Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

300 Kilometer nach Süden gefahren. Dabei Instrumentalmusik gehört. Vielen Dank für die Tipps. Ich bin noch dabei, alles aufzuarbeiten. Ich habe mir Game-Musik runtergeladen. Außerdem noch ein bisschen Einaudi und Yann Tiersen.

Dabei bin ich auf Elijah Bossenbroek gestoßen.

Tolle Stücke. Und verdammt, der Mann sieht auch noch gut aus.

*

Wie viele Menschen seit Jahren oder Jahrzehnten ein Leben leben, das sie nicht leben möchten. Die ein Familienleben leben, in dem sie sich seit Jahren nicht wohlfühlen. Die sich jahrzehntelang auferlegen, dass sie ihre Homosexualität nicht leben dürfen und sich damit quälen. Die am liebsten eine andere Arbeit machen würden (und finanziell und persönlich auch könnten), aber immer wieder Gründe finden, warum es nicht geht, und daran zerbrechen.

Mir ist aufgefallen, dass all diese Menschen (mehr Männer als Frauen), denen ich in der jüngeren und älteren Vergangenheit begegnet bin, starke Väter (seltener Mütter) hatten. Solche Väter, die sehr dominant sind, die viel verlangen, die wenig reden, schon gar nicht über Gefühle.

(Gedanken während der Autofahrt.)

*

In Heidelberg angekommen. Im Gasthaus zum Klosterhof in Ziegelhausen zu Mittag gegessen.

Salat mit Apfelschorle und Brot

Anschließend bin ich über den Wald am Neckarhang und den Philosophenweg in die Stadt gegangen. Das sind circa sieben Kilometer und hat fast schon Tradition: Wenn ich früher ankomme, als die Freundin Feierabend hat, parke ich bei ihr vorm Haus und laufe in die Stadt, wo sie mich aufgabelt.

Auf dem Weg gibt’s schöne Blicke ins Neckartal. Bisschen grau halt:

Heidelberg

Außerdem stehen viele alte Bäume rum.

Baumwurzel am Hang

Auf dem Weg mehrmals Ihn und Sie überholt, mal war ich diejenige, die langsamer ging, mal waren sie langsamer, mal bin ich stehengeblieben und habe ins Tal geschaut, mal sie. Sie unterhielten sich den ganzen Weg. Ich verstand nicht, worüber, und hätte ohnehin nicht zuhören wollen. Ich spürte nur an ihren Gesten, an ihrer Mimik und an den Redeanteilen, wie sehr sie einander mögen – und wie gut sie einander zuhörten. Ich freue mich für die beiden. Das ist ein Geschenk.

 

Beim Dortmunder Unternehmerfrühstück gewesen. Das findet alle zwei Monate statt und ist kurz und knackig; immer richtet ein anderes Unternehmen ein Frühstück aus, Veranstalter ist die Wirtschaftsförderung.

Diesmal ging’s um Digitalisierung bei der Signal Iduna und unter anderem um deren Innovationshub „signal open studios“ in Berlin. Wir sind nicht so tief eingestiegen, dass ich mir eine Meinung bilden konnte; was mir allerdings gefiel, war die Haltung des Unternehmens, wenn es um Zukunft geht und darum, die Mitarbieter mitzunehmen. Selbst wenn man die üblichen Marketing- und Schönwetterrednerpunkte abzieht, bleibt da was übrig.

Kritik aus dem Publikum, so einen Hub in Berlin und nicht im Ruhrgebiet zu machen, wenn man ein Dortmunder Unternehmen ist, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Frischen Wind spürt man nicht, wenn man nur um die Ecke zieht. Denn dann kommt ständig der eigene Mief rübergeweht.

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Maximilian Buddenbohm schreibt über mittelgrobröhriges Schnittlauch und seine Anwendungsfälle. Wenn Sie das Wort „mittelgrobröhrig“ einmal getippt und alle Buchstaben an die richtige, ihnen zugedachte Stelle gebracht haben, können Sie auch schon Feierabend machen.

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Am Abend Training mit den Kalendergirls. Mit den gleichen Beschwerden gegangen wie gekommen. Das ist gut! Denn in meinem Alter gibt es die Möglichkeiten:

  • Mit mehr Beschwerden gehen als kommen: schlecht
  • Mit den gleichen Beschwerden kommen und gehen: super!
  • Mit weniger Beschwerden gehen als kommen: Wunderheilung \o/

Alles ist schon vorgekommen. Die mittlere Variante ist der Normalfall. Heute war zum Glück die Torfrau da. Sie hat manueltherapeutische Kenntnisse. Das war hilfreich. Es kribbelt nämlich in meinem kleinen Finger und an der Handaußenkante. Googelt man die Symptome, ergeben sich folgende drei Möglichkeiten: Hirntumor, Bandscheibenvorfall, Multiple Sklerose. Ich habe mich nach ausführlicher Lektüre und gezielten Selbsttests für Diagnose Nummer vier entschieden und wähle die Behandlungsmethode „Abwarten“.

Achtzig Prozent meiner Beschwerden verschwinden nämlich durch entschiedenes Abwarten. Weitere zehn Prozent durch Abwarten plus Blackroll. Die restlichen zehn Prozent durch Abwarten, Blackroll und Ibuprofen. Leider dauert es mittlerweile immer länger, bis Zipperlein abklingen, obwohl meine Restlebenszeit konsequent kürzer wird. Ich bemängele das.

Neue Termine gemacht: Vom 16. bis zum 23. Februar bin ich in München.

Ich besuche das Digital Media Camp des Media Lab Bayern. Außerdem bin ich bei 48forward, Eigenwerbung: „Future and Innovation Conference“ – wir werden sehen. Tickets gebucht, Unterkunft gebucht. Dazwischen und auf den Hinweg werde ich mir weitere Termine legen. Das passt perfekt.

Ich freue mich auf Gesellschaft. Für Spezi, Kaffeetrinken oder Abendessen. Mag wer?

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Wegen dieser Terminlage kann ich nun erstmal doch nicht „Gut gegen Nordwind“ im Theater sehen. Schade, schade. Vielleicht dann im April.

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Die Kaltmamsell schreibt über Großraumbüros:

Ich scheine der einzige Mensch auf der ganzen Welt zu sein, der Großraumbüros wirklich mag.

Nein, wir sind zu Zweit. Mir geht es wie der Kaltmamsell: Ich neige nicht dazu, meinen Arbeitsplatz zu wohnzimmerisieren – weder mit Bildern noch mit Topfpflanzen noch mit, Gott bewahre, irgendwelchem Dekokram. Ich habe mich im Großraumbüro immer wohl gefühlt – eben weil man gut in die Zusammenarbeit kommt. Ich kann mich allerdings prima konzentrieren. Wer etwas von mir will, muss mich laut mit Namen ansprechen, sonst bin ich geistig woanders.

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Sandra ist in ein Herz-Reha-Aqua-Fitness mit Rentnern geraten.

Einer der drei Hans möchte wissen, warum Jürgen mich noch nicht vorgestellt hat. Ob er mich vielleicht nicht gesehen hätte. Jürgen bestätigt, dass er meine Anwesenheit wahrgenommen hat. Ich erkläre Hans, dass Jürgen vielleicht abwartet, ob ich nächste Woche wieder komme. Hans informiert Jürgen, dass, wenn ich nächste Woche nicht wiederkommen würde, niemand wüsste, wer ich bin.

Wenn ich keine Kundentermine habe, gehe ich gerne morgens in Fitnessstudio – statt wie sonst abends. Am Vormittag ist es leerer und ruhiger, und ich starte danach wach beschwingt in den Tag.

Morgens bin ich die Queen of Turngruppe. Denn wenn ich dem morgendlichen Herrentrüppchen dort Glauben schenken darf, bin ich optisch kurz vor Beachvolleyball, mit dem Leistungsstand einer Olympiaathletin. „Ihre Geschmeidigkeit möchte ich haben, junge Frau.“ Ersetzt acht Sitzungen beim Psychologen.

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Doktorarbeit, Reminiszenzen:

Der Mann hat übrigens literarisch herausragende Threads zum Weihnachtsurlaub mit seinen Eltern geschrieben, wirklich wundervoll.

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Sonst für einen Kundentermin in der kommenden Woche gearbeitet. Etliche neue Sachen frisch vorbereitet, das hat einiges an Zeit in Anspruch genommen. Passt aber gut zum Jahresanfang.

Blogbeitrag auf der Jobwebsite veröffentlicht. Fußballtrainer Ismail Atalan hat kluge Worte über Mannschaften und deren Zusammenwirken gesagt: Die Seele des Teams. 

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Mit Jawl telefoniert wegen beruflicher Dinge. Gemeinsam beschlossen, dass es etwas ist, was ich selbst tun kann. Mit so einem Service verdient der Mann nix!

Oder doch? Ich empfehle ihn jedenfalls immer gerne weiter: Weil er jemand ist, der im Sinne des Kunden nachdenkt und Ideen hat, die mir nicht selbst einfallen müssen. Und weil er mir nicht unter allen Umständen etwas aufschwatzt.

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Buch zu Ende gelesen: Ein Monat auf dem Land von J.L. Carr. Richtig, habe ich erst vor zwei Tagen begonnen. Hat aber nur 156 Seiten.

Ein Monat auf dem Land (und ich)

Handlung: Ein Weltkriegsveteran und Restaurator nimmt einen Auftrag auf dem Land an und ist am Ende seltsam beseelt – von dem Ort, von seinen Menschen und von dem Glück, das er bei sich und seiner Arbeit gefunden hat. Nicht Besonderes, aber eine schöne Geschichte. Drei von fünf Sternen.

Im Bild sehen Sie meinen neuen Deluxe-Hoodie mit extra viel warmem Kragen und Superflausch. Erstanden in Varel in einem kleinen Laden. Da sag noch einer, die Leuten kauften nur noch im Internet.

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Wenn die Gartenbeleuchtung um 16 Uhr anspringt, ist es jetzt noch hell. Es geht aufwärts.

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Christian ist heute zehn Jahre auf Twitter und schreibt darüber.

Das Gute überwiegt. Vor allem dadurch, dass ich großartige Menschen kennen lernen konnte.

Das ist wirklich eine verrückte Sache: Wie viele Menschen ich inzwischen über das Blog und über Twitter kennengelernt habe. Also richtig kennengelernt, gesprochen, auch lange gesprochen, nicht nur mal eine gemeinsame Limo getrunken. Dabei sogar erstaunlich persönliche Gespräche geführt, schon nach sehr kurzer Zeit. Das ist fantastisch.

Für Außenstehende ist das allerdings unverständlich. „Wo übernachtest du?“ – „Bei Leuten aus dem Internet.“ – „Woher kennst du die?“ – „Aus dem Internet, von Twitter. Und vom Blog.“ – „Und du hast die noch nie vorher getroffen?“ – „Nein.“ – „Und dann triffst du die einfach?“ – „Ja.“ – „Und wenn die nicht nett sind?“ – „Ist mir noch nie passiert.“

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Die Nachbarfreundin-Ex-und-Wieder-Kollegin und Sommersemester-Seminarpartnerin hat mir gestern Ziegenkäse-Lauch-Röllchen mitgebracht, die sie erstmals gebacken hat. Großartig, so eine Versorgung. Ich lebe hier fast wie in einer Kommune: In der dritten Etage die Kreisläuferin mit dem Brotbäcker, Brötchenholer und Grillkönig, ums Eck die Nachbarfreundin mit den vegetarischen Köstlichkeiten und dem Bifteki-Meister. Und ständig bekochen wir uns.

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Sonst gearbeitet. Das Jahr beginnt langsam, das ist gut so. Es lässt Raum für Planungen, fürs Durchdenken, für Ideen. Ab kommender Woche die ersten Termine. Ich freue mich.

Zumba ausprobiert. Es war … interessant.
Sie werden darüber lesen.

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Die Deutsche Botanische Gesellschaft hat die Alge des Jahres 2018 gekürt. Einen Tusch für das Klebsormidium, einem – ich zitiere aus der Pressemitteilung – „Pendler zwischen scheintot und Wiedererwachen“.

Ist die Alge mit der Gesamtsituation unzufrieden, stellt sie sich tot. Erst, wenn es aufs Wochenende zugeht es etwas zu Trinken gibt die Umstände sich bessern, erwacht sie wieder zum Leben. Klebsormidium, einer von uns.

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Der Garten denkt: Winter fällt aus. Er hat in den Frühjahrsmodus geschaltet. Schneeglöckchen, Krokanten, Tulpen und anderes Blühzeug starten zum Angriff. Auch der Schnittlauch kommt.

Garten im Januar: Lauter Grünzug kommt aus der Erde

Die Terrasse ist derweil grün vor lauter Regen. Vielleicht die Alge des Jahres. Unschön. Im Frühjahr werde ich sie kärchern müssen. Wie so ein Gartenrentner.

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Große Freude an diesem kleinen Video gehabt:

https://twitter.com/AMAZlNGNATURE/status/949718254846488576

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Die zauberhafte Sue verschickt ungefähr wöchentlich einen Newsletter. Titel: E-Mail für Dich. (Tipp: Melden Sie sich dafür an. Er ist toll.)

Im aktuellen geht es ums Starksein und ums Zartsein, und sie hat ein paar Dinge wunderbar auf den Punkt gebracht:

Wenige Dinge schmerzen so sehr wie die Erkenntnis, dass man auf einem toten Pferd sitzt und endlich absteigen muss, also sitzt man da einfach noch eine Weile und zieht den armen Gaul in Gedanken durch die Wüste. 

Wenn die Kapitulation zu viel Kraft kostet, ist Durchhalten zeitweise leichter, und von außen sieht das immer alles aus wie Stärke.

Starksein ist auch das Ergebnis vieler Stunden, Tage und Woche, in denen man vor Schwäche kaum gehen konnte, aber dann doch wieder aufgestanden ist.

Später geht Sue auf die FAZ-Artikel „Zarte Männer braucht das Land“ ein (den ich bewusst nicht gelesen habe, weil mir die Überschrift zu pauschalisierend war) und schreibt:

Das Land braucht nämlich weder mehr starke Frauen, noch zarte Männer, sondern die Erkenntnis, dass alle Menschen immer alles sind und in unterschiedlichen Momenten alles sein können.

Ja.

Die Kalendergirls gewinnen ihr Nachholspiel gegen TV Brechten mit 19:16. Schön war’s nicht, nur effizient. Damit sind wir nun gleichauf mit dem Spitzenreiter, 16:0 Punkte.

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Wieder im Fitnesstudio gewesen. Wieder hauptsächlich für Cardio und Rumpf, so wie ich es meistens tue. Die Performance wird besser.

Diesmal haben sie es geschafft, ein Sportprogramm auf einen der fünf Fernseher im Cardiobereich zu schalten. Zwar war es Skispringen, aber ich möchte nicht allzu kritisch sein. Denn seit ich dort hingehe, laufen arte und 3sat auf den Geräten. In einem Fitnessstudio! Das muss man sich mal vorstellen. Als wären wir im Programmkino. Vor Monaten hatte ich mehrmals angeregt, man könne doch auf einem Fernseher immer sport1 und auf einem anderen Eurosport laufen lassen. Fürs intellektuelle Publikum bleiben dann immer noch drei weitere Fernseher. Der Vorschlag stieß beim Personal seinerzeit auf so großes Unverständnis, das ich nicht mehr mit einer Trendwende gerechnet hatte.

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Einen Film angeschaut: Alles eine Frage der Zeit. Gefällige Romantik mit ein bisschen Tiefgang und Schauspielern, die ich in der Mehrzahl nicht kannte. Gut war: neue Gesichter zu sehen. Hauptdarsteller ist der Ire Domhnall Gleeson.

Außerdem ein Buch zu Ende gelesen: Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde. Drei Handlungsstränge auf drei Zeitebenen, die sich ergänzen. Ich habe es zu Weihnachten geschenkt bekommen und rasch runtergelesen. Sehr apokalyptisch. Im letzten Drittel etwas langatmig und vorhersehbar. Drei von fünf Sternen.

Jetzt auf dem Nachtschrank: Ein Monat auf dem Land von J.L. Carr. Klappentext:

Sommer 1920 im nordenglischen Oxgodby: Als auf dem Bahnhof ein Londoner aus dem Zug steigt, weiß gleich das ganze Dorf Bescheid: Er ist der Restaurator, der das mittelalterliche Wandgemälde in der örtlichen Kirche freilegen soll. Doch was steckt hinter der Fassade des stotternden und unter chronischen Gesichtszuckungen leidenden Mannes? Tom Birkin hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, als traumatisierter Veteran wurde er von seiner Frau verlassen. Er hofft, in der Ruhe und Einfachheit Yorkshires zu gesunden. Und tatsächlich: Je näher er dem Meisterwerk hinter der Kirchendecke kommt, desto näher kommt er auch sich selbst. Und seinen Mitmenschen. Langsam gelingt es ihm, sich der Welt um sich herum zu öffnen, vielleicht sogar der Liebe. Der Monat auf dem Land ist ein Monat der Heilung.

 

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Anlässlich des Fauxpas‘ einer Journalistin gab es auf Twitter den Aufruf, unter dem Hashtag #MeinGroessterFail seine persönliche kleine FuckUp-Geschichte zu schildern, was ich auch tat:

Was ich nur bei Facebook dazuschrieb: Die Produktion war im Eimer, weil ich während des Entwickelns mit dem Sportfotografen knutschte. Jetzt ist es raus.

(Wilde Zeiten!)

Die erste Woche des Jahres stand im Zeichen privater Verrichtungen. Diese Verrichtungen waren:

  • das Zuhause genießen
  • hausfräuliche Dinge tun
  • Sport
  • Eichhörnchen beobachten
  • Meise, Finken und Dompfaffen füttern
  • ausreichend Nachtschlaf

An Weihnachten beschwerte sich Vatta, dass niemand für ihn gebacken habe. Zumindest nicht das, was er bevorzugt: Berliner Brot. Seine Schwester hatte Spritzgebäck gebacken und seine Perle Vanillekipferl, aber eben niemand Berliner Brot. Und Kekse mit Marmelade auch nicht. Also habe ich Berliner Brot gebacken. Und Busserl. Und vom verbleibenden Eiweiß habe ich fluffige Makrönchen mit Quark hergestellt.

Weihnachtsplätzchen mit Marmelade und Makronen

Alles ohne Küchenwaage. Denn mit dem Mitbewohner ist im Sommer auch die Küchenwaage ausgezogen.

Weil ich nur nach und nach bemerke, was sonst noch so fehlt, ist mir erst gestern aufgefallen, dass ich auch keinen Dosenhöffner mehr besitze. Naja, Schraubenschlüssel und Hammer tun’s genauso.

Geöffnete Dose, daneben Hammer und Schraubenschlüssel

Der Exmitbewohner meinte übrigens, er habe den Dosenöffner nicht. Das sei ein Linkshänderdosenöffner gewesen, mit dem könne er eh nix anfangen. Aber wo ist er nur?

Vielleicht ist er in dieses Paralleluniversum ausgewandert, in dem all meine Haarspangen wilde Feste feiern.

*

Ich kann mir wieder einen Bauernzopf flechten.

Bauernzopf

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Im Fitnessstudio sind Diegutenvorsätze™ am Start. Sie kommen immer am zweiten Januar, sind frisch ausstaffiert und bleiben in der Regel bis Karneval. Diegutenvorsätze™ turnen sehr, sehr ernsthaft – wobei die männlichen Neuturner in einer einzigen Einheit das Pensum des ganzen vergangenen Jahr absolvieren, während die Frauen bedächtig in sich hinein hörend auf dem Crosstrainer grooven, Stufe Eins, drei Watt, Konzentration auf Atemtechnik.

Für nächsten Montag bin ich zum Zumba verabredet. Aus Recherchezwecken.

*

Gestern habe ich einen Ausflug nach Hörde Downtown gemacht. Im Buchladen habe ich diese Werbung entdeckt:

Postkarte: Gut gegen Nordwind

Im Theater im Dortmunder U werden „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ gegeben. Die Liebesgeschichte schlechthin. Also, für mich. Werde ich mir ansehen.

Ich habe mir außerdem eine neue Pudelmütze gekauft, weil der Wind auf dem Weg um den See so kalt pfiff und weil Pink ja nun auch nicht zu allem passt. Auf dem Nachhauseweg bin ich danach ausgerechnet dem Verein der Pudelfreunde Deutschland e.V. begegnet, Förderer und Bewahrer des deutschen Pudeltums.

Aufkleber: Verband der Pudelfreunde Deutschland e.V.

Ich war zart ergriffen angesichts dieser Fügung des Zufalls.

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Ich habe mir zwei neue Playlisten erstellt. Einmal „Instrumental“, weil ich beim Autofahren neuerdings gerne schöne Instrumentalmusik höre. Wenn Sie da Tipps haben: Immer her damit.

Außerdem „Electronic Swing“. Das wird meine Küchenpartys begleiten. Es ist schon der 5. Januar. So langsam wird es Zeit zum Anwaffeln.

*

Na gut, ein paar berufliche Dinge habe ich auch gemacht. Zum Beispiel habe ich einen Zulassungsantrag an die Fernuni Hagen gestellt – für ein Einstiegsstudium. Zwecks Weiterbildung.

Brief an die Fernuni Hagen

Nach Studium an der HHU Düsseldorf und der TU Dortmund ist das meine dritte Immatrikulation. Ein dreifach Hip Hip Hurra auf das deutsche Hochschulwesen.

Nach Norden reisen. Entschleunigen. Die Sonne mitnehmen. Frische Luft tanken. Das Meer sehen. Umhergehen. Hörbuch hören. Oder den Möwen zu. Den Wind spüren. Regen.

Schillig Strand

Einkehren und einen Kaffee trinken. Käsekuchen. Rote Wangen. Mützenverstrubbeltes Haar.

Wenn es dämmert: nach Hause kommen. Aufwärmen, mich und eine Milch. Schwarzwaldklinik gucken, sechs Folgen hintereinander.

Udo mit Christa, Christa mit Klaus. Udo mit Katharina, Klaus mit Maria, Christa mit Vollmers, Udo mit Claudia, bis Claudia an Leukämie stirbt. Dann Udo mit Elke. Klaus wieder mit Christa. Evelyn Hamann mit dem Seewolf, Kindermädchen Carola mit dem Postboten. Udo ist ständig oben ohne, wenn man von der Brustbehaarung absieht: beim Sonnen, beim Schwimmen, beim Wasserski fahren, im Krankenbett mit Schulterverletzung; da kann man natürlich kein Hemd tragen. Die Synchronstimme von Marty McFly wird eingeliefert: Lähmung! Oberschwester Hildegard bricht sich ein Bein. Professor Brinkmann in jeder Folge bedeutungsschwanger. „Gegen den Tod können wir nicht anoperieren.“ Ehrfürchtiges Nicken.

Ich bin hier zu Gast; ich sitte ein Haus und im weiteren Verlauf auch einen Hund. Der Hund – er wundert sich, dass ich hier bin, aber seine Leute nicht. Ich sage ihm: Sie kommen bald. Er geht zur Tür, gucken. Kommt zurück. Sieht mich an, mit einem Was-hast-du-mit-ihnen-gemacht?-Blick. Runzelt die Stirn. Seufzt. Mit Futter und Kraulen mchen wir uns bekannt. In der Nacht kommt er vorbei und leckt meine Hand. Ich wache davon auf und schlafe darüber ein.

Wir gehen spazieren. Brötchen holen. Durchs Dorf. Und die Allee entlang.

Büppel: Allee aus Eichenbäumen

Wir gehen zum Shetland-Pony: dicker Bauch, kurze Beine; es erinnert mich an jemanden, ich komm‘ nicht drauf. Oder doch: Ich komme drauf, schreibe es hier aber besser nicht.

Shetlandpony

Ich fahre einkaufen – für Silvester: Mehl, Hefe, Grieß und Dinge für auf die Pizza. Es gibt hier famila. In meiner Heimatstadt im Sauerland gab es in den 80ern auch einen famila. Kindheitserinnerungen. Es gibt hier viel Gold, Marken wie „Küstengold“ und „Goldmarie“. Die Straßen heißen nach Bürgermeistern: Bürgermeister Heidenreich, Bürgermeister Osterloh. Es müssen verdiente Leute gewesen sein.

Der Hund mag mich am meisten, wenn ich mir ein Brot schmiere.

 

Wind rüttelt an den Fenstern. Die Seeluft, sie macht mich fertig, jedesmal. Zähne putzen. Bett. Podcast an. Den Timer auf 15 Minuten. Ich erlebe nicht mehr, wie der Ton ausgeht.

Traditionell blickt man am Jahresende zurück. Ende 2016 schrob ich eine Vorhersage für 2017. Lassen Sie uns sehen, was eingetroffen ist.

VG

 

Beste Entscheidung:
Freiberuflich arbeiten. Im Februar geht’s los.

Ich hatte in 2017 keine Sekunde Zweifel an meiner Entscheidung, selbstständig zu sein. Ich habe tolle Kunden, große Freude bei der Arbeit und ebenso große Freude an der Arbeitsform. Auf dem Barcamp in Leipzig frug mich jemand: „Wenn du sagen müsstest, wie das erste Jahr freiberufliche Jahr war, von eins bis zehn, was würdest du sagen?“ Zehn plus.

<Werbeblock>:

Ich helfe, dass sich Menschen und Unternehmen aus sich selbst heraus weiterentwickeln. Ich begleite Teams und Führunsgkräfte. Ich unterstütze, Mitarbeiter*innen im Unternehmen zu halten und sie zu gewinnen. Ich gebe auch Seminare dazu – und zu Kommunikation und guten Geschichten. Mehr dazu.

</Werbeblock>

Das Erstaunliche: Ich war seit Beginn der Selbstständigkeit nicht krank. Kein Männerschnupfen, nix. Das ist mir seit mehr als 20 Jahren nicht passiert; normalerweise beginnt die Erkältungszeit, und ich liege danieder. Ich rechne es meiner Ausgeglichenheit zu: mehr Freude, mehr Selbstbestimmtheit, mehr Sinn.

Schlechteste Entscheidung:
Freiberuflich arbeiten. Ich werde fluchen. Ich werde zweifeln. Ich werde hadern. Und am Ende wird alles gut werden. 

Kommt sicher noch.

Beste Anschaffung:
Das Auto, das ich mir kaufe. Es ist mein erstes Auto – was sich ein bisschen seltsam anfühlt, immerhin fahre ich seit mehr als 20 Jahren, und ich fahre nicht wenig, sowohl Auto als auch Bahn, aber ich habe noch niemals ein Fahrzeug gefahren, das auch auf meinen Namen angemeldet war. Ich werde es jeden Morgen streicheln und vielleicht auch in aller Öffentlichkeit mit einem Mikrofasertuch abfeudeln. Ich kann für nichts garantieren.

Es heißt Olga, ist ein Tschechenlaster und das schönste Auto, das in Dortmund herumfährt. Es kann Musik abspielen und einen warmen Po machen. Es hat mich 20.000 Kilometer kutschiert. Ich habe mir im Baumarkt  Tücher gekauft, um im Innenraum durchzufeudeln, habe Olga schon dreimal ausgesaugt und nach dem Waschen poliere ich ein bisschen nach.

Außerdem eine gute Anschaffung: der Kärcher-Fenstersauger. Es besteht die berechtigte Annahme, dass ich in 2018 mehr als zweimal meine Fenster putzen und meine Nachbarschaft deshalb gänzlich anders, deutlich weniger diffus wahrnehmen werde. Ich spiele sogar schon mit dem Gedanken, die Fenster des Gewächshauses damit zu putzen. Im Dezember! Zu Hülf!

Dämlichste Anschaffung:
Vermutlich ein Kleidungsstück, das mir fast passt. Nur noch minus fünf Kilo.

Es ist eine Hose, und sie wird mir sehr bald passen. 2022.

Schönster Absturz:
Ich stürze nicht ab. Ich betrinke mich nur intensiv. 

An dieser Stelle danke ich dem Herrgott und meinem Vater für das Gen-Paket „Trinken ohne Reue“. Danke, Papa. Danke, Götter. Hallelujah.

Bestes Getränk:
Cocktails von Björn. Sie sind allesamt gerne eingeladen, die Cocktails von Björn zu toppen und mich auf etwas Besseres einzuladen. Wird aber schwierig.

Riesling vom Weingut Erbeldinger in Bechtheim, getrunken im Sauerland auf einem 50. Geburtstag. Riesling aus Keine-Ahnung-Wo, ebenfalls getrunken im Sauerland auf einem 40. Geburtstag, andernorts. Weißer Burgunder vom Weingut Didinger in Osterspai, getrunken in Mülheim, anlasslos, und in der eigenen Küche mit der Kreisläuferin, ebenfalls anlasslos. Beide Weingüter sind sehr zu empfehlen. Caipirinha in Leipzig: Im Osten kriegt man Alkoholmengen in die Cocktails, alter Schwede; ich war benommen.

Ekelerregendstes Getränk:
Seit ich mit mir überein gekommen bin, dass Tomatensaft und Filterkaffee in meinem Leben keine Rolle spielen, ist die Gefahr eines ekelerregenden Getränks geringer geworden. 

Ein Gurkensmoothie. Fragen Sie nicht. Ich dachte, es sei etwas mit Frucht. Er hat mich kalt und schleimig erwischt.

Beste Musik:
Konzert. Phil Collins im Juni in Köln.

Der alte Mann war gut. Im Radio kann ich ihn nicht länger als ein halbes Lied lang anhören. Auf seinen Konzerten allerdings mag ich ihn. Gute Arbeit, Phil. Gute Arbeit, Phils Sohn.

Beste Lektüre:
Meine Amazon-Wunschliste ist lang, außerdem gibt es noch eine Kindle-Wunschliste. Dazu viele gute Blogbeiträge, journalistische Reportagen – ich bin sicher, ich werde literarisch glücklich werden. 

In 2017 habe ich wenig gelesen. Gelesen, gehört und für gut befunden habe ich:

  • Judith W. Taschler: Die Deutschlehrerin – unaufgeregt, prima Stilmix.
  • Kristof Magnusson: Arztroman – Endlich mal eine gute Frauenfigur ohne Kitsch.
  • Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg – Bislang tatsächlich noch nicht gelesen, in 2017 nun gehört. Hat einige Längen. Zum Hören auf langen Autofahrten aber prima.
  • Monika Gruber: Man muss das Kind im Dorf lassen – Auch gehört. Habe mich gut amüsiert. Sollte man wegen des dialektalen Vortrags von Frau Gruber lieber hören als lesen.
  • Thees Uhlmann: Sophia, der Tod und ich – Ebenfalls gehört. Habe mich sehr gut unterhalten gefühlt.
  • Daniel Glattauer: Darum – Eine Geschichte fast ohne Handlung, und doch war ich aufs Ende gespannt.
  • Fabio Volo: Einfach losfahren – Kein Mann schreibt besser übers Leben und über die Liebe.

Schönster Moment:
Bestimmt etwas mit Liebe und Knutschen.

Ääh … nein. Das Gegenteil. Liebe und Knutschen wären für 2018 schön. Gibt’s Kandidaten? Ich habe etwas vorformuliert, bin mir aber nicht sicher, welchen Ansatz ich wählen soll.

Sportlich:
„Kalendergirl, solider Gesamtzustand, leichte Dellen, sucht Trainigspartner mit Sinn für Teamplay und gute Passwege.“

Gärtnerisch:
„Gänseblümchen sucht Löwenzahn zur gemeinsamen Eroberung von Grünflächen.“

Sonntäglich:
„Platz auf dem Sofa frei. Nutellalöffeln möglich. Leihjogger vorhanden.“

Oder kurz und knapp kulinarisch:
„Waffelliebhaberin hat Herz zu verschenken.“

Was meinen Sie?

Die meiste Zeit verbringen mit:
Mir. Am Schreibtisch. Im Garten. In Projekten bei Kunden. In Seminaren. Beim Laufen um den See. Im Fitnessstudio. Auf Reisen.

Kunden. Wer hätte das gedacht? Ich schätze auch, dass ich in noch keinem Jahr so viel Zeit mit anderen Menschen geteilt habe: Kunden, Freunden, Menschen auf Barcamps. Großartig.

Gelaufen bin ich leider wenig. Weil ich viel bei Kunden war – was unterm Strich mehr als in Ordnung geht. Und weil ich zweimal langwieriger verletzt war. Nichts Wildes, aber leidig (das Alter, Leute; es lässt sich nicht leugnen). Fürs Fitti ist mir der Rhythmus abhanden gekommen. Ich bin gerade dabei, mich zu reorganisieren. Vorsatz für 2018: wieder mehr Sport.

Die schönste Zeit verbringen mit:
Reisen. 

Ich war in Bern, in Heidelberg, in Berlin, in Dangast, in Leipzig, , in Darmstadt, auf Norderney und im Osnabrücker Land. Und in Wuppertal, sogar in einer Herrenboutique – das sollten wir nicht unerwähnt lassen. Ich war allerdings wenig im Ausland, nur einmal in der Schweiz. 2018 kann das gerne anders werden.

Vorherrschendes Gefühl 2017:
Freudige Anspannung.

Jo.

Nicht das erste Café am Platze, aber das erste Café, wenn man die Fußgängerzone betritt. Ich setze mich neben die Gruppe Rentnerinnen: Silberschopfe um Kaffeetassen, gelassenes Schweigen, Rühren, Schlürfen.

Eine vierte Dame betritt die Szene, Tweedkostüm, Stockschirm.
„‚Nmorgen Ladies.“
„Hilde! Nein! So schön, dich wiederzusehen!“ Großes Hallo. „Geht’s dir besser?“
„Fühle mich wieder wie 50. Hundertzehn Blutdruck heute.“
„Haaaach, wie schön! Dann können wir Baileys trinken.“
Gelächter.

Hilde setzt sich. „Hundertzehn ist zu niedrig. Ich hab Schwindel.“
„Gehst du zum Müller?“
„Seit Januar.“
„Der macht mich auch immer schwindelig.“
Gelächter.

Zur Thekendame: „Machste mir ’n Kakao? Mit Sahne, bitte.“
„Was macht Jürgen?“
„Hüfte.“
„Immer noch?“
„Ich sach‘ nur noch ‚Mein kleiner Schäferhund‘ zu ihm.“
„Kommissar Rex.“
Gelächter.

„Er war ja sogar bei der Kripo.“
Japsen. Augen trocken tupfen.

„Wird er denn bald operiert?“
„Ist er doch schon!“
„Ach, und immer noch …“
„Die andere Seite muss noch.“
„Herrje. Wie bei meinem Gerd.“

Der Kakao kommt.
„Ist Schuss drin?“
„Ist es denn schon elf?“
„Hast Recht. Noch zu früh.“
„Zum Wohl.“
„Zum Wohl.“



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