Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Zeitverschiebung | In dieser Woche bin ich durcheinander. Die Woche fühlt sich 24 Stunden voraus an.


Leibesübungen | Ich gehe wieder ins Fitnessstudio. Der Beginn dieser Aktivität fiel dummerweise auf den Jahresanfang, das hatte berufliche und organisatorische Gründe, und lässt die Angelegenheit wie einen ungelenken Neujahrsvorsatz wirken. Während ich turne, möchte mir im Wechsel Schilder umhängen, auf denen steht: „Ich bin auch vor 2026 schon ins Fitnessstudio gegangen“ und „Nach Karneval bin ich noch da“. Das tue ich natürlich nicht, sondern versuche, durch die souveräne Selbstverständlichkeit zu kommunizieren, mit der ich den Crosstrainer besteige oder den Medizinball werfe.

A propos Medizinball. Auf dem Ball steht Hyrox. Ich habe mich dazu informiert. Hyrox ist eine neue Sportart: Man rennt einen Kilometer, dann macht man unfassbar anstrengende Übungen – Medizinbälle werfen, Gewichtsschlitten ziehen, Sandsack schleppen – eventuell rennt man auch nochmal, das habe ich nicht ganz verstanden. Ich bin in einem Alter, in dem ich derartige Entwicklungen mit Abstand betrachte, begleitet von einem kundig gemurmelten „Hatten wir alles“. Ich erinnere mich sehr gut an Saisonvorbereitungen, in denen inmitten der Sporthalle ein fürchterlicher Kraftzirkel aufgebaut war: Kästen, Barren, Matten, Bänke, Medizinbälle. Wir machten bestialische Übungen, dazwischen rannten wir in Kreisen durch die Halle. Wir zogen keinen Gewichtsschlitten wie beim Hyrox, sondern eine Mitspielerin, die auf einer Matte saß – je nachdem, wen man erwischte, war man gesegnet oder verflucht. Es roch nach Schweiß und verranztem Leder, der Boden war voll mit Harz und Fusseln, und die Weichbodenmatte an der Seite aufgesprungen. Wir hatten ja nichts! Jetzt sind die Geräte glanzpoliert, der Hyroxball ist frisch genäht – und dennoch: Es scheint, als bleibe Sportmachen das Gleiche.

Jüngst war ein Sportler anwesend – ich turnte auf dem Crosstrainer, während meine Playlist Lieder spielte -, ein Sportler, der unscheinbar aussah: durchschnittliche Gestalt, Sportkleidung von der Stange, keine Tätowierungen, Typ Geographielehrer. Er stand unter einem Gestell aus Metallbauteilen. An das Gestell kann man sich auf verschiedene Weise dranhängen oder -lehnen, je nach Übung, alles mit Eigengewicht. In der Mitte des Turms, quasi als Decke, befindet sich eine horizontale Leiter. Man kennt das von älteren Spielplätzen: Ein Ding, an dem man von rechts nach links hangeln kann. Nur, dass hier nicht die Farbe abplatzt ist. Man muss auch eine sehr weite Strecke zurücklegen, viel weiter als auf dem Spielplatz. Der Geographielehrer hängte sich an eine der Sprossen und hangelte, zügig und dennoch ohne übertriebene Eile, wie ein Gibbon bis ans andere Ende. Dort hing er zunächst herum, absolvierte dann zehn langsame, achtsam ausgeführte, blitzsaubere Klimmzüge und hangelte wieder zurück. Danach rannte er zehn Minuten auf dem Laufband. Dann ging er zu Ringen, die von der Decke hingen, professionelle Turnringe, stemmte sich darin hoch, ließ langsam die Arme auseinander sinken und stemmte sich wieder hoch, viele Male. Danach, Sie ahnen es, rannte er wieder. Ich war fasziniert und beeindruckt: Nicht nur angesichts der unmenschlichen Kräfte, sondern auch, weil er kein Gewese darum machte, weder durch seine äußere Erscheinung noch durch weitschweifige Gesten, Stöhnen oder Schnaufen.


Und sonst | Stillleben mit Birnenkuchen.

Auf dem Esstisch in der Küche: eine brennende Kerze und Birnenkuchen, im Hintergrund ein Buffetschrank, andeutungsweise Blick in den Garten

Der Birnenkuchen ist ein Familienrezept: einfach, ein bisschen schlotzig und zart schokoladig. 150 Gramm Butter, 150 Gramm Zucker, Vanillezucker, drei Eier, 300 Gramm Mehl, etwa 200 Milliliter Milch, fünf Esslöffel Haferflocken, 100 Gramm Schokoraspeln, Zimt und Kakao nach Belieben. Alles verrühren. Mit einem Teil des Teigs eine Kuchenform füllen, Dosenbirnen drauflegen – es hilft, wenn sie nicht gut abgetropft sind – und mit dem Rest des Teigs bedecken. Umluft, zwischen 180 und 200 Grad, 50 – 60 Minuten.


Schweine | Der Dicke ist weiterhin in Behandlung beim Pflegeteam: Augentropfen, abends ein Medikament gegen den Infekt. Die Abendgabe geht mit dem Herstellen des Dinners einher. Das Schwein zeigt sich kooperativ und guter Dinge.

Küchen-Arbeitsplatte: darauf verteilt diverses Gemüse. Mittendrin ein braunes Meerschwein, das treudoof in die Kamera schaut, ein Rucolablatt im Mund

Lernen I | Der Reiseleiter hat mir einen Dänisch-Kurs zu Weihnachten geschenkt – weil wir in den vergangenen Jahren häufiger in Dänemark waren und auch in diesem Jahr wieder eine Reise geplant ist.

Ich erzählte es Menschen mit Schwedisch-Hintergrund. Sie reagierten irritiert. Dänisch, also … klar sei das irgendwie eine Sprache. Aber es sei doch sinnvoller, eine richtige Sprache zu lernen, eine schöne, eine, die auch ästhetisch sei, was auf das Schwedische zweifellos zutreffe. Das Dänische hingegen … Sie schauten mich an, wie man jemanden anschaut, der eine total absurde Idee vorgetragen hat.

Ich lerne nun trotzdem Dänisch, erstmal zehn Kursstunden lang.


Lernen II | Ab der kommenden Woche bildet mich das Fraunhofer IAIS außerdem zur KI-Managerin weiter. Es geht darum, wie es gelingt, KI in eine Organisation zu bringen, wie man sie strategisch verankert, nachhaltig umsetzt und dabei gesetzliche sowie ethische Anforderungen verantwortungsbewusst erfüllt.

Ich bekomme nämlich immer wieder mit, dass es nicht am Willen mangelt, Künstliche Intelligenz einzusetzen, sondern daran, wie man es anstellt. Denn einerseits sind KI-Anwendungen auch nur Software, andererseits benötigen sie bestimmte Rahmenbedingungen. Die Inhalte der Fortbildung sind unter anderem: Identifikation von Anwendungsfällen, ihre Spezifizierung, Datenqualität, Datenarchitekturen und Data Governance Frameworks, Kernanforderungen an die IT-Infrastruktur, Risikoklassifizierung, Unternehmensgovernance und Compliance im Kontext der EU-KI-Verordnung.

Ich mache diese Weiterbildung, weil ich bei Unternehmen derzeit eine Lücke sehe: Auf der einen Seite steht die IT, die bereit ist, KI-Projekte umzusetzen. Auf der anderen Seite sind Geschäftsführung, Führunhgskräfte, die Fachabteilungen und die Querschnittsfunktionen (zum Beispiel Recht, Personal und Controlling), die Unsicherheit verspüren, zögerlich sind und denen der Verständnis fehlt, was KI leisten kann und was nicht. Es braucht jemanden, der übersetzt und dafür sorgt, dass gute Entscheidungen getroffen werden, dass man Dinge klug ausprobiert, bei Erfolg dauerhaft implementiert und dasss es Betriebs- und Governance-Prozesse gibt. Es gibt viele Schnittstellen zur Organisationsentwicklung. Ich werde von meinen Erkenntnissen berichten.


Lernen III | Ein Veranstaltungshinweis: In Münster bietet die Volkshochschule einen Tag der Kommunikation an – 28. Februar, 10 bis 16 Uhr. Für eine Tagesgebühr von 39 Euro kann man drei Workshops besuchen – zum Beispiel „Das bringt mich nicht aus der Ruhe! Angriffe und Killerphrasen gekonnt kontern“. Einiges ist schon ausgebucht; es gibt Wartelisten.

Ich kann an dem Tag leider nicht, sonst würde ich hingehen.


Lernen IV | Vergangene Woche war ich drei Tage lang beim Kunden. Der Raum, in dem wir uns die meiste Zeit aufhielten und intensiv arbeiteten, war mit einem CO2-Messgerät ausgestattet.

Anzeige auf einem CO2-Messgerät: 1188 PPM, ein Maskensymbol sagt: "Bad". Außerdem 20,7 Grad.

Die Anzeige motivierte uns zu konsequentem Lüften. Sobald sie über 2.000 stieg, führten wir eine Stoßlüftung durch, die es mit dem Lüftungsregime meiner Großmutter aufnehmen konnte: Jeden Morgen, sommer- wie wintertags, hängte sie die Federbetten aus dem Fenster und ließ einen frischen, sauerländischen Wind durch ihre Wohnung fahren.

Wir hatten keine Federbetten, aber drei Seminartage ohne große Müdigkeitsanfälle. Eine gute Sache, sowas.


Gelesen | Herr Buddenbohm gibt Einblick in die winterlichen Zustände in Hamburg, die dort zu untypisch guter Laune, ja, fast schon zu Enthusiamus führen: Elli, der Abgesang und Wintermärchen, updated version.

Gelesen | Heiko Bielinski geht eisbaden und hat sogar eine Anleitung dazu.

Gehört | Abenteuer Diagnose: Ein Kind muss ständig erbrechen. Meine Güte, was ein Krimi!

Gelesen | Der tägliche Newsletter von Correctiv – diesmal mit der Frage, warum Distanz-Unterricht an den Schulen unterschiedlich gut funktioniert und was ein Winter-erprobtes EU-Land macht.


Feedback | Vor Weihnachten habe ich in einer Organisation einen Transformationsprozess beendet. Knapp eineinhalb Jahre lang habe ich ein Team begleitet, das zu Beginn kein Team war, sondern eine Sammlung von Menschen mit ähnlichem Tätigkeitsprofil. Es ging darum, Strukturen zu schaffen, Zusammenarbeit aufzubauen, Rollen und Verantwortungen zu klären, Vertretung sicherzustellen, die Anzahl der Aushilfskräfte zu reduzieren und das Team zu ermutigen, digitaler zu arbeiten.

Die Kundin hat die Mitarbeitenden jetzt nach Feedback zum Veränderungsprozess gefragt – und auch, wie sie mich und meine Arbeitsweise fanden. Es waren wundervolle Antworten – hier drei davon:

 SPITZE!!! Ich habe noch nie ein Seminar, einen Workshop, einen Prozess erlebt, bei dem die Trainerin nie den Faden verloren und alle beisammen gehalten oder zurückgeführt hat wie bei Vanessa. Eine absolute Persönlichkeit, bei der jede Aufgabe Spaß macht. Ich schreibe einen großen Teil des Erfolges der Persönlichkeit von Vanessa zu!

Und:

Die Trainerin war sehr gut organisiert und immer optimistisch. Das hat einem ein gutes und sicheres Gefühl gegeben. 

Und:

 Ich fand ihre Herangehensweise toll und erinnere mich noch gerne an den ersten Workshop zurück und bin beeindruckt, wie die einzelnen Schritte, die wir gemeinsam gegangen sind, zu diesem Gesamtergebnis geführt haben. Sie hat in meinen Augen einen tollen Job geleistet.

Ich fühle mich erfüllt und beschenkt!


Schweine | Wiedervorstellung des Dicken bei der Tierärztin. Sie stellte eine Besserung des Auges, aber gleichzeitig ein Röcheln am Schwein fest. Das klinge ernst, sagte sie, zusammen mit der Geschichte am Auge könne es eine Leukämie sein, das Schwein fange sich immer mehr ein und versterbe dann – eine typische Schweinekrankheit. Wir machten ein Blutbild. Es gab rasch Entwarnung in Sachen Krebs, aber der Dicke hat einen Infekt. Er bekommt ein Antibiotikum. Sie ahnen gar nicht, was das alles kostet!

Unser Gold-Opa und drei seiner vier Ladies an der Gemüseschale:

Vier Meerschweine an der Gemüseschale. Man drängelt sich.

Leser’innenfrage | Eine Frage auf der Themen-Vorschlagsliste beschäftigt sich mit KI: „Was hältst du von ChatGPT und welche Erfahrungen hast du damit schon gemacht?“ Eine zweite Frage hat sich dazugesellt: „Ich hätte auch großes Interesse an deinem Einsatz von KI-Produkten. Ich finde es gerade enorm schwer, sie nützlich zu finden und frage mich, was ich ggf. anders machen könnte, um mehr Nutzen daraus zu ziehen.“

Ich nutze ChatGPT bzw. Language Learning Models (LLMs) für verschiedene Zwecke. Erster Anwendungsfall: Ich lasse mir Texte erstellen oder Texte überarbeiten. Ein Prompt könnte lauten:

Nachfolgend findest du einen Text.

  1. Verbessere den Text: präziser, besser auf <Zielgruppe> zugeschnitten. Kürze dabei um 20 Prozent.
  2. Liefere drei Vorschläge für einen Vorspann, die jeweils verschiedene Aspekte des Textes in den Fokus nehmen. Länge: drei Sätze.
  3. Baue aus dem Text einen Instagram-Post mit 5 Kacheln plus Caption. Stil: locker, inspirierend, professionell-verbindlich. Baue in die Caption Emojis ein.
  4. Gibt es etwas, das dir in Bezug auf <Zielgruppe> im Text fehlt?

Bei Texten nutze ich ChatGPT gerne in Kombination mit Deepl Write. Wenn ich emotional bin oder mir keine gute Formulierung einfällt, prompte ich: „Formuliere diplomatisch …“ oder „Formuliere professionell und sachlich, aber dennoch zugewandt …“

Zweiter Anwendungsfall: Ich lade bei ChatGPT Dokumente hoch – keine vertraulichen, das versteht sich von selbst, sondern nur öffentlich zugängliche – und nutze das LLM zum Querlesen. Ein Prompt könnte lauten:

  1. Fasse das Dokument zusammen. Benenne dafür die fünf Kernaussagen des Dokuments zu <Thema>.
  2. Welche wesentlichen Konflikte benennt der Text?
  3. Welche Lösungsvorschläge macht der Text zu <Thema>? Mache eine Tabelle mit zwei Spalten: Spalte 1 benennt das Problem, Spalte 2 die im Text genannten Lösungen.
  4. Welche Aspekte zu <Thema> benennt der Text nicht, die aber relevant sind?

Benenne für die Punkte 1-3 jeweils Kapitel und Seitenzahl als Beleg für deine Aussagen. Nenne für Punkt 4 Quellen zu jedem Aspekt.

Die Fragestellungen können natürlich variieren. Die Antworten helfen mir, mich einem langen Dokument zielgerichteter zu widmen. Zuletzt habe ich mir ein 70-seitiges Paper zusammenfassen lassen, das sich mit Ursachen der Überbürokratisierung befasst.

Dritter Anwendungsfall: Ich lasse mir verschiedene Perspektiven zu einem Thema geben, um einen Überblick zu gewinnen. Das hilft mir in der Vorbereitung auf Gespräche.

Thema: Einsatz von Language Learning Models (LLM) in einem Dienstleistungsunternehmens mit 20 Angestellten. Das Unternehmen bildet Erzieherinnen und Erzieher weiter und berät Kommunen im Ausbau von Kitas und offenen Ganztagsangeboten.

  1. Angenommen, ich bin der Inhaber des Unternehmens – ich habe das Unternehmen vor 30 Jahren aufgebaut, es durch zahlreiche Höhe und Tiefen geführt und bin dem Betrieb emotional stark verbunden: Welche Vorbehalte und Sorgen könnte ich die Einführung eines LLM haben? Konzentriere dich auf fünf wesentliche Vorbehalte.
  2. Welche fünf Argumente könnten mich als Inhaber überzeugen, ein LLM einzusetzen?

ChatGPT eignet sich gut für die Vorbereitung auf Gespräche und Diskussionen mit Menschen, die andere Positionen vertreten oder kritisch nachfragen werden. Man kann ChatGPT in die Rolle des Gegenübers und in die eigene Rolle schicken, Fragen, Antworten, Argumente und Gegenargumente formulieren lassen.

Vierter Anwendungsfall: Konzeption und Erstellung von Angeboten.

Ein Kunde möchte Seminare für seine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen anbieten. Der Kunde ist ein mittelständisches Industrieunternehmen. Die Beschäftigten arbeiten in der Produktion, im Labor in der Entwicklung, in Querschnittsfunktionen im Büro sowie im Vertriebsaußendienst. Das Unternehmen wird zahlreiche Veränderungen einführen, unter anderem Produktionslinien schließen und eine Re-Organisation durchführen. Die Mitarbeiter sollen …

  • Hilfestellung erhalten, mit den Veränderungen konstruktiv umzugehen.
  • lernen, Ideen und Vorbehalte konstruktiv und zielgruppengenau zu kommunizieren.
  • lernen, Konflikte zwischen Abteilungen selbstständig zu lösen.

Konzipiere drei eintägige Seminare (9 – 17 Uhr) zu einzelnen Aspekten. Konzipiere außerdem ein zweitägiges Seminar für Teamleitungen, das alle Aspekte beinhaltet. Sie Seminare sollen …

  • Raum für die mit der Veränderung verbundenen Emotionen geben.
  • Raum geben, im gemischten Teilnehmerkreis unterschiedliche Perspektiven auszutauschen.
  • zum Re-Framing der Veränderungsmaßnahmen einladen.
  • zum Re-Framing von Konflikten einladen.
  • konkrete methodische Werkzeuge zu den genannten Punkten liefern.

Alle Beispiele sind fiktiv, entsprechen aber in ihrer Charakteristik tatsächlichen Anwendungsfällen. ChatGPT erspart mir, beim Urschleim anzufangen. Mit den Antworten denke ich weiter, prompte weiter, stelle anderweitige Recherchen an – zum Beispiel in der Fachliteratur – und mische das Ergebnis mit meinem Erfahrungswissen. Manchmal bekomme ich auch Antworten von ChatGPT, bei denen ich denke: „Nee, so nicht“, aber selbst das ist hilfreich.

Bei der Arbeit mit ChatGPT finde ich wichtig, sich klar zu sein, dass das LLM nur auf Dinge zurückgreift, die bereits im Internet existent sind, also ausschließlich reproduziert. Chat GPT nimmt in der Regel keine Bewertung und Einordnung von Quellen vor – und nennt auch keine, es sei denn, man fordert es ausdrücklich dazu auf. Seine Antworten blenden alles aus, auf das es keinen Zugriff hat oder das es nicht als relevant einordnet. ChatGPT füllt seine Wissens- und Berechnungslücken mit Unsinn, halluziniert und erfindet Antworten. Ich nutze ChatGPT deshalb nur für Bereiche, in denen ich mich auskenne oder mindestens ein Grundwissen habe, um die Antworten einordnen und sinnvoll mit ihnen weiterarbeiten zu können.

In 2026 möchte ich die Arbeit mit LLMs weiter professionalisieren. Ich werde mir auch andere Tools angucken, zum Beispiel Claude AI und Perplexity AI.


Gelesen | Passend zur Leser’innenfrage: Berufsberater aus ganz Deutschland sagen, welche Fähigkeiten man im KI-Zeitalter wirklich braucht, um im Job zu bestehen [€]. Zusammenfassung: Alles, was mit Handwerk, mit der Arbeit am und mit Menschen und mit dem Bewältigen komplexen Verhaltens zu tun hat, wird auch zukünftig Relevanz haben.


Ausflüge | Diverse Dorfspaziergänge. Knirschender Schnee, Spuren von Wichteln und ein guter Tag für Windenergie.

Ein Ausflug nach Münster. Mit dem Zug sind es nur 30 Minuten nach Münster, direkte Verbindung. Der Weg vom Bahnhof in die Altstadt ist kurz, der Kaffee in Münster ausgesprochen lecker, und ich habe neue Treckingschuhe fürs Spazieren und Radfahren gefunden. Im April radeln der Reiseleiter und ich von Lübeck nach Kopenhagen. Dafür braucht’s wetterfestes Material.


Werbeblock | In Münster traf ich mein großes Patenkind Frances. Sie ist Sach- und Wissenschaftsillustratorin. Ihre Arbeit kann man jetzt in einem Video sehen. Sie arbeitet für Museen, Verlage, Unternehmen und auch Privatleute. Empfehlen Sie gerne weiter, Aufträge sind willkommen! Zurzeit denkt sie darüber nach, ihre Arbeit auch in Workshops oder Seminaren zu vermitteln. Wenn Sie dazu Ideen oder einen Kontakt haben, lassen Sie es mich gerne wissen. Ich leite dann weiter.


Schweine | Der Dicke ist wieder in Behandlung. Er hat sich am Auge verletzt, die Hornhaut löst sich ab. Entweder hat er sich einen Strohhalm ins Auge gerammt oder ist irgendwo gegen gelaufen, der kleine Trottel. Die Tierärztin verordnete alle zwei Stunden Augentropfen. Wir haben das Wochenende also damit verbracht, das Schwein zu träufeln.

Meerschwein in einem Osterkörbchen, eine Hand hält ihm das Auge auf, eine zweite hält Augentropfen

Dazwischen haben wir Weihnachten abgerüscht.

Ulla | Die vergangenen Tage luden dazu ein, Spaziergänge zu machen, anschließend die matschigen Schuhe vor der Tür auszuziehen, mit klammen Zehen ins Haus zu tapsen, heiße Getränke aufzubrühen, unter Decken aufs Sofa zu sinken, Bücher zu lesen und einzunicken. Wunderbar.

Die Kinder fuhren Schlitten im Garten, obwohl es dort keinen Hügel gibt. Sie häufelten Schnee auf, zogen sich darüber und schlitterten im Schweineland um Hindernisse herum. Es braucht also keine besonderen Voraussetzungen, um eine Situation zu nutzen. Ich lasse diese Lebensweisheit einfach mal hier.

Außerdem bauten sie eine Schneefrau und nannten sie Ulla.

Schneemann (oder -frau) im Garten mit Mütze, Schal, eine Karottennase und Augen und Mund aus Steinen. Im Hintergrund ein Meerschweinchenstall.

Serviceblog | Eine freundliche Erinnerung für alle Eltern: Jetzt ist eine gute Zeit, die Brotdosen auszuräumen. Klicken des Links auf eigene Verantwortung. Freudiger Kommentar des Kindes: „Ich habe neues Leben erschaffen!“


Am Rande | Hinweis aus gegebenem Anlass: Auch diese Zeit wird irgendwann die gute alte Zeit sein.


Gelesen | Lukas Hartmann: Martha und die Ihren. Der Autor war mir bislang gänzlich unbekannt – ein Versäumnis! Er erzählt mit literarischer Freiheit, die Geschichte seiner Familie. Die zentrale Figur ist seine Oma Martha, die nach dem Tod des Vaters als sogenannte Verdingkind zu einer Bauersfamilie, in der sie aufwuchs. Es folgten Heirat, Kinder und harte Arbeit, später Enkelkinder. Ein Roman, der eindrücklich das Heranwachsen nach den zwei Weltkriegen zeigt, die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen und was das mit den Menschen macht.

Gelesen | Herr Buddenbohm schreibt über einen Trend zum Analogen. Die Älteren unter uns werden es lesen und verwirrt die Stirn runzeln. Denn das kennen wir aus unseren Leben – den Leben, bevor wir Smartphones hatten, den Leben unserer Kindheit und Jugend mit drei Programmen, Wählscheibentelefonen und gelangweilt auf dem Stromverteilerkasten sitzen und warten, ob jemand um die Ecke kommt, mit dem man gemeinsam Klingelstreiche machen kann.

Geschaut | Ich schaue derzeit die Ku’damm-Fernsehfilme in der ZDF-Mediathek. Bislang habe ich nur ’59 vollständig gesehen, die Jahre ’59, ’63 und ’77 sind an mir vorbeigegangen. Meine Güte, welch eine Gesellschaft damals, welch Misogynie.


Leser’innenfrage |Auf der Themen-Vorschlagsliste ist eine interessante Frage zu Chat GPT. Ich tippe bereits an einer Antwort.


Schweine | Die Schweine leben gut isoliert, auf extra dick Streu und mit viel Stroheinlage. Sie bekommen mehrmals täglich kleine Portionen Gemüse, die sie wegfressen, bevor sie gefrieren. Es bleibt festzustellen, dass die Schweine ein anderes Kälteempfinden haben als wir.

Meerschweine im Stall, auf der Rampe hinauf in den Stall liegt dick Schnee. Ein Schwein frisst Brokkoli.

Nach Inspiration von Anke Gröner und NullpunktZwo mal wieder ein traditioneller Jahresrückblick:

01. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Acht.

02. Der hirnrissigste Plan?

Sieben Tage nach einer OP einen ganztägigen Workshop in Präsenz moderieren. Würde ich nicht wieder machen.

03. Die gefährlichste Unternehmung?

Bürgermeisterkandidatin zu werden – zumindest geschäftlich. Die Kandidatur war ein Vollzeitjob neben der zum Teilzeitjob reduzierten Selbstständigkeit. Hätte wirtschaftlich ins Auge und danach nicht mehr weitergehen können. Tut’s aber.

04. Die teuerste Anschaffung?

Ein gebrauchter Volkwagen id.3. Er ersetzt seit Mitte Dezember den zwei Jahre lang gemieteten Tesla.

05. Das leckerste Essen?

Das Abendessen im Restaurant 1817, Ketschauer Hof, in Deidesheim. Als Vorspeise ein Erbsenschaumsüppchen, als Hauptgang Rind auf Topinambur mit Kartoffelbaumstamm und Karotten. Nachspeise erinnere ich nicht mehr, war aber auch sensationell.

06. Gute Bücher 2025?

Erhellend und auf den Punkt: Kinder – Minderheit ohne Schutz von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier. Wer das liest, weiß, wie wir die Rahmenbedingungen für Kinder deutlich verbessern können – teils ohne großa Ausgaben. Es braucht nur den politischen Willen.

Eine freudvolle Entdeckung waren Moa Herngren und ihre Werke Schwiegermutter und Scheidung. Fein beobachtete Beziehungen, kluge Charakterzeichnungen. Auch bei Der größte Spaß, den wir je hatten von Claire Lombardo geht es um Zwischenmenschliches. Eine kurzweilige Familiensaga. Zum Nachdenken: Kornblumenblau von Susanne Beyer.

07. Was hast du 2025 gelernt?

Wie Lokalpolitik funktioniert. Gesellschaftliche Realitäten. Sozialstrukturen. Denkräume. Wie ich Menschen für mich gewinne. Wie ich Macht ausübe, ohne Macht zu haben. Persönliche Abgrenzung. Integration. Einiges gelernt über die SPD. Über die Grünen. Über die CDU. Über Stadtentwicklung. Durchhalten. Wo Grenzen sind.

08. Das schönste Konzert?

In 2025 war ich auf so vielen Konzerten wie noch nie in einem Jahr: Dropkick Murphys, Herbert Grönemeyer, The Offspring, Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld, Joscho Stephan, Pawel Popolski. Hat mir alles gut gefallen.

09. Die tollste Ausstellung?

Anders Zorn, Kunsthalle Hamburg.

10. Anzahl der Erkrankungen 2025?

Eine Erkrankung – eine Erkältung. Große Dankbarkeit für so viel Gesundheit.

11. Die meiste Zeit verbracht mit?

Dem Reiseleiter.

12. Die schönste Zeit verbracht mit?

Dem Reiseleiter. Meinem Vater. Meiner Tante. Zahlreichen Freunden.

13. Vorherrschendes Gefühl 2025?

Uff.

14. 2025 zum ersten Mal getan?

Mit dem Zug von Deutschland bis ins Baskenland gefahren. Intensiv KI genutzt. KI-Workshops moderiert. Als Bürgermeisterin kandidiert, einen Wahlkampf organisiert, auf Parteitagen gesprochen, an hunderte Haustüren geklingelt und mitch vorgestellt. Den Omas gegen rechts beigetreten. Jemanden kurz vor Sepsis in die Notaufnahme gefahren. Lebensmittel bei der Tafel ausgegeben. Einen Fahrradanhänger genutzt (sehr kommod). Social-Media-Reels produziert. Einem Meerschwein Sterbebegleitung gegeben. Kanülen in ein Meerschwein gesteckt (ein anderes). In Deidesheim geurlaubt. Auf die Alpspitze gefahren. Mit Frau Kaltmamsell und Herrn Rau Strudel gegessen. Eines dieser privaten Spas besucht. Schokobon-Kekse gebacken. Und bestimmt noch viel mehr.

15. Nach langer Zeit wieder getan?

Primfaktorzerlegung. Satz des Pythagoras.

16. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Die Sache mit der Notaufnahme.

17. 2025 war mit einem Wort:

Erhellend.


Gehört | Wo wir gerade beim Blick zurück sind: Im Podcast Ich sehe was, was du nicht siehst der Hamburger Kunsthalle unterhalten sich Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider über einzelne Kunstwerke. In den jüngeren Folgen sind auch drei Werke Anders Zorns dabei, dessen Ausstellung ich besuchte.


Schneeschweine |  Abendessen mit Gemüseberg.

Drei Meerschweine an einer riesigen Gemüseschüssel. Vor dem Stall liegt Schnee.

Neujahr | Allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Jahr! Möge es Gesundheit und Zufriedenheit bringen, angefüllt sein mit Momenten der Freude und Heiterkeit.

Wir feierten denkbar einfach, daheim mit Raclette. Damit es dazu kam, fragten wir zunächst die Schwiegereltern, ob sie ein Raclettegerät hätten. Sie bejahten, es vergingen zwei Tage der Selbstgewissheit, bis der Schwiegervater in den Keller stieg und keins fand. Aber des Reiseleiters Schwester habe bestimmt eins! Der Reiseleiter reiste zwanzig Kilometer nach Oer-Erkenschwick und holte bifinet H-3043, ein antikes Gerät, der Karton mehrfach mit Panzertape stabilisiert. Es war der Abend vor Silvester, draußen funkelten Sterne und Raureif, ich steckte H-3043 in die Steckdose. Geräuschlos gingen im Untergeschoss die Lichter aus. Der Reiseleiter reiste zehn Kilometer in die andere Richtung, zum nächsten SB-Warenhaus, Öffnungszeiten bis 21 Uhr, und erstand das letzte von drei Raclette-Geräten, die noch auf einer Palette lagen, ein federleichter Apparat chinesischer Herstellung. Wir racletteten aufs Feinste sanken aufs Sofa, stießen um Mitternacht an und gingen ins Bett.


Ein Papagei |  Beim Neujahrsspaziergang begegnete uns mitten im Wald ein Papagei.

Ein bunter Stoffpapagei in einer Schaukel, mitten im Wald im Baum

Leser’innenfrage | Eine neue Frage auf der Themen-Vorschlagsliste:

Hallo, welche touristischen Besonderheiten sollte man rund um Haltern auf keinen Fall verpassen? Hintergrund ist: Wir (2 Erw., 2 Kinder 9 & 11) möchten im nächsten Jahr auf alten Spuren wandeln und im Ruhrgebiet Urlaub machen. Meine Eltern sind dort aufgewachsen, konnten uns bei der Planung aber nur noch bedingt weiterhelfen – dafür sind sie inzwischen einfach schon zu lange weg.

Starlight Express und der Movie Park stehen auf jeden Fall auf unserer Liste (dort war ich tatsächlich schon vor rund 30 Jahren). Daher wollte ich freundlich nachfragen, ob Sie vielleicht noch weitere Tipps oder Empfehlungen für uns haben.

Für die Unterkunft haben wir bereits erste Ideen, zum Beispiel eine Jugendherberge oder eine Ferienwohnung auf bzw. bei einem Zeltplatz – vielleicht haben Sie aber ja noch einen persönlichen Geheimtipp?

Ich hoffe die Frage ist nun nicht zu egoistisch. Über ein paar Hinweise würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüße

Das ist eine ganz und gar nicht egoistische Frage. Hier meine Favoriten im Ruhrgebiet:

  • Zeche Zollverein, Essen. Der Klassiker im Ruhrgebiet: das UNESCO-Welterbe, fast schon in Muss beim Ruhrgebietsbesuch. Man kann Förderturm, Museum und Außengelände mit und ohne Führung besichtigen. Es gibt regelmäßige Führungen und Angebote für Kinder, im Winter eine Eisbahn, im Sommer ein Schwimmbecken.
  • Landschaftspark Duisburg Nord. Stillgelegtes, riesiges Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Es ist inzwischen Gartendenkmal und laut britischen Guardian einer der zehn bedeutendsten Stadtparks der Welt. Man kann den Hochofen besteigen, klettern, herumrennen, runtergucken, entdecken. Abends ist die Kulisse toll illuminiert.
  • Bergbaumuseum Bochum, eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Besucherinnen und Besucher gehen unter Tage und entdecken die Arbeitswelt dort. Man kann das Museum mit und ohne Führung besuchen. Es gibt Programm für Kinder.
  • DASA, Dortmund. Die Deutsche Arbeitsschutzausstellung – klingt trocken, ist aber genau das Gegenteil. In großen Hallen und einem Außenbereich kann man die Welt der Berufe erkunden, Maschinen bedienen und viel ausprobieren – als Baggerführerin, als Fluglotse, als Pilotin, im Gesundheitswesen un dunzähligen weiteren Berufsfeldern. Die Ausstellung ist interaktiv. Dazu gibt es Programm für Kinder.
  • Gasometer Oberhausen. Industriedenkmal, Ausstellungs- und Veranstaltungshalle. Die Ausstellungen wechseln. Bis März ist noch „Planet Ozean“ dort, ab März dann „Mythos Wald“.
  • Ketteler Hof, Haltern am See. Ein Freizeitpark ohne wilde Fahrgeschäfte, dafür mit großen Anlagen zum Klettern und Hüpfen, mit Wasser und Rutschen – ein Ort, der auch für große Kinder und Erwachsene toll ist. Vom Kern-Ruhrgebiet (Essen, Bochum) fährt man 50 Minuten mit dem Auto und 70 – 80 mit Zug und Bus. Der Park ist die Reise wert.
  • Borsigplatz-Verführungen. Themenführungen rund um den Dortmunder Borsigplatz: zum BVB, zur Hoesch-Geschichte oder zum Glauben in der Nordstadt. Nur mit Anmeldung, Besuch rechtzeitig planen. Mit Kindern empfehle ich am ehesten die Führung zur Glaubensvielfalt.
  • Fahrradfahren auf den alten Bahntrassen des Ruhrgebiets. Ich weiß nicht, wie und wann Ihr anreist. Im Sommer lohnt es sich, die Fahrräder mitzubringen oder welche zu mieten. Man kann wunderbar auf alten Bahntrassen Rad fahren, dabei – je nach Route und Kondition – einen der genannten Orte besuchen und weitere streifen, die ich nicht genannt habe, weil ich sie nicht explizit aufsuchen würde. Sie sind aber interessant, wenn sie ohnehin auf dem Weg liegen, zum Beispiel die Essener Margarethenhöhe. Außerdem ist das Rad der beste Weg, um Halden zu erkunden. Solltet Ihr das in Erwägung ziehen, kommt gerne für eine praktikable Komoot-Route auf mich zu. Wir kennen uns mit Radtouren mit Kindern aus; es braucht ausreichend Orte auf der Route, die die Motivation aufrecht erhalten. Die können wir einbauen. Einfach melden, keine Scheu.

Zu Unterkünften kann ich nichts sagen. Mit Kindern sind Jugendherberge und Ferienwohnung ja meist besser und preisgünstiger als Hotels. Jugendherbergen gibt es hier zuhauf. Vielleicht wäre auch ein Hostel etwas. Davon gibt’s hier ein paar, meist sogar in der Innenstadt, Stichwort: Nachnutzung alter Kaufhäuser. Möglicherweise wäre das Unperfekthotel auch passend. Das Konzept des Unperfekthauses ist jedenfalls prima.


Gelesen | Susanne Beyer: Kornblumeblau. Susanne Beyer, Journalistin beim Spiegel und vier Jahre lamng stellvertretende Chefredakteurin, geht dem Leben und dem Tod ihres Großvaters nach. Er starb kurz vor Kriegsende 1945 im brandenburgischen Kloster Lehnin. In der Familie wird die Geschichte erzählt, er sei als Chemiker der Farbe Kornblumenblau auf der Spur gewesen – und wie sie sich synthetisch herstellen lässt. Tatsächlich hat er für eine NS-Behörde daran gearbeitet, kriegswichtigen synthetischen Kautschuk („Buna“) herzustellen – und es besteht eine Verbindung zum Buna-Werk Auschwitz III Monowitz.

Auch wenn Susanne Beyer sich bei ihrer eigenen Gefühlswelt zu sehr im Kreis dreht, ist es ein beeindruckendes Buch. Wie viel Beteiligung braucht es, um ein Kriegsverbrechen zu begehen? Wann beginnt Schuld? Und wie lässt sich das mit familiären Erzählungen vereinbaren? Susanne Beyer nimmt uns mit auf eine Spurensuche, bei der sich manches klärt und manches offen bleibt.


Frostschweine | Beim Frühstück.

Meerschweine am Futternaopf im Stall. Vor dem Stall Tannengrün mit Raureif und Christbaumkugeln.

Ausflug zu Anders | Es war Anfang November, genauer ein Tag nach Allerheiligen, als Herr Buddenbohm mich schubste. Geradezu enthusiastisch – im Rahmen seiner norddeutschen Möglichkeiten – schilderte er seinem Besuch in der Hamburger Kunsthalle und berichtete von den Bildern Anders Zorns. Er endete mit dem Hinweis, dass die Ausstellung noch bis Ende Januar zu sehen sei –

Die norddeutschen oder reisewilligen Leserinnen und Leser fühlen sich bitte angemessen geschubst.

Ich fühlte mich also geschubst und schubste wiederum den Reiseleiter. Gemeinsam fuhren wir nach Hamburg.

Es ist nicht so, dass ich vorher schonmal von Anders Zorn gehört hätte. Ich bin nur mäßig kundig, was Kunst angeht, und außerdem nur durchschnittlich begeisterungsfähig. Ich mag es gefällig und nicht zu provokant; auch bin ich dankbar, wenn ich erkenne, was ich sehe.

Die Kunsthalle bot eine Führung an: eine Stunde Erklärungen zu den Bildern, dargeboten von Jeffrey Turek, einem äußerst kurzweiligen Kunsthistoriker mit amerikanischen Wurzeln. Wir amüsierten uns sehr und lernten viel. Unter anderem, dass Anders Zorn zu Lebzeiten quasi ein Superstar war. Er tourte um die Welt, nach Moskau und New York, nach Paris und Tanger und malte die Reichen und Schönen. Manchmal waren sie auch nur reich, selten nur schön, denn Herr Zorn verstand sich darauf, Geld mit seinem Handwerk zu machen.

Er malte drei amerikanische Präsidenten, darunter Grover Cleveland und seine Gattin Frances.

Zwei Portraitsn an einer Wand: Frances Cleveland und Grover Cleveland: sie in weitem Kleid vor weißer Wand, die Beine übereinander geschlagen, die Hände gefaltet, er auf einem Stuhl, lockere Körperhaltung, in einem Anzug.

Cleveland soll nach Fertigstellung gesagt haben: „As for my ugly mug, I think the artist has struck it off in great shape.“ – „Was meine hässliche Visage angeht, finde ich, dass der Künstler sie sehr gut getroffen hat.“ Von Frances existieren zahlreiche Portraits, die New York Times veröffentlichte viele von ihnen. Sie war eine Stil-Ikone; in Ermangelung von Fotografie – Apparate wurden erst später erfunden – ließ sie sich oft malen, stets in den neuesten Outfits.

Zorn malte die Menschen gerne zwanglos, man möchte sagen: leicht hingefläzt.

Als der schwedische König in vollem Ornat zum Stillsitzen antrat, sagte Zorn, Orden und Gedöns solle er ablegen, die Uniform auch und etwas Schlichteres anziehen. So einer war der Zorn; das konnte er sich leisten: Den König zum Umziehen schicken.

Zorn malte nicht nur Menschen. Er malte auch gerne Wasser – und das ebenfalls besonders gut. Die meisten seiner Wasserbilder sind Aquarelle. Zorn konnte also nicht nachbessern oder übermalen wie beim Öl: Sobald der Pinsel das Papier berührte, gab es kein Zurück mehr, dann war die Farbe, waren die Verläufe gesetzt.

Bild eines Paares: Sie steht auf einem Steg, er sitzt in einem Ruderboot. Das Wasser reflektiert.

Anders Zorn starb 1920 und geriet schon bald danach in Vergessenheit. Es gibt keine Erklärungen dafür. Vielleicht lag es daran, dass er zu gefällig malte: An Zorns Schaffenszeit schlossen sich Surrealismus und neue Sachlichkeit an. Vielleicht hatte es auch andere Gründe.

In Zorns Heimatstadt Mora in der schwedischen Provinz Dalarnas gibt es das Zornmuseet. Einige Leserinnen neigen möglicherweise zu Skandinavienausflügen. Wenn Sie in der Gegend sind, ist das sicherlich ein lohnenswerter Besuch.


American Cycles | Wo wir schonmal in Hamburg waren, besuchten wir noch eine zweite Ausstellung: Philip Montgomery in den Deichtorhallen. Ebenso wie Herr Zorn war mir bis anhin auch Herr Montgomery gänzlich unbekannt. Ich lernte, dass seine Fotografien regelmäßig im The New York Times Magazine, in der Vanity Fair und im The New Yorker erscheinen; es ist also völlig klar, wer hier die Banausin ist.

Montgomery dokumentiert das Leben jenseits der amerikanischen Greatness: Drogensucht und Naturkatastrophen; die Gefangenen, die als Firefighter bei Waldbränden aushelfen; Familien während einer Zwangsräumung ihres Hauses; die Stahlarbeiter in Wisconsin bei einer Arbeitspause; das vom Hurrican verwehte Haus; die Trump-Anhängerin mit dem Waffen-Tattoo auf dem Rücken – als stecke die Knarre im Hosenbund.

Unter einer Treppe hindurch fotografiert ein Bild: Eine Frau ist von hinten zu sehen, sie lüftet ihren Pullover, auf dem Rücken hat sie das Tatoo einer Pistole. Es sieht aus, als stecke sie in ihrem Hosenbund.

Montgomery hat schon viele vor der Kamera gehabt: Schauspieler und Sängerinnen, Journalistinnen und Polizisten, den Supreme Court, Senatoren und Präsidenten. Die ZEIT hat Montgomery anlässlich der Ausstellung interviewt und mit ihm über seine Fotografie, über Ungleichheit, Kontrolle, seine Betroffenheit während des Fotografierens und über Donald Trump gesprochen.

Die Empore der Ausstellung – sehr gut gefiel mir die Inszenierung des Vorhangs.

Das Hochhaus im Bild ist real, steht in Hamburg und ist durchs Fenster der Ausstellungsräume zu sehen. Der Rest der Hurricane-Szene ist Montgomery.

American Cycles ist noch bis zum 10. Mai 2026 in Hamburg zu Gast.


Gelesen | Die Lektüre des Hamburg-Aufenthalts passt gut zur Stimmung in der Ausstelung: Land der Gewohnheit von Ted Thompson, übersetzt von Susanne Höbel.

Protagonist Anders schmeißt nach mehr oder minder erfolgreichen Jahren im Speckgürtel New Yorks – guter Job, Frau und zwei erwachsene Kinder – sein Leben hin, verlässt die Frau und zieht in ein kleines, eigenes Häuschen, nur um zu erkennen, dass sich, nachdem er das falsche Leben hinter sich gelassen hat, nicht automatisch das richtige einstellt. Als er das erkennt, will Anders zurück und scheitert kläglich: Seine Frau hat bereits einen Neuen, und auch seine Söhne vermissen ihn nicht wirklich.

Innere und äußere Konflikte, Hilflosigkeit, gescheiterte Lebensträume und trübsinnige Seelenwelten durchziehen die Geschichte. Es ist unausweichlich, dass jemand stirbt, auf klägliche Art und Weise. Glück sucht man woanders, nicht in diesem Buch – präzise beobachtet und gut zu Papier gebracht.


Rückreise | Wir reisten mit dem Zug. Zwischen Hamburg und Haltern nur Nebel. Die Felder weiß von Dunst und Raureif, die Bahnhöfe monochrom in Vanille.

Auf dem Bahnsteig in Osnabrück eine Frau mit Kind, beide müde gehend, das Kind mit einem Luftballon unter dem Arm; er hat die Form einer Zeichentrickkatze. Die Mutter mit Geschenktüten an der Hand, darauf ein lachender Weihnachtsmann.

Auf dem Bahnsteig in Münster ein Vater mit seinem Sohn. Der Sohn geht ihn bis zum Knie und liest alle Zahlen vor, die er sieht, die Sieben, die Zweiundvierzig und die Sechzehn, die Sechsundzwanzig und die Neun. Er fragt, aus welcher Richtung der Zug kommt und nach wie vielen Halten sie aussteigen werden. Der Vater beantwortet alle Fragen geduldig, über der Schulter einen Koffer in Gestalt eines Löwen.


Frühe Belege | Eine Sache sei noch erwähnt: In der Kunsthalle besuchten wir auch die Alten Meister. Wir entdeckten einen frühen Beleg von Social-Media-Aktivitäten. Max Liebermann malte 1887/1889 eine erste Social-Media-Beauftragte bei ihrer Arbeit auf den Feldern der Niederlande, wie sie gerade eine Netzflickerin für ein Reel in Szene setzt.

Zwei Bilder im goldenen Rahmen, das rechte sehr groß, das linke klein. Das rechte zeigt eine Frau auf einem Feld. Sie stemmt sich gegen den Wind.

Chronistenpflicht | Und auch hiervon sei Kunde gegeben: vom Feste der Weihnacht, wie es von alters her Brauch ist. Denn es begab sich zu derselben Zeit, da der heilige Abend gekommen war, dass sie sich versammelten unter dem Baum, der leuchtete im Schein vieler Lichter.

Kleines Meerschwein als Baumschmuck

Und sie brachen das Brot und setzten die Brühe ans Feuer, und sie bereiteten Fleisch und Gemüse und aßen, bis keiner mehr Mangel hatte. Und sie gaben einander die Gaben und öffneten sie, und Dank erfüllte ihre Herzen.

Darnach aber taten sie ein Spiel, das rief hervor, was in der Vergangenheit erklungen war; und sie ordneten die Lieder und behielten sie in ihrem Herzen.

Bunte Karten liegen in einer Reihe auf einem Tisch. Auf ihnen stehen Jahreszahlen. Es sind Händ ezu sehen. Kerzen brennen auf dem Tisch.

Alte und Junge trugen bei, ein jeder nach seiner Art. Und sie spielten bis in die tiefe Nacht; da wurden ihre Glieder müde, und sie legten sich nieder zur Ruhe.

Und am folgenden Tage geschah es, dass sie auszogen aus Münster und aus Menden, aus Ardey, aus Siegen und aus Dortmund, und sie kamen zusammen an dem Ort, der genannt wird Haltern am See. Und ihrer waren elf an der Zahl, Junge und Alte, und ihre Herzen waren fröhlich. Und sie aßen und tranken, wie es ihnen überliefert worden war.

Kaffeetafel: Ein Service mit Stiefmütterchen, Servietten, die ein frohes Fest wünschen und einem hölzernen Serviettenring. Im Hintergrund Streuselkuchen und unscharf Menschen.

Als aber die Stunde gekommen war, nahmen sie ihre Sitze und versammelten sich in der guten Stube. Und sie teilten Gaben untereinander und erzählten, was ihnen widerfahren war. Und als die Sonne sich neigte zum Untergang, aßen und tranken sie erneut. Sie aßen vom Brot und von der Suppe, von den Speisen und den süßen Gaben. Und da sie müde geworden waren, brachen sie auf und kehrten zurück ein jeder in sein Haus, matt am Leib, doch erquickt an der Seele.


Leser’innenfrage | Die aktuelle Frage auf der Themen-Vorschlagsliste beantworte ich beim nächsten Mal. Vielen Dank dafür!


Schweine | Die Schweine bekamen getrockneten Löwenzahn zu Weihnachten, ließen sich aber keine Dankbarkeit anmerken. Nachfolgend ein Bild vom Oma-Schwein, das neuerdings gerne im Essen sitzt. Verständlich, dann hat man weniger Mühe.

Wintergarten der Schweine, durchs Gitter fotografiert. Das schwarz-weiße Schwein sitzt in der Heurauf und frisst.

Es weihnachtet | Es lässt sich nicht mehr leugnen: Bald ist Weihnachten. Wir backen und verzieren. Es lichtert und glühweint, und nun steht auch der Baum.

Die Kekssituation war zunächst golden. Ich buk Berliner Brot, häufelte Schokocrossies, rollte Nusskordeln und Engelsaugen. Die Dosen quollen über, ich musste einen Suppentopf rekrutieren. „Wer soll das alles essen?“, fragte der Reiseleiter. Während wir über eine Antwort nachdachten, nahmen wir jeder fünf Kekse.

Nach einer Woche hatte ich Zweifel, dass noch genug für die Feiertage übrig bleibt. Ich buk noch einmal nach, diesmal mit den Kindern. Sie wünschten sich Schokobon-Plätzchen: ein Schokobon in Mürbeteig einrollen und zehn Minuten backen. Fantastisch.

Unser Backofen backt auf der rechten Seite grundsätzlich mehr als auf der linken. Rechts wird alles braun. Ein Ofen mit politischer Botschaft.

Ich fuhr nach Dortmund, Dinge erledigen. Im Peek & Cloppenburg befindet sich in der ersten Etage ein Café, von dem aus man direkt auf den von der Reinoldikirche blicken kann und das Büdchen-Geschehen im Blick hat. Sehr gut. Später verlegte ich noch einmal in die Kleppingstraße. Schöne Beleuchtung.

Die Turnschwester aus Heidelberg kam zum Adventsbesuch. Wir plauschten, gingen Italienisch essen und besuchten den Krippenweg in der Nachbarschaft. Sehr stimmungsvoll im Dunkeln.

Am Sonntag völlig freier Tag. Und deshalb großer Schlumpertag: Lange geschlafen, spät gefrühstückt, gemeinsam den Baum geschmückt. Dann war der Tag auch schon um.


Broterwerb | Ich freue mich wie Bolle. In den vergangenen eineinhalb Wochen erreichten mich so viele Anfragen wie in den fünf Monaten zuvor nicht. Ich führte Gespräche, schrieb Angebote. Mit weiteren Kunden habe ich mich für den Januar verabredet. Schön!


Gelesen | Für Lidl lohnt sich’s. Die Schwarz-Gruppe verfolgt die Strategie: Produkte und Dienstleistungen, die aus ihrer Sicht nicht funktionieren, macht sie selbst. Jetzt hat sie erfolgreich eine Reederei gegründet. Das hat seit mehr als vierzig Jahren niemand mehr geschafft.

Gelesen | Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten, übersetzt von Sylvia Spatz. Siebenhundert Seiten, die ich in einer Woche durchlas. David und Marylin sind seit vierzig Jahren verheiratet und haben vier Töchter. Während die Ehe der Eltern in den Augen der Töchter unerreichbar glücklich ist – Spoiler: ist sie nicht -, kämpfen die Töchter jede ihren eigenen Kampf: Die eine hat erst ein ungeborenes Kind, dann einen Mann verloren, die zweite veruscht die Kontrolle über ihr Leben zu behalten, die dritte wird überraschend schwanger, die vierte tut so, als studiere sie. Lombardo erzählt in Zeitsprüngen und Perspektivwechseln, mit Cliffhangern und geschickt gezeichneten Charakteren. Hat mir sehr gefallen.

Gelesen | Herr Buddenbohm und die Selbstleseanordung


Leser’innenfragen | Keine neuen Themen in der Themenvorschlagsliste.


Schweine | Adventsschweine.

Zwei Meerschweine in der Stalltür. Die Türen werden von zwei Töpfen mit Heiddkraut und Tannengrün aufgehalten. Im Tannengrün hängen silberne Christbaumkugeln.

Die Schweine haben Weihnachtspost bekommen. Mehr Internet-Fame geht nicht!

Eine Weihnachtskarte und Samentütchen mit Gartenkresse und Winterportulak. Zwei weitere Samentütchen, deren Schrift vereckt ist (Asiasalat und Sommerportulak).

Stimmung | Dieser Beitrag entsteht in der adventlichen Küche:

Warmes Licht. Ein Esstisch vor einer bodentiefen Fensterfront, im Hintergrund brennen drei Kerzen auf einem Adventskranz, rechts eine antik anmutende Anrichte mit Schubladen.

Krippenweg | Ich komme von einer kleinen Rundfahrt, Fahrradfahren kann man ja zu jeder Jahreszeit. Wir fuhren zum Hof Hagedorn, ein Hof mit Café und Bäckerei, Gemüsescheune, Schinkentenne und Pralinentheke. Wir kauften Kuchen, ich erwarb kleinere Weihnachtsgeschenke. Außerdem hielten wir am Schloss Sythen an. Dort gibt es alle zwei Jahre einen Krippenweg. Nachbarn, Kinder und Freunde basteln Krippen aus Stoff, Holz, Draht, Beton, Salzteig und Lego, der künstlerische Spielraum ist groß.

Die Bilder enthalten auch den Heiligen Pingiun. Sie sehen ihn, oder?

Ich habe eine lebhafte Vorstellung davon, wie dieses Werk aus leeren Flaschen entstanden ist – in bester nachbarschaftlicher Gemeinschaft.


Broterwerb | Vier Kunden haben mich für vier Konfliktklärungen engagiert, unabhängig voneinander. Möglicherweise der Wunsch zum Jahresende, noch aufzuräumen. Ich selbst löse den Konflikt nicht. Das können nur die Menschen, die den Konflikt haben. Ich schaffe den Rahmen, dass die Beteiligten hinter den Konflikt schauen können, dass Erwartungen, Motive und Zusammenhänge klar werden, dass sie ihre Spannungen besser verstehen und eine Basis entsteht, sie zu klären und ein neue Wege des Miteinander zu vereinbaren.

Nicht immer gehe ich auf die Beziehungsebene. Im Vorgespräch stelle ich zahlreiche Fragen zum Arbeitsumfeld. Denn mitunter entsteht ein Konflikt nicht im Zwischenmenschlichen, sondern aus ungünstigen Strukturen heraus: Rollen und Zuständigkeiten sind ungeklärt, es gibt unterschiedliche Zielvorgaben, die etablierten Kommunikationsstrukturen sind mangelhaft oder es sind widersprüchliche Prozesse etabliert, die die Zusammenarbeit behindern. Dann nützt es nichts, an Befindlichkeiten zu arbeiten. Die besten Absichten werden immer wieder gegen die Rahmenbedingungen laufen.


Abtlg. Lebensereignisse | Ein Geburtstag im Haus. Hier darf jetzt jemand kommunal wählen, bis Mitternacht in die Kneipe gehen und einen Moped-Führerschein machen.

Im Vordergrund ein Geburtstagstisch mit Geschenken, Luftschlangen und Kerzen ("16") in einem Donut, im Hintergrund eine Happy-Birthday-Girlande in einer breiten Tür.

Gehört | Berufsbedingt saß ich viel im Auto. Ich hörte Jung & Naiv, zunächst mit dem Soziologen Aladin El-Mafaalani, dann mit der ehemaligen Cum-Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker. Aladin El-Mafaalani erklärt beispielsweise, warum man Rechtsextremisten nicht inhaltlich stellen und damit ihre Anhänger zurückgewinnen kann. Anne Brorhilker nennt zahlreiche Maßnahmen, mit denen man die deutsche Finanzverwaltung stärken könnte, damit sie handlungsfähiger gegenüber Steuerbetrug ist – wennman wollte. So interessant und erkenntnisreich die Gespräche sind, so wenig erbaulich sind sie. Möglicherweise macht mich die dunkle Jahreszeit auch ungewöhnlich pessimistisch.

Gelesen | Prostlos – wie Cafés und Kneipen aus den Städten verschwinden

Wenn schon Stadtbilddebatte, dann gerne darüber, warum Innenstädte nur noch aus Chinamüll-Verklappungsstationen, Franchise-Fressvorhöllen oder LAP-Coffee-Verrichtungsboxen bestehen. Eine unselige Troika aus Bürokratie, Baustellen und unregulierter Gier schamloser Vermieter, , die in den allgemeinen „Die Anderen machen’s doch auch“-Vibe einstimmen.

Geguckt | Die deutschen Handballdamen haben eine tolle Weltmeiserschaft gespielt. Mega Spiele gegen Frankreich und Norwegen. Verdiente Silbermedaille. Gerne zugeschaut.


Und sonst | Morgens nach dem Regen.

Gebundene Gräser in einem Vorgarten. In den Halmen hängen dicke Tropfen.

Schweine | Der Opa engagiert am Salat.

Das braune, flauschige Meerschwein, wie es mit geneigtem Kopf und großer Leidenschaft ein Salatblatt zerlegt

Barista | Ich habe eine neue Mitbewohnerin.

Sage Barista Express SIebträgermaschine in blau

Sie kann sehr gut Kaffee kochen.

Schon seit meinem Umzug, also seit fast drei Jahren, haderte ich mit der Siebträgermaschine, die der Reiseleiter in den Haushalt eingebracht hatte: ein fünf Jahre altes, rattendes Gerät, das unter entsetzlichem Lärm schlechten Kaffee machte. Es war zudem völlig unklar, welche Knöpfe man an der Maschine drücken musste, damit sie ihre Arbeit aufnahm: mal waren es zwei gleichzeitig, mal drei, manchmal hörte sie nicht mehr auf, ein anderes Mal fing sie gar nicht erst an. Nachdem sie vor einigen Wochen wieder einmal nicht funktionierte, ich aber so dringend wie nie einen Kaffee brauchte, regte ich den Kauf eines neuen Geräts an.

Bei Siebträgermaschinen ist es ja so: Zwischen 50 und 5.000 Euro kann man alles ausgeben. Was tat ich also? Ich schrieb meinem Lieblingsnotarzt. Er hatte sich in jüngster Vergangenheit eingehend mit der Sache beschäftigt. Ich war mir sicher: Er würde ein Gerät kennen, das ich ohne Barista-Ausbildung bedienen kann, für das ich nicht meinen Bankberater konsultieren muss, das aber dennoch guten Kaffee macht. So war es auch. Ich hatte die Nachricht kaum formuliert, schon schickte er ein Vorführvideo aus dem eigenen Haushalt, das nicht nur zeigte, dass man der Gerät einhändig bedienen kann – in der anderen Hand hielt der Doc ja das Handy -, sondern auch, dass die Zubereitung eines Kaffees ruckzuck geht. Außerdem, ich zitiere: „Perfekte Crema!“ So wurde ich zum Black-Friday-Opfer und bin nun zufriedene Besitzerin von the Barista Express.


Bücher | Die Bücher sind gut unter die Leute gekommen. Ich wünsche erbauliches Lesen! Was übrig geblieben ist, wandert in den Bücherschrank. Mir ist im Nachhinein aufgefallen, dass ich eine oder zwei Buchsendungen möglicherweise zu gering frankiert habe. Falls dem so ist, bitte ich um Verzeihung.

Die Bücherverschickung wurde unversehens zum Tausch: Danke an Leserin BT für die Geschichte Margot Friedländers und Land der Gewohnheit. Außerdem bekamen Menschen ein Huhn – und ich eine Weihnachtskarte. Welch schöne Idee!


Genuss | Es gab eine auswärtige Frühstückssituation – mit Zeitung im Einspannstock, Dips, Lachs und Shakshuka. Wunderbar. Anschließend Weihnachtsshopping und Erledigungen. Auch wunderbar.

Frühstückstisch mit brotschwweiben, Dips und Lacks, großer Saftschorle und Latte Macchiato, daneben eine Süddeutsche Zeitung

Der Tag war überhaupt sehr schön. Am Nachmittag besuchte ich das Oberliga-Spiel unserer Halterner Handball-Damen. Nach durchwachsener erster Halbzeit gewannen sie am Ende überraschend klar. Schönes Tempospiel, Teamgeist und Biss. In der Halle habe ich außerdem Freunde und Bekannte getroffen.

Anschließend lud mein Patenkind zum Essen in ihre neue Wohnung ein. Der Reiseleiter und ich genossen einen Abend mit Lasagne, Schokoladentarte, guten Gesprächen und Musik von der Langspielplatte. Ein rundum gelungener Tag.


Leser’innenfrage | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste: „Wie sieht es aus mit der Prüfung/Korrektur Ihrer Elektronischen Patientakte?“

Die Frage bezieht sich sicherlich auf meine Entdeckung, dass in meiner elektronischen Patientenakte Gebrechen stehen, die ich nicht habe, niemals hatte und auch nicht haben möchte – und die irreführend sein können für zukünftige Diagnostik. Gemacht habe ich bislang nichts – außer die entsprechenden Dokumente zu sperren. Es waren immer andere Dinge wichtiger.


Broterwerb | Mit der Bahn nach Duisburg gefahren. Am nächsten Tag mit dem Auto nach Köln. Lange unterwegs gewesen. Unsere Infrastruktur bereitet null Freude.

U-Bahn-Station Duisburg Sittardsberg

Die Autofahrt war übrigens fürchterlicher als die Zugfahrt. Es sind 132 Kilometer von mir bis nach Köln. Auf dem Hinweg brauchte ich für die Strecke zweieinviertel Stunden. Für den Rückweg fast drei Stunden. In NRW ist einfach alles vollkommen marode.


Haltern hilft | Meine Bürgermeisterkandidatur hatte viele gute Seiten. Unter anderem habe ich die Kirchen hier in Haltern nochmal näher kennengelernt. Beide Konfessionen, evangelisch wie katholisch, sind sehr umtriebig. Sie sind auf dem Christopher Street Day aktiv, segnen homosexuelle Paare, und beide Kirchen sind Mitorganisatoren von Demos gegen Rechtsextremismus. Die katholische Kirche gibt Kirchenasyl. Jüngst hatte sie eine Ausstellung zum Thema Missbrauch – auch durch Kirchenmitglieder.

Seit Beginn des Jahres gibt es die Aktion Haltern hilft Sudan. Die Stadtgesellschaft hat mittlerweile 160.000 Euro für die Welthungerhilfte und Ärzte ohne Grenzen gesammelt. Es wird gestrickt und gebastelt, es gibt Wohnzimmerkonzerte und Tombolas, man backt Brot, sammelt beim Doppelkopf, flechtet Kränze, verkauft Quitten, und der Pastoralreferent fuhr mit dem Fahrrad bis nach Rom und ließ sich seine Kilometer sponsern. Überall, wo etwas los ist, stehen der Pfarrer und seine Mitarbeitenden mit der Sammelbüchse und bitten mit der moralischen Kraft des Amtes und überdies äußerst charmant um Spenden.

Außerdem ist es den Organisatoren gelungen, den Film Karthoum nach Haltern zu holen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichten von fünf Menschen: der Teeverkäuferin Khadmallah, des Beamten Majdi, des Widerstandskämpfers Jawad und der beiden Kinder Lokain und Wilson. Ein eindrücklicher Film, ich habe einiges über den Sudan, die komplexe ethnische Situation und den Krieg gelernt.

Fotos und Erzählung einer Fahrradbotin im Sudan, aufgestellt auf einer Tafel in einer Kirche

Anschließend besuchte ich noch die Fotoausstellung in der Kirche. Sie erzählt Geschichten sudanesischer Frauen. Interessant: Auch im Sudan ist, wie einst in Europa, das Fahrrad ein Instrument der Befreiung.


Und sonst | Nikolausmarkt vor dem Alten Rathaus. Eis zum Glühwein. Eine runde Sache.

An der ifo-Konjunkturumfrage teilgenommen – wie jeden Monat. Falls die Ergebnisse irgendwo in den Nachrichten auftauchen, denken Sie immer gerne an mich. Diesmal kam nach Beendigung ein Weihnachtsgruß. Wer auch immer das programmiert hat: Ich habe mich gefreut.

Kioskdienst beim Fußballspiel von KindZwei und KindDrei. Ich habe Waffeln gebacken (natürlich). Wir gewannen 4:1.

Blick aus einem geöffneten Schiebefenster auf einen Sportplatz. Am Fenster ist Weihnachtsdeko.

Schweine | Jungschwein und Oma-Schwein.

Ein Glatthaarmeerschweini, dunkel, und ein schwarz-weißes Schwein


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