Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Archiv der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Alles im Fluss, dazu werde ich Podcast-Gast

24. 03. 2020  •  2 Kommentare

Broterwerb | Viel zu tun gehabt heute. Von 8:30 Uhr bis 20:30 Uhr durchgängig gearbeitet. Telkos, Telefongespräche, nachdenken, Mails schreiben, Informationen erfragen, Informationen verteilen, Absprachen treffen, mit der Technik kämpfen, nächste Schritte vereinbaren.

Ich habe außerdem Absprachen zu meinem Webinar am Freitag getroffen. Die Inhalte sortiert. Einen Leitfaden erdacht. Bildchen gemalt und Folien zu 80 Prozent fertig gestellt. Teaser:

Zugegeben, es fehlt die Tonspur. Aber so soll es ja auch sein. Nichts ist schlimmer, als mit Text zugepflasterte Folien. Ich erzähle lieber Erfahrungen und schreibe lediglich kurz die tatsächlichen Ratschläge auf. Hintergründe erkläre ich mündlich anhand von Bildchen.

Agenda im Webinar „Selborganisation im Homeoffice“ wird sein:

  1. Intro
  2. Den Raum organisieren
  3. Die Zeit organisieren
  4. Die Arbeit organisieren
  5. Das Team organisieren
  6. Homeoffice mit Kindern*
  7. Feedback
  8. Outro

Es wird viele Tipps geben. Zielgruppe sind in erster Linie Menschen und Firmen, die im Remote-Arbeiten noch nicht geübt sind. Die Hintergründe, die ich ab und zu einstreue, erklären, warum die Arbeit aus dem Homeoffice anders ist als die Arbeit vor Ort – grundsätzlich und besonders in einer Situation wie jetzt, wo dauerhaft alle von Zuhause aus arbeiten, und nicht wie sonst einzelne Kolleginnen und Kollegen nur tageweise.

*Hier habe ich wegen eigener Kinderlosigkeit ja selbst keine Erfahrung. Aber ich möchte das Thema zumindest streifen, weil es dieser Tage so akut ist. Ich werde Erfahrungen von Freunden und von Claire weitergeben und Quellen aus dem Netz nennen.


M4MvsCOVID | Abends habe ich mit Webworker Christian und den Medizinern zum Projekt #M4MvsCOVID gesprochen, Mediziner für Mediziner gegen Covid. Zuvor hatte ich schon mit Journalistin Steffi wegen der Kommunikation des Projekts geredet.

Die Seite hat nun ein Farbleitsystem, eine dahinterliegende Intelligenz und sieht schon top aus. Die Inhalte sind weiterhin in der Mache. Wir werden es diese Woche nicht mehr schaffen, online zu gehen – die medizinischen Themen sind doch zu komplex, um sie in der Kürze der Zeit zu erstellen. Wir visieren nun die kommende Woche an.

Mehr über die Initiative bei n-tv.


Spontanes Zusammenfinden | Gestern Abend sah ich einen Tweet von Christina: Sie suchte eine Möglichkeit, remote Podcasts zu erstellen. Ich suche auch. Ich schrieb ihr eine Reply, dass ich keine Antwort, aber die gleiche Frage habe – und eine Idee.

Die Idee war blöd. Aber wir entwickelten neue Ideen. Wir telefonierten uns spontan zusammen, fanden StudioLink und probierten es aus. Unbefriedigend. Wir fanden Zencastr und probierten es aus.

Zwei Tonspuren, eine mit Vanessa, die andere mit Christina

Yay! Einfache Handhabung, schneller Erfolg. Gemacht für zwei Doofe. Sehr gut. Das alles um 22:30 Uhr abends, ich saß schon bettfein auf dem Sofa. Sowas nennt man wohl Homeoffice.

Christina lud mich in ihren Podcast ein, quasi als Remote-Prototyp . Am Samstag nehmen wir eine Folge des „In echt jetzt?“-Podcasts auf – und ich darf Gast sein.

https://twitter.com/inechtPodcast/status/1242208398596280321

Freue mich wie Bolle!


Corona-Service | Die Welt nach Corona: Wie wir uns wundern werden, wenn die Krise vorbei ist. | The Great Empty. Leere Städte, einsame Sehenswürdigkeiten, freie Plätze und Straßen rund um die Welt.

Faisal, die Kanzlerin und Essen mit Freunden

23. 03. 2020  •  3 Kommentare

Broterwerb | Es ordnet sich. Ich ordne mich. Im Vergleich zur vergangenen Woche war der heutige Tag ein ruhiger Arbeitstag – wenngleich durchaus arbeitsreich. Es scheint, als finde die Welt einen neuen Rhythmus. Es gibt neue, feste Telefontermine. Die Kanäle, auf denen man miteinander kommuniziert, haben sich bewährt. Die Kundenprojekte haben sich geordnet.

Ich bin in der glücklichen Situation, dass ich weiterarbeiten kann. Dafür bin ich sehr, sehr dankbar. Zwar habe auch ich Auftragsverluste, aber nicht existenzgefährdend. Vielen Freiberuflern geht es anders.


Errötung | Ich bekam ein öffentliches Kompliment. Das hat mich sehr gefreut. Dito.


Bleiben Sie gesund und munter! | Eine Freundin betreut eine geflüchtete, jesidische Familie aus dem Irak. Faisal, der Familienvater, ist treuer Fan von Angela Merkel, auch in diesen Zeiten. Er verbreitet die Botschaften unserer Regierung per WhatsApp-Status in seiner Community – in denkwürdigen Fotocollagen:


Essen gehen mit Freunden | Der örtliche Teigtaschen-Dealer – das sind eine Mongolin aus China und ein Deutscher aus Freiburg. Gemeinsam haben sie eine Tochter und machen seit einem Jahr Teigtaschen in Dortmund.

Über Facebook verkündeten sie, dass sie ihre Gerichte zwischen 17 und 20 Uhr zur Abholung anbieten – nach Vorbestellung.

Ich stupste die Freundin aus dem Dorf an und machte den Vorschlag, heute Abend zusammen zu essen. Wir suchten uns etwas aus, ich bestellte für mich und für ihre Familie, holte das Essen ab, stellte es meiner Freundin vor die Haustür, fuhr zu mir, und gemeinsam aßen wir, verbunden per Facetime, unsere Jaozis und Baozis.

Esstisch, darauf Kartons mit Salat und Teigtaschen, am Ende des Tisches in iPad mit Facetime.

Auf gofundme kann man für den Laden spenden.


Corona-Service | United We Stream: Die DJs aus den Berliner Clubs legen jeden Abend von 19 bis 24 Uhr auf. Spende erwünscht. | Eine aufschlussreiche Analyse des österreichischem Standard aus den Skigebieten: Après-Ski mit bösem Erwachen in den Tiroler Bergen. Sie zeigt, wie der Skitourismus zur Verbreitung des Corona-Virus beigetragen hat. | Die Psychologin Susanne Bücker von der Ruhr Uni Bochum forscht über Einsamkeit und soziale Isolation – und beschäftigt sich wissenschaftlich mit der aktuellen Situation. Sie sucht Menschen, die sich an einer Studie beteiligen möchten. Mehr dazu in einem Interview. | Microsoft stellt Teams in den kommenden sechs Monaten kostenlos zur Verfügung. Ich habe es schon genutzt. | Gesammelte Links vom Kinderdok, um Kindern das Corona-Virus zu erklären | Der Artikel „Beatmung – ein Beispiel“ von Intensivmedinziner Marc Hanefeld zeigt, wie Intensivmedizin sich anfühlt und welche Komplikationen bei Erkrankungen wie COVID-19 auftreten können – an einem konkreten Fall. | Modeling COVID-19 Spread vs Healthcare Capacity: Ein Versuch von Data-Scientist Alison Hill, die Corona-Ausbreitung anschaulich zu modellieren; man kann selbst die Regler verschieben und schauen, was passiert. Ein weiteres, leichter verständliches Modell stammt von Kevin Simmler: Outbreak.

Das Leben dieser Tage

22. 03. 2020  •  9 Kommentare

Mandolinen-Allee | Am Samstagmorgen machte ich zum erweiterten Brötchenholen einen Spaziergang durch die Nachbarschaft.

Man ging sich aus dem Weg, ließ sich mit Abstand vorbei, umrundete sich lächelnd. Insgesamt mehr Freundlichkeit als sonst. Man grüßt sich nun, auch wenn man sich nicht kennt.

An der Bäckerei: Schlangestehen, wie es die Kanzlerin empfiehlt.

Drei Menschen in der Schlange auf dem Bürgersteig, weiter Abstand.

Die Bäckerei verkaufte neben Backwaren auch Mehl und schwere Hefe-Blöcke von 500 Gramm, hatte zusätzlichen Spuckschutz für die Mitarbeiterinnen aufgehängt, über den Thekenbereich und an der Kasse. Alle waren gut gelaunt und rücksichtsvoll, Kunden wie Bäckersmenschen.

Die Bäckerei ist geschäftstüchtig und verkauft nun auch Klopapier, in Kuchenform.

Innendrin ist Marmorkuchen. Schmeckte gut.


Rückblickend | Aus heutiger Sicht betrachte ich diesen komischen Infekt, den ich Mitte Februar hatte, mit anderen Augen. Er bescherte mir (für mich untypisch) eine Woche lang Gliederschmerzen, außerdem leichten Husten und in einer Nacht auch überraschende Luftnot.

Ich werde nicht erfahren, ob es schon Covid war – oder doch nur Infekt plus Verspannung. Von wem soll ich es auch gekriegt haben? Höchstens von Leuten, die Skifahren waren. Eher unwahrscheinlich. Aber es bewegt ja doch die Gedanken.


Tischtennis im 3. Stock | Meine Nachbarn werden kreativ, was die Freizeitaktivitäten angeht.

Esstischplatte, mit Kleenex-schachteln als Tischtennisnetz.

Soft und sicher.


Isolationsturnen | Ich suchte derweil nach Workout-Alternativen zum Fitnessstudio und fand ein Shred-Video, mit dem ich turnte.

AppleTV mit Workout-Video-Auswahl

Heidewitzka. Das war erstaunlich anstrengend; ich werde das wiederholen müssen. Danach noch Situps und Dehnübungen. Man wird ja ganz steif vom Zuhausesein.


M4MvsCOVID | Den Sonntag verbrachte ich weitgehend mit #M4MvsCOVID, Mediziner für Mediziner gegen Covid. Christian hat durchgearbeitet – es gibt nun ein funktionierendes Backend und ein funktionierendes Frontend. Die Preview sieht schon sehr passabel aus.

Ich testete beides, sah nach den Inhalten der Mediziner, telefonkonferierte mit den Medizinern und mit Christian, und telefonierte mit Steffi, die uns in Sachen Öffentlichkeitsarbeit unterstützt.

Inzwischen gibt es 650 Unterstützer und Unterstützerinnen aus der Medizin. Ich erhielt das Angebot einer Übersetzerin, die uns mit ihrem Team dabei helfen möchte, das medizinische Wissen zu übersetzen. Außerdem erreichte mich das Angebot einer Medizinerin in Elternzeit, die uns aus dem Homeoffice helfen möchte.

Großartig. Alles großartig.

Ziel ist erstmal, die Seite in einer Basisversion zu launchen. Dann Ausbau der Inhalte. Dann weitere Features, Schritt für Schritt. Artikel beim deutschen FOAM-Netzwerk (free open access medical education) zeigen einen kleinen Ausschnitt dessen, was die Mediziner gerade vorbereiten.


Frühjahrsputz | Die Krise bringt mich zum Äußersten: Ich putzte alle Fenster. Krass, wie hell es draußen ist. Gar nicht mehr neblig.

Weil die Wohnung ein Fuß-Erlebnispfad war (es fehlte nur der Rindenmulch), saugte und wischte ich.

Wahnsinn, wie sauber es nun ist.


Corona-Service | Unterrichtung durch die Bundesregierung vom 3. Januar 2013, Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012. Interessant sind die Seiten 55ff.: Pandemie durch Virus Modi-SARS | Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben. | „Superspreader“ sind Menschen, die mehr als zehn weitere Menschen anstecken. Die Welt zeichnet nach, wie ein Geschäftsmann, der kurz zuvor aus China gekommen war, vielleicht hunderte Menschen im Berliner Club „Kater Blau“ angesteckt hat – und wie es danach weiterging (Seite 54: Im Fieber das Nacht) | Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wollen erfahren, wie jeder von uns mit der Corona-Sitation umgeht: alle Sprachen – und Deutsch | Sportkommentator Robby Hunke verbringt seine Quarantäne damit, das Geschehen vor Ort zu kommentieren und postet die Videos auf Twitter. | Wir alle hab zigfach Anleitungen zum Händewaschen erhalten. Dieses Video finde ich allerdings nochmal ganz eindrücklich und ist sehr gut geeignet, Kindern die Technik zu erklären. | Die Steuerberater-Kanzlei Franzen & Hofmann hat Tipps und Hilfestellungen für Selbstständige erstellt | Homeschooling-Wutausbruch einer Dreifachmutter | Ralf Heimann reflektiert den Nachrichtenkonsum: Die einen verfolgen Nachrichten in Echtzeit, die anderen kommen ganz ohne aus. | Polylino stellt momentan seine App für Bilderbücher kostenfrei zur Verfügung. Es stehen Bilderbücher in 60 Sprachen zum Vorlesen bereit.

Truman Show

20. 03. 2020  •  8 Kommentare

Tagwerk | Heute ein vergleichsweise ruhiger Tag. Kein Kundenarbeitstag, nur der morgendliche Update-Call, damit ich – gerade in diesen Zeiten – weiß, wie die Lage dort ist.

M4MvsCOVID. Status bei den Medizinern:

Projektleiter-Telko gemacht, gemeinsam Entscheidungen getroffen bezüglich Aufbau des Backends der Website. Ein paar Stunden später stand es auch schon. Abends nochmal Absprache mit Christian zu einigen Details.

Ich telefonierte mit der technischen Redakteurin, die sich bereit erklärt hat, uns bei der Inhaltebereitstellung zu unterstützen, und holte sie ins Projekt.

Ich las in den Discord-Channeln mit, um zu erahnen, welche und wie viele Inhalte kommen werden. So konnte ich mich für die Arbeit der kommenden Woche wappnen und gucken, ob ich irgendwo die Projektleiterhand heben muss (nein).

Entsprechend las ich auch, auf was die Mediziner sich vorbereiten und wie. Holy fuck, Leute. Bleibt zu Hause.

Passend dazu der Bericht: Warten auf die Welle.

Randbemerkung: Alle Ärzte rasieren sich gerade ihre Bärte ab, damit die FFP-Gesichtsmasken besser passen, zum Eigenschutz. Sie setzen, um wenigstens ein paar Haare im Gesicht zu behalten, auf Corona-kompatible Schnurrbärte. Wenn Sie also einem schnurrbärtigen Arzt begegnen, wissen Sie nun Bescheid. Hashtag: #CoronaBart


Truman Show | Emotional befinde ich mich in einem Zustand des fassungslosen Zuschauens. Normale Verhaltensmuster sind plötzlich ein Risiko, die Kanzlerin hält eine Ansprache, Grundrechte werden ausgesetzt. Ich horche in mich hinein: Ist da ein Halskratzen? Habe ich mir gerade ins Gesicht gefasst?

Vielleicht ist das alles eine Truman Show. Ich bin Truman Burbank, und irgendwann Mitte April, nach vier Wochen Heimisolierung, fällt mir ein Scheinwerfer in den Garten.

Eine abstrakte Situation. Ich komme da noch nicht drauf klar.


Familienarbeit | Die Telefonate, Telefonkonferenzen und Video-Calls sind eine Freude. Überall turnen Kinder herum. Das Geschäftliche und das Private lösen sich auf. Freudiger Höhepunkt war heute, als ein Kind während einer Telko ein Stempelkissen geknutscht hat. Großartig.

Hinweis an alle Eltern: Wenn Ihr während eines Telefonats mit mir Eure Kinder anherrscht – sprecht sie doch bitte vorher mit Namen an. Sonst denke ich nämlich, ich sei gemeint. Es ergeben sich dann so Dialoge wie:

Vanessa: Blabla, geschäftliches Zeugs, blabla …

Nein.

Vanessa: Aber wir haben doch grad …

NEIN!! Habe ich gesagt!

Vanessa: … ?

Nicht da hoch klettern!

Ich bin sicher, dass Corona die Geschäftswelt verändern wird. Plötzlich sind alle nun Väter und Mütter. Alle müssen den Job und die Kinder unter einen Hut bringen; die Familienarbeit tritt aus der Unsichtbarkeit des Privaten hervor, bei beiden Geschlechtern. Dennoch geht Vieles einfacher und besser: Plötzlich werden pragmatisch Entscheidungen getroffen; was lange nicht ging, geht auf einmal – und fühlt sich sogar gut an.


Quarantäne im Sauerland | Ein Mensch aus der Verwandtschaft befindet sich gerade in Quarantäne. Er wohnt umständehalber bei den Eltern im ersten Stock, ohne Küche. Im Erdgeschoss sitzt der Vater, fast 80 und Hochrisikopatient, stark herzkrank. Es gilt: kein Kontakt, kein Austausch von irgendwas.

Eine Serviette auf der Treppe markiert den Essens-Abwurfplatz: Dort legt die Mutter ihrem erwachsenen Sohn jeden Tag Brote hin – ohne Geschirr, das er, vielleicht kontaminiert, wieder zurückgeben müsste.

Treppenbsatz, darauf eine grüne Serviette und eine Ausgabe der Westfalenpost

An guten Tagen gibt’s zusätzlich eine Zeitung. Heute war ein guter Tag.


Corona-Service | ReichtmeinKlopapier.de | Wie künstliche Intelligenz und Data Science bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie hilft. | Blick aus dem Ausland: Deutschlands Corona-Virus-AnomalieAus einem anderen Land – eine Serie von ZEIT-Autor Henning Sußebach. Er dokumentiert, wie die Corona-Krise Deutschland verändert. Bauer Glantz in Delingsdorf fragt sich, ob er jetzt Erdbeeren pflanzen soll. Bestatter Akif Tokicin sorgt sich um Begräbniskultur. | Virologe Christian Drosten in einem lange Interview zum Virus |76 Prozent des Krankenhauspersonals ist weiblich, ebenso 73 Prozent der Angestellten im Lebensmitteleinzelhandel. Mehrheitlich die Frauen kümmern sich im Homeschooling und Kinderbetreuung. Die Virus-Krise trifft Männer und Frauen unterschiedlich. | Aldi und McDonald’s haben eine Personalpartnerschaft geschlossen, um Lebensmittelverkauf und Logistik im Einzelhandel zu verstärken. | Ein Dortmunder Gastronom hat vier Tonnen Ware übrig. Er kocht jetzt 10.000 Portionen Essen und verkauft die Gerichte in vakuumierten Paketen – zahl, so viel zu willst. | Der Reifenhersteller Michelin bietet Rettungsdiensten kostenlos Ersatzreifen an.

#M4MvsCovid, Broterwerb und mehr Corona-Servicelinks

19. 03. 2020  •  4 Kommentare

#Machen | Erwacht um 6:30 Uhr, direkt mit Gedanken zum Projekt „Mediziner für Mediziner“ (jetzt auch mit Hashtag: #M4MvsCovid). Aufgestanden und ohne Umwege eine Ordnerstruktur zur Inhalteerstellung niedergeschrieben. Dann Kaffee.

Ich habe keine Übersicht, wie viele Mediziner und Medizinerinnen gerade zuarbeiten, aber es sind viele. Man hört, es gäbe insgesamt 400 Unterstützer aus Ärzteschaft, von Pflegenden und aus dem Rettungsdienst, die dem Projekt nahestehen – daraus rekrutiert sich eine Mannschaft, die die Inhalte zusammenstellt.

Wir haben nun:

  • eine Teamstruktur gemäß Sitemap der Website, mit Teamleitern, die die zuarbeitenden Leute koordinieren.
  • eine Ordnerstruktur, in der wir die Inhalte organisieren, inklusive Dateinamenskonvention und Konvention für Versionierungen.
  • Wireframes der Website (feat. Christian)
  • eine eingerichtete Domain

Die Mediziner eskalieren gerade:

https://twitter.com/Caethan13/status/1240645633834471424
https://twitter.com/publicenema2/status/1240711355612700673
https://twitter.com/TraumjobArzt/status/1240408270524895234

Wie Sie sehen, ist die Schwarzwaldklinik höchstselbst mit an Bord.

Ziel ist weiterhin, Nicht-Intensivmedizinern zu helfen, komplexe Krankheitsbilder rund um COVID-19 zu bewältigen, insbesondere auch Beatmung und Atemwegssicherung. Es wird Flowcharts, Checklisten, Grafiken, Fließtexte und Erfahrungsberichte geben, gruppiert nach dem Weg, den die kritisch kranken Patienten nehmen:

  1. Ambulante Versorgung
  2. Präklinik und Rettungsdienst
  3. Notaufnahme
  4. Beatmung und Atemwege
  5. Intensivmedizin

Aufgrund der Dynamik der Situation mit teilweise stündlich neuen Informationen, neu erscheinenden Leitlinien und Empfehlungen verschiedener Fachgesellschaften werden alle Inhalte nach bestem Wissen aggegriert; die Mediziner kreieren praktische Tipps und Handlungsempfehlungen daraus. Es sind Ratschläge aus dem Netzwerk, von Praktikern für Praktiker im Kontext der Katastrophenmedizin – Wissen, das jede Ärztin im Einzelfall natürlich nochmal auf Richtigkeit prüft. Es wird einen entsprechenden Disclaimer geben – auch diese Sachen haben wir im Blick.

Cut. Ab 8:30 Uhr arbeitete ich dann bis in den Nachmittag hinein für meinen Kunden. Absprachen, Telkos, Telefonate, Gedanken sortieren. Das findet ja auch noch statt, und gar nicht mal unerheblich: die normale Arbeit.

Am späten Nachmittag besuchte ich kurz die Seifenmanufaktur ums Eck (die übrigens auch einen Onlineshop hat). Danach kochte ich einen Auflauf; ich habe ihn auch fotografiert, aber optisch ist er eher … also, das Bild könnte einen falschen Eindruck vermitteln. Er war sehr lecker.

20 bis 22 Uhr: Telko mit dem medizinischen Projektleiter der #M4MvsCovid, gemeinsamer Check der Vorgehensweisen, Klärung von Fragen und Status der einzelnen Handlungsstränge.

Es gab Anfragen, ob „Mediziner für Mediziner gegen Covid“ finanzielle Unterstützung braucht. Antwort: Ja, das wird so kommen. Aber erstmal bringen wir das Ding online, danach kümmere ich mich um das Geldgedöns. Initialkosten für den Provider gehen auf mich, das ist ja nicht viel, Christian und ich machen erstmal, der Rest wird sich finden. Wir haben bereits Kontakt zum Health Innovation Hub des Bundesministeriums für Gesundheit. In dessen Newsletter findet sich auch schon ein Interview zum Projekt mit einem der Initiatoren.

Während ich dies schreibe, hat sich eine technische Redakteurin angeboten zu helfen. Das ist alles großartig.


Corona-Service | CovApp – Selbsttest der Charité für alle, die ihr Erkrankungsrisiko und ihre Symptome einschätzen wollen. Ziel: Optimierung der Patientenströme | Pandemic Footprint – Wie viel trage ich zur Verbreitung des Virus bei? | Wir vs Virus – Hackathon der Bundesregierung – Coden gegen das Virus. | Das European Journalism Observatory (EJO) analysiert in seiner Rubrik „Qualität & Ethik“, wie Medien in ihren Ländern mir der Corona-Krise umgehen | Gute Nachrichten für Freelancer und Einzelunternehmer: Regierung plant viele Milliarden Euro Unterstützung für Solo-Selbstständige | Weniger staatstragend: die Traffic-Entwicklung bei Pornhub seit Beginn der ersten Corona-Shutdowns | Auf der neu gegründeten Coronapause geben Eltern Tipps für Eltern – für die Zeit sozialer Distanzierung, fürs Homeschooling und fürs Arbeiten von zuhause mit Kindern. Unter anderem entsteht dort das Kinderbuch „Drin-Bleib-Monster – Alma hat Coronaferien“ der Illustratorin Sophie M. Phildius.


Natur fürs Gemüt | Zum Abschluss des Tages ein Bildchen: Auf dem Weg ums Eck sah ich einen sehr hübsch ausschlagenden Nadelbaum. Den möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Grüne Nadeln mit roten Spitzen

Gelesen | Christians Tag. Das Pendant zu meinem.

Webprojekt für Mediziner gegen Covid-19, viele Kanäle und ein Webinar fürs Home Office

18. 03. 2020  •  4 Kommentare

Viele Kanäle | Viel zu tun. Mehr als ohne Corona. Manches sogar gegen Geld. Verrückt. Dazu viele Kommunikationskanäle. Heute habe ich kommuniziert über: Telefon, E-Mail, WhatsApp ( und -Gruppen), Microsoft Kaizala (und -Gruppen), Microsoft Teams, Go-to-Meeting, Jabber, Facetime, Discord.

Unterschiedliche Projekte, unterschiedliche Menschen, die Unterschiedliches bedienen können und wollen. Unterschiedliche Infrastrukturen auf der anderen Seite. Unterschiedliche Ansprüche und Notwendigkeiten an Austausch und Kommunikation.

Die Mehrarbeit kommt auch durch die wegbrechenden Routinen und das Lernen neuer Wege. Discord kannte ich nicht, dort musste ich mich erst umsehen. Facetime kenne ich – habe ich aber noch nie zur Telko genutzt. Alles nix Wildes, sogar toll, frisst aber, wenn es geballt auftritt, erstmal geistige Ressourcen.


Webinar | Passend zum obigen Punkt gebe ich am kommenden Freitag über die Akademie „Pro Content“ ein Seminar: Selbstorganisation im Home Office: sich und andere gut organisieren.

Für mich eine gute Gelegenheit, das Format des Webinars mal auszuprobieren. Das Ganze geht 90 Minuten. Es wird darum gehen, …

  • wie man seinen Alltag im Home Office sinnvoll strukturiert.
  • Ich gebe Tipps für die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen, mit dem Team und mit Kunden.
  • Ich werde erzählen, was die Distanz mit uns macht und wie wir sie überwinden und
  • wie wir dem Kommunikations-Overkill entgegentreten – oder, andere Version:
  • wie wir uns mehr Austausch verschaffen.

Das Webinar hat keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Jeder muss seinen eigenen Weg und Arbeitsmodus finden; jeder ist ein anderer Typ. Ich erzähle daher, was ich selbst als gut empfinde – jenseits von Allgemeinplätzen wie „keine Joggingbuxe tragen“. Außerdem hilft mir meine wunderbare Assistentin Claire mit ihrer Erfahrung. Falls Ihr etwas beisteuern wollt: sehr gern!


Mediziner für Mediziner gegen Covid 19 | Ein weiterer Grund, warum ich derzeit viel kommuniziere: Ich schiebe ein Webprojekt von engagierten Notfallmedizinern an. Es befähigt Nicht-Intensivmediziner, bei komplexen Krankheitsbildern rund um Covid-10 die bestmöglichen Entscheidungen zu treffen.

Denn: Die Ärztinnen, Ärzte und Pflegende im, sagen wir, Kreiskrankenhaus Kleinbutzbach werden bald in Situationen kommen, in denen sie Patienten mit akutem Lungenversagen (ARDS) und weiteren Komplikationen begegnen – und sie werden diese Patienten nicht an einen Maximalversorger, also zum Beispiel eine Uniklinik, überweisen können. Das Projekt aggregiert pragmatisch das Wissen dazu.

https://twitter.com/narkosedoc/status/1240351425428967428

Gestern kam der Narkosedoc dazu auf mich zu und sagte: „Wir brauchen eine Projektleitung, die das ins Web bringt.“

Ich sah sofort die Wichtigkeit und Dringlichkeit, sagte spontan zu, stellte Fragen, telefonierte und telefonierte, gewann Christian Fischer als Webdesigner (1000 Dank!) und schuf Strukturen. Gestern Abend erste Telko, Kickoff, warum, was, wer, wie, wozu. Heute Abend, 23 Uhr, steht das Konzept, wir haben Entscheidungen getroffen, Content Management System ist klar, Inhaltstypen, Menüführung und diverse Details sind geklärt. Christian beginnt die technische Umsetzung, die Medizinerinnen und Mediziner produzieren die Inhalte.

Ziel: von Null auf Online in sieben Tagen.


Solidarität, Leute | Wenn Sie ein Buch benötigen oder nun Muße haben, mal wieder zu lesen, schauen Sie dieser Tage doch mal virtuell vorbei …

Das sind alles tolle Menschen, die sich dieser Tage doppelt und dreifach über einen Einkauf freuen.


23:45 Uhr. Feierabend.

Glühende Ohren, Angebote für Kinder und kein Mehl mehr da

17. 03. 2020  •  2 Kommentare

Glühende Ohren | Zweimal den Akku leer telefoniert. Telefoniert! Das ist mir seit Erfindung des Smartphones nicht passiert.


Einkaufen | Kein Mehl mehr da.

Schilder am leeren Regal: "Maximalabgabe 2 Pakete Mehl"

Klopapier und Hefe gibt’s auch nicht zu kaufen. Nudeln sind aus. Nudelsoßen auch. Reis war nicht mehr da. Ich habe nochmal Gemüse und ein paar Milchprodukte gekauft, kann jetzt Glückscurry en masse kochen und zwei bis drei Wochen überbrücken.


<3 | Ganz lieben Dank an I., die mir „Ein Mann seiner Klasse“ von Christian Baron schickte.


Für Kinder | Ohrka – Kinderkanal für die Ohren mit 80 Stunden Hörbüchern und Hörspielen | Auch das Kinderradio Mikado hat viel zum Hören. | Einfach vorlesen! – kostenlose Bücher zum Vorlesen für Kinder ab drei Jahren. | Das SWR-Kindernetz – auch mit Erklärungen zu Corona und Schulschließungen. | Schule daheim vom Bayerischen Rundfunk | Die Spielekartei mit Spiel-Ideen für Kinder bis 16 Jahre | Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat Science at Home – Info- und Lernmaterial für die schulfreie Zeit | Herr Grün kocht mit Luigi – Kochrezepte für Kinder

KfW | Corona-Hilfen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) – mit Newsletter-Service

Gelesen | 3D-Druck rettet in Italien Leben

Gelesen | Wer einen Schreibtischjob hat, arbeitet dieser Tage mehrheitlich von zu Hause. Die Folge: deutlich mehr Datenverkehr. Ein Interview am Internettauschknoten De-Cix in Frankfurt am Main.

Angeguckt  | Die Videotagebücher Italiens: Gli italiani in casa ai tempi del coronavirus – Die Italiener zuhause in Zeiten des Corona-Virus. Videos von Italienern und Italienerinnen, von Familien, Singles, alten und jungen Menschen, wie sie sich die Zeit während der Ausgangssperre vertreiben, wie sie die Großeltern besuchen, wie sie ihre Enkel hüten, welche Sorgen sie haben.

Wie es wird, Luftkuss-Tag, Lean Startup und Home Office, bis auf Weiteres

16. 03. 2020  •  3 Kommentare

Wie es sein wird | Es ist surreal.

Schaue ich in den Garten, ist die Welt wie immer. Die Tulpen und die Osterglocken blühen, die Meisen fliegen die Nistkästen an, es summt und brummt und zwischert. Auch, wenn ich auf die Straße blicke, ist kein Unterschied festzustellen – und doch ist alles anders.

Europa wird die Pausentaste drücken. Drei, vier, sechs oder mehr Wochen werden wir innehalten. Wir reisen nicht mehr. Wir sorgen uns um die Nachbarn, die Freunde, die entfernte Tante. Und bald?

Ich bin sicher: Wir werden uns an das andere Leben gewöhnen. Die Klopapierkäufer, Supermarktstürmer und Steriliumklauer werden sich beruhigen. Wir werden gelassener werden. Wir werden Respekt empfinden vor denen, die zu wenig Respekt erfahren. Wir werden denjenigen Danke sagen, die sonst selten einen Dank bekommen. Wir werden mehr lesen. Wir werden mehr spielen. Wir werden nicht pendeln. Wir werden mehr schlafen. Wir werden mehr miteinander reden. Wir werden uns anrufen und austauschen. Wir werden uns helfen. Wir werden Zeit haben nachzudenken. Wir werden Menschen neu kennenlernen, uns selbst und einander. Wir werden mit uns konfrontiert sein. Wir werden spüren, was wichtig ist. Wir werden erfahren: Plötzlich geht, was vorher nicht ging. Wir werden merken: Dinge, die nicht gehen, müssen nicht sein. Wir werden Schlüsse ziehen. Wir werden uns streiten. Vielleicht wird es mehr Scheidungen geben. Vielleicht werden aber auch mehr Babys geboren.

Wie wird es sein, wenn alles wieder anläuft, irgendwann? Wird unsere Gesellschaft eine Wiedereingliederung brauchen, nach Hamburger Modell? Wird es sein wie ein Umzug, wenn man alles einmal in die Hand nimmt und sich entscheidet, ob man es mitnimmt oder zurücklässt?


Bemerknis | Ich bin beeindruckt, wie entschlussfreudig unsere Regierung ist. Sehr beeindruckt. Dass sie gegen jeden wirtschaftlichen Lobbyismus handelt, stimmt froh. Und zeigt, dass es ernst ist.

Obwohl surreal, kommt mir ein Teil der aktuellen Situation emotional bekannt vor – vom Eremitenhäuschen auf La Gomera. Das Gefühl, das ich dort hatte, ist ähnlich des Gefühls, das sich nun einstellt. Einkaufen erforderte Geduld, der Weg zum Supermarkt war weit, die Auswahl war kleiner als gewohnt. Ich war allein. Die Umstände bestimmten das Sein: Bei Regen ging nichts. Ich plante vor und kochte, was da war. Ich arbeitete, atmete und war mir selbst genug. Man ahnt: Das könnte bald eine Fortsetzung finden.


Horizont erweitern | Am Donnerstag und Freitag war ich noch einmal unterwegs. Ich fuhr nach Bad Camberg in Hessen. Die Hotelwirtin freute sich wie Bolle, als ich kam. Sie habe so viele Absagen, sagte sie, sie sei glücklich, dass ich da sei. Ich erhielt ein größeres Zimmer.

Am Freitag nahm ich an einem Seminar teil. Es hieß: „Innovationskultur schaffen“ und war sehr prima. Einen Teil der Inhalte kannte ich, andere nicht. Meistens sind es ohnehin die kleinen Dinge, die mich weiterbringen.

Unter anderem beschäftigten wir uns mit Lean Startup als Methode, um neue Produkte, Dienstleistungen und Prozesse zu entwickeln. Gerade das Beschreiben und Beweisen von Annahmen habe ich als sehr hilfreich im empfunden: Man beweist mit Experimenten, dass die einzelnen Teile eines Geschäftsmodells funktionieren – oder eben nicht. Und das, bevor große Investitionen getätigt werden. Die Vorgehensweise ist ähnlich wie bei der interaktiven Innovation, mit der ich arbeite – und doch anders, nochmal zielgerichteter und einfacher.

Außerdem haben wir über Messmethoden und sinnvolle KPIs für Innovationen gesprochen – über Aktivitätsmetriken, Wirkungsmetriken und Pitch-Kriterien. Aktivitätsmetriken sind Kennzahlen, die die Tätigkeiten im Innovationsprozess anzeigen. Wirkungsmetriken messen den Einfluss dieser Tätigkeiten auf den Geschäftserfolg. Pitch-Kriterien helfen bei der Entscheidung, ob man eine Idee oder einen Prototypen weiterverfolgen oder fallen lassen möchte.

Das Seminar fand im schönen Kloster Gnadenthal statt. Dort blühten die Osterglocken, und wir hatten reichlich Platz, uns aus dem Weg zu gehen – zumal wir aufgrund von Absagen nur zu Fünft waren.


Geburtstag unter Bedingungen | Am Tag darauf feierte ich Geburtstag – unter Girlanden und im kleinen Kreis, mit Lufküssen.


Kopf lüften | Der See lag am Sonntag sehr schön; der erste Frühlingstag nach langen Wochen des Regens. Der Himmel schimmerte rosa, die Luft war mild.

Im Freien konnte ich Abstand zu anderen Menschen halten. In den Cafés und Restaurants saßen hingegen Leute über Leute, es war rappelvoll.


Arbeit | Heute Home Office: Der Kunde hat seine Räumlichkeiten zwar geöffnet, wünscht aber, dass möglichst alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Home Office arbeiten – auch die Externen, wie ich eine bin.

Das tat ich: Ich bin vom Auftraggeber mit Hardware und allen Möglichkeiten zur Remote-Arbeit ausgestattet; er ist dahingehend sehr gut aufgestellt. Ich arbeitete weiter an den Themen, die mir obliegen. Das bedeutete vor allem: viel telefonieren – in Einzelgesprächen und in Telefonkonferenzen.

Ich ließ mir von unterschiedlichen Mitarbeiterinnen aus unterschiedlichen Disziplinen viel erklären, um ihre Perspektiven kennenzulernen und zu empfehlen, was gemeinsam zu tun ist.

Auch wenn ich Home Office und Remote-Arbeit gewohnt bin: Am Nachmittag rauschte mir ganz schön der Kopf. Denn normalerweise arbeite ich daheim hauptsächlich für mich – zwar unterbrochen von einzelnen Telefongesprächen. Aber der Anteil des Redens und Zuhörens ist deutlich kleiner, der des Nachdenkens größer. Wenn – wie heute – das Ohr der einzige Eingangskanal ist, ist das Zuhören und Schlüsseziehen deutlich anstrengender; alles muss über Sprache vermittelt werden, es fehlen die Informationen aus Mimik, Gestik und dem gemeinsam Gemalten.

Immerhin hatte ich einen schönen Blick in den Garten – mit Blümchencontent.


Gelesen und angeguckt | Die Washington Post zeigt anschaulich, warum das öffentliche Leben eingeschränkt wird und was Quarantäne bringt.

Gefreut | Die Dortmunder Makeup-Artistin Katja Grebner hat bei Microsoft Teams eine Plattform ins Leben gerufen, auf der Dortmunder Einzelunternehmer*innen sich in der Corona-Krise gegenseitig unterstützen können – mit Wissensaustausch, Teilen von Ressourcen und dem gemeinsamen Erarbeiten von Lösungen. Großartig.

Gelesen | You Can Virtually Tour These 500+ Museums and Galleries From Your Couch

Serviceblog | Tech against Coronavirus: Eine Liste von Tools fürs virtuelle Arbeiten alleine und im Team

Gelesen | Das merkwürdige Verhalten weinseliger Großstädter zur Coronazeit. Die Ausgangssperre wird kommen. Deshalb.

Gelesen | Das sind die wahren Sportler. Spoiler: Aki Watzke ist es nicht.

Zum Unterschreiben | Petition: Hilfen für Freiberufler und Künstler während des Corona-Shutdowns. Ein Appell, Finanzhilfen und Unterstützungen für Firmen und abhängig beschäftigte auch auf Einzelunternehmer auszuweiten.

Gelesen | Was ganz anderes: Wie es wirklich ist, seinen Penis verlängern zu lassen [€]

Positives aus dem Garten, Händewaschlieder und ein Ford Mustang

12. 03. 2020  •  4 Kommentare

Grüner Daumen | Zunächst etwas Erfreuliches: Vor etwa fünf Jahren habe ich mir aus dem Teneriffa-Urlaub eine Strelizie mitgebracht. Vielleicht kennen Sie diese Pflanzen, die dort am Flughafen in kleinen Plastiktöpfen verkauft werden. Sie war nur handtellergroß.

Heute ist sie fast einen Meter hoch und zeigt ihre erste Blüte.

Momentan wohnt sie noch im Haus. Ich habe sie nur fürs Foto rausgestellt, darüber hinaus ist es noch zu kalt. Im Sommer zieht sie wieder in den Garten um.

Die gleichzeitig gekaufte Kamelie ist inzwischen ein Busch, geht mir bis zur Hüfte und blüht jeden Sommer.


Krone | Die Einschläge kommen näher. Erste Menschen, die ich mit Namen kenne, wurden positiv auf COVID-19 getestet. Ich hatte keinen persönlichen Kontakt.


Wash your Lyrics | Derweil könnt Ihr Euch Händewaschposter mit dem Lied Eurer Wahl machen.

https://twitter.com/giardino/status/1236993629283135488

Digitale Stadt | Die Stadt Dortmund bot gestern Morgen eine digitale Veranstaltung an: einen Livestream mit dem Leiter des Gesundheitsamtes, Frank Renken.

Herr Renken informierte über das Virus und über Maßnahmen. Nichts, was ich nicht schon wusste. Dennoch eine super Sache: Der Mann war sympathisch und aufgeräumt, die Technik war professionell. Gruß an Herrn Renken und meine Stadt: Das war eine gelungene, vertrauensbildende Maßnahme.


Schatöchen | Uns bleibt nichts erspart: Auch das Schatöchen wurde zum Corona-Risikogebiet erklärt. Gut, dass wir dort ausufernd dem Müßiggang fröhnen und die Scholle sowieso nie verlassen. Der Leclerc und die Kellereien müssen dann halt anliefern.

Nein, Scherz. Wir werden das natürlich beobachten.


Ford Mustang | Noch etwas Tolles: Ich habe ein Geschenk bekommen und mich wie Bolle gefreut.

Lego Creator Ford Mustang (fotografiert neben der Saturn-IV-Rakete)

Den Aufbau werde ich zelebrieren.


Gelesen | Es gibt die erste experimentelle Studie zur Aerosol- und Oberflächenstabilität von SARS-CoV19. Aktuelle Erkenntnisse: Das Virus hat offenbar drei Stunden Aerosol-Stabilität. Auf Stahl und Kunststoff bleibt es zwei bis drei Tage Tage stabil. Auf Karton und Papier bleibt es 24 Stunden aktiv.

Gelesen | Auch Selbstständige und Freiberufler werden entschädigt, wenn das Gesundheitsamt sie in Quarantäne schickt. Ich schätze mal, dass es in der Praxis nicht so einfach wird, sondern dass man den Verdienstausfall eindeutig und mit entsprechenden Belegen, zum Beispiel Verträgen, dem Quarantänezeitraum zuordnen muss und dass die Leistung auch in keinem anderen Zeitraum nachgeholt werden kann.

Corona-Bemerknisse

10. 03. 2020  •  13 Kommentare

Virale Beschäftigung | Corona beschäftigt mich gerade sehr stark – weil es meine Kunden beschäftigt. Nachfolgend einige lose Bemerknisse.


Kurvendiskussion | Man kann die Absage von Veranstaltungen und die behördlichen Entscheidungen richtig finden und trotzdem den Kopf über Hamsterkäufer schütteln. Man kann völlig unpanisch sein, und trotzdem versuchen, sein Verhalten anzupassen. Das geht gut, das ist kein Widerspruch.

Worum es bei Geisterspielen, Veranstaltungsabsagen und der Vermeidung von Dienstreisen eigentlich geht – in einer Grafik:

https://twitter.com/betablogr/status/1236924443093499904

Das Ganze auf Deutsch, mit Kurve, nochmal bei der FAZ. Eindrücklich auch diese Grafik:

https://twitter.com/clausvonwagner/status/1237320829698027523

Quelle: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America

Die Nachrichten aus Bergamo sind in diesem Zusammenhang leider sehr besorgniserregend. Dort ging die Kurve steil hoch. Die italienischen Ärzte machen dort nun faktisch Triage: Der Krankenhausarzt Christian Salaroli sagt, man entscheide nach den Faktoren Alter und Gesundheitszustand, inwieweit sich eine Behandlung lohne – oder ob ein anderer Patient größere Chancen habe und deshalb einen der Beatmungsplätze erhalte, wie im Krieg. Er ruft dazu auf, zu Hause zu bleiben (Übersetzung von mir):

State a casa. State a casa. Non mi stanco di ripeterlo. Vedo troppa gente per strada. La miglior risposta a questo virus è non andare in giro. Voi non immaginate cosa succede qui dentro. State a casa.

(Bleibt zu Hause. Bleibt zu Hause. Ich werde nicht müde, das zu wiederholen. Ich sehe zu viele Leute auf den Straßen. Die beste Antwort auf das Virus ist, nicht raus zu gehen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was hier drin los ist. Bleibt zu Hause.)

Coronavirus, il medico di Bergamo: „Negli ospedali siamo come in guerra. A tutti dico: state a casa“

Wie Salaroli spricht auch sein Kollege Daniel Macchini von „Krieg“: Text im Tagesspiegel.

State a casa. Bleibt zu Hause. Ich werde am Freitag noch ein Seminar besuchen (wenn es denn stattfindet), und mich danach etwas einschränken, neben der Arbeit, völlig unpanisch, um dazu beizutragen, dass die Kurve flach bleibt.


Der Kapitalismus | Ich höre immer wieder Kritik daran, dass die Berichterstattung die Folgen für die Wirtschaft thematisiert. Es gehe doch um Menschenleben und die Gesellschaft, da sei Kapitalismusdenken ja wohl fehl am Platze.

Ich habe bereits Auftragseinbußen. Bislang nicht besorgniserregend. Aber wenn im zweiten Halbjahr weitere Aufträge wegbrechen oder wenn ich erst gar keine Aufträge erhalte, weil die Unternehmen, die mich eigentlich engagiert hätten, erstmal ihre Verluste aufholen müssen – dann macht mir das Sorgen. Ich bin noch gut dran, ich habe Reserven und bin allein. Viele Freiberufler haben keine ausreichenden Rücklagen, um mehrere Monate zu überstehen – und haben zudem Familie und Kinder. Für uns gibt es kein Kurzarbeitergeld und keine staatlichen Hilfen.

Es gibt schon jetzt zahlreiche Messe-, Transport- und andere Unternehmen, die ihre Verluste kaum tragen können. Das sind keine Konzerne mit Vorständen und Boni. Das sind Menschen, die eine Idee hatten und die etwas aufgebaut haben. Sie beschäftigen weitere Menschen und geben ihnen Arbeit. Sie alle haben nichts falsch gemacht, sie haben richtig gewirtschaftet – dennoch reicht es nicht, weil zu schnell zu viel wegbricht. Da gibt es momentan bereits viel Verzweiflung, weil Leute sehen, dass ihre Reserven nicht ausreichen werden, um über viele Monate die Löhne weiter zu bezahlen. Beide, Angestellte und Unternehmerinnen, sind Nachbarn, Bekannte, Freunde. Das ist nicht der böse Kapitalismus. Das sind Wir – genauso wie all die Menschen, die nicht krank werden sollen, Wir sind.



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