Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Eine Rezension jagt die nächste:

Frau Blogolade hat „Da gewöhnze dich dran“ gelesen (Achtung bei dem Link! Spoilerwarnung!) und findet:

„Mit Kindern kann man so ein tolles Buch nicht mehr ganz so schnell verschlingen wie ohne aber das macht nix. Im Gegenteil, so hatte ich länger was davon und ärgere mich nicht, dass es schon nach 2-3 Stunden ausgelesen war.“

Auch die Drachenfrau hat gelesen:

„Ein wunderbares Buch zum Lachen und zum Weinen, aber doch mehr zum Lachen. Zauberhaft urige Menschen meisterhaft beschrieben.“

Und Frau Flyhigher:

„Also, Frau Nessy, ich muss ja sagen…

Sie haben mir herrlich die Zeit vertrieben. Ihre Darstellung der Charaktere, die detailverliebten, mit Wortwitz gespickten Beschreibungen – ich fand das klasse!“

Ebenso Frau Kaltmamsell:

„Dieses Gespür für Erzähl- und Sprachrhythmus ist es unter anderem, was ihr Buch so lesenswert macht. Als Leserin ihres Blogs kannte ich die eine oder andere Begebenheit schon, doch spannt das Buch einen schönen Bogen vom Eintreffen der Sauerländerin Vanessa im Ruhrpott über die Begegnung mit den Einheimischen (und zu den Einheimischen wird man dort offensichtlich in dem Moment gezählt, in dem man sich dazu bekennt – ungemein löblich und im meisten Bayern unvorstellbar), ihren Anschluss an eine örtliche Handballmannschaft bis zu den vorsichtigen Anfängen des Wurzelschlagens in einer Beziehung. Ich gewann all diese Menschen aus den Geschichten beim Lesen sehr lieb; dass ich selbst bei so viel menschlicher Nähe und Distanzlosigkeit innerhalb weniger Wochen in eine pyrenäische Einsiedelei geflohen wäre, störte dabei keineswegs. Wenn Nessy sie beschreibt, lese ich sogar Junggesellinnenabschiede, die ich in Echt weiträumig meide.“

So viele gute Kritiken – ich freue mich wie Bolle!

Übrigens meide auch ich die meisten Junggesellinnenabschiede und führe durchaus pyrennäische Einsiedeltage – nur lässt sich darüber schlecht ein Buch schreiben. Wegen ausschweifender Ödnis hätte die Beschreibung dieser Zeit das Lektorat niemals überstanden.

20 Dinge über mich:

  1. Viel interessanter, als dass ich 20 Dinge zu mir aufzähle, wäre es, wenn jeweils 20 Leute einen Punkt nennen würden, der ihnen zu mir einfällt. Sich selbst einzuschätzen, ist wenig zielführend, schließlich denke ich stets nur das Beste von mir, sonst könnte ich es ja gar nicht mit mir aushalten.
  2. Ich bin ein langweiliger Mensch. Ich verbringe Samstagabende gerne auf dem Sofa. Ich war seit Jahr und Tag nicht mehr in der Disko, Menschenansammlungen sind schwierig und wehe, es ist zu laut. Am liebsten sitze ich mit Freunden zusammen um einen Tisch, es gibt gutes Essen, hübsche Getränke und wir unterhalten uns bis nachts um drei.
  3. Wenn ich bis nachts um drei wach bin, kann ich locker bis mittags um 12 schlafen. Wohlmeinende Dritte haben mir früher™ immer prophezeit, meine Freude am Schlafen werde sich mit zunehmendem Alter geben. Ich kann das bislang nicht feststellen, im Gegenteil: Es wird immer gemütlicher.
  4. Inzwischen kann ich sogar im Mittelsitz von Air Berlin schlafen, obwohl der Sitzabstand, die Körperhaltung und überhaupt alles dagegen spricht. Verkehrsmittel wirken ohnehin  einschläfernd auf mich. Ich bin außerdem schon im Büro auf dem Klo eingeschlafen. Ich hatte fürchterliche Kopfschmerzen und habe gedacht: „Entweder pennst du jetzt ’ne Viertelstunde oder du musst nach Hause gehen.“ Ich habe mich dann im Klo eingeschlossen, mich auf den Deckel gesetzt und 15 Minuten gepennt, bis hereinspazierende Stöckelschuhe mich aufweckten. Auf dem Männerklo hätte ich wahrscheinlich bis abends geschlafen. Danach war ich wieder frisch und konnte weiterschaffen.
  5. Ich bin einerseits ein sehr planvoller, andererseits ein ungeplanter Mensch. Planvoll, wenn es um wichtige Projekte geht – im Beruf oder bei meiner neuen Küche. Ungeplant, wenn es um Urlaub und Freizeit geht. Irgendwohin fahren und schon drei Monate vorher wissen, was ich dort wann genau mache? Schrecklich. Ich muss das auch drei Tage vorher nicht wissen.
  6. Ich bin nicht nachtragend. Ich finde es im Gegenteil viel zu anstrengend, nachtragend zu sein. Immer diese Überlegungen, wem ich jetzt noch böse sein müsste und wer mir noch was schuldet! Dann doch lieber ein beherztes: „Ach, Schwamm drüber!“
  7. Damit hängt zusammen, dass ich mir über ziemlich viele Dinge ziemlich wenig Gedanken mache – dazu habe ich mich mal entschlossen und seither lasse ich das. Ich denke zum Beispiel  nicht darüber nach, warum mich Y nicht zu ihrem Geburtstag eingeladen hat, obwohl X dort hingeht – ob sie mich wohl nicht leiden kann? Mach ich nicht. Ich lese auch nicht zwischen den Zeilen, weshalb mir Doppeldeutigkeiten öfter mal entgehen. Es gibt fürchterlich viele – ja, so ist es – Frauen, die mit mir ausdiskutieren wollen, was Y jetzt damit gemeint hat, wenn er X gesagt hat, ob er vielleicht doch Z meint. Ich antworte dann immer: Keine Ahnung. Frag ihn.
  8. Ich mag Programmierer und Juristen, weil sie von Berufs wegen sachlich und logisch sind.
  9. Meine Lieblingsmaler sind Edward Hopper und Anton Werner.
  10. Ich kann gut schwimmen. Ich habe auch keine Angst vor tiefem Wasser, schwimme im Meer weit raus und kann in keinen Pool gehen, ohne mit dem Kopf unterzutauchen und unter Wasser herumzueumeln. Unter Wasser kann ich nämlich schweben, und es ist wunderbar ruhig.
  11. Ich sehe keinen Sinn darin, zu mehreren Frauen zum Klo zu gehen. Ich möchte das auch nicht.
  12. Ich finde Rauchen ekelerregend.
  13. Ich hatte jahrelang, von Jugend an bis zur Damenmannschaft, die Trikotnummer 13 – bis ich wegen meines Studiums den Verein wechselte und beim bereits vorhandenen Trikotsatz die Nummer 13 ein Trikot in Größe S war. Seither habe ich verschiedene Nummern, werde aber nie wieder die Nummer 10 tragen. Denn als ich einmal die Nummer 10 trug, habe ich mir einen Innenbandriss im Knie geholt.
  14. Ich mag das Meer. Einmal im Jahr muss ich ans Meer. Ich kann gar nicht sagen, was so toll daran ist, aber es ist immer wieder ein erhabener und befreiender Moment, wenn ich das erste Mal am Strand stehe, das Wasser rieche und die Wellen höre.
  15. Genauso mag ich die Berge. Ich wandere unheimlich gern, weil dabei so wenig passiert, weil ich mich vollkommen auf die körperliche Anstrengung konzentriere. Deshalb wandere ich gerne Touren, bei denen ich hoch hinaufsteige, 1000 Höhenmeter können das schonmal sein. Wenn ich dann auf dem Gipfel stehe, runterschaue und sehe, wie großartig die Welt ist, macht mich das glücklich. Pause mache ich allerdings nicht ganz oben, sondern am liebsten, wenn ich schon wieder ein Stück runtergegangen bin.
  16. Ich habe meine Dissertation im Fach Journalistik geschrieben und dabei eine Lokalredaktion durch Veränderungsprozesse begleitet.
  17. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Wenn er kommt, dann kommt er.
  18. Ich liebe es zu lesen. Kein anderes Medium schafft es, mir so nah zu sein, nicht Musik, nicht Film. Vielleicht, weil man als Leser ein Buch auch immer neu schreibt. Ich lese Bücher deshalb nicht nur im Bett und in der Bahn, sondern bisweilen auch im Gehen.
  19. Ich bin einerseits ungeduldig, andererseits ein ausgeglichener Mensch. Ungeduldig bin ich beim Möbelzusammenbauen und überhaupt allen Sachen, die Geschick erfordern und die ich nicht auf Anhieb hinkriege. Ich beneide niemanden, der mit mir Schränke zusammenbaut; ich werde dann voreilig und unleidlich. Außerdem lese ich niemals Anleitungen. Andererseits bin ich recht ausgeglichen, wenn es um Dinge geht, die ich nicht ändern kann, zum Beispiel Zugverspätungen oder Ähnliches. Aus diesem Grund halte ich mich für eine gute Reisegefährtin, denn ich nehme die Dinge, wie sie kommen und mache dann das Beste aus ihnen (vgl. Punkt 5).
  20. Rosen sind völlig überschätzte Blumen. Tulpen und Gänseblümchen sind viel toller.

Auf Bitte von Herrn Opa.

Liebe Kaffeehausgäste,

am 8. November lese ich in Bonn etwas vor. Herr Johannes und Frau Serotonic waren so freundlich, mich einzuladen – und dazu noch andere tolle Leute, nämlich Frau Claudia und, aus meinem beschaulichen Heimatstädtchen, den Herrn Christian. Ich freue mich schon sehr!

#mimimimi - Herbstlesung Bonn

Die Veranstaltung ist bereits ausverkauft. Aber es schadet nicht, wenn Sie sich auf die Warteliste schreiben. Dieser Tage kriegt ja immer Einer Husten oder Schnupfen.

Ja! Da will ich hin!

Wenn Sie vorab mehr über Bonn lesen möchten und in diesem Zusammenhang auch über die kulturelle Bedeutung ebendieser Lesung für eine Stadt, die ehemals eine Bundeshauptstadt war, dies aber nun nicht mehr ist, was ebenso Gründe wie auch Folgen hat, empfehle ich Ihnen den Text von Frau Claudia – als Einstimmung.

Dieses Wochenende war es soweit:
Ich habe meine neue Küche eingeweiht.

Ich habe sie eingeräumt – mit all dem Zeug, das ich besitze: mit Teller, Tassen, Pfannen, Backformen, Vorratsdosen und Lebensmitteln. Ich habe außerdem einen Nusskuchen gebacken – für die Handwerker, die morgen die Wohnzimmerwand einreißen. Und ich habe Nudeln gekocht.

Wenn ich den Raum nun fertig sehe, kann ich mich gar nicht mehr daran erinnern, wie er anfangs aussah. Dabei war’s schon schlimm:

Psychedelisches Küchenparadies

Die Schönheit der Tapeten kommt in dem Foto leider nur ein bisschen rüber. Es waren pinke und blaue Pinselstriche auf grauem … äh … Dings … so ähnlich wie Wischtechnik.

Die Handballhühner haben mich von diesen Tapeten befreit und auch gleich die Wandfliesen mit abgekloppt. Der Fliesenleger hat dann den Rest erledigt und innert zwei Stunden auch die Bodenfliesen entsorgt.

Die Küche, nackt

Der Fliesenleger hat nicht nur Altes rausgehauen, sondern auch Neues reingelegt. Er hat sich sehr gefreut, so schöne Fliesen legen zu dürfen – und ich habe mich gefreut, dass er das so hübsch und ordentlich macht. Ich habe ihm dann Glückscurry gekocht, und wir waren beseelt.

Danach kamen vier Männer, die mir eine neue Küche in die Wohnung  getragen haben. Zwei von ihnen sind geblieben. Ich habe sie mit Kuchen gefüttert, und sie haben meine Küche aufgebaut. Nun sieht es in dem Raum so aus:

Küche in schön

Das Beste ist: Ich weiß gar nicht, was das Beste ist. Vielleicht die Arbeitshöhe von einem Meter fünf. Oder dass mein Kühlschrank Wasser ausschenkt (und Eiswürfel und crushed Eis). Oder das Induktionskochfeld. Diese Technik ist wirklich fantastisch: Zack, ist das Wasser warm – nur ein Knopfdruck, und die ganze Hitze ist wieder weg. Heißer Scheiß. Rechts hinter dem Vorsprung geht es übrigens in den Garten. Das ist auch toll.

Jetzt brauche ich nur noch Barhocker, damit meine Gäste demnächst an meiner Kücheninsel sitzen und sich einen picheln können, während ich für sie koche.

In der bayerischen Provinz findet jedes Jahr ein Handball-Turnier für Dorfvereine statt. 2004 nimmt auch die Nationalmannschaft aus Sri Lanka teil. Die Freude im Dorf ist groß – bis die Gäste aus Asien spurlos verschwinden. Ein Webreportage, entstanden in der Deutschen Journalistenschule: Besuch aus Colombo. Sehr lachen musste ich bei dem Satz des Turnierleiters: „Habts ihr 23 Singalesen irgendwo gesehen, ja? Dunkle?“ Eine irre Geschichte.

Sebastian Mondial über Offshore-Leaks. Ein dreistündiger Podcast, in dem er erzählt, mit welchen Werkzeugen und Methoden er die 260 GB Daten gesichtet, sortiert und nach Geschichten durchsucht hat. Er erläutert, wie er die Kommunikation der über 80 Journalisten aus 46 Ländern in einem Web-Forum organisierte und am zweiten Tag mit der Festplatte aufwachte – und das Passwort zur Entschlüsselung vergessen hatte. Im letzten Drittel erklärt Sebastian Mondial, wie die Snowden-Enthüllungen die Arbeit von Journalisten verändern und was sie für den Informantenschutz bedeuten.

Ein Blick in die Welt der Kunst: Klassische Skulpturen, angezogen wie Hipster.

Frau Lobo beantwortet die Frage, ob ihr Buch schon fertig ist. Aus eigener Erfahrung kann ich sehr gut nachvollziehen, aus welchen Motiven heraus diese Webseite entstanden ist.

Der Supermarktblog über krumme Dinger im Gemüseregal und den Versuch, Verbrauchern Gurken und Karotten zu verkaufen, die völlig in Ordnung, aber eben ein bisschen krumm sind.

Ein Mann mit Vergangenheit.

Katrin Seddig macht sich Gedanken darüber, warum Männer Frauen nicht mehr helfen, den Koffer zu tragen oder irgendwo hochzuhieven.

Das „Project Unbreakable“ hat Frauen fotografiert, die sexuell missbraucht wurden. Mit im Bild: Was die Täter vorher oder währenddessen zu ihnen sagten.  Hier auch männliche Opfer.

Makro-Aufnahmen von Insekten.

Im Moment beschäftige ich mich ja viel mit Inneneinrichtung – deshalb hier 33 Ideen, wie man sein Heim schöner machen kann. Am besten gefällt mir der Tisch mit den schaukelnden Stühle. Und der Pool zum Nach-Draußen-Schwimmen.

Warum Leute auf alten Fotos nicht lächeln (via @thorstensterk).

Benjamin Ames singt mit seiner Tochter. Sie kann nicht schlafen, weil sie meint, ein Feuerwerk zu hören:

[youtube=http://www.youtube.com/watch?v=Bpu0TIXzI1w&w=480&h=360]

Hier im Kännchencafé passiert gerade nicht viel.

Im Hintergrund hingegen passiert eine ganze Menge. Denn ich habe Urlaub. In diesem Urlaub renoviere ich entweder – oder schlafe.

Sie denken nun bestimmt: „Oh je, in welch eine Bruchbude will Frau Nessy eigentlich einziehen! Sie renoviert doch schon seit Wochen!“ Das stimmt so nicht ganz, denn zwar renoviere ich tatsächlich seit Wochen, die Wohnung ist aber keine Bruchbude. Vielmehr ist es so: Je weiter man in die Tiefen einer Sache vordringt, desto mehr Details entdeckt man, die man verbessern kann. Und Sie kennen bestimmt die alte Renoviererweisheit: „Was du jetzt nicht machst, machst du hinterher niemals mehr.“

Oder würden Sie, wenn Sie einmal eingezogen sind, die Heizkörper abnehmen?

abgenommener RadiatorSehen Sie. Ich auch nicht.

Dabei kann man mit abgenommenen Heizkörpern so viel machen. Man kann zum Beispiel Dämmplatten in die Nische hinter dem Radiator kleben und so dafür sorgen, dass die Heizung demnächst nicht mehr den Garten mitheizt. Man kann die Heizkörper reinigen und von Spinnweben befreien. Und man kann die kackbraune Farbe weiß überlackieren.

Servicetipp #1: 
Polystyrol-Hartschaumplatten mit Waffelstruktur zur Dämmung. Die lassen sich nachher auch gut streichen.

Das Ganze ist eine elende Plackerei – nicht so sehr das Lackieren, sondern das Abnehmen. Deshalb haben das auch zwei kräftige Herren für mich getan, denen es nichts ausmacht, 40 Kilo Heizkörper mit 60 Liter Wasser drin zu heben.

Nun ja, fast nichts. Deshalb:

Servicetipp #2:
Gutes Catering hilft, die Motivation starker Männer hoch zu halten.

Nachdem die starken Männer Ihnen die Heizkörper aus der Wohnung getragen haben, nachdem die Heizkörper im Garten ausgelaufen sind (an dieser Stelle werde ich nächstes Jahr dreiköpfige, sprechende Tomaten ernten) und die Herren die Dinger auf einen Bock gehoben haben, können Sie sich an die dekorative Feinarbeit machen und die Heizkörper lackieren.

Heizkörper lackieren

Servicetipp #3:
Meine Wagner-W-550-Sprühpistole hat ca. 70 Euro gekostet und war ihr Geld wert. Das Lackieren geht zigfach schneller als mit dem Pinsel und spart Farbe. Außerdem fühlt man sich wahnsinnig professionell. Achtung: Es gibt Sprühdinger für Lacke und Sprühdinger für Wandfarben.

So sieht dann hinterher das Ergebnis aus:

Vier lackierte Heizkörper

Nach dem Lackieren müssen die Heizkörper natürlich wieder ran an die Wand (vgl. Servicetipp #2). Wenn Sie in einem Nachkriegshaus wohnen, so wie ich es demnächst tun werde, kann es sein, dass Sie ganz komische Anschlüsse haben. Also nicht Halbzoll-Gewinde oder Viertelzoll, sondern 7/16, angesichts derer sich selbst der anwesende Heizungsbaugeselle rätselnd am Kinn kratzte. Der Baumarkt hatte passende Kappen und Stopfen natürlich nicht vorrätig, denn 7/16 : „Wer verbaut denn sowatt? Hamwa nich!“ Aber wir sind ja Checker:

Servicetipp #4:
Wenn Sie 7/16-Anschlüsse haben, dichtet ein 10-Cent-Stück, eingelegt in die Ventilkappe, passgenau ab.

Als die Heizkörper wieder dran waren, habe ich mich unten im Heizungskeller gefühlt wie in Wolfgang Petersens „Das Boot“:

Heizungskeller

Es fehlten nur die Echolot-Geräusche.

Servicetipp #5:
Wenn die Heizkörper wieder dran sind: Wasser nachfüllen und entlüften.

Als ich dann so herumstand und Wasser nachlaufen ließ und mich ein wenig umsah, denn das Ganze braucht reichlich Zeit und im Heizungskeller ist es schön warm und muckelig, habe ich mich sehr ruhrgebietlich gefühlt:

Aufkleber: IG Bergbau und Energie

Wenn Sie also demnächst Zeit und Muße haben, nehmen Sie doch einfach mal Ihre Heizkörper ab. Ich garantiere Ihnen viele schöne Stunden, ein nachhaltiges Ganzkörpertraining und mindestens ein kniffliges Rätsel.

Heute, auf einem Marktplatz im Sauerland, habe ich meinen Lebensplan geändert.

Marktplatz mit KirchturmEin Ausflug trug mich ins Sauerland, in die Heimat, auf den Marktplatz, an einem Dienstag. An einem Dienstag stellen die Menschen hier nicht nur ihre Mülltonnen an die Straße, an einem Dienstag ist hier auch Wochenmarkt, direkt unter dem Kirchturm. Zehn, zwölf Wagen parken dann dort, mit Fisch, Käse und Gemüse, mit Pflanzenzwiebeln und Reibeplätzchen.

Unter dem Kirchturm befindet sich ein Café, ein Eiscafé mit Draußensitz. Gegen 11 Uhr kommt die Sonne herum, scheint durch die nahe Gasse auf die Tische und Stühle. Die Kundschaft sitzt dann nicht nur mit besten Blick auf den Marktplatz, sie sitzt an einem Tag wie diesem, einem wunderbaren Alterweibersommertag, auch hell und warm.

Ich gehe nur fünf Schritte über den Markt, schon ruft es mir aus dem Eiscafé zu. So ist das hier an einem Dienstag, da sind alle auf dem Markt, da trifft man jeden, der sich irgendwie erübrigen kann: Rentner, Spätschichtler, Mütter in Elternzeit, hungrige Angestellte auf dem Weg zum Reibeplätzchenwagen. Wer hier geboren ist, trifft hier dienstags nicht nur jemanden, er trifft meist sogar alle.

Er sitzt an einem der Tische in der Sonne, und ich setze mich zu ihm. Er ist nun Rentner, ein Freund der Familie. Wir plauschen ein wenig. Kaum habe ich meine Latte M bestellt, schlendert der Nächste vorbei, auch Rentner, auch bekannt, der Erste ruft, der Zweite tritt zu uns an den Tisch:

„Wo kommste weg?“ Der Erste.
„Vom Arzt. Wegen meinen Venen.“ Der Zweite.
„Die beste Krankheit taugt nix.“
„Wem sagste das.“
„Setz dich.“
„Aber nur fünf Minuten.“

Er rückt sich einen Stuhl in die Sonne und setzt sich zu uns. Sogleich kommt meine Latte von rechts – und mit ihr der dritte Rentner von links.

„Moin Jupp! Setz dich bei!“
„Keine Zeit!“
„Erzähl keinen Quatsch!“
„Na gut, überredet!“

Nun sind wir schon zu Viert. Bald stoßen Rentner Vier und Fünf hinzu, kurz danach auch Sechs und Sieben, binnen 30 Minuten sitzen wir zu Neunt am Tisch. Nur Nummer Zehn lehnt den Kaffee ab:

„Hab’n nervösen Magen! Vertrage nur Getränke mit Schaum.“ Er meint nicht den Milchschaum und strebt in Richtung Fischbude davon.

Die Runde ist nun gesellig. Es geht um Krankheiten und Urlaube. Der Eine muss in die Röhre, der Andere war an der See, auf Tour mit dem Elektrofahrrad. Der Dritte fuhr am Wochenende mit dem Kegelclub nach Willingen – für Weib, Bier und Tanz.

„Da sagte der Türsteher zu mir, sein Etablismeng, das wär nix für mich, aber da vorne, da gäb’s auch was für die gehobene Kundschaft.“
„Gehoben im Stil?“
„Nee, gehoben im Alter.“

So sitzen sie da, trinken Cappuccino mit Sahne und noch einen Capuccino mit Sahne, so geht die Zeit dahin. Die Sonne wärmt uns den Rücken, ich blicke über den Marktplatz, grüße hier, grüße da, lausche dem Plausch und verwerfe meinen Plan, später einmal Fensterrentner zu werden. Nein, ich werde nicht Fensterrentner. Ich werde Eisdielenrentner.

Lieblingstweets 09/2013

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Seit drei Wochen besuche ich einen Russischkurs.

Meine zarten Kenntnisse der russischen Sprache beschränken sich, wie Sie wissen, auf zentrale Begriffe der russischen Kindererziehung, die Zahlen von 1 bis 100 und auf Körperteile des Huhns. Das ist für den Alltag nicht ausreichend. Um bald auch mit Erwachsenen auf angemessene Weise zu kommunizieren, mache ich nun einen Kurs.

Der Kurs besteht nur aus einer Handvoll Leuten, was ihn sehr effizient macht. Unter ihnen: ein Ehepaar mittleren Alters, das gerne russische Volksweisen hört und erfahren möchte, worum es darin geht, ein spanischer Ingenieur, der wegen der  Wirtschaftskrise nach Deutschland gekommen ist, hier aber mit russischen Kunden zu tun hat, und eine Ukrainerin, die  jung nach Deutschland immigrierte und die Sprache ihrer Familie lernen möchte. Unsere Lehrerin heißt, sagen wir, Oxana.

Oxana ist eine rundliche Frau um die 50 mit blondem, kurzen Haar, das, je weiter die Kursstunde fortschreitet, immer wilder auf ihrem Kopf liegt. Sie macht überschwänglich Mimik („Sie müssen lächeln! Machen Sie breit, den Mund! Das Russische ist eine fröhliche Sprache!“), sie gestikuliert wie auf dem Jahrmarkt („Machen Sie mit! So können Sie es besser merken!“), und manchmal singt sie auch, und wir müssen einstimmen. Oxana liebt die russische Sprache. Es vergeht keine Stunde, indem sie nicht die Vorteile es Russischen aufzählt („So viele Buchstaben! Jeder Laut hat einen eigenen! Ist das nicht praktisch?“). Die eineinhalb Stunden, die der Kurs dauert, vergehen mit nur einem Wimpernschlag.

Heute haben wir zur Melodie von „Bruder Jakob“ die 1. Person Singular gelernt. Sie können sich den Text in der Übersetzung etwa so vorstellen:

Ich weiß nicht,
Ich weiß nicht,
ga-har nix,
ga-har nix,

Ich verstehe nicht,
Ich verstehe nicht,
ga-har nix,
ga-har nix.

Wir haben das einstimmig und im Kanon gesungen – bei weit geöffnetem Fenster. Es hörte sich sehr schön an. Ich möchte allerdings nicht wissen, was zufällig vorbeiflanierende Russen gedacht haben.



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