Habemus Carrum | Ich könnte die Geschichte vom Ende her erzählen, nämlich dass ich den Kaufvertrag für ein Auto unterschrieben habe – nach zähen Wochen vergeblicher Bemühungen. Oder ich beginne in der Mitte, als gleich mehrere Autoverkäufer sich vor mir versteckten. Oder ich erzähle vom Anfang her, als ich frohgemut loszog, um ein E-Auto zu kaufen.
Wo auch immer ich die Geschichte beginne, die Quintessenz bleibt die gleiche: Die Autohäuser im Ruhrgebiet scheinen kein Interesse zu haben, Autos zu verkaufen. Lieblose Inserate, aus denen man mittels Str+F und KI die wesentlichen Ausstattungsmerkmale herausfiltern muss, unbeantwortete E-Mails, Hinterhertelefonieren, Rückrufversprechen ohne Rückruf, schließlich Antworten auf Fragen, die man nicht gestellt hat – dafür keine Antworten auf gestellte Fragen, keinerlei Interesse am Kundenbedürfnis und insgesamt eine aus allen Poren strömende Verkaufsunlust, vor der man den Hut ziehen möchte. Ich korrespondierte mit Frau Herzbruch, die jüngst ein Auto kaufte und der es ebenso erging wie mir. Ich mutmaßte, dass die Autohäuser so etwas wie eine Bushaltestelle in einem Demenz-Dorf seien: Sie sind zwar vorhanden und begehbar – doch so wie an der Bushaltestelle nie ein Bus kommt, kann man in den Autohäusern in Wirklichkeit kein Auto kaufen. Frau Herzbruch entgegnete: Möglicherweise seien Autohäuser auch „der Ort, wo mittelalte Buchhalter tagsüber hingehen können, wenn sie sich nicht trauen, ihren Frauen zu beichten, dass sie vor Jahren entlassen worden sind“.
Wie dem auch sei, nach mehreren zähen Versuchen – alle angefragten Fahrzeuge wollte ich tatsächlich erwerben, einmal wollte ich nur Allwetter- statt Sommerreifen (nicht kostenlos!), die anderen Male lediglich eine zusätzliche Auskunft -, landete ich bei einem jungen Verkäufer in Bochum, der all das hatte, was seinen Berufskollegen fehlte: Empathie, Witz, Charme, Kommunikationsfreude, türkische Familiengeschichte und Spaß am Verkaufen. Wir kamen sofort ins Geschäft. Ich fahre nun bald einen Volkswagen ID.3.
Dass ich vom Tesla Abstand nehme, liegt nicht am Tesla, sondern an der Leasingfirma des Teslas. Es gab einige Unstimmigkeiten und ich habe den begründeten Verdacht, dass man mich übers Ohr haut. Die Firma hat daraufhin versucht, einseitig den Vertrag zu ändern, zu eigenen Gunsten natürlich („Wir haben den Passus im Vertrag entsprechend geändert, so dass er nun zu unserer Rechnung passt“). Das entbehrt nicht eines gewissen Humors. Ich möchte dennoch keine Geschäftsbeziehung mehr.
Also: Bald ID.3 – ich bin freudig gespannt.
Leser’innenfrage | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste: „Ich bin bald Teil eines Arbeitskreises zur Landtagswahl 2026. Es soll darum gehen, was wir tun können, damit diese Wahl möglichst demokratisch ausgeht. Leider stehe ich ziemlich ratlos vor dieser Frage, vielleicht fällt Ihnen etwas dazu ein?“
Für diese Frage gibt es bessere Expertinnen als mich; Menschen, die dazu forschen. Dennoch hier eine lose Gedankensammlung:
- Das eigene Ding machen. Keine Themen von anderen aufgreifen, schon gar nicht vom rechten Rand. Nicht darauf reagieren und sich einspannen lassen. Eigene Haltung.
- Kein Themenwahlkampf. Die Leute wählen keine Themen. Die meisten interessieren sich nicht für komplexe Inhalte. Sie wählen Menschen. Sie wählen Bekanntes. Sie wählen den Glauben, dass diese Person, diese Partei die beste für sie ist. Sie wählen so, dass sie sich gut aufgehoben fühlen.
- Deshalb: Zuhören. Das schafft Vertrauen. Fragen stellen, die den Gegenüber von sich erzählen lassen, seiner Lebensleistung, seiner Freuden und Sorgen. Gemeinsamkeiten suchen.
- Klare Wiedererkennung als Person vor Ort. Ich bin immer im gleichen Shirt rumgelaufen, bis mich alle erkannt haben.
- Kein Bemühen um Gruppen, bei denen nichts zu holen ist. Wer in Jens-Spahn-Bettwäsche schläft, wird nicht Grün wählen. Wer Heidi Reichinnek fangirlt, wird nicht CDU wählen. Kein Buhlen um rechte Wählerschaft.
- Es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Land, auch in Klein- und Mittelstädten. Die Stadtkerne sind progressiver. Ich würde meine Ressourcen dort hinlenken, wo ich schon ein Basis habe.
- Weniger ist mehr. Drei starke Thesen, der Rest ist Haltung und Persönlichkeit. (Natürlich hat das Wahlprogramm mehr Inhalt, schon klar. Man muss auch sprachfähig sein. Aber das Bemühen hat einen klaren Fokus.)
- In Großstädten funktioniert Social Media gut, in Kleinstädten vor allem der persönliche Kontakt. Man muss beides machen, aber ich würde die Ressourcen entsprechend verteilen.
- Man braucht viel Manpower. Für die meisten ist Politik aber ein Ehrenamt. Wenn nicht mehr geht, geht nicht mehr. Es gibt noch ein Leben neben der Landtagswahl.
- Die sechs Wochen vorher sind relevant. Dann sollte alles vorbereitet sein. Viel eher muss nicht.
- Keiner will sie haben, alle sind genervt. Aber: Plakate wirken. Denn sie machen überhaupt erstmal darauf aufmerksam, dass Wahl ist. Die Wahl ist bei vielen Menschen gar nicht präsent, selbst zwei Wochen vorher nicht. Es ist aber wichtig, viele Menschen zu mobilisieren.
- Wenn rechtsextrem gesinnte Menschen an den Wahlkampfstand kommen: Position klar machen und diskutieren. Allerdings nicht, um sie zu überzeugen. Sondern die Umstehenden, die zuhören.
Kurzum: Ich würde versuchen, die demokratische Mehrheit zu mobilisieren, wählen zu gehen. Und die rechtsextreme Minderheit links (haha) liegen lassen.
Lose Gedanken | Viele Bahnfahrten: Nach Düsseldorf, nach Karlsruhe, erneut nach Düsseldorf. Zug-Stau in Köln, Notarzteinsatz, Streckensperrung, noch ein Notarzteinsatz, überfüllte Züge, blinkende Anzeigentafeln, Reissalat mit Erdnüssen im Bordrestaurant, verschlafene Schnellstrecke, viel eilige Rennerei und eine Zugbegleiterin, die sich für mich in die letzte offene ICE-Tür wirft, damit ich meine zwei Minuten Umstiegszeit in Mannheim spektakulär vollenden darf. Danke an dieser Stelle!



An den Bahnhöfen sieht man dieser Tage viel Bundeswehr-Werbung. Die Zeiten werden militärischer. Weil ich an einem Sonntag unterwegs war, begegnete ich auch vielen Soldat:innen – Menschen aus Marine, Heer und Luftwaffe mit bunt gemischten Dienstgraden.

Ich durfte in wunderbarem Ambiente zu Gast sein. Es ging um gutes Verhandeln und zugewandte, gleichzeitig klare und lösungsorientierte Kommunikation in Geschäftsbeziehungen, auch in Konflikten.

Das Jahr 2026 wirft seine Schatten voraus: Wir haben einen neuen Familienkalender. Ich erfreute mich am Deckblatt, das mit Rollenklischees bricht.

Gesehen | Operation Apollo – Die Pager-Attacke des Mossad. Die ZDF-Dokumentation zeigt minutiös, wie der israelische Geheimnisdienst Pager mit Sprengstoff manipuliert, wie er eine Scheinfirma aufbaut, die Hisbollah dazu bringt, die Pager zu kaufen, und im September 2024 eine gezielte Attacke fährt, bei der 40 Hisbollah-Kämpfer sterben und 3.000 verletzt werden. Sehr, sehr sehenswert.
Gelesen | Acht? Acht! Wer aus den Niederlanden kommt, schreibt die Zahl anders.
Gelesen | Der stille Siegeszug der Wärmepumpe. Wirtschaftlichkeit und Innovation setzen sich am Ende immer durch. Deshalb bin ich auch sicher, dass E-Autos irgendwann in der Mehrheit sein werden – wenn entsprechende infrastrukturelle Grundlagen da sind.
Gelesen | Unspektakulärer Alltag, dennoch gerne gelesen: Adiposi, Licht, Polizeihaftigkeit, Muckis
Schweine | Das Opa-Schwein zeigt sich gesundheitlich stabil, wird engmaschig beobachtet und gewogen und ist im Rahmen seiner charakterlichen Möglichkeiten dynamisch.














































































