Blitzlichter der jüngsten Bahnreisen | Ein Quartett aus Seniorinnen; sie tragen ihr Handy an gemusterten Schnüren, posieren für Selfies, ausgelassene Stimmung. Eine Frau eilt zur Bäckerei. „Kollegin! Tüte, Kaffee“, ruft sie; die Frau hinter der Theke reicht ihr eine gefüllte Papiertüte und einen Kaffeebecher; sie sagt: „Vergessen. Wegen Kind. Kind macht alles vergessen.“ Ein Hund kackt ins Foyer des Kölner Hauptbahnhof und trottet davon. Im Zug ein Mann; er spricht in wildem Russisch mit einem anderen und beißt dabei so kraftvoll in ein Brötchen, dass die Krümel sprühen. Ein mannsgroßer Stoffpingiun sitzt neben einer Frau im Zweiersitz; er nickt beim Bremsen und Anfahren und sieht zufrieden aus.
Broterwerb und Bürgermeisterkaniddatur | Zwei Termine in zwei Städten und zwei ganz unterschiedliche Tage: einmal ging es um Teamentwicklung, der zweite Tag ging es um Künstliche Intelligenz. Christian wird im Kontext KI zum Nörgelrentner. Ich erlebe das anders; ich sehe enormes Potential, bei dem die KI nicht auf geklaute Inhalte, sondern auf eigene Unternehmensinhalte aufbaut deutliche Arbeitserleichterung bietet und Abläufe effizienter macht.
Am Wochenende habe ich ein Seminar besucht: „Mit einem kommunalen Mobilitätsmanagement die Mobilitätswende voranbringen“. Ich habe mehrere Dinge gelernt, die sich in meinem Wahlprgramm wiederfinden werden. Deshalb keine weiteren Worte hier; ich muss über einige Erkenntnisse auch noch nachdenken. Ich sehe Parallelen zu meiner aktuellen Tätigkeit, bei der es letztlich immer darum geht, Strukturen zu schaffen, um Veränderung zu ermöglichen und Dinge in die Umsetzung zu bringen.
Gelesen | Coast Road von Alan Murrin, aus dem Englischen von Anna-Nina Kroll.

Eine Geschichte über eine Frau, die aus der Reihe fällt – und eine Erzählung über Frauen in Irland in den 1990er Jahren, als Scheidung noch illegal war. Ein dörfliches Kammerspiel, gut zu lesen. Die Charaktere hätten noch mehr Tiefe haben können. Insgesamt aber ein sehr gefälliges Buch, gerne gelesen.
Angeguckt | Für die Seele: Balkon-Eichhörnchen.
Leser:innenfrage | Eine Frage aus der unverbindlichen Themen-Vorschlagsliste:
Ich lese immer wieder fasziniert darüber, wie effektiv Du Deine beruflichen wie privaten Aktivitäten regelst. War das schon immer eine Stärke von Dir? Falls ja, hast Du Tipps für Menschen, die sich schwer tun sowohl mit dem Anfangen als auch mit dem Aufhören? (Und: ja, ich habe schon mal an Fortbildungen zum Zeitmanagement teilgenommen ;)
Ich gebe Zeitmanagement-Seminare, und das Erste, was ich den Teilnehmenden sage, ist, dass Zeitmanagement Quatsch ist. Zeit kann man nicht managen, sie vergeht einfach. Wir können nur uns selbst managen, damit wir das tun, was wichtig für uns ist, während die Zeit vergeht.
War das schon immer eine Stärke von Dir?
Ich glaube, dass ich grundsätzlich ein strukturierter Mensch bin. Jedenfalls kann ich mich an keinen Moment in meinem Leben erinnern, an dem ich meinen Kram nicht rechtzeitig beisammen oder wenigstens einen Workaround hatte. Das habe ich zuhause aus mitbekommen. Ich musste mich früh selbstständig organisieren; das haben meine Eltern so gefordert und gefördert. Zudem konnte mir schon früh niemand mehr in der Schule helfen, da ich die erste in der Familie war, die Abitur gemacht hat. Als ich 15/16 war, war ich tagsüber alleine und musste zusehen, dass ich mein Zeugs hintereinander bekam.
Falls ja, hast Du Tipps für Menschen, die sich schwer tun sowohl mit dem Anfangen als auch mit dem Aufhören?
Was meinen Umgang mit Zeit angeht, folge ich dem Kanban-Prinzip: Stop starting, start finishing. Ich bringe Vorgänge erst komplett zu Ende, bevor ich neue beginne. Heißt: Wenn ich Buchhaltung mache, dann umfasst das den gesamten Vorgang vom Scannen der Belege über die Erfassung der Einnahmen und Ausgaben bis zum Upload der XML-Datei zur Umsatzsteuervoranmeldung bei Elster.
Anderes Beispiel: Ich schreibe Rechnungen nur zum Monatswechsel, schreibe dann alle Rechnungen en bloc und versende sie gleich. Ich hänge also gleiche oder ähnliche Handlungen aneinander.
Drittes Beispiel: Wenn ich einen Workshop moderiere, erstelle ich direkt am nächsten Tag die Dokumentation und versende sie, damit der gesamte Vorgang abgeschlossen ist und ich gedanklich nicht mehr zu dem Kunden oder in die Thematik muss. Habe ich mehrere Moderationen in Reihe, dann dokumentiere und versende ich danach in Reihe. Das freut die Kunden immer, denn sie bekommen die Unterlagen zeitnah. Tatsächlich ist es für mich noch hilfreicher als für sie, denn meine Kunden und Projekte sind extrem unterschiedlich. Es erfordert viel Kraft, zwischen den Kunden und Themen zu springen.
Alle Aufgaben beginne ich maximal spät und ziehe sie dann möglichst unterbrechungsfrei durch. Dadurch muss ich mich nicht immer neu in die gleiche Sache eindenken und minimiere meine Rüstzeiten. Es ist natürlich immer ein bisschen Thrill dabei; inzwischen kann ich allerdings gut einschätzen, wie lang ich für welche Tätigkeit brauche.
Große Aufgaben schneide ich klein. Ich habe aktuell die Aufgabe „Wahlprogramm erstellen“. Dort fallen dann Aufgaben raus wie: „Grafikerin für Layout briefen“, „Text zur Mobilität schreiben“, „Text zum Thema Wohnen schreiben“, „Best Practices suchen“. Oder auch nur: „Brainstorming Mobilität / Spiegelstriche aufschreiben“. Klein und niedrigschwellig. Das hilft anzufangen.
Um aufzuhören hilft es mir zu reflektieren, ob der gewünschte Effekt erzielt wird. Ich kann natürlich hundert und drei Tage an einem Wahlprogramm oder einem Foliensatz oder einer Bachelorarbeit feilen. Ich kann aber auch einfach überlegen, ob der grundsätzliche Zweck der Sache erfüllt ist – in den Augen der „Kundschaft“, nicht in den eigenen Augen. Ich sehe natürlich immer noch zig Sachen, bei denen ich Hand anlegen könnte. Die Frage ist aber, ob sie noch wesentlich zur Verbesserung des Effekts beitragen.
Ich arbeite mit einem Kanbanboard, also einem Aufgabenboard. Jede Aufgabe ist ein einzelnes Kärtchen und wandert von links nach rechts durch die Spalten „Externes Gedächtnis“, „Arbeitsoptionen“, „Diese Woche erledigen“ und „Fertig“. Relevant ist vor allem die Spalte „Diese Woche erledigen“. Darin befinden sich maximal fünf Aufgaben, die jeweils maximal zwei Stunden umfassen. Denn ich habe für mich herausgefunden: Fünf ist die Anzahl von Aufgaben, die ich durchschnittlich in einer Woche schaffe (neben den Terminen in meinem Kalender, der Care-Arbeit und E-Mails und Anrufen, die reinkommen).
Hinzu kommt: Ich versuche, mich mit geplanter Arbeit (berufliche Terminen, Care-Arbeit und Reisezeiten) nur zur 70 Prozent auszulasten. So bleibt ausreichend Platz für Unvorhergesehenes. Diesen Platz schaffe ich mir, indem ich mir schon Wochen im Voraus Termine mit mir selbst in den Kalender lege. Das klappt nicht in allen Wochen, aber unterm Strich doch ganz gut.
All das ist aber weniger eine Frage von Werkzeugen als eine Frage der inneren Haltung. Meine Haltung ist:
- Verbindlichkeit ist wichtiger als Schnelligkeit. Ich muss Dinge nicht sofort machen, auch nicht als Dienstleisterin; wichtiger ist es, eine verlässliche Perspektive zu geben, bis wann ich liefere.
- Kein eindeutiges Ja ist ein Nein.
- Ein klares Nein ist besser als ein schwammiges Ja.
- Niemals rechtfertigen.
- Niemals hadern.
Zudem erlebe ich immer wieder, wie wichtig es ist, Erwartungen aktiv zu steuern: Bis wann wird was genau gebraucht? Kann ich das erfüllen? Braucht es zu diesem Zeitpunkt ganze Ergebnis oder genügen Teile? Was ist die gemeinsame Erwartung ans Ergebnis? „Ich brauche keinen Foliensatz, schreiben Sie mir ein paar Gedanken in einer E-Mail zusammen“ – manchmal erwartet mein Kunde weniger, als ich tun würde, und ich kann mir Arbeit sparen.
Am Ende ist es vieles eine Sache klarer Abgrenzung und eine Kenntnis der eigenen Schwächen. Ich neige nicht zum Perfektionismus, bin aber jemand, der neugierig ist, Herausforderungen mag und gerne Gelegenheiten ergreift. Das verschafft mir regelmäßig Unmengen an Arbeit. Also versuche ich, nicht meinen Reflexen zu folgen.
Lange Antwort. Ich hoffe, es ist ein bisschen was dabei, was hilft.
Und sonst | Abendessen mit Stefanie, dazu Sushi und Suppe, ein Absacker und Übernachtung in Dortmund. Ein Spaziergang um den See. Japanisches Essen in Wuppertal. Marketing-Opfer von Fanta Frozen: Fürchterlich künstlich und süß, Kinder finden es bestimmt super.





Schweine | Die kleinen Schweine setzten sich mittlerweile hart an der Futterschale durch.
