Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ulla | Die vergangenen Tage luden dazu ein, Spaziergänge zu machen, anschließend die matschigen Schuhe vor der Tür auszuziehen, mit klammen Zehen ins Haus zu tapsen, heiße Getränke aufzubrühen, unter Decken aufs Sofa zu sinken, Bücher zu lesen und einzunicken. Wunderbar.

Die Kinder fuhren Schlitten im Garten, obwohl es dort keinen Hügel gibt. Sie häufelten Schnee auf, zogen sich darüber und schlitterten im Schweineland um Hindernisse herum. Es braucht also keine besonderen Voraussetzungen, um eine Situation zu nutzen. Ich lasse diese Lebensweisheit einfach mal hier.

Außerdem bauten sie eine Schneefrau und nannten sie Ulla.

Schneemann (oder -frau) im Garten mit Mütze, Schal, eine Karottennase und Augen und Mund aus Steinen. Im Hintergrund ein Meerschweinchenstall.

Serviceblog | Eine freundliche Erinnerung für alle Eltern: Jetzt ist eine gute Zeit, die Brotdosen auszuräumen. Klicken des Links auf eigene Verantwortung. Freudiger Kommentar des Kindes: „Ich habe neues Leben erschaffen!“


Am Rande | Hinweis aus gegebenem Anlass: Auch diese Zeit wird irgendwann die gute alte Zeit sein.


Gelesen | Lukas Hartmann: Martha und die Ihren. Der Autor war mir bislang gänzlich unbekannt – ein Versäumnis! Er erzählt mit literarischer Freiheit, die Geschichte seiner Familie. Die zentrale Figur ist seine Oma Martha, die nach dem Tod des Vaters als sogenannte Verdingkind zu einer Bauersfamilie, in der sie aufwuchs. Es folgten Heirat, Kinder und harte Arbeit, später Enkelkinder. Ein Roman, der eindrücklich das Heranwachsen nach den zwei Weltkriegen zeigt, die Unfähigkeit, Gefühle zu zeigen und was das mit den Menschen macht.

Gelesen | Herr Buddenbohm schreibt über einen Trend zum Analogen. Die Älteren unter uns werden es lesen und verwirrt die Stirn runzeln. Denn das kennen wir aus unseren Leben – den Leben, bevor wir Smartphones hatten, den Leben unserer Kindheit und Jugend mit drei Programmen, Wählscheibentelefonen und gelangweilt auf dem Stromverteilerkasten sitzen und warten, ob jemand um die Ecke kommt, mit dem man gemeinsam Klingelstreiche machen kann.

Geschaut | Ich schaue derzeit die Ku’damm-Fernsehfilme in der ZDF-Mediathek. Bislang habe ich nur ’59 vollständig gesehen, die Jahre ’59, ’63 und ’77 sind an mir vorbeigegangen. Meine Güte, welch eine Gesellschaft damals, welch Misogynie.


Leser’innenfrage |Auf der Themen-Vorschlagsliste ist eine interessante Frage zu Chat GPT. Ich tippe bereits an einer Antwort.


Schweine | Die Schweine leben gut isoliert, auf extra dick Streu und mit viel Stroheinlage. Sie bekommen mehrmals täglich kleine Portionen Gemüse, die sie wegfressen, bevor sie gefrieren. Es bleibt festzustellen, dass die Schweine ein anderes Kälteempfinden haben als wir.

Meerschweine im Stall, auf der Rampe hinauf in den Stall liegt dick Schnee. Ein Schwein frisst Brokkoli.

Nach Inspiration von Anke Gröner und NullpunktZwo mal wieder ein traditioneller Jahresrückblick:

01. Ganz grob auf einer Skala von 1 bis 10: Wie war Dein Jahr?

Acht.

02. Der hirnrissigste Plan?

Sieben Tage nach einer OP einen ganztägigen Workshop in Präsenz moderieren. Würde ich nicht wieder machen.

03. Die gefährlichste Unternehmung?

Bürgermeisterkandidatin zu werden – zumindest geschäftlich. Die Kandidatur war ein Vollzeitjob neben der zum Teilzeitjob reduzierten Selbstständigkeit. Hätte wirtschaftlich ins Auge und danach nicht mehr weitergehen können. Tut’s aber.

04. Die teuerste Anschaffung?

Ein gebrauchter Volkwagen id.3. Er ersetzt seit Mitte Dezember den zwei Jahre lang gemieteten Tesla.

05. Das leckerste Essen?

Das Abendessen im Restaurant 1817, Ketschauer Hof, in Deidesheim. Als Vorspeise ein Erbsenschaumsüppchen, als Hauptgang Rind auf Topinambur mit Kartoffelbaumstamm und Karotten. Nachspeise erinnere ich nicht mehr, war aber auch sensationell.

06. Gute Bücher 2025?

Erhellend und auf den Punkt: Kinder – Minderheit ohne Schutz von Aladin El-Mafaalani, Sebastian Kurtenbach und Klaus Peter Strohmeier. Wer das liest, weiß, wie wir die Rahmenbedingungen für Kinder deutlich verbessern können – teils ohne großa Ausgaben. Es braucht nur den politischen Willen.

Eine freudvolle Entdeckung waren Moa Herngren und ihre Werke Schwiegermutter und Scheidung. Fein beobachtete Beziehungen, kluge Charakterzeichnungen. Auch bei Der größte Spaß, den wir je hatten von Claire Lombardo geht es um Zwischenmenschliches. Eine kurzweilige Familiensaga. Zum Nachdenken: Kornblumenblau von Susanne Beyer.

07. Was hast du 2025 gelernt?

Wie Lokalpolitik funktioniert. Gesellschaftliche Realitäten. Sozialstrukturen. Denkräume. Wie ich Menschen für mich gewinne. Wie ich Macht ausübe, ohne Macht zu haben. Persönliche Abgrenzung. Integration. Einiges gelernt über die SPD. Über die Grünen. Über die CDU. Über Stadtentwicklung. Durchhalten. Wo Grenzen sind.

08. Das schönste Konzert?

In 2025 war ich auf so vielen Konzerten wie noch nie in einem Jahr: Dropkick Murphys, Herbert Grönemeyer, The Offspring, Jan Böhmermann und das Rundfunk Tanzorchester Ehrenfeld, Joscho Stephan, Pawel Popolski. Hat mir alles gut gefallen.

09. Die tollste Ausstellung?

Anders Zorn, Kunsthalle Hamburg.

10. Anzahl der Erkrankungen 2025?

Eine Erkrankung – eine Erkältung. Große Dankbarkeit für so viel Gesundheit.

11. Die meiste Zeit verbracht mit?

Dem Reiseleiter.

12. Die schönste Zeit verbracht mit?

Dem Reiseleiter. Meinem Vater. Meiner Tante. Zahlreichen Freunden.

13. Vorherrschendes Gefühl 2025?

Uff.

14. 2025 zum ersten Mal getan?

Mit dem Zug von Deutschland bis ins Baskenland gefahren. Intensiv KI genutzt. KI-Workshops moderiert. Als Bürgermeisterin kandidiert, einen Wahlkampf organisiert, auf Parteitagen gesprochen, an hunderte Haustüren geklingelt und mitch vorgestellt. Den Omas gegen rechts beigetreten. Jemanden kurz vor Sepsis in die Notaufnahme gefahren. Lebensmittel bei der Tafel ausgegeben. Einen Fahrradanhänger genutzt (sehr kommod). Social-Media-Reels produziert. Einem Meerschwein Sterbebegleitung gegeben. Kanülen in ein Meerschwein gesteckt (ein anderes). In Deidesheim geurlaubt. Auf die Alpspitze gefahren. Mit Frau Kaltmamsell und Herrn Rau Strudel gegessen. Eines dieser privaten Spas besucht. Schokobon-Kekse gebacken. Und bestimmt noch viel mehr.

15. Nach langer Zeit wieder getan?

Primfaktorzerlegung. Satz des Pythagoras.

16. Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können?

Die Sache mit der Notaufnahme.

17. 2025 war mit einem Wort:

Erhellend.


Gehört | Wo wir gerade beim Blick zurück sind: Im Podcast Ich sehe was, was du nicht siehst der Hamburger Kunsthalle unterhalten sich Kunsthallen-Direktor Alexander Klar und Abendblatt-Chefredakteur Lars Haider über einzelne Kunstwerke. In den jüngeren Folgen sind auch drei Werke Anders Zorns dabei, dessen Ausstellung ich besuchte.


Schneeschweine |  Abendessen mit Gemüseberg.

Drei Meerschweine an einer riesigen Gemüseschüssel. Vor dem Stall liegt Schnee.

Neujahr | Allen Leserinnen und Lesern ein frohes neues Jahr! Möge es Gesundheit und Zufriedenheit bringen, angefüllt sein mit Momenten der Freude und Heiterkeit.

Wir feierten denkbar einfach, daheim mit Raclette. Damit es dazu kam, fragten wir zunächst die Schwiegereltern, ob sie ein Raclettegerät hätten. Sie bejahten, es vergingen zwei Tage der Selbstgewissheit, bis der Schwiegervater in den Keller stieg und keins fand. Aber des Reiseleiters Schwester habe bestimmt eins! Der Reiseleiter reiste zwanzig Kilometer nach Oer-Erkenschwick und holte bifinet H-3043, ein antikes Gerät, der Karton mehrfach mit Panzertape stabilisiert. Es war der Abend vor Silvester, draußen funkelten Sterne und Raureif, ich steckte H-3043 in die Steckdose. Geräuschlos gingen im Untergeschoss die Lichter aus. Der Reiseleiter reiste zehn Kilometer in die andere Richtung, zum nächsten SB-Warenhaus, Öffnungszeiten bis 21 Uhr, und erstand das letzte von drei Raclette-Geräten, die noch auf einer Palette lagen, ein federleichter Apparat chinesischer Herstellung. Wir racletteten aufs Feinste sanken aufs Sofa, stießen um Mitternacht an und gingen ins Bett.


Ein Papagei |  Beim Neujahrsspaziergang begegnete uns mitten im Wald ein Papagei.

Ein bunter Stoffpapagei in einer Schaukel, mitten im Wald im Baum

Leser’innenfrage | Eine neue Frage auf der Themen-Vorschlagsliste:

Hallo, welche touristischen Besonderheiten sollte man rund um Haltern auf keinen Fall verpassen? Hintergrund ist: Wir (2 Erw., 2 Kinder 9 & 11) möchten im nächsten Jahr auf alten Spuren wandeln und im Ruhrgebiet Urlaub machen. Meine Eltern sind dort aufgewachsen, konnten uns bei der Planung aber nur noch bedingt weiterhelfen – dafür sind sie inzwischen einfach schon zu lange weg.

Starlight Express und der Movie Park stehen auf jeden Fall auf unserer Liste (dort war ich tatsächlich schon vor rund 30 Jahren). Daher wollte ich freundlich nachfragen, ob Sie vielleicht noch weitere Tipps oder Empfehlungen für uns haben.

Für die Unterkunft haben wir bereits erste Ideen, zum Beispiel eine Jugendherberge oder eine Ferienwohnung auf bzw. bei einem Zeltplatz – vielleicht haben Sie aber ja noch einen persönlichen Geheimtipp?

Ich hoffe die Frage ist nun nicht zu egoistisch. Über ein paar Hinweise würde ich mich sehr freuen. Liebe Grüße

Das ist eine ganz und gar nicht egoistische Frage. Hier meine Favoriten im Ruhrgebiet:

  • Zeche Zollverein, Essen. Der Klassiker im Ruhrgebiet: das UNESCO-Welterbe, fast schon in Muss beim Ruhrgebietsbesuch. Man kann Förderturm, Museum und Außengelände mit und ohne Führung besichtigen. Es gibt regelmäßige Führungen und Angebote für Kinder, im Winter eine Eisbahn, im Sommer ein Schwimmbecken.
  • Landschaftspark Duisburg Nord. Stillgelegtes, riesiges Hüttenwerk in Duisburg-Meiderich. Es ist inzwischen Gartendenkmal und laut britischen Guardian einer der zehn bedeutendsten Stadtparks der Welt. Man kann den Hochofen besteigen, klettern, herumrennen, runtergucken, entdecken. Abends ist die Kulisse toll illuminiert.
  • Bergbaumuseum Bochum, eines der meistbesuchten Museen Deutschlands. Besucherinnen und Besucher gehen unter Tage und entdecken die Arbeitswelt dort. Man kann das Museum mit und ohne Führung besuchen. Es gibt Programm für Kinder.
  • DASA, Dortmund. Die Deutsche Arbeitsschutzausstellung – klingt trocken, ist aber genau das Gegenteil. In großen Hallen und einem Außenbereich kann man die Welt der Berufe erkunden, Maschinen bedienen und viel ausprobieren – als Baggerführerin, als Fluglotse, als Pilotin, im Gesundheitswesen un dunzähligen weiteren Berufsfeldern. Die Ausstellung ist interaktiv. Dazu gibt es Programm für Kinder.
  • Gasometer Oberhausen. Industriedenkmal, Ausstellungs- und Veranstaltungshalle. Die Ausstellungen wechseln. Bis März ist noch „Planet Ozean“ dort, ab März dann „Mythos Wald“.
  • Ketteler Hof, Haltern am See. Ein Freizeitpark ohne wilde Fahrgeschäfte, dafür mit großen Anlagen zum Klettern und Hüpfen, mit Wasser und Rutschen – ein Ort, der auch für große Kinder und Erwachsene toll ist. Vom Kern-Ruhrgebiet (Essen, Bochum) fährt man 50 Minuten mit dem Auto und 70 – 80 mit Zug und Bus. Der Park ist die Reise wert.
  • Borsigplatz-Verführungen. Themenführungen rund um den Dortmunder Borsigplatz: zum BVB, zur Hoesch-Geschichte oder zum Glauben in der Nordstadt. Nur mit Anmeldung, Besuch rechtzeitig planen. Mit Kindern empfehle ich am ehesten die Führung zur Glaubensvielfalt.
  • Fahrradfahren auf den alten Bahntrassen des Ruhrgebiets. Ich weiß nicht, wie und wann Ihr anreist. Im Sommer lohnt es sich, die Fahrräder mitzubringen oder welche zu mieten. Man kann wunderbar auf alten Bahntrassen Rad fahren, dabei – je nach Route und Kondition – einen der genannten Orte besuchen und weitere streifen, die ich nicht genannt habe, weil ich sie nicht explizit aufsuchen würde. Sie sind aber interessant, wenn sie ohnehin auf dem Weg liegen, zum Beispiel die Essener Margarethenhöhe. Außerdem ist das Rad der beste Weg, um Halden zu erkunden. Solltet Ihr das in Erwägung ziehen, kommt gerne für eine praktikable Komoot-Route auf mich zu. Wir kennen uns mit Radtouren mit Kindern aus; es braucht ausreichend Orte auf der Route, die die Motivation aufrecht erhalten. Die können wir einbauen. Einfach melden, keine Scheu.

Zu Unterkünften kann ich nichts sagen. Mit Kindern sind Jugendherberge und Ferienwohnung ja meist besser und preisgünstiger als Hotels. Jugendherbergen gibt es hier zuhauf. Vielleicht wäre auch ein Hostel etwas. Davon gibt’s hier ein paar, meist sogar in der Innenstadt, Stichwort: Nachnutzung alter Kaufhäuser. Möglicherweise wäre das Unperfekthotel auch passend. Das Konzept des Unperfekthauses ist jedenfalls prima.


Gelesen | Susanne Beyer: Kornblumeblau. Susanne Beyer, Journalistin beim Spiegel und vier Jahre lamng stellvertretende Chefredakteurin, geht dem Leben und dem Tod ihres Großvaters nach. Er starb kurz vor Kriegsende 1945 im brandenburgischen Kloster Lehnin. In der Familie wird die Geschichte erzählt, er sei als Chemiker der Farbe Kornblumenblau auf der Spur gewesen – und wie sie sich synthetisch herstellen lässt. Tatsächlich hat er für eine NS-Behörde daran gearbeitet, kriegswichtigen synthetischen Kautschuk („Buna“) herzustellen – und es besteht eine Verbindung zum Buna-Werk Auschwitz III Monowitz.

Auch wenn Susanne Beyer sich bei ihrer eigenen Gefühlswelt zu sehr im Kreis dreht, ist es ein beeindruckendes Buch. Wie viel Beteiligung braucht es, um ein Kriegsverbrechen zu begehen? Wann beginnt Schuld? Und wie lässt sich das mit familiären Erzählungen vereinbaren? Susanne Beyer nimmt uns mit auf eine Spurensuche, bei der sich manches klärt und manches offen bleibt.


Frostschweine | Beim Frühstück.

Meerschweine am Futternaopf im Stall. Vor dem Stall Tannengrün mit Raureif und Christbaumkugeln.

Ausflug zu Anders | Es war Anfang November, genauer ein Tag nach Allerheiligen, als Herr Buddenbohm mich schubste. Geradezu enthusiastisch – im Rahmen seiner norddeutschen Möglichkeiten – schilderte er seinem Besuch in der Hamburger Kunsthalle und berichtete von den Bildern Anders Zorns. Er endete mit dem Hinweis, dass die Ausstellung noch bis Ende Januar zu sehen sei –

Die norddeutschen oder reisewilligen Leserinnen und Leser fühlen sich bitte angemessen geschubst.

Ich fühlte mich also geschubst und schubste wiederum den Reiseleiter. Gemeinsam fuhren wir nach Hamburg.

Es ist nicht so, dass ich vorher schonmal von Anders Zorn gehört hätte. Ich bin nur mäßig kundig, was Kunst angeht, und außerdem nur durchschnittlich begeisterungsfähig. Ich mag es gefällig und nicht zu provokant; auch bin ich dankbar, wenn ich erkenne, was ich sehe.

Die Kunsthalle bot eine Führung an: eine Stunde Erklärungen zu den Bildern, dargeboten von Jeffrey Turek, einem äußerst kurzweiligen Kunsthistoriker mit amerikanischen Wurzeln. Wir amüsierten uns sehr und lernten viel. Unter anderem, dass Anders Zorn zu Lebzeiten quasi ein Superstar war. Er tourte um die Welt, nach Moskau und New York, nach Paris und Tanger und malte die Reichen und Schönen. Manchmal waren sie auch nur reich, selten nur schön, denn Herr Zorn verstand sich darauf, Geld mit seinem Handwerk zu machen.

Er malte drei amerikanische Präsidenten, darunter Grover Cleveland und seine Gattin Frances.

Zwei Portraitsn an einer Wand: Frances Cleveland und Grover Cleveland: sie in weitem Kleid vor weißer Wand, die Beine übereinander geschlagen, die Hände gefaltet, er auf einem Stuhl, lockere Körperhaltung, in einem Anzug.

Cleveland soll nach Fertigstellung gesagt haben: „As for my ugly mug, I think the artist has struck it off in great shape.“ – „Was meine hässliche Visage angeht, finde ich, dass der Künstler sie sehr gut getroffen hat.“ Von Frances existieren zahlreiche Portraits, die New York Times veröffentlichte viele von ihnen. Sie war eine Stil-Ikone; in Ermangelung von Fotografie – Apparate wurden erst später erfunden – ließ sie sich oft malen, stets in den neuesten Outfits.

Zorn malte die Menschen gerne zwanglos, man möchte sagen: leicht hingefläzt.

Als der schwedische König in vollem Ornat zum Stillsitzen antrat, sagte Zorn, Orden und Gedöns solle er ablegen, die Uniform auch und etwas Schlichteres anziehen. So einer war der Zorn; das konnte er sich leisten: Den König zum Umziehen schicken.

Zorn malte nicht nur Menschen. Er malte auch gerne Wasser – und das ebenfalls besonders gut. Die meisten seiner Wasserbilder sind Aquarelle. Zorn konnte also nicht nachbessern oder übermalen wie beim Öl: Sobald der Pinsel das Papier berührte, gab es kein Zurück mehr, dann war die Farbe, waren die Verläufe gesetzt.

Bild eines Paares: Sie steht auf einem Steg, er sitzt in einem Ruderboot. Das Wasser reflektiert.

Anders Zorn starb 1920 und geriet schon bald danach in Vergessenheit. Es gibt keine Erklärungen dafür. Vielleicht lag es daran, dass er zu gefällig malte: An Zorns Schaffenszeit schlossen sich Surrealismus und neue Sachlichkeit an. Vielleicht hatte es auch andere Gründe.

In Zorns Heimatstadt Mora in der schwedischen Provinz Dalarnas gibt es das Zornmuseet. Einige Leserinnen neigen möglicherweise zu Skandinavienausflügen. Wenn Sie in der Gegend sind, ist das sicherlich ein lohnenswerter Besuch.


American Cycles | Wo wir schonmal in Hamburg waren, besuchten wir noch eine zweite Ausstellung: Philip Montgomery in den Deichtorhallen. Ebenso wie Herr Zorn war mir bis anhin auch Herr Montgomery gänzlich unbekannt. Ich lernte, dass seine Fotografien regelmäßig im The New York Times Magazine, in der Vanity Fair und im The New Yorker erscheinen; es ist also völlig klar, wer hier die Banausin ist.

Montgomery dokumentiert das Leben jenseits der amerikanischen Greatness: Drogensucht und Naturkatastrophen; die Gefangenen, die als Firefighter bei Waldbränden aushelfen; Familien während einer Zwangsräumung ihres Hauses; die Stahlarbeiter in Wisconsin bei einer Arbeitspause; das vom Hurrican verwehte Haus; die Trump-Anhängerin mit dem Waffen-Tattoo auf dem Rücken – als stecke die Knarre im Hosenbund.

Unter einer Treppe hindurch fotografiert ein Bild: Eine Frau ist von hinten zu sehen, sie lüftet ihren Pullover, auf dem Rücken hat sie das Tatoo einer Pistole. Es sieht aus, als stecke sie in ihrem Hosenbund.

Montgomery hat schon viele vor der Kamera gehabt: Schauspieler und Sängerinnen, Journalistinnen und Polizisten, den Supreme Court, Senatoren und Präsidenten. Die ZEIT hat Montgomery anlässlich der Ausstellung interviewt und mit ihm über seine Fotografie, über Ungleichheit, Kontrolle, seine Betroffenheit während des Fotografierens und über Donald Trump gesprochen.

Die Empore der Ausstellung – sehr gut gefiel mir die Inszenierung des Vorhangs.

Das Hochhaus im Bild ist real, steht in Hamburg und ist durchs Fenster der Ausstellungsräume zu sehen. Der Rest der Hurricane-Szene ist Montgomery.

American Cycles ist noch bis zum 10. Mai 2026 in Hamburg zu Gast.


Gelesen | Die Lektüre des Hamburg-Aufenthalts passt gut zur Stimmung in der Ausstelung: Land der Gewohnheit von Ted Thompson, übersetzt von Susanne Höbel.

Protagonist Anders schmeißt nach mehr oder minder erfolgreichen Jahren im Speckgürtel New Yorks – guter Job, Frau und zwei erwachsene Kinder – sein Leben hin, verlässt die Frau und zieht in ein kleines, eigenes Häuschen, nur um zu erkennen, dass sich, nachdem er das falsche Leben hinter sich gelassen hat, nicht automatisch das richtige einstellt. Als er das erkennt, will Anders zurück und scheitert kläglich: Seine Frau hat bereits einen Neuen, und auch seine Söhne vermissen ihn nicht wirklich.

Innere und äußere Konflikte, Hilflosigkeit, gescheiterte Lebensträume und trübsinnige Seelenwelten durchziehen die Geschichte. Es ist unausweichlich, dass jemand stirbt, auf klägliche Art und Weise. Glück sucht man woanders, nicht in diesem Buch – präzise beobachtet und gut zu Papier gebracht.


Rückreise | Wir reisten mit dem Zug. Zwischen Hamburg und Haltern nur Nebel. Die Felder weiß von Dunst und Raureif, die Bahnhöfe monochrom in Vanille.

Auf dem Bahnsteig in Osnabrück eine Frau mit Kind, beide müde gehend, das Kind mit einem Luftballon unter dem Arm; er hat die Form einer Zeichentrickkatze. Die Mutter mit Geschenktüten an der Hand, darauf ein lachender Weihnachtsmann.

Auf dem Bahnsteig in Münster ein Vater mit seinem Sohn. Der Sohn geht ihn bis zum Knie und liest alle Zahlen vor, die er sieht, die Sieben, die Zweiundvierzig und die Sechzehn, die Sechsundzwanzig und die Neun. Er fragt, aus welcher Richtung der Zug kommt und nach wie vielen Halten sie aussteigen werden. Der Vater beantwortet alle Fragen geduldig, über der Schulter einen Koffer in Gestalt eines Löwen.


Frühe Belege | Eine Sache sei noch erwähnt: In der Kunsthalle besuchten wir auch die Alten Meister. Wir entdeckten einen frühen Beleg von Social-Media-Aktivitäten. Max Liebermann malte 1887/1889 eine erste Social-Media-Beauftragte bei ihrer Arbeit auf den Feldern der Niederlande, wie sie gerade eine Netzflickerin für ein Reel in Szene setzt.

Zwei Bilder im goldenen Rahmen, das rechte sehr groß, das linke klein. Das rechte zeigt eine Frau auf einem Feld. Sie stemmt sich gegen den Wind.

Chronistenpflicht | Und auch hiervon sei Kunde gegeben: vom Feste der Weihnacht, wie es von alters her Brauch ist. Denn es begab sich zu derselben Zeit, da der heilige Abend gekommen war, dass sie sich versammelten unter dem Baum, der leuchtete im Schein vieler Lichter.

Kleines Meerschwein als Baumschmuck

Und sie brachen das Brot und setzten die Brühe ans Feuer, und sie bereiteten Fleisch und Gemüse und aßen, bis keiner mehr Mangel hatte. Und sie gaben einander die Gaben und öffneten sie, und Dank erfüllte ihre Herzen.

Darnach aber taten sie ein Spiel, das rief hervor, was in der Vergangenheit erklungen war; und sie ordneten die Lieder und behielten sie in ihrem Herzen.

Bunte Karten liegen in einer Reihe auf einem Tisch. Auf ihnen stehen Jahreszahlen. Es sind Händ ezu sehen. Kerzen brennen auf dem Tisch.

Alte und Junge trugen bei, ein jeder nach seiner Art. Und sie spielten bis in die tiefe Nacht; da wurden ihre Glieder müde, und sie legten sich nieder zur Ruhe.

Und am folgenden Tage geschah es, dass sie auszogen aus Münster und aus Menden, aus Ardey, aus Siegen und aus Dortmund, und sie kamen zusammen an dem Ort, der genannt wird Haltern am See. Und ihrer waren elf an der Zahl, Junge und Alte, und ihre Herzen waren fröhlich. Und sie aßen und tranken, wie es ihnen überliefert worden war.

Kaffeetafel: Ein Service mit Stiefmütterchen, Servietten, die ein frohes Fest wünschen und einem hölzernen Serviettenring. Im Hintergrund Streuselkuchen und unscharf Menschen.

Als aber die Stunde gekommen war, nahmen sie ihre Sitze und versammelten sich in der guten Stube. Und sie teilten Gaben untereinander und erzählten, was ihnen widerfahren war. Und als die Sonne sich neigte zum Untergang, aßen und tranken sie erneut. Sie aßen vom Brot und von der Suppe, von den Speisen und den süßen Gaben. Und da sie müde geworden waren, brachen sie auf und kehrten zurück ein jeder in sein Haus, matt am Leib, doch erquickt an der Seele.


Leser’innenfrage | Die aktuelle Frage auf der Themen-Vorschlagsliste beantworte ich beim nächsten Mal. Vielen Dank dafür!


Schweine | Die Schweine bekamen getrockneten Löwenzahn zu Weihnachten, ließen sich aber keine Dankbarkeit anmerken. Nachfolgend ein Bild vom Oma-Schwein, das neuerdings gerne im Essen sitzt. Verständlich, dann hat man weniger Mühe.

Wintergarten der Schweine, durchs Gitter fotografiert. Das schwarz-weiße Schwein sitzt in der Heurauf und frisst.

Es weihnachtet | Es lässt sich nicht mehr leugnen: Bald ist Weihnachten. Wir backen und verzieren. Es lichtert und glühweint, und nun steht auch der Baum.

Die Kekssituation war zunächst golden. Ich buk Berliner Brot, häufelte Schokocrossies, rollte Nusskordeln und Engelsaugen. Die Dosen quollen über, ich musste einen Suppentopf rekrutieren. „Wer soll das alles essen?“, fragte der Reiseleiter. Während wir über eine Antwort nachdachten, nahmen wir jeder fünf Kekse.

Nach einer Woche hatte ich Zweifel, dass noch genug für die Feiertage übrig bleibt. Ich buk noch einmal nach, diesmal mit den Kindern. Sie wünschten sich Schokobon-Plätzchen: ein Schokobon in Mürbeteig einrollen und zehn Minuten backen. Fantastisch.

Unser Backofen backt auf der rechten Seite grundsätzlich mehr als auf der linken. Rechts wird alles braun. Ein Ofen mit politischer Botschaft.

Ich fuhr nach Dortmund, Dinge erledigen. Im Peek & Cloppenburg befindet sich in der ersten Etage ein Café, von dem aus man direkt auf den von der Reinoldikirche blicken kann und das Büdchen-Geschehen im Blick hat. Sehr gut. Später verlegte ich noch einmal in die Kleppingstraße. Schöne Beleuchtung.

Die Turnschwester aus Heidelberg kam zum Adventsbesuch. Wir plauschten, gingen Italienisch essen und besuchten den Krippenweg in der Nachbarschaft. Sehr stimmungsvoll im Dunkeln.

Am Sonntag völlig freier Tag. Und deshalb großer Schlumpertag: Lange geschlafen, spät gefrühstückt, gemeinsam den Baum geschmückt. Dann war der Tag auch schon um.


Broterwerb | Ich freue mich wie Bolle. In den vergangenen eineinhalb Wochen erreichten mich so viele Anfragen wie in den fünf Monaten zuvor nicht. Ich führte Gespräche, schrieb Angebote. Mit weiteren Kunden habe ich mich für den Januar verabredet. Schön!


Gelesen | Für Lidl lohnt sich’s. Die Schwarz-Gruppe verfolgt die Strategie: Produkte und Dienstleistungen, die aus ihrer Sicht nicht funktionieren, macht sie selbst. Jetzt hat sie erfolgreich eine Reederei gegründet. Das hat seit mehr als vierzig Jahren niemand mehr geschafft.

Gelesen | Claire Lombardo: Der größte Spaß, den wir je hatten, übersetzt von Sylvia Spatz. Siebenhundert Seiten, die ich in einer Woche durchlas. David und Marylin sind seit vierzig Jahren verheiratet und haben vier Töchter. Während die Ehe der Eltern in den Augen der Töchter unerreichbar glücklich ist – Spoiler: ist sie nicht -, kämpfen die Töchter jede ihren eigenen Kampf: Die eine hat erst ein ungeborenes Kind, dann einen Mann verloren, die zweite veruscht die Kontrolle über ihr Leben zu behalten, die dritte wird überraschend schwanger, die vierte tut so, als studiere sie. Lombardo erzählt in Zeitsprüngen und Perspektivwechseln, mit Cliffhangern und geschickt gezeichneten Charakteren. Hat mir sehr gefallen.

Gelesen | Herr Buddenbohm und die Selbstleseanordung


Leser’innenfragen | Keine neuen Themen in der Themenvorschlagsliste.


Schweine | Adventsschweine.

Zwei Meerschweine in der Stalltür. Die Türen werden von zwei Töpfen mit Heiddkraut und Tannengrün aufgehalten. Im Tannengrün hängen silberne Christbaumkugeln.

Die Schweine haben Weihnachtspost bekommen. Mehr Internet-Fame geht nicht!

Eine Weihnachtskarte und Samentütchen mit Gartenkresse und Winterportulak. Zwei weitere Samentütchen, deren Schrift vereckt ist (Asiasalat und Sommerportulak).

Stimmung | Dieser Beitrag entsteht in der adventlichen Küche:

Warmes Licht. Ein Esstisch vor einer bodentiefen Fensterfront, im Hintergrund brennen drei Kerzen auf einem Adventskranz, rechts eine antik anmutende Anrichte mit Schubladen.

Krippenweg | Ich komme von einer kleinen Rundfahrt, Fahrradfahren kann man ja zu jeder Jahreszeit. Wir fuhren zum Hof Hagedorn, ein Hof mit Café und Bäckerei, Gemüsescheune, Schinkentenne und Pralinentheke. Wir kauften Kuchen, ich erwarb kleinere Weihnachtsgeschenke. Außerdem hielten wir am Schloss Sythen an. Dort gibt es alle zwei Jahre einen Krippenweg. Nachbarn, Kinder und Freunde basteln Krippen aus Stoff, Holz, Draht, Beton, Salzteig und Lego, der künstlerische Spielraum ist groß.

Die Bilder enthalten auch den Heiligen Pingiun. Sie sehen ihn, oder?

Ich habe eine lebhafte Vorstellung davon, wie dieses Werk aus leeren Flaschen entstanden ist – in bester nachbarschaftlicher Gemeinschaft.


Broterwerb | Vier Kunden haben mich für vier Konfliktklärungen engagiert, unabhängig voneinander. Möglicherweise der Wunsch zum Jahresende, noch aufzuräumen. Ich selbst löse den Konflikt nicht. Das können nur die Menschen, die den Konflikt haben. Ich schaffe den Rahmen, dass die Beteiligten hinter den Konflikt schauen können, dass Erwartungen, Motive und Zusammenhänge klar werden, dass sie ihre Spannungen besser verstehen und eine Basis entsteht, sie zu klären und ein neue Wege des Miteinander zu vereinbaren.

Nicht immer gehe ich auf die Beziehungsebene. Im Vorgespräch stelle ich zahlreiche Fragen zum Arbeitsumfeld. Denn mitunter entsteht ein Konflikt nicht im Zwischenmenschlichen, sondern aus ungünstigen Strukturen heraus: Rollen und Zuständigkeiten sind ungeklärt, es gibt unterschiedliche Zielvorgaben, die etablierten Kommunikationsstrukturen sind mangelhaft oder es sind widersprüchliche Prozesse etabliert, die die Zusammenarbeit behindern. Dann nützt es nichts, an Befindlichkeiten zu arbeiten. Die besten Absichten werden immer wieder gegen die Rahmenbedingungen laufen.


Abtlg. Lebensereignisse | Ein Geburtstag im Haus. Hier darf jetzt jemand kommunal wählen, bis Mitternacht in die Kneipe gehen und einen Moped-Führerschein machen.

Im Vordergrund ein Geburtstagstisch mit Geschenken, Luftschlangen und Kerzen ("16") in einem Donut, im Hintergrund eine Happy-Birthday-Girlande in einer breiten Tür.

Gehört | Berufsbedingt saß ich viel im Auto. Ich hörte Jung & Naiv, zunächst mit dem Soziologen Aladin El-Mafaalani, dann mit der ehemaligen Cum-Ex-Staatsanwältin Anne Brorhilker. Aladin El-Mafaalani erklärt beispielsweise, warum man Rechtsextremisten nicht inhaltlich stellen und damit ihre Anhänger zurückgewinnen kann. Anne Brorhilker nennt zahlreiche Maßnahmen, mit denen man die deutsche Finanzverwaltung stärken könnte, damit sie handlungsfähiger gegenüber Steuerbetrug ist – wennman wollte. So interessant und erkenntnisreich die Gespräche sind, so wenig erbaulich sind sie. Möglicherweise macht mich die dunkle Jahreszeit auch ungewöhnlich pessimistisch.

Gelesen | Prostlos – wie Cafés und Kneipen aus den Städten verschwinden

Wenn schon Stadtbilddebatte, dann gerne darüber, warum Innenstädte nur noch aus Chinamüll-Verklappungsstationen, Franchise-Fressvorhöllen oder LAP-Coffee-Verrichtungsboxen bestehen. Eine unselige Troika aus Bürokratie, Baustellen und unregulierter Gier schamloser Vermieter, , die in den allgemeinen „Die Anderen machen’s doch auch“-Vibe einstimmen.

Geguckt | Die deutschen Handballdamen haben eine tolle Weltmeiserschaft gespielt. Mega Spiele gegen Frankreich und Norwegen. Verdiente Silbermedaille. Gerne zugeschaut.


Und sonst | Morgens nach dem Regen.

Gebundene Gräser in einem Vorgarten. In den Halmen hängen dicke Tropfen.

Schweine | Der Opa engagiert am Salat.

Das braune, flauschige Meerschwein, wie es mit geneigtem Kopf und großer Leidenschaft ein Salatblatt zerlegt

Barista | Ich habe eine neue Mitbewohnerin.

Sage Barista Express SIebträgermaschine in blau

Sie kann sehr gut Kaffee kochen.

Schon seit meinem Umzug, also seit fast drei Jahren, haderte ich mit der Siebträgermaschine, die der Reiseleiter in den Haushalt eingebracht hatte: ein fünf Jahre altes, rattendes Gerät, das unter entsetzlichem Lärm schlechten Kaffee machte. Es war zudem völlig unklar, welche Knöpfe man an der Maschine drücken musste, damit sie ihre Arbeit aufnahm: mal waren es zwei gleichzeitig, mal drei, manchmal hörte sie nicht mehr auf, ein anderes Mal fing sie gar nicht erst an. Nachdem sie vor einigen Wochen wieder einmal nicht funktionierte, ich aber so dringend wie nie einen Kaffee brauchte, regte ich den Kauf eines neuen Geräts an.

Bei Siebträgermaschinen ist es ja so: Zwischen 50 und 5.000 Euro kann man alles ausgeben. Was tat ich also? Ich schrieb meinem Lieblingsnotarzt. Er hatte sich in jüngster Vergangenheit eingehend mit der Sache beschäftigt. Ich war mir sicher: Er würde ein Gerät kennen, das ich ohne Barista-Ausbildung bedienen kann, für das ich nicht meinen Bankberater konsultieren muss, das aber dennoch guten Kaffee macht. So war es auch. Ich hatte die Nachricht kaum formuliert, schon schickte er ein Vorführvideo aus dem eigenen Haushalt, das nicht nur zeigte, dass man der Gerät einhändig bedienen kann – in der anderen Hand hielt der Doc ja das Handy -, sondern auch, dass die Zubereitung eines Kaffees ruckzuck geht. Außerdem, ich zitiere: „Perfekte Crema!“ So wurde ich zum Black-Friday-Opfer und bin nun zufriedene Besitzerin von the Barista Express.


Bücher | Die Bücher sind gut unter die Leute gekommen. Ich wünsche erbauliches Lesen! Was übrig geblieben ist, wandert in den Bücherschrank. Mir ist im Nachhinein aufgefallen, dass ich eine oder zwei Buchsendungen möglicherweise zu gering frankiert habe. Falls dem so ist, bitte ich um Verzeihung.

Die Bücherverschickung wurde unversehens zum Tausch: Danke an Leserin BT für die Geschichte Margot Friedländers und Land der Gewohnheit. Außerdem bekamen Menschen ein Huhn – und ich eine Weihnachtskarte. Welch schöne Idee!


Genuss | Es gab eine auswärtige Frühstückssituation – mit Zeitung im Einspannstock, Dips, Lachs und Shakshuka. Wunderbar. Anschließend Weihnachtsshopping und Erledigungen. Auch wunderbar.

Frühstückstisch mit brotschwweiben, Dips und Lacks, großer Saftschorle und Latte Macchiato, daneben eine Süddeutsche Zeitung

Der Tag war überhaupt sehr schön. Am Nachmittag besuchte ich das Oberliga-Spiel unserer Halterner Handball-Damen. Nach durchwachsener erster Halbzeit gewannen sie am Ende überraschend klar. Schönes Tempospiel, Teamgeist und Biss. In der Halle habe ich außerdem Freunde und Bekannte getroffen.

Anschließend lud mein Patenkind zum Essen in ihre neue Wohnung ein. Der Reiseleiter und ich genossen einen Abend mit Lasagne, Schokoladentarte, guten Gesprächen und Musik von der Langspielplatte. Ein rundum gelungener Tag.


Leser’innenfrage | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste: „Wie sieht es aus mit der Prüfung/Korrektur Ihrer Elektronischen Patientakte?“

Die Frage bezieht sich sicherlich auf meine Entdeckung, dass in meiner elektronischen Patientenakte Gebrechen stehen, die ich nicht habe, niemals hatte und auch nicht haben möchte – und die irreführend sein können für zukünftige Diagnostik. Gemacht habe ich bislang nichts – außer die entsprechenden Dokumente zu sperren. Es waren immer andere Dinge wichtiger.


Broterwerb | Mit der Bahn nach Duisburg gefahren. Am nächsten Tag mit dem Auto nach Köln. Lange unterwegs gewesen. Unsere Infrastruktur bereitet null Freude.

U-Bahn-Station Duisburg Sittardsberg

Die Autofahrt war übrigens fürchterlicher als die Zugfahrt. Es sind 132 Kilometer von mir bis nach Köln. Auf dem Hinweg brauchte ich für die Strecke zweieinviertel Stunden. Für den Rückweg fast drei Stunden. In NRW ist einfach alles vollkommen marode.


Haltern hilft | Meine Bürgermeisterkandidatur hatte viele gute Seiten. Unter anderem habe ich die Kirchen hier in Haltern nochmal näher kennengelernt. Beide Konfessionen, evangelisch wie katholisch, sind sehr umtriebig. Sie sind auf dem Christopher Street Day aktiv, segnen homosexuelle Paare, und beide Kirchen sind Mitorganisatoren von Demos gegen Rechtsextremismus. Die katholische Kirche gibt Kirchenasyl. Jüngst hatte sie eine Ausstellung zum Thema Missbrauch – auch durch Kirchenmitglieder.

Seit Beginn des Jahres gibt es die Aktion Haltern hilft Sudan. Die Stadtgesellschaft hat mittlerweile 160.000 Euro für die Welthungerhilfte und Ärzte ohne Grenzen gesammelt. Es wird gestrickt und gebastelt, es gibt Wohnzimmerkonzerte und Tombolas, man backt Brot, sammelt beim Doppelkopf, flechtet Kränze, verkauft Quitten, und der Pastoralreferent fuhr mit dem Fahrrad bis nach Rom und ließ sich seine Kilometer sponsern. Überall, wo etwas los ist, stehen der Pfarrer und seine Mitarbeitenden mit der Sammelbüchse und bitten mit der moralischen Kraft des Amtes und überdies äußerst charmant um Spenden.

Außerdem ist es den Organisatoren gelungen, den Film Karthoum nach Haltern zu holen. Der Dokumentarfilm erzählt die Geschichten von fünf Menschen: der Teeverkäuferin Khadmallah, des Beamten Majdi, des Widerstandskämpfers Jawad und der beiden Kinder Lokain und Wilson. Ein eindrücklicher Film, ich habe einiges über den Sudan, die komplexe ethnische Situation und den Krieg gelernt.

Fotos und Erzählung einer Fahrradbotin im Sudan, aufgestellt auf einer Tafel in einer Kirche

Anschließend besuchte ich noch die Fotoausstellung in der Kirche. Sie erzählt Geschichten sudanesischer Frauen. Interessant: Auch im Sudan ist, wie einst in Europa, das Fahrrad ein Instrument der Befreiung.


Und sonst | Nikolausmarkt vor dem Alten Rathaus. Eis zum Glühwein. Eine runde Sache.

An der ifo-Konjunkturumfrage teilgenommen – wie jeden Monat. Falls die Ergebnisse irgendwo in den Nachrichten auftauchen, denken Sie immer gerne an mich. Diesmal kam nach Beendigung ein Weihnachtsgruß. Wer auch immer das programmiert hat: Ich habe mich gefreut.

Kioskdienst beim Fußballspiel von KindZwei und KindDrei. Ich habe Waffeln gebacken (natürlich). Wir gewannen 4:1.

Blick aus einem geöffneten Schiebefenster auf einen Sportplatz. Am Fenster ist Weihnachtsdeko.

Schweine | Jungschwein und Oma-Schwein.

Ein Glatthaarmeerschweini, dunkel, und ein schwarz-weißes Schwein

Fortschritt | Tsundoku. Das ist das japanische Wort für das Aufstapeln von Büchern neben dem Bett. Also für die Bücher, die man unbedingt lesen möchte, die man aber nicht liest; und für die Bücher, die, während man liest, hinzukommen. Ich habe auch so einen Stapel. Oder besser gesagt: eine Reihe. Die Bücher liegen nicht. Sie stehen – auf einem Regalbrett über dem Bett. Zwischenzeitlich hatte ich Sorge, dass Brett fiele mir samt Büchern auf den Kopf – so voll war es geworden.

In den vergangenen Monaten habe ich einen sensationellen, herausragenden, nur mit einem Superlativ zu umschreibenden Ritt hingelegt: Ich habe die Reihe der ungelesenen Bücher von fünfzig auf fünfzehn Zentimeter reduziert. Ich habe weggelesen, was wegzulesen war, emsig wie eine Leseameise. Ich habe nicht Neues gekauft, auch nicht auf Büchermärkten. Ich habe kein Buch aus dem Bücherschrank mitgenommen. Ich habe nichts aus der Bücherei ausgeliehen. Obwohl es für all das Gelegenheiten gegeben hätte.

Gleichzeitig ist die Liste der Bücher, die ich mir wünsche, in dieser Zeit lang geworden. Die Bücher stapeln sich nun nicht physisch, sie stapelt sich virtuell. Das ist ein Vorteil beim Abstauben, aber keiner in der Sache: Ich habe weiterhin ein mächtiges Ungelesene-Bücher-Gefühl, eine Mischung aus Last und Neugier, ein Sog ebenso wie ein Vorwurf.

Ich benötige unbedingt ein Sabbatical in einer einsamen Hütte.


Broterwerb |  Später als sonst tritt aktuell ein Jahresendphänomen ein: die „Das sollte noch dieses Jahr geschehen“-Dringlichkeit. So füllen sich kommenden Wochen mit Workshops, Coachings und Mediationen. Denn die Dinge wollen noch geordnet werden, man möchte sein Problem noch heuer angehen, der Konflikt soll auf keinen Fall mit ins nächste Jahr wandern. Unbeschwert möge er sein, der Weg durch die Rauhnächte – und die Rechnung soll bitte noch dieses Jahr kommen. Wie immer bin ich gerne behilflich.

Gleichermaßen ergeben sich bereits Perspektiven fürs erste Quartal: Das neue Jahr will frisch angegangen werden. Man möchte Beratung zu schon lange liegenden Ideen. Man möchte Knoten auflösen, menschlich und organisatorisch. Der Januar füllt sich. Das ist erfreulich.


Gelesen | Birgit E. Orths: Als Steuerfahnderin auf der Spur des Geldes. Birgit Orths schildert die Arbeit der Steuerfahndung am Beispiel von Umsatzsteuerbetrug mit Emissionsschutzzertifikaten. Wie schon die Interviews mit Anne Brorhilker, der Oberstaatsanwältin im Cum-Ex-Skandal, lässt mich das Buch desillusioniert zurück. Alles, was der Staat in Steuerfahndung stecken würde, bekäme er zigfach wieder raus. Birgit Orths fehlte es bei ihren Ermittlungen an Pinnwänden, an Festplatten, an Speicherplatz auf dem Server, an Kolleginnen und Kollegen, an allem. Nur nicht an Motivation.

Gelesen | Frau Kaltmamsell schreibt übers Bücherbesitzen und Bücheraussortieren.


Stichwort Aussortieren | Anschließend an den Beitrag der Kaltmamsell habe ich Bücher aussortiert. Sie wandern normalerweise in den Bücherschrank im Dorf. Doch vielleicht hat jemand von Ihnen Interesse. Ich verschicke gerne. Senden Sie mir bei Interesse bitte eine E-Mail mit dem Buchwunsch und Ihrer Adresse.

Was in einer Woche nicht weg ist, geht in den Bücherschrank.

Update: Die Bücher „Als Steuerfahnderin auf der Spur des Geldes, „Die Herrenausstatterin“, „Same as it ever was“, „Das Buch vom Salz“, „Die Schwimmerin“, Kennst du das Land“ und „Mit drei Lamas nach Rom“ sind vergeben.


Schweine |  Der alte Herr und seine bevorzugte Dame, um Futter bettelnd. Wir haben alle keine Vorstellung davon, wie quälend hungrig man als Schwein sein kann.

Zwei Schweine in der Stalltür, um Futter bettelnd

TÜV | Es ist diese Zeit im Jahr, in der Menschen Schubladen aufziehen, in Papp-Ordnern blättern und Pinnwände absuchen, um ein kleines, weißes Stempelheft zu finden und es in eine Zahnarztpraxis zu tragen. Stets eine unangenehme Sache, eine Mischung aus TÜV und Klassenarbeit. Ist man noch tauglich? Hat man ausreichend beigetragen? Oder kassiert man eine Rüge, die ein über Monate immer wieder aufflackerndes schlechtes Gewissen nach sich zieht?

Ziel: kein Reparaturen. Bonusziel: Nicht auf die Nutzung von Zahnseide hingewiesen werden. Beides: check.


Jahresendaktivitäten | Das Jahresende wirft weitere Schatten: Ich habe Tannengrün für den Adventskranz gekauft, der bei uns seit einigen Jahren nichts Weiteres ist als ein großes Kerzenständer – Zweige, vier Blockkerzen, dazu Dekor aus dem Bestand. Ich entziehe mich den Kaufangeboten, für die man mittlerweile seinen Bankberater konsultieren muss. Diese Woche werde ich dekorieren, ich bin wild entschlossen.

Bei den Weihnachtsgeschenken liege ich deutlich vor Plan. Es ist noch nicht einmal Dezember, das Aufwändige ist bereits organisiert, Einiges gekauft, anderes bestellt, und am Samstag geht es in die Stadt zum lokalen Einzelhandel. Noch vor dem ersten Advent!

Dazu das Geschäftliche: Die Neujahrskarte ist in Druck. Dazu gibt es dieses Jahr ein Goodie.


Broterwerb | Wieder ein Bahnfahrt, nur Regionalverkehr, aber das macht es kniffliger. Den Fernverkehr schleust die Bahn durch, sie gewährt ihm Vorfahrt und tut alles, damit wenigstens die silbernen Züge leidlich pünktlich ankommen. Währenddessen bleibt der Regionalverkehr stehen, lässt die ICEs vorfahren, wartet, wird frühzeitig beendet. Je höher die Nummer des Regionalexpresses, desto weniger Prio bekommt er.

Eine zweistellige Regionalverkehrsnummer – thrilling! – führte mich zum Bahnhof Duisburg. Der Bahnhof ist seit drei Jahren Baustelle, drei weitere werden folgen. Zu den Gleisen führt ein gekachelter Tunnel. Seine Seiten sind dekoriert mit Schaukästen, die in Zeitlöcher führen: Ledertaschen, Mickey-Mouse-Sweatshirts, vergilbte Plakate. Dazwischen die Fronten von Brezel- und Wurstständen. Zur Weihnachtszeit versucht man, dem Ganzen ein Hauch von Heimeligkeit zu geben: Licherketten und künstliches Tannengrün säumen die Decken und zeugen von tragischem Bemühen.

Auf den Gleisen: Baustelle. Der Charme zerfallener Industrie weicht, die Gleise bekommen geschwungene Dächer. Wie Wellen werden sie sich über den Reisenden auf und ab schwingen. Wichtiger als das Design: Es regnet nicht mehr schwallartig auf die Gleise.

Ein großes Baufahrzeug auf Gleis 10 im Bahnhof Duisburg. Es steht auf Brettern.

Auf dem Gleis versammeln sich die müden Gesichter von Menschen, die ihren Tag in Büros und auf Baustellen verbracht haben. Kinder quengeln in Kinderwägen, die Mütter – es sind allesamt Mütter – schuckeln und reichen Laugenbrezeln. Junge Männer, die Hosen tief, die Haare hoch, lassen Energy Drinks kreisen. Junge Frauen tippen mit klackernden Fingernägeln auf Handys, zeigen sich die Displays, lachen.


Gelesen | Frische Brise feiert 19 Jahre Liebe. Schön.

Gelesen | Frauen in Führung: Wozu der Stress für 300 Euro mehr? Ich denke, Frauen wägen mehr ab, sehen das Für und Wider einer Führungsposition und weniger das Prestige. Je mehr Bürokratie im Unternehmen ist, je unausgereifter die Führungskultur, je größer die Dynamik des Boys‘ Club in der Organisation, je mehr Präsenz zu Tagesrandzeiten, desto eher sagen sie: Das Geld ist es mir nicht wert. Vorausgesetzt, es gibt überhaupt deutlich mehr Geld für das Mehr an Verantwortung. Das ist dann ein weiterer Grund.

Rumgeklickt | Stadtteile in Großstädten: Welcher Stadtteil passt zu mir? Es läuft auf Hannover-Linden hinaus. Damit kann ich gut leben. Ein Teil meines Käte-Paulus-Buches ist in Hannover-Linden entstanden. Schön dort.


Leser:innenfragen | Keine neuen Themen in der Vorschlagsliste.


Schweine | Auf der Suche nach versteckten Erbsenflocken.

Zwei Meerschweine an der Futterschale, der dicke such sehr konzentriert nach Erbsenflocken. Im Hintergrund das schwarz-weiße Schwein in der Tür eines Häuschens

Zustand | Plötzlich ist Winter. Raureif, knirschende Schritte, Minustemperaturen. Schals umwickeln die Hälse, man läuft mit hoch geschlagenen Krägen durch die Straßen. Nur Augen und Nasenspitzen schauen heraus. Allerorten schnieft es. In den Apotheken verlangt man nach Nasenspray und heißer Zitrone. Termine werden abgesagt, die halbe Bevölkerung ist malade.

Auch ich war krank. Die Krankheit deutete sich lange im Ungewissen am, Mattheit, Halsgrimmen, brennende Augen. Erst Tage später verstopfte die Nase, ein leichter Husten kam. Die Symptome hielten sich in Grenzen, dafür zogen sie sich über Wochen. Kaum dachte ich, es sei besser, wachte ich am nächsten Morgen auf, völlig erschlagen, die Bronchien schwer wie Steine. Dieses Wochenende beschloss ich, zwei Tage nichts zu tun, rein gar nichts. Es muss doch mal gut sein mit dem Kränkeln. Ich schlief, las und schlief. Und buk einen Kuchen. Vielleicht hat es gewirkt.


Lesung | Am Donnerstag las ich in der Halterner Stadtbücherei aus Die Frau, die den Himmel eroberte. Es war bundesweiter Vorlesetag. Den Termin hatten wir bereits im vergangenen Jahr ausgemacht, und ich freute mich, dass sich noch jemand für die Geschichte interessiert. Mein Buch ist in der Pandemie erschienen; es gab damals kaum Interesse an Lesungen.

Ein Stehtisch mit einer roten Husse, darauf ein aufgeschlagenes Buch und ein Glas Wasser. Im Hintergrund eine Leinwand mit dem Buchcover und einem Schwarz-weiß-Bild von Käte Paulus.

Ich begann mit Eindrücken aus der Zeit, in der Käthe Paulus lebte: Beschleunigung, Industrialisierung, technologischer Fortschritt, eine neue Gesellschafts formte sich. Flottenprogramm, Aufrüstung, Armut in den Städten – und die Suche nach Vergnügungen. In dieser Stimmung begann eine junge Frau, mit dem Ballon aufzusteigen und abzuspringen. Ich erzählte, wie die Gasballons zum Aufstiegsort kamen, wie man vor Ort Wasserstoff herstellte und sie füllte, wie waghalsig die Aufstiege waren und wie irrsinnig das Herabfallen mit den Fallschirmen. Ich schilderte meine Eindrücke vom Unternehmergeist Käte Paulus‘ – und wie sie schließlich dazu kam, die ersten Rettungsschirme zu produzieren, Spähsoldaten in Verdun das Leben retteten.

Es war ein schönes Ereignis. Das Publikum fragte interessiert. Wir unterhielten uns über die irrsinnige Zeit zwischen 1870 und 1914 – und darüber, was wahr ist am Roman und was erdacht. Das war schön.


Alltag | Das Thema Autokauf beschäftigt mich weiter. Das Fahrzeug muss angemeldet werden. Das macht der Händler. Zuvor muss ich es versichern. Meine Güte, was gibt es Preisunterschiede zwischen den Versicherungen – bei gleicher Leistung. Ich suchte selbst und bemühte meinen Makler. Jetzt habe ich eine.

Passend zu meinen jüngsten Erlebnissen war ZEIT-Reporter Henning Sußebach eine Woche lang in deutschen Autohäusern und hat die Stimmung erspürt [€].


Gelesen | Thomas Mohr: Mit drei Lamas nach Rom. Thomas Mohr, Rechtsanwalt aus München, ist gemeinsam mit drei Freunden und drei Lamas von Bozen nach Rom gepilgert. Ich kann mir gut vorstellen, wie strapaziös die Reise war und wie beeindruckend die Begegnungen, die die Drei unterwegs hatten. Durch die Erzählung kommt es nicht ganz rüber, wohl aber, was dem Autor die Reise bedeutet. Thomas Mohr, gläubiger Katholik, steckte mitten in einer Krebserkrankung, die Prognose gab ihm nur noch einige Jahre. Zwei Dinge haben mich an dem Buch bewegt:

Als Mohr die ersten zwei Wochen schildert, in denen die Drei einen harten Wintereinbruch erlebten, dachte ich: Das kommt mir bekannt vor. Tatsächlich: Sie waren zur gleichen Zeit in Italien unterwegs wie ich, damals im Jahr 2018, als ich mir zu meinem 40. Geburtstag meinen Geburtstagsmonat März schenkte. De März können Sie hier – rückwärts – auf drei Seiten nachlesen. Ende Februar und Anfang März gab es im Norden Italiens meterhohen Schnee, die Wasserrohre froren ein. Ich hatte eine wilde Autofahrt von der Emilia Romagna Richtung Rom. In der Nähe von Rom wohnte ich in Montefiascone, einer kleinen, mittelalterlichen Stadt mit einem Papstpalast. In eben jenem Papstpalast machten Thomas Mohr und seine Leute zwei Wochen, nachdem ich dort war, Rast. Wir haben uns nur knapp verpasst.

Der Autor ist inzwischen verstorben. Das Gefühl, die Reise im Angesicht des nahenden Todes zu unternehmen, hat ihn also nicht getrügt.


Schweine | Es verwundert mich jeden Winter, wie resistent die Schweine gegenüber Kälte sind. Sie frieren nicht, und wenn doch, dann stopfen sie sich alle in ein Häuschen und kuscheln. Blöd ist nur, dass über Tag das Gemüse gefriert. Also geben wir mehrmals täglich kleinere Mengen. Die nachmittägliche Zwischenmahlzeit: Kohlrabiblätter in leichter Petersilienbegleitung.

Vier Meerschweine in der Stalltür, sie fressen Kohlrabiblätter und gucken zufrieden.


In diesem Kaffeehaus werden anonym Daten verarbeitet. Indem Sie auf „Ja, ich bin einverstanden“ klicken, bestätigen Sie, dass Sie mit dem Datenschutz dieser Website glücklich sind. Dieser Hinweis kommt dann nicht mehr wieder. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen