Dänemark, Teil III: Wohnen wie die Wikinger, beschwerliche Wege, ein Kaffee in Aalborg und Rast auf dem Friedhof
Gestern konnte ich nicht für Sie erzähltippen, denn ich war k.o. und hatte kein Lust. Aber heute gehts.
Kleijtrup – Støvring | Als wir gestern auf unsere Fahrräder stiegen, hatte sich gerade der Nebel über dem See gelichtet, und der Hausherr des Bed & Breakfast war mit vier Fischen die Wiese hinaufgestapft.

Wir fuhren zunächst zum Wikingermuseum Fyrkat. Oder besser gesagt: Wir schoben. Denn Komoot führte uns schon bald von der Landstraße weg auf Kies- und Schotterwege. Auf dem Bild sieht es ganz okay aus. Mit Gepäck und ohne Mountainbike-Bereifung sinkt man aber so tief ein, dass ein Fahren nicht möglich ist – zumal bergauf.

Nach dem Schotter kam dann ein Waldweg mit Sandlöchern. Dort war es nicht besser.

Schiebend, drückend und ziehend erreichten wir das Wikingermuseum Fyrkat im Hobro. Fyrkat ist eine Burganlage mit Wall. Sie entstand in der Zeit Harald Blauzahns im zehnten Jahrhundert. Man kann die Wallanlage besichtigen, ein nachgebautes Wikingerhaus und ein Dorf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wie Wikinger gekleidet. Manch einer fährt auf einem Aufsitzrasenmäher herum.
Die Wikinger hatten es gemütlich. Aber ich denke schon, dass es etwas fußkalt war. Auch scheinen mir die Sitten recht robust gewesen zu sein.
Kurz hinter dem Wikingermuseum erreichten wir die Ortschaft Hobro. Sie liegt am Mariagerfjord. Wenn man sein 25 Kilo schweres Fahrrad eine steile Wiese hinauf schiebt, in mehreren Viehgattern stecken bleibt, aber trotzdem tapfer ist, hat man danach eine schöne Aussicht auf den Fjord.

Falls Sie im letzten Satz eine dezente passiv-aggressive Grundstimmung wahrnehmen, haben Sie vollkommen recht.
Wir verließen Hobro über holprige Wald- und Schotterwege und dann …
„Was kam danach?“, frage ich den Reiseleiter. Er denkt eine Weile nach. Dann sagt er: „Danach kam nix.“
Das beschreibt es außerordentlich gut. Hügelauf nd hügelab radelten wir über Landstraßen. Bestimmt kam zwischendurch ein Dorf. Ich erinnere mich aber nicht mehr. Das einzige, was ich erinnere ist, dass ich keine Kraft hatte: nicht in den Beinen, nicht in den Armen und nicht im Herzen.
Irgendwann sagte der Reiseleiter: „Gleich kommt ein See, da machen wir Pause.“ Ich fragte ihn mit schwachem Stimmchen, wie weit es noch bis zu dem See sei. Er antwortete: „Noch vier Kilometer oder so.“
Es waren noch dreiundzwanzig.
Die letzten drei mussten wir wieder schieben. Diesmal hatten wir jedoch Gesellschaft: Eine Armee von Mücken fraß uns dabei auf. Als rotbeulige, verschwitzte Gestalten erreichten wir den Store Økssø.

Immerhin: Man konnte dort wunderbar schwimmen.
Bis zum Ziel in Støvring waren es dann noch fünfzehn Kilometer. Wieder mussten wir das letzte Stück schieben. Wir waren noch nie so froh anzukommen wie an diesem Abend. Als wir den Hof betraten, ging sofort die Sonne auf, denn unsere B&B-Gastgeberin Inge-Grethe war eine warmherzige Frau. Die Hofkatze mochte uns auch sofort, und der Reiseleiter kochte Nudeln mit Soße.

Die Etappe in Zahlen:

Støvring – Dybvad | Der heutige Morgen sah aus wie im Wilden Westen:

Wir brannten unsere Mückenstiche mit einem Bite-away-Stift nieder, frühstückten und setzten uns auf die Fahrräder. Es war direkt ein anderes Gefühl als gestern.

Nach rund einer Stunde erreichten wir Aalborg.
In Aalborg lernte ich, dass die Nordspitze Dänemarks eine Insel ist und Vendsyssel-Thy heißt. Der Limfjord trennt sie von der jütländischen Halbinsel. In Aalborg überquert man ihn.
Hinter Aalborg konnten wir richtig Gas geben. Die Strecke war gerade wie ein Strich und ohne jede Steigung. Denn wir hatten vom Vortag gelernt, unsere Strecke noch einmal umgeplant und die Kategorie „unbefestigte Wege“ aus der Streckenführung in Komoot eliminiert.
Im Ort Hjellerup machten wir eine Pause. Kirchen mit Friedhöfen, haben wir festgestellt, eignen sich hervorragend für Pausen. Auf ihnen stehen nämlich fast immer Bänke, oftmals auch Picknickbänke, und es gibt immer eine Toilette. Die Friedhofstoilette in Hjellerup war sogar dekoriert.
Als wir gerade wieder aufbrechen wollten, fuhr der örtliche Bestatter rückwärts vors Tor. Er müsse eben mal einen Sarg ausladen, sagte er entschuldigend zu uns, als sei dies eine entschuldigungswürdige Angelegenheit auf einem Friedhof. Nachdem er den Sarg in die Kapelle gebracht hatte, fragte er, woher wir kämen. Aus Deutschland, antwortete der Reiseleiter. Der Bestatter deutete auf den Stern an seinem Bestatterkombi und sagte: „Mein Auto kommt auch aus Deutschland.“ Und das, fuhr er fort, obwohl deutsche und dänische Särge unterschiedlich seien. Deutsche Särge hätten Füße, dänische nicht. „Es passt aber trotzdem.“
Wir verabschiedeten uns und fuhren die letzten Kilometer nach Dybvad. Hier wohnen wir in einer Kate hinter einem Landhaus.
Morgen geht es auf die letzten Etappe nach Skagen.






































































