Wegen dings. Einfach nur so.
Weil es so kuschelig auf dem Sofa ist. Die Sonne schon wieder weggeht. Weil Wochenende und die Wärmflasche warm ist.
Wegen dings. Einfach nur so.
Weil es so kuschelig auf dem Sofa ist. Die Sonne schon wieder weggeht. Weil Wochenende und die Wärmflasche warm ist.
Ein Stöckchen! Thema: Welche 5 Bücher werde ich dieses Jahr definitiv lesen?
Praktischerweise habe ich meinem Regal ein passendes Fach. In das stelle ich Bücher, die ich bekommen oder gekauft habe und noch lesen möchte. Wenn ich ein Buch fertig gelesen habe, brauche ich dort nur hingehen und reingreifen.
In dem Fach stehen allerdings immer mehr als fünf Bücher. Meistens ist es proppenvoll.
Rezensionsexemplare, die ich mir ausgesucht habe:
Privatkäufe:
Auf dem Kindle liegt noch:
Mein Amazon-Wunschzettel gibt auch Auskunft über zukünftige Pläne.
Im August kommt außerdem das Buch von Frau Nuf Patricia Cammarata auf den Markt: Sehr gerne Mama, du Arschbombe – Tiefenentspannt durch die Kinderjahre. Darauf freue ich mich schon wie Bolle. Das werde ich ganz sicher auch verschenken.
Im März lese ich zunächst die Rezensionsexemplare des neuen Bloggerportals von Randomhouse. Das sind die ersten fünf Bücher von rechts – von Maher bis Bilkau. Anders als sonst stelle ich die Bücher dann einzeln vor und nicht in einem Beitrag am Monatsende.
Ich rezensiere übrigens ausschließlich Bücher, die ich mir auch privat gekauft hätte. Mit dem Lesen ist es nämlich wie mit Essen: Dinge, die ich nicht mag, kriege ich nicht runter.
Es ist nicht so, dass es nichts zu bloggen gäbe. Vielmehr fehlt mir das Bedürfnis – und es gibt so viel anderes zu tun.
Renterleben
Seit knapp drei Wochen habe ich volles Verständnis für Rentner. Genauer gesagt, seit ich meinen Job gekündigt habe und – bis zum Ende der Kündigungsfrist – Teilzeit arbeite. Meine Güte! Was ich alles zu erledigen habe! Wie die Zeit vergeht! Gerade aufgestanden und in den Baumarkt gefahren, ist es auch schon Abend.
Bereits getan (Auswahl): Vorratskammer aufgeräumt. Küchenschrank aufgeräumt. Anlassbezogen Unmengen an Kuchen gebacken. Frühling auf den Balkon gebracht. Gartenzaun bestellt. Spazieren gegangen (sporadisch). Eine vorübergehende Vormittags-Turngruppe gegründet. Patenkind 2.0 besucht (wird dringend wiederholt). Kaffee mit Leuten getrunken (wird fortgeführt).
Noch geplant: so einiges.
Nächste Woche geht’s zurück an die Uni. Ich gebe ein kleines, feines Seminar für Journalistik-StudentInnen. Große Freude!
90er
Am Wochenende war ich auf einer 90er-Party und, ach – ich schwelgte in Erinnerungen. Offensichtlich komme ich in einen Lebensabschnitt, in dem ich alte Zeiten reminisziere und der nun bis zu meinem Ableben anhalten wird.
In Zusammenhang mit genannter Party musste ich Bilder von mir aus den 90ern heraussuchen. Die Bewältigung dieser Aufgabe bedurfte einer langwierigen Recherche in den Fotoalben meiner Kindheit und Jugend (vgl. Punkt „Rentnerleben“, „Man kommt zu nix“).
Es war entgegen meiner Erwartungen nicht einfach, ein Foto von mir aus den 90ern zu finden, auf dem ich einzeln zu sehen bin. Damals™ wurde, das ist mir bei der Durchsicht erst bewusst geworden, deutlich weniger fotografiert als heute und wenn, dann nur zu besonderen Ereignissen. Auf den Bildern sind fast nur Menschengruppen.
Mir ist außerdem aufgefallen: Ich war ziemlich unpeinlich. Keine Dauerwelle, keine schlimmen Klamotten. Nur Jeans, T-Shirt, Strickpulli. Zwischendurch kurze Haare, eine Wand aus Haarspray über der Stirn – aber nichts episch Schlimmes.
Kulinarik
Ich buk Waffeln von herausragender Fluffigkeit.

Rechts und vorne: auf der international anerkannten Nessy-Skala mit 9 von 10 möglichen Punkten bewertete Waffeln. Links: eine bedauernswerte 6er-Waffel. Sie wurde von einem der wenigen Knusperwaffelverfechter verzehrt.
Lesevergnügen
Nachdem die Kreisläuferin jüngst erfuhr, dass ich bis ins Jahr 2004 große Teile meines Lebens privatfernsehlos verbrachte, stellte sie die Theorie auf, dass ich genau deshalb so viel lese: gelerntes Verhalten! Schwere Kindheit. Das rudimentäre Televisionsangebot ist schuld.
Ich habe darüber nachgedacht und behaupte: nee. Während meiner Kindheit und später während der Studienzeit, als ich nur Eins, Zwei, Drei, einen Holländer und RTL mit Schnee empfing, habe ich trotz widriger Umstände leidenschaftlich ferngesehen. Ich kannte alle öffentlich-rechtlichen Vorabendserien und sah jeden Quatsch, der gesendet wurde. Lange Zeit hegte ich (Achtung, Geständnis!) eine Leidenschaft für Forsthaus Falkenau.
Vielmehr liegt es wohl am Bahnfahren und dem Nutzen öffentlicher Verkehrsmittel. Was sollte ich dort auch tun außer lesen? Wir hatten ja nix! Keine Smartphones, keine Laptops, keine Tablets – die Menschen konnten in der Bahn jahrelang nur lesen, schlafen oder aus dem Fenster sehen.
Aus dem Fenster sehen ist seither ebenfalls eines meiner Hobbys.
Neu
Begrüßen wir gemeinsam den ersten Wasserschaden meines neuen Heims. Er kam über den Balkon des Nachbarn zu mir und wird ein bisschen bleiben. Hallo, Wasserschaden!

Einsatz in 4 Wänden: Anspruchsvolles Industriedesign in frisch tapezierter Kulisse schafft neue Kontraste in der Küche.
Als erfolgreiche Renovierungsbootcamplerin verfüge ich zum Glück über ausreichend Expertise, den Schaden stirnrunzelnd zu betrachten, Erste Hilfe zu leisten und fürderhin gelassen das Unausweichliche zu erdulden. Farbe, Tapete und Rigipsplatten habe ich noch im Keller. Der Duft frisch abgeschlagenen Putzes: wie eine zweite Heimat.
Und nun entschuldigen Sie mich bitte. Es gibt viel zu tun.
Am 12. jeden Monats findet in Blogs das Fotoprojekt „12von12“ statt:
12 Bilder vom 12. Tag.
Ich schaue die Fotos andernorts immer sehr gerne an und denke jedesmal: Nächsten Monat machst du das auch. Und zack! – ist es plötzlich der Abend des nächsten 12., und ich habe es verpasst.
Heute nicht!
Deshalb jetzt: 12 Bilder meines 12. März 2015, einem profanen Tag im Büro.
Heute las ich einen Tweet.
Dazu aus der bekannten und unterschätzten Abteilung „Geschriebene, aber liegen gelassene Blogartikel“, Sommer 2011:
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Statusmeldung
Beruf: gut. Körper: fit. Karma: keins. Gefühle: für’n Arsch.
Da mache ich nun alles, um drüber hinwegzukommen. Treibe Sport. Renne durch den Park wie ’ne Blöde. Inzwischen eine Stunde lang. Nur die Fünf-Kilometer-Runde? Zu kurz. Besser sechs, sieben, acht. Ich bin keine Läuferin, war nie eine. Eine Stunde laufen, das ist mein Gipfel der Fitness.
Ich fahre Rad. Habe meine Durchschnittsgeschwindigkeit zur Arbeit von 18 auf 21 km/h gesteigert. Fahre beide Berge in hohen Gängen. Zeit: 23 Minuten. Vier Minuten schneller als im Frühjahr. Verrückt.
Wenn ich nicht Rad fahre oder laufe, renne ich durch die Halle. Spurt zur Pilone, rückwärts zurück, seitwärts, vor. Oder springe Seil. Die Trainerin sagte neulich: „Was ist mit deinen Waden passiert?“ Das Gleiche, was mit meinen Armen passiert ist. Oder mit meinem Ruhepuls. Beim Blutspenden dachten sie, ich sei tot.
Wozu das alles? Glückshormone. Ich warte auf Glückshormone. Sport soll ja gut sein. Für Herzkreislauf und diese ganzen Dinge. Und fürs Befinden. Gegen Schwermut. Stimmt aber nicht. Fühle mich innen genauso schlecht wie im Januar, sehe von außen nur besser aus.
Überhaupt, außen. Ich gehe viel raus. Unter Leute. Sagt man: soll man. Ist gut, lenkt ab, hebt die Stimmung.
Ich schreibe lustige Geschichten. Wer will sich schließlich Geseiere anhören. Außerdem: Wenn man traurig schreibt, wird man traurig. Aus fröhlich schreiben folgt fröhlich sein.
Nun ja.
Einen Versuch war’s wert.
Die Zurückweisung nach so viel Vertrauen. Das war wie ein Tsunami. Zack, die Welle, alles weg. Ich stehe da, blicke auf die Trümmer und den Schlamm und denke: Das kann doch nicht sein.
Dazu die Stille. Schweigen. Statt Antworten. Das ist die eigentliche Verletzung. Anrufen? Traue ich mich nicht. Weggedrückt werden oder den Widerwillen, diese Abneigung in der Stimme hören, die sich einzig und allein gegen mich richtet, gegen das, was ich bin, wer ich bin – allein die Vorstellung ist Schmerz. So. Sehr. Großer. Schmerz.
Ich versuche, wütend zu sein, weil ich gelesen habe: Wut ist gut, dann kommt alles raus. Erst Nicht-Begreifen. Dann Wut. Dann wird alles gut.
Haha.
Schnapsidee.
Denn: Geht nicht.
Im Kopf – ja. Da habe ich alles klar, dort kann ich das. Im Kopf produziere ich gute, vorbildliche Wut; künstliche, synthetisch nach Polyester riechende, sich dramatisch an sich selbst abarbeitende Denkwut mit dekorativem Dramatikschleifchen.
Die ich mir nicht glaube. Weil: Das Herz, die dumme Sau, schnallt das nicht. Kriegt nichts mit. NICHTS! Und nichts auf die Kette. Verpasst jeden vermaledeiten, jeden VERFICKTEN Einsatz.
Okay, sag‘ ich mir.
Was soll’s, sag‘ ich mir.
Jeder lernt in seinem Tempo.
Wer’s nicht kapiert, kriegt eben Nachhilfe.
Förderunterricht für Gefühle.
Ich sage dem Herzen, lasse ihm ausrichten: Ist shit-egal, du scheiß Herz. Mach, wie du meinst. Ich mache trotzdem weiter.
Weiter laufen.
Weiter unter Leute gehen.
Dann lernst du das schon. Dann geht das weg. Das merkst du gar nicht, du kleines Arschloch. Irgendwann werde ich morgens aufwachen, mich strecken und mir denken: Krass, ich hab‘ gestern beim Einschlafen gar nicht geheult. Und überhaupt: Ich fühle mich schon seit dem Mittag fast normal. Seit fetten 20 Stunden.
So werde ich aufwachen. Irgendwann.
Wie geht das? Wie kann das? Man kann Gefühle doch nicht dressieren.
Aber natürlich: Ich muss das akzeptieren.
Es ist mein Ding, damit klarzukommen.
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Aktiv turnen
Am Montagmorgen ist im Fitnessstudio „Wünsch dir was“: Alle Cardio-Geräte sind frei, alle Kraftgeräte sind frei. Nur im Entrée sitzt eine Gruppe von Rentnern, schwatzt und trinkt Kaffee. Fühlte mich in guter Gesellschaft.
Bloggerwertschätzung
Post von der Verlagsgruppe Random House bekommen. Habe mich auf deren Bloggerportal registriert. Eine durchdachte Sache. Das macht Spaß.
Frühlingshimmel
Gärtnerinnenblog
Reger Betrieb auf der Außenterrasse. Pia und ich haben bereits Tomaten eingesät. Unsere beiden Gartennerds polieren ihre Raspberry Pis.
Kleider
Zwei neue Kleider bestellt. Mein Leben pendelt zunehmend zwischen Kleid und Hoodie.
Krokusse
Ein <3 für den aufblühenden Garten.
Lesevergnügen
Auf dem Balkon gesessen und, in eine Decke eingerollt, ein ganzes Stück in Knausgards „Lieben“ gelesen. Bin hin- und hergerissen. Einerseits ist das Buch ungeheuer ehrlich. Andererseits unendlich selbstverliebt. Manchmal zäh. Dann wieder liest es sich geschmeidig weg.
Ernst Osterkamp rezensiert „Lieben“ in der FAZ:
[…] sein Autor liebt es, den wilden Mann zu spielen, und ist doch – ich kann es leider nicht anders sagen – irgendwie total süß.
Ich empfinde den Autor und Ich-Erzähler als alles mögliche, aber ganz sicher nicht als „total süß“. Als „wilden Mann“ im Übrigen auch nicht. Seltsam, diese unterschiedliche Wahrnehmung.
Minna
Mit jemandem gesprochen, der jemanden kennt, der bei Miele arbeitet. Ein Loblied auf meine Waschmaschine gehört. Vor Freude zwei Maschinen Wäsche gewaschen.
Passiv turnen
Den Handballhühnern beim Siegen zugesehen. Das Zuschauen war ähnlich, wie den Knausgard zu lesen: manchmal geschmeidig, bisweilen zäh. Aber man kann halt nicht immer fürs Auge spielen. Außerdem: Sieg ist Sieg. (Yeah!)
Recycling
Einen fetten Schwung gelesener Bücher in den Bodo-Laden gebracht – und drei neue mitgenommen.
Rouladen
Erstmals Rouladen – oder wie der Sauerländer sagt: Roll-Laden – und Rotkohl von Grund auf selbst gekocht. Insbesondere der Rotkohl – mit Nelken, Lorbeerblättern, Wacholderbeeren und Johannisbeergelee – ist gut gelungen. Werde ich wiederholen.
Spazieren
Spazieren gehen ist ein Konzept, mit dem ich nicht warm werde. Habe das jetzt trotzdem wieder gemacht. War okay.
Vergangenheitsbetrachtung
Aus Gründen die Fotoalben der 90er durchgeschaut. Festgestellt, dass ich wenig schlimme Klamotten trug, niemals eine Dauerwelle hatte und insgesamt sehr normal ausschaute. Bemerkt, dass mein damaliges Selbstbild maximal weit von der Realität entfernt war: Rückblickend war ich wohl doch ein ganz hübsches Mädel.
Waffel
Wochenendwaffel mit Vanille-Eis. Solides 8,5er-Niveau auf der zehnstufigen, nessyschen Waffelskala.
Das schöne Café im Kreuzviertel hat ab sofort wieder frische, kalte Minze – weil es Frühling wird. Große Freude.
Wein
Der 2007er Tempranillo y más aus dem Barranco Oscuro ist angekommen. Wahrer Luxus. Werde ihn mir an meinem Geburtstag gönnen.
Seit eineinhalb Jahren habe ich nun meine neue Küche. Ich freue mich jeden Tag über sie.
Am Herd war eine Sache jedoch unpraktisch: Salz und Zucker waren zu weit weg. Manchmal, besonders wenn ich für mehrere Leute koche, brauche ich eine dicke Prise Salz: hingreifen, reinstreuen, wieder wegstellen. Oder Zucker. Manchmal auch Mehl.
Dafür habe ich jetzt Küchenschütten:
Man attestiert mir, dass die Bewegung lässig-professionell aussehe.
Was bisher geschah:
Die Erde benötigt eine Schaltsekunde. Das Zentralbüro für Erdrotation kümmert sich darum. Alle Länder der Erde machen mit, nur nicht Jong-Un, Diktator. Professorin O. Mega und ihr Assistent Euler bemühen sich um eine Lösung. Olga schaltet Doc Emmett Brown ein; doch nicht nur Gravitone, auch Hormone verbinden die beiden.
Cliffhanger:
Reifenquietschen dringt durch das geöffnete Fenster. Ein Scheppern. Dann ein Zischen. Ein Stöhnen. Und Stille.
Folge 3: Das Ende von Plan A ist der Beginn von Plan B
Olga stürzt aus der Tür. Euler rennt hinterdrein, die Arme wild auf der zweidimensionalen Bewegungsebene schwenkend.
Im Hof steht, die Motorhaube unter Mülltonnen, ein DeLorean. Aus dem Motorraum quillt Qualm. Zischend klappt die Fahrertür nach oben, und ein derangierter, grauhaariger Mann kippt aufs Pflaster.
„Emmett!“, ruft Olga und stürzt zu dem Alten.
Euler bremst ab und ordnet seine Arme. Mit flackerndem Blick schaut er auf die qualmende Motorhaube. Leise beginnt er, „Oxidation, Oxidation“ zu murmeln, während er geistesabwesend vor dem Auto auf und ab läuft.
„Der Feuerlöscher, Euler!“, befiehlt Olga und wedelt mit dem Arm in Richtung Labor. „Holen Sie den Feuerlöscher!“
„Oh … ah … Ammoniumdi … dihydrogenphosphat“, stammelt Euler, rauft sich die Haare und ergänzt vorsichtshalber nochmal: „Oxidation, Oxidation“. Wie immer in Stresssituationen bewegt er sich, anstatt einzugreifen, nur exakt parallel zum Unfallgeschehen, um physische und seelische Inzidenzen zu vermeiden.
„Euler!“, sagt Olga scharf und atmet tief durch. Inzwischen sitzt sie auf der Erde und tätschelt Emmett neues Leben ins Gesicht. „Euler! Sind Sie ein Mann oder eine Verhaltensstörung?! Was soll die Jaktation? Sie müssen löschen! Eine Antikatalyse muss her! Los!“
Euler versteht endlich, holt den Feuerlöscher und startet, „Inhibi! Inhibi! Inhibition!“ rufend, den Schaum. Der Qualm verebbt.
Gleichzeitig kommt Emmett zu sich. Er hustet, rollt mit den Augen, fixiert dann aber Olga mit festem Blick.
„Oh, Oxyto … Olga, meine Liebe.“
„Alles in Ordnung, Emmett? Was ist nur passiert?“
„Ich wollte …“ Vorsichtig richtet er sich auf. „Ich … Fluxkompensator. Zu Jong-Un.“
„Subjekt, Prädikat, Objekt, mein Lieber. Oder hast du deine Syntax in Sankt Moritz vergessen?“
Emmett lehnt sich mit dem Rücken gegen den DeLorean. „Ich wollte … den Fluxkompensator ausprobieren. Eine kleine Generalprobe. Wegen … Jong-Un. Damit er die Schaltsekunde … damit er sie überspringt und die Rotation … damit wir in der Zeit bleiben. Aber irgendwas …“ Er dreht sich um und blickt hinter sich in den Fahrerraum. „Himmelhergott. Da blinkt ja alles.“
Euler stellt den Löscher ab, beugt sich vor und schaut ins Cockpit des Wagens.
„Ölstand“, sagt er und beugt sich weiter hinein. „Und die kosmologische Konstante. Sie scheint .. nun ja … etwas metabolisch.“
„Blinkt die Lambda-Sonde?“
„Sie flackert.“
„Das ist kein gutes Zeichen.“
In dem Moment erlöschen die Lichter im Wagen. Ein vernehmliches Brummen ist zu hören. Dann ein Zischen. Ein kurzer Knack. Und Stille.
„Was war das?“, fragt Olga.
„Ich fürchte, meine Liebe, jetzt ist er endgültig im Eimer.“
„Wer?“
„Der Fluxkompensator. Und der DeLorean. Beides Schrott. Oder bin ich etwa im Juni 2015 in Nordkorea?“
„Du bist im März in der Richard-Strauss-Allee in Frankfurt am Main.“
„Eben. Wir sind geliefert, Olga.“ Er nimmt ihre Hand und schaut ihr tief in die Augen. „Aber wir haben immer noch uns.“
Euler zieht sich, peinlich berührt, hinter eine der Mülltonnen zurück.
„Was soll das heißen, Emmett?“, fragt Olga. Sie ist stocksauer. Warum müssen Kerle immer Alleingänge starten? „Guck bitte nochmal nach! Es gibt doch nichts, was man mit einer Rolle Panzertape nicht reparieren kann!“
Emmett lässt ihre Hand los und verschwindet im Wagen. Er hantiert, flucht und hantiert. Mehrmals hört Olga ein Piepen. Dann taucht Emmett wieder auf. „Mit Atomenergie würde es noch gehen.“
„Politisch unmöglich.“
„Tja. Dann brauchen wir wohl einen Plan B.“
Olga flucht.
Emmett nimmt erneut ihre Hand und küsst ihren Handrücken. „Hattest du“, er küsst ihre Fingerspitzen, „schon immer so streichelzarte Finger?“
„Nicht jetzt!“, faucht sie und zieht blitzschnell ihre Hand zurück. Hastig erhebt sie sich und streicht ihren Rock glatt. „Ich war davon ausgegangen, das unsere Idee wasserdicht ist.“
„In komplexen Systemen ist es unmöglich, Risiken völlig auszuschließen.“
„Lass das Geschwurbel, Emmett!“
„Das Leben wie auch die Liebe sind eben beides nichtlinear.“
„Sag mir lieber, wie wir Jong-Un nun die Sekunde unterjubeln.“
Euler tritt hinter der Mülltonne hervor. „Wie wäre es … also, nur als Idee … ich meine … Ihr Vater …“
Olgas Blick ist ein Laserschwert.
Emmett sagt: „Ich finde die Idee nicht schlecht.“
Olga wehrt ab: „Kommt nicht in Frage. Er ist ein alter Wirrkopf.“
„Hat er nicht diese Wer-was-wo-Maschine?“
„Die ist bestimmt kaputt.“
„Dann reparieren wir sie.“
Euler zückt seine ÖPNV-App. „Ich suche uns eine Busverbindung.“
„Kommt nicht in Frage!“, fährt Olga ihn an.
„Wir können“, sagt Euler, „um 13 Uhr 52 ab Stresemannallee fahren.“
Olga sieht hilfesuchend zu Emmett.
Doch der sagt: „Du musst eure Beziehung endlich aufarbeiten.“
Euler ergänzt: „Ich wollte ihn schon immer mal kennenlernen.“
„Olga“, sagt Emmett und küsst wieder ihre Hand. „Spring über deinen Schatten. Tu’s für die Weltzeit. Und für uns.“
Sie holt tief Luft. „Also gut.“
Emmett packt sie und drückt sie an sich. „Ein Ausflug aufs Land wird uns beiden gut tun.“
„Oh yeah!“ ruft Euler. „Auf zu Doktor Snuggles!“
#
Fortsetzung folgt.
Gelesen im Februar 2015:
Ceridwen Dovey. Der Koch, der Maler und der Barbier des Präsidenten
(Aus dem Englischen von Sabine Roth)
Ein nicht näher benanntes Land. Der Präsident wird gestürzt. Sein Koch, sein Maler und sein Barbier dienen ab sofort dem neuen Herrscher. Sie und ihre Frauen erzählen ihre Sicht der Dinge. Keiner von ihnen hat Namen, weshalb das Buch den Anspruch einer universellen Moral erhebt. Für mich war es kein Höhepunkt. Die Idee hat mich zwar anfangs gereizt, doch letzten Endes fehlte mir der Tiefgang, das Besondere.
Anne Holt. Schattenkind
(Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs)
Der kleine Sander ist tot. Er wurde acht Jahre alt. Polizeipsychologin Inger Johanne Vik kennt die Eltern. Sie geht auf Spurensuche. Schnell wird der Verdacht der Kindesmisshandlung laut. Doch die Spuren sind nicht eindeutig. Ein durchschnittliches Buch, ein vorhersehbarer Plot. Nichts Besonderes.
Charlotte Link. Die Stunde der Erben
Der dritte und letzte Band der Sturmzeit-Trilogie nach „Sturmzeit“ und „Wilde Lupinen“. Nicht ganz so stark wie der zweite Teil, aber dennoch durchweg prima. Die Handlung spielt im Deutschland der 1970er Jahre. Die Geschichte umfasst wieder das Leben mehrerer Mitglieder der Familie Lombard-Marty: Die Matriarchin Felicia ist alt, sie übergibt ihre Firma an ihre Enkelin Alexandra. Die jedoch hat ihre eigenen Probleme. Cousine Julia lebt in der DDR und versucht zu fliehen. Alexandras Bruder Chris lebt im Umfeld der Anti-Atom-Bewegung. Ein unterhaltsames Gesellschaftsportrait, keine hohe Literatur, aber dennoch ein Buch, das sich gut weglesen lässt.
Jo Nesbø. Leopard.
(Aus dem Norwegischen von Günther Frauenlob und Maike Dörries)
Harry Hole, Ermittler mit Alkohol- und Drogenproblem, entlaufener Familie und auch sonst maximal gebeuteltem Dasein, löst seinen achten Fall. Gesucht wird der Mörder dreier Frauen. Schnell wird die Gemeinsamkeit zwischen den dreien deutlich. Dann gibt es auch schon das nächste, bestialisch ermordete Opfer. Die ersten 300 Seiten sind prima, dann entwickelt die Geschichte deutliche Längen – 700 Seiten sind für einen Krimi einfach zu viel. Dazu die geschundene Ermittlerseele und unglaubwürdige Zufälle. Alles ein bisschen over the top.
Samuel Shem. House of God
(Aus dem Amerikanischen von Heidrun Adler)
Roy ist Assistenzarzt im ersten Jahr, ein sogenannter Intern. Gemeinsam mit fünf anderen tritt er sein Internship im House of God an. In der Ausbildung geht es nicht um Medizin. Vor allem die vielen alten, dementen Patienten sind eine Herausforderung; die Interns nennen sie „Gomers“: Go Out Of My Emergency Room. Die erste Regel lautet: „Gomers sterben nicht.“ Die zweite Regel: „Gomers gehen zu Boden.“ Weitere Regeln: „Sie können dich immer noch mehr quälen.“ Und: „Die einzig gute Aufnahme ist eine tote Aufnahme.“ Das Buch ist ein Klassiker aus den 70ern, ein ernüchternder Roman über den Klinikalltag. Unglaublich bissig, unglaublich bitter. Und sicherlich nicht unwahr.
Paolo di Stefano. Giallo d’Avola.
(Keine deutsche Übersetzung)
Nach einer wahren Begebenheit: Nachkriegszeit in Sizilien, die Welt der Kleinbauern. Salvatore Gallo wird verdächtigt, seinen Bruder getötet zu haben, gemeinsam mit seinem Sohn. Beide kommen ins Gefängnis. Dabei gibt es nicht einmal eine Leiche, der Bruder ist nur verschwunden. Irre Geschichte, vor allem wegen des überragenden Gesellschaftsportraits. Die Sprache spiegelt die brodelnde Gerüchteküche wider: archaisch, verschachtelt, undurchdringlich. Allerdings hat der Plot einige Längen und Redundanzen. Deshalb Abzüge in der B-Note.
Fabio Volo. Il tempo che vorrei
(Deutsch: Zeit für mich und Zeit für dich)
Vorab: Der italienische Titel „Die Zeit, die ich möchte“ passt deutlich besser zur Geschichte als die deutsche Übersetzung „Zeit für mich und Zeit für dich“, die pilchereske Assoziationen auslöst. Das gleiche gilt für den deutschen Klappentext. Lassen Sie sich davon also nicht abschrecken.
Lorenzo weiß nicht zu lieben: Seine Beziehung ist gerade in die Brüche gegangen. Er trauert seiner Ex-Freundin nach, möchte sie zurückhaben. Zweite Baustelle in seinem Leben ist die Beziehung zu seinem Vater, ein einfacher Mann, der die Zuneigung zu seinem Sohn nicht auszudrücken vermag. Dann erkrankt der Vater.
Fabio Volo erzählt leise und unglaublich großartig, mit feinem Sinn für Zwischentöne. Er lässt seine Figuren sprechen, drängt sich nicht auf. Ich bin absolut hingerissen von diesem Buch. Auch, weil man es wirklich bis zum letzten Satz lesen muss, um tatsächlich ans Ende der Geschichte zu gelangen. Ein seltenes Glück.
Ich streiche mir in Büchern selten Textstellen an. Bei diesem Buch schon. Zum Beispiel:
„Quando leggi un libro che ti piace, quelle pagine un po‘ ti cambiano; quando rileggi, sei tu che cambi loro.“ (p. 103)
„Wenn du ein Buch liest, das dir gefällt, verändern dich die Seiten ein bisschen; wenn du es ein weiteres Mal liest, bist du es, der sie verändert.“
So ist es, ja: Lese ich ein Buch noch einmal, lese ich es immer anders. Denn ich bin eine andere geworden in der Zwischenzeit. Zugegeben, nicht viele Bücher lese ich zweimal. Oft stöbere ich eher in den Büchern, die ich behalten und nicht weggegeben habe. Trotzdem.
Übers Kennenlernen:
„Una volta per corteggiare una donna dovevi prima convincerla a uscire, poi dovevi cercare di farti conoscere il più possibile, parlando per delle ore e mettendo un sacco di carne al fuoco. Oggi con il SMS puoi creare subito un rapporto e darle un’idea di te, di che tipo sei. La prima volta che ci esci a cena, se ti sei messaggiato un po‘ con lei, sai già più o meno con chi hai a che fare. La cena è divantata la finale, non è più una partita delle qualificazioni.“ (p. 181)
„Wenn du dich seinerzeit um eine Frau bemüht hast, musstest du sie erst überzeugen, mit dir auszugehen. Dann musstest du versuchen, dass ihr euch so gut wie möglich kennenlernt, du hast stundenlang geredet und eine Menge in die Waagschale geworfen. Heute, mit SMS, kannst du sofort eine Beziehung aufbauen und ihr eine Vorstellung davon vermitteln, was für ein Typ du bist. Das erste Mal, wenn du dann mit ihr essen gehst und nachdem du ein bisschen mit ihr geschrieben hast, weißt du mehr oder weniger, mit wem du es zu tun hast. Das Abendessen ist das Finale geworden, es ist kein Qualifikationsspiel mehr.“
(Bitte entschuldigen Sie die stümperhafte Übersetzung, ich bin Laie.)
Bis zu dieser Textstelle hatte ich noch nie darüber nachgedacht, aber ja. Das Schreiben von E-Mails und Nachrichten kann eine sehr intime Sache sein, auch wenn manche Botschaft nur aus zwei, drei oder vier Wörter besteht. Es reduziert und komprimiert die Kommunikation und den Menschen, der dahinter steckt; es ist ein Extrakt und deshalb bisweilen unglaublich intensiv. Und ja: Man kann sich über diese Nachrichten ineinander verlieben. Neu oder auch immer wieder.
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