispiel zeigt eine Wohnung, von der man einen sehr authentischen Eindruck bekommt. Denkbar wäre das Ganze natürlich auch für Orte Zeitgeschichte: Orte politischer Ereignisse oder Orte des Wissenschaftsjournalismus wie zum Beispiel Labore oder Raumfähren. | 73 Cows – die Geschichte des Rinderbauern Jay Wilde und seiner Frau Katja, die mit ihrem Gewissen kämpfen, mit dem Schlachten hadern und ihre Farm ändern. Neben dem Inhalt tolle Bild- und Tonsprache, sehr nah an Menschen und Tieren. Emotional.
Corona-Service | Brasilien hat die zweitmeisten Corona-Toten nach den USA, gemessen an der Gesamtbevölkerung. Ein Fotograf der New York Times, Tyler Hicks, ist den Amazon entlang gereist und hat dokumentiert, wie das Virus sich ausbreitet. Der Fluss ist nicht nur Lebensader des Landes, sondern transportiert mit Menschen und Waren auch das Virus.| Corona-Infektionen in Neuköllner-Bierkneipe: Das Gesundheitsamt fahndet nach 41 Gästen, 75 stehen unter Quarantäne. Zahlreiche Gäste machten falsche oder unvollständige Angaben und können deshalb nur schwer gefunden werden. | Jeder fünfte Covid-19-Patient im Krankenhaus stirbt – oder positiv formuliert: 80 Prozent der Menschen, die stationär behandelt werden, überleben.
Gartenfarben | Gestern Abend gab es den Garten in Technicolor.
Wildblumen gegen Akuratesse | Gestern war auch der Tag, an dem ich den Hintern nicht hoch gekriegt habe – außer am Morgen zur Seerunde mit der Sportskameradin. Danach verließen sie mich auch schon wieder.
Die Wildblumen, die die Landschaftsgärtner in diesem Frühjahr am See eingesät haben, sind übrigens eine Freude. Endlich weniger Akuratesse und mehr bunt.
Den Tag verdümpelte ich bis zum späten Nachmittag. Dann packte es mich aber, und ich schrieb bis kurz vor Mitternacht. Ich baute Szenen aus und Zeithistorisches ein, in die Dialoge und in die Gedankenwelt der Protagonistin.
Heute habe ich das Webinar vorbereitet, das ich morgen halte. Es geht um Persönlichkeit, was uns motiviert und welche Spielprinzipien auch im Arbeitsalltag Sinn ergeben. 90 Minuten, nicht nur für Führungskräfte, sondern für alle, die mit Menschen zu tun haben.
Gelesen und angeguckt | Er ist 83, sie ist 84, sie haben einen Instagram-Account und sie modeln in der Wäsche, die andere Leute in ihrem Waschsalon vergessen haben: die Geschichte dazu in der New York Times. | Interview mit Kevin Pannewitz, der in Rostock und Wolfsburg spielte – und nun in der Kreisliga kickt: „Ich bin zwar fett, aber für die Kreisliga reicht es noch. Die Defensive in der Kreisliga, das ist vogelwild. Da deckt ja niemand die Räume. Ich sehe das und laufe mich frei, wenn ich den Ball dann bekomme, habe ich unendlich viel Platz. Das macht schon einen Riesenspaß.“ Sympathischer Typ. | Ein Video für Freunde des kompetitiven Meerschweins
Flipper | Ich schwamm, und es war sehr schön. Diesmal baute ich etwas Intervalltraining in meine zweieinhalb Kilometer ein, vier 50-Meter-Sprints. Beim letzten Sprint wurde die Bahn ziemlich lang. Heidenei, das zog sich.
Ich war über mich selbst erstaunt, wie schnell ich kraulen kann und wie viel es für die Geschwindigkeit ausmacht, die Atemfrequenz möglichst weit runterzuschrauben. Ich schwamm Viererzug, wann immer es ging, und Dreierzug, nur zwischendurch mal hier und da einen Zweier, das machte erstaunlich viel aus. Am Bahnende pumpte ich wie ein Maikäfer. Aber es war super, werde ich jetzt öfter machen.
Anemonen-Melancholie | Der Garten ist in diesem Jahr an einigen Dingen sehr langsam (gefühlt), in anderen schnell. Die Gurken und die Zucchini brauchen noch, und die Hortensien gehen jetzt erst auf. Vielleicht kommt es mir aber nur so langsam vor, weil ich #wegenderaktuellenSituation praktisch danebensitze und zuschaue, wie es wächst.
Dafür sind die Herbstanemonen schon am Start. Das Blühen der Herbstanemonen macht mich jedes Jahr melancholisch, denn geneinsam mit dem Hibiskus sind die Anemonen die letzten Blüher, die kommen. Dieses Jahr bin ich noch melancholischer, denn ich rechne fest damit, dass wir im Herbst und im Winter steigende Infektionszahlen haben und ich viel alleine zuhause sein werde.
Bis dahin genieße ich den Sommer jeden Tag, ob mit oder ohne Sonnenschein, und schwimme so oft es geht.
Käthe | Um 10 Uhr an den Laptop gesetzt, um 20 Uhr wollte ich noch nicht aufhören. Das war super.
Ich habe geschrieben und umgeschrieben und viel gelesen, über das Kaiserreich zwischen 1890 und dem Ersten Weltkrieg. Aktuelle Aufgabe ist ja, mehr Sinnlichkeit in den zweiten Teil zu bringen – mit mehr Tiefe der Figuren, mit Dialogen und der Entwicklung der Charaktere.
Ich möchte außerdem, dass sich die Stimmung der Zeit in dem Text wiederfindet. Das war wirklich irre: das Wachsen der Städte, die technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen von Maschinen und Automobilen bis hin zur Luftfahrt, das Kleinbürgertum mit seiner Hoffnung auf Aufstieg, die Arbeiterbewegung, die Horizonte, die sich öffneten, der Aufbruch und die Euphorie, dazu das Gefühl, Teil von etwas Großem zu sein, begleitet von einem wachsenden Nationalismus, dem Aufbau der Handels- und Kriegsflotte, dem Unterhalt der Kolonien, Sozialdarwinismus, gesellschaftlichen Konfliktlinien und der immer größer werdenden Kriegslust.
Das deutsche Reich verfügte damals über die größte Industrie Europas und war Exportweltmeister; Krupp, Siemens, Thyssen, Hoesch, Haniel, Henkel, AEG, BASF, Bayer, Agfa, Borsig, Schwartzkopff, MAN, Hanomag, Deutz, Benz, Hapag, Blohm & Voss – das und viele andere waren die Namen der Hochindustrialisierung. Bis 1918 ging zudem jeder dritte naturwissenschaftliche Nobelpreis an die Deutschen. Virchow, Koch, Behring, Röntgen, Hertz, Siemens, Einstein, Planck, Lenard, Hahn, Meitner – Medizin, Physik, Chemie, Strahlung, Quantentheorie, elektromagnetische Wellen, die Erfindung des Kunstdüngers und der Serum-Therapie, Studien zum osmotischen Druck, Relativitätstheorie, die Grundlagen der Kernphysik; unglaublich, was damals innerhalb weniger Jahrzehnte abging, auf so vielen Ebenen. Mittendrin eine Frau, die durch Europa reiste und mit dem Fallschirm aus einem Ballon sprang. Das passt natürlich nicht alles in die Geschichte. Aber die Atmosphäre – die möchte ich reinbringen.
Angeguckt | Stadtplaner Martin Aarts, der Rotterdam zu einer attraktiven und zukunftsweisenden Stadt umgestaltet hat, hat sich exemplarisch einigen Straßen in Berlin-Pankow gewidmet: Stadtraum 2030 – Raum für Menschen statt für Autos
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