Broterwerb | Zwei Tage Seminar im Haus Busch zur crossmedialen Planung und Konzeption von Geschichten.
Die Leute kamen bunt gemischt aus der Privatwirtschaft, aus der Verwaltung und von Non-Profit-Organisationen, außerdem waren zwei Vertreter journalistischer Publikationen dabei. Ich habe verschiedene Methoden gezeigt, wie man Ideen für gute Geschichten findet – auch ohne selbst der kreativste Geist zu sein. Wir haben Kampagnen- und Inhalteplanung über verschiedene Kanäle gemacht, auf aktuelle Nutzungszahlen geguckt, es gab Games in Concert und allerlei Best-Practice-Beispiele.
Zum Glück hatte es sich von Sonntag auf Montag abgekühlt. Das machte das Arbeiten angenehm.
Grüße an die Blogleserin!
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Entwicklungen |Die Frau, die immer meine Gmail-Adresse benutzt, um sich irgendwo anzumelden, ist jetzt Mitglied in einem australischen Fitnessstudio. Bis anhin fuhr sie dort nur mit Uber rum. Es scheint, als plane sie, eine längere Zeit down under zu verbringen.
Angeguckt | Dayton, Ohio, war eine Vorzeigestadt der USA: boomende Wirtschaft, Wohlstand, Erfindergeist. Jetzt liegt die Stadt im Rust Belt am Boden. Eine ZDF-Doku über „Das vergessene Amerika“.
Wieder sind wir tief im Wald. Die Hinfahrt ist rasant. Die Straße windet sich am Fuß der Hügel entlang, die Bäume stehen dicht an dicht, Linkskurve, Rechtskurve, Linkskurve. Mutige Fahrer ziehen über die Fahrbahn und schneiden die Kurven. Weniger mutige nehmen jede Biegung mit. Wer hinten sitzt, spürt leichte Übelkeit. Als wir später, viel später, in der Nacht zurückfahren, treffen wir Füchse und Rehe. Wildschweine leben im Dickicht.
Eines der Schweine gibt es zu essen, am Spieß. Der Gastgeber hat es selbst geschossen. Wie Ötzis Mumie dreht es sich im Kreis, Füße unten, Füße oben, Füße unten, die Zähne spitz im Maul, die Haut ledern.
Als wir beginnen, steht noch die Sonne auf den Hügeln. Im Talabschnitt, in dessen Schützenheim wir feiern, ist es jedoch schattig. Hier hat sich der Tag bereits abgekühlt.
Die Gäste sind erleichtert. Endlich ist sie fort, die Hitze des Tages, die die Beine schwer und den Körper klebrig machte, deretwegen wir uns am Nachmittag noch einmal hinlegten, um nun wach und geduscht an Bierbänken zu sitzen. Wir trinken und reden. Die ersten Gläser sind schnell leer und schnell wieder voll.
Für die Kinder gibt es Wasser und Stroh und Malkreide. Sie jagen sich um das Schützenheim.
Ich treffe Vatta wieder. Nicht meinen Vatta, sondern den Vatta der Gastgeberin, den Geflügel-Landwirt aus Ostwestfalen, mit dem ich fünf Jahre zuvor eine Wohnung renovierte. Es war ein eindrückliches Erlebnis; ich bloggte einst darüber.
Vatta stellt sich mir als Willi vor und steigt direkt in medias res ein: „Das Putenmobil ist tot.“
Er meint damit den kleinen Transporter, der ihn und seine Ware viele Jahre lang zu Wochenmärkten brachte und auf dessen Heck eine gezeichnete Pute prangte, die in einer Sprechblase sagte: „Puten Tag!“ Auf den Seiten stand der Text: „Alles Gute von der Pute.“
Willi kennt meinen Blogtext zu unserer Renovierungsaktion. Seine Tochter hat ihn ihm nach Entstehen vorgelesen, woraufhin Willi minutenlang lachte und ihn ein weiteres Mal vorgelesen haben wollte. Der Text hängt seither gerahmt auf seinem Putenhof.
Wir reden also über das Putenmobil, das es nicht geschafft hat und unversehens verstarb. Willi ist gesprächig heute. Er ist alleine unterwegs, seine Frau konnte nicht mitkommen, und er sagt schon in den ersten fünf Minuten mehr als während des ganzen Renovierungstages.
Es ist ein guter Ort für eine Party, hier in diesem Häuschen oberhalb des Ortes. Die Nachbarn hinter der Mauer sind aus der Phase raus, in der sie sich beschweren.
Die Nacht senkt sich über das Fest. Die Mücken kommen. Die Gesellschaft beginnt, sich zu besprühen. Überall riecht es nach ätherischen Ölen.
Die Kinder strolchen weiter umher. Es ist nicht nur ein Abend der Erwachsenen, auch ein Abend der Kinder, an dem sie tun und lassen können, was sie wollen.
Kurz vor Mitternacht wird die Feuerschale entzündet, und wir setzen uns drumherum. Es sind weitere Leute hinzugekommen, niemand kennt sie. Sie gehören ins Dorf, Einem gehört der Grill, auf dem sich das Schwein dreht. Von dem Anderen weiß man nichts Genaues, man kann ihn aber auch nicht wegschicken, sonst heißt es im Dorf: „Der Fischer Andi, der ist so geizig, da kriegst du nicht mal ein Bier, nicht einen Tropfen hatte er übrig, und sein Madl, diese Zugezogene, die hat uns vom Hof gejagt wie Landstreicher.“ Wenn du das nächste Mal etwas von den Leuten willst, eine Leiter oder einen Grill für dein Schwein oder weil du mit deinem Auto im Graben liegst, dann kannst du dir das anhören; bis an dein Lebensende kannst du dir das anhören. Also lässt du sie dasitzen, und sie sind ja auch nett, wenngleich sehr betrunken.
Als wir am heutigen Sonntag noch einmal hinfahren, um Tschüss zu sagen, ist das Schützenheim bereits geputzt. Leute aus dem Dorf kamen früh herbei, einfach so, und packten mit an. In Nullkommanix war aufgeräumt.
Wir trinken noch eine Cola. Willi ist auch da. Wir reden noch etwas. Dann fahren wir heim. Es ist heiß heute. Ich bringe C mit dem Auto nach Frankfurt; von dort fährt er mit dem Zug nach Hannover. Vor dem Bahnof sind es 39 Grad. Unsere Umarmung fällt weniger innig aus als sonst. Über dem Asphalt flirrt die Luft.
Willi bleibt noch einen Tag im Wald bei seiner Tochter.
Von rechts schallen Geräusche eines Volksfestes herüber. Bässe, der Gemurmelteppich vieler, sehr vieler Menschen, herüberwehende Melodien. Im Vordergrund, ebenfalls von rechts, aber näher dran, das Bellen eines Hundes, ein hohes Bellen – ich stelle mir einen kleinen, nervösen Hund vor, ein Tier mit einer spitzen Schnauze und einem Hang zu Dramatik. Eine Frau weist ihn zurecht.
Von links Schlagermusik. Immer wieder wird der PUR-Hitmix angespielt.
In der Ferne das Rauschen eines fahrenden Zuges.
Auf dem Balkon neben mir wohnt ein Mann. Ich sah ihn, als er sein Zimmer betrat: Anzughose, weißes Hemd, eine Kofferkombination wie ein Smoking, schwarz und adrett. Er hört sehr laut einen englischen Fernsehsender, bis eben Nachrichten, nun eine Sendung, in der sich zwei Männer konstant anschreien.
Von irgendwoher Klavierspiel.
Teenager laufen plappernd durch die Straßen. Mädchen in kurzen Röcken, Jungs in engen Hosen und Shirts mit V-Aussschnitt, um die Schulter Taschen, die wir einst um die Hüften trugen.
Amorbach – eine Stadt mit vielen Geräuschen.
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Vor dem Aufbruch | Heute Morgen brach ich hierher auf. Nach dem Wochenende auf dem Schatöchen nun ein Wochenende im Odenwald. Es wird nicht langweilig.
Ich entschied mich, direkt am Vormittag zu fahren. Zuvor noch etwas Herumräumen zu Hause, den Garten gießen, nach dem Gewächshaus sehen.
Dort totale Eskalation.
Die Gurken baumeln von der Decke. Die Thorstomaten hängen in üppigen Bündeln.
Ich goß kräftig. Sonnenschein ist angekündigt – 33 Grad, 36 Grad.
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Expedition in den Odenwald | Ich bin hier anlässlich eines Geburtstags. Zwei Menschen werden 40 und feiern. Viele Menschen reisen aus allen Orten Deutschlands an.
Ich kam am frühen Nachmittag hier an, nach einer problemlosen Fahrt die A45 hinunter, auf der es weder Stau noch besondere Vorkommnisse gab.
Ich freue mich übrigens jeden Tag über das Geschenk von Sandra: einen Gummikummerbund für meinen Beifahrersitz. Er hält meinen Proviant fest.
In Amorbach bezog ich mein Hotelzimmer. Das Hotel ist neu. In den Fluren riecht es nach frisch verlegtem Teppich, das Parkett ist jungfräulich, die Möbel sind noch möbelhausig.
Amorbach hat keine 4.000 Einwohner. Nach acht Stunden in der Stadt meine ich, alles gesehen zu haben. Natürlich täusche ich mich. Es gibt bestimmt noch viel mehr zu entdecken.
Gesehen habe ich bereits das Templerhaus, das zweitälteste erhaltene Fachwerkaus Deutschlands. Es stammt aus dem Jahr 1291.
Es war einst ein burgartiger Adelssitz, bevor die Besitzer in eine wirkliche Burg umzogen.
Es ist beschaulich hier. Ich begegnete nur wenigen Menschen, und auch in den Geschäften schien niemand. Nur vor der Eisdiele standen die Leute ein: Eiscafé Dolomiti,laut Werbeschild seit Jahrzehnten im Familienbesitz, ist der heimliche Star des Ortes.
Es war heiß heute, allerdings angenehm heiß. Ich freute mich über die Sonne auf der Haut und auf den Beinen. Wegen Bürositz, Pendelei und allerlei zu tun habe ich mich diesen Sommer noch nicht viel in die Sonne gehalten. Das war sehr schön heute.
Die Kirchengemeinde nutzt die Temperaturen für Werbung in eigener Sache. Der Unique Selling Point des Sonntagsgottesdienstes ist dieser Tage nicht die Predigt.
Ich war auf der Suche nach einer Einkehrmöglichkeit: ein Wirtshaus oder ein Bistro – irgendwas mit Herzhaft für über den Tag. Doch die Lokale hatten noch geschlossen.
in der Bäckerei erwarb ich ohne Fastenabsicht eine Fastenwähe, außerdem eine Sesambrezel und aß sie auf der Bank vor der Abtei des Ortes.
Es gibt hier eine Fürstliche Abtei; sie ist vielfach ausgeschildert. Bei jedem Schild lese ich „Fürchterliche Abtei“; es setzt auch beim fünften Mal kein Lerneffekt ein.
In der Nähe der Bäckerei gibt es zudem eine Metzgerei. Sie bietet eine besondere Attraktion: einen Selbstbedienungsautomaten für Wurst. Man kennt solche Maschinen aus Foyers und Büros: Spiralen drehen gegen Einwurf kleiner Münzen Snickers heraus. Hier sind es vakuumierte Würste.
Ich gehe weiter durch den Ort. Es ist alles sehr hübsch hier.
Allerdings begegnet mir auch Seltsames: ein Hause mit einer Treppe wie an Peter Lustigs Bauwagen, dazu Skelette. Es klärt sich nicht auf, warum das alles.
Nach meinem Rundgang kehre ich zurück ins Hotel. Im Hotel arbeite ich für den Rest des Nachmittags.
Am Montag und Dienstag ist Storytellingseminar im Haus Busch. Das Seminar ist diesmal ausgebucht; die Teilnehmer und Teilnehmerinnen haben mir ihre Projekte und Fragestellungen geschickt. Ich arbeite sie in mein Seminarkonzept ein.
Angeschaut | Junge Geflüchtete überwinden ihre Angst vor dem Wasser und lernen schwimmen. Berührende Fotokollektion mit dem Titel „The Big Sea“ – und ein Interview mit der Fotografin.
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Bemerkt | Als ich gerade Google befragte, was das wohl für eine Veranstaltung zu meiner Rechten ist, bemerkte ich zum ersten Mal, dass die Suche Veranstaltungskalender kann.
Das haben Lokalzeitungen ja auch nie wirklich hingekriegt. Brauchen sie nun auch nicht mehr.
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Mchmchchchchchh | Nebenan nun kein Fernsehton mehr. Stattdessen Schnarchen; ein Rachenreiben, wie es entsteht, wenn der Mund geschlossen ist, das Gaumensegel aber dennoch flattert. Die Atemzüge mal länger, mal kürzer, auch sehr kurz. Dann wieder sehr lang, energisch, beinahe wütend. Bisweilen, in der Mitte eines Atemzugs, klemmt das Segel; dann bleibt der Schnarcher dumpf stecken. Von rechts weiterhin die Bässe des Volksfests.
Ausflug zum Schatöchen | Das lange Wochenende verbrachte ich auf einem französischen Landschloss.
Sie erinnern sich vielleicht an meinen letztjährigen Ausflug, als Freunde dort ihre Hochzeit feierten. Noch vor Ort hatten wir uns angeguckt und gesagt: Das müsste man eigentlich jedes Jahr machen. Also haben wir es dieses Jahr wieder gemacht.
Mit Sack und Pack, Kindern und Kisten voller Wein reisten wir in die Champagne und verbrachten dreieinhalb Tage auf unserem Schatöchen, dem Château de Pleurs.
Was wir dort taten, ist schnell berichtet: Wir taten nichts.
C sagte am dritten Tag zu mir: „Sehe ich das richtig, dass wir hier nur schlafen und essen? Entweder gibt’s Frühstück oder wir kaufen Zeug ein, das wir dann kochen und essen, oder wir trinken oder wir machen ein Nickerchen.“
Hier exemplarisch drei Bilddokumente, einmal mit Grill, einmal mit Gratin im Ofen und einmal mit Pastetchen:
Dass wir nur schliefen und aßen, ist allerdings nicht ganz richtig. Wir ließen uns auch im Pool zu Wasser, spielten Billard und lasen. Manche von uns unterhielten sich auch – bis der Gesprächspartner wegnickte.
Nur einmal packte es uns. Da sagten wir uns: „Wir müssen mal runter von der Scholle, etwas erleben.“ Plötzlich fühlten wir starken Tatendrang.
Wir fragten den Schlossherrn, was er empfehlen könne. Er empfahl ein Champagnergut. So fuhren wir nach Broyes.
Auf dem Champagnergut wohnte ein großer Hund, der erst so tat, als ob er sehr gefährlich sei. Später leckte er uns die Kniekehlen; er hatte einen großen Faible für Kniekehlen.
Auf dem Champagnergut tranken wir und kauften Lebensmittel ein.
Außerdem lernten wir etwas. Nämlich, wie man Champagner macht. Das geht so: Man erntet die Trauben mit der Hand. Dann tut man sie in eine Maschine. Die Maschine presst den Saft aus den Trauben. Der Saft kommt in ein Fass. Dort bleibt er von September bis März. Von dort kommt er in Flaschen. Auf die Flaschen kommt ein Kronkorken. Danach kommen sie für drei Jahre in den Keller. Dort werden sie nicht bewegt.
Danach wandern sie eine Etage höher. Dort hängen sie herum.
Außerdem werden von einer Maschine vorsichtig gedreht. Dadurch sinkt die Hefe in den Flaschenhals.
Wenn alle Hefe dort ist, wird die Flasche geöffnet. Die Hefe kommt raus. Dann kommt ein Korken auf die Flasche, und der Champagner liegt nochmal drei Monate herum.
Dann wird er verkauft.
Als wir vom Champagnergut zurückkamen, waren wir müde und mussten uns hinlegen.
Danach mussten wir etwas essen.
Wenn Sie auch mal ein Château-Wochenende haben möchten: Das Preismodell des Schatöchens ist einfach. Man bezahlt immer das Gleiche, egal ob man mit zwei Leuten oder mit 20 Leuten auf dem Schloss wohnt. Der Betrag teilt sich dann durch die Anzahl der Leute. Wenn man – wie wir – ein paar Leute zusammenkriegt, sind drei Tage Schloss preiswerter als drei Tage im Harz.
Macht hat, wer Andere begeistert. Macht hat, wer Wissen hat, das Andere benötigen. Macht hat, wer belohnen kann – materiell oder mit Lob und Aufmerksamkeit. Macht hat, wem Menschen folgen: physisch oder ideell, ob intendiert oder ungewollt.
Ich halte Macht für nichts Schlechtes. Ich glaube vielmehr, dass Menschen sich ihrer Macht zu wenig bewusst sind. Sie warten deshalb, dass Andere etwas für sie tun. Tun die Anderen aber nicht. Deshalb kommt es zu Komplikationen, Stillständen, unausgesprochenen Erwartungen, Konflikten.
Auch in einer Paarbeziehung gibt es immer ein Machtgefälle: der Bedürfnisärmere hat Macht über den Bedürfnisreicheren. Wenn A gerne dreimal in der Woche Sex hätte und B dreimal im Monat, dann hat das Paar dreimal im Monat Sex.
Wochenende | Nach zwei Jahren Recherche über Material, Ausführung, Klappbarkeit, Stapelbarkeit, Hoch- und Niedriglehnung, Sitzhöhen und Liegemöglichkeiten erwarb ich am Samstag vier Gartenstühle. Ich pfiff auf alle Recherchen, fuhr ins nächstgelegene Geschäft und kaufte, was da war. So einfach kann’s sein.
Auf dem Bild ist ein Eichhörnchen versteckt.
Abends kleine Grillfeier und Gartenstuhleinweihung mit Freunden.
Am Sonntag schlief ich bis kurz vorm Dekubitus. Danach Brötchenholung und große Frühstückszubereitung, um 15:30 Uhr Frühstück. Ich bereue keine verschlafene Stunde; es war großartig. Erstaunlicherweise fand ich vor 23 Uhr wieder in den Schlaf. Vielleicht bin ich eine Hauskatze.
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Der Punkt des maximalen Grübelns | Passend zur Gartenstuhlsache kaufte ich heute die edition brand eins mit dem Titel „Du kannst das!“. In dem Heft geht es ums Neuanfangen. In vielen kleinen Artikeln werden viele kleine Aspekte behandelt, es werden viele Menschen vorgestellt – das gefällt mir.
Was das mit meinen Gartenstühlen zu tun hat? In einem der Artikel schreibt Thomas Ramge über Entscheidungen, schnelle und zögerliche. So steige mit der Dauer der Entscheidungsfindung die Risikoaversion: Je mehr man grübelt, desto billiger und bequemer ist es, weiterzugrübeln anstatt zu entscheiden.
„Der Vorwand der zögerlichen Entscheiders lautet dann in der Regel: Ich muss noch weitere Informationen sammeln, um eine bessere Grundlage zu haben.“
Wie bei meinen Gartenstühlen! All die Ausführungen, die Preisspannen, die unergründlichen Vor- und Nachteile dieses und jenes Materials! Je mehr ich recherchierte, desto unfähiger wurde ich zu kaufen.
Während sich die Risikoaversion in großen Unternehmen oft mit Bequemlichkeit verbündet und nichts vorankommt, gebe es unter Gründern und Managern eine „Romantik der Hektik“. Ramge zitiert den Autor Rolf Dobelli:
„Als Gründer und Manager möchtest du viele Entscheidungen treffen. Denn das entspricht deinem Selbstbild als mächtiger Entscheider.“
Wenn der Manager, der sich selbst als mächtiger Entscheider versteht, außerdem nicht weiß, wann der Konkurrent entscheidet, kommt es zu überhasteten Entschlüssen. Dabei ist es unwesentlich, ob es sich um einen Konkurrenten im Markt oder in der eigenen Firma handelt – zum Beispiel im Wettbewerb um den nächsthöheren Führungsposten.
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Wochenstart | Meine Woche startete heute mit Fitnessstudio im Spezialoutfit.
Den weiteren Tag verbrachte ich mit diversen Erledigungen. Außerdem schrieb ich meinen Juni-Newsletter. Das Thema wird sein: „Ziele sind super, Zielvereinbarungen nicht“ – mit neun Argumenten, warum leistungsabhängige Vergütung eine schlechte Idee ist. Wer noch kein Abo hat: Hier geht’s entlang.
Broterwerb | Die vergangenen zwei Tage habe ich beim Kunden verbracht.
Heute Gartenoffice.
Ich habe mein Seminar „Crossmediales Storytelling“ vorbereitet, das ich am 1. und 2. Juli im Haus Busch in Hagen halte. Das Seminar ist diesmal ausgebucht, coole Sache. Falls Teilnehmer oder Teilnehmerinnen hier mitlesen: Ich freue mich auf Euch!
Ich halte das Seminar regelmäßig. Die letzte Ausgabe fand im Oktober 2018 statt, also vor acht Monaten – das ist eine Weile her. Deshalb muss ich die Unterlagen etwas auffrischen. Inzwischen gibt es neue Studien, Erhebungen und Erkenntnisse, außerdem ist die Gruppengröße diesmal eine andere. Da mache ich einige Dinge anders, vong Didaktik her.
Wie immer habe ich den Veranstalter gebeten, eine Mail an die Leute rauszuschicken, damit sie mir ihre Fragen, Projekte und Herausforderungen aus dem Arbeitsalltag zusenden. Dann kann ich im Seminar direkt darauf eingesehen. Außerdem bespreche ich dann bestimmte Methoden und Konzepte anhand der Teilnehmerbeispiele. Dann muss ich mir nichts aus den Fingern saugen, und es ist umso handfester für die Teilnehmerinnen.
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Nicht gut Kirschen essen | Die Kirschenernte wird dieses Jahr mau. Entweder gab’s im Frühjahr zu wenig Regen oder vergangenen Sommer zu viel Hitze oder irgendwas anderes ist im Baum los. Insgesamt sind auch viele Läuse unterwegs – im ganzen Garten.
Inzwischen ist der ganze diesjährige Vogelkindergarten flügge. Im Kamikaze-Style stürzen sich die Meisenkinder durch die Luft, trudeln und zetern. Es ist eine Freude.
Im Hortensientopf haben sich Sonnenblumen gesät.
Der eigentlich verreckte, aber noch einmal hoffnungsvoll zurückgeschnittene Zitronenbaum bekommt wieder Blätter.
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Alles nur eine Phase | Ein großes Ereignis wirft seine Schatten voraus: Am 6. Juli lesen Herr Buddenbohm und ich in Dortmund.
Heute Mittag habe ich gemeinsam mit Mitorganisatorin Ramona die Location besichtigt, und wir haben alles mit dem Veranstalter abgesprochen: Bestuhlung, Bühnenausstattung, Grillbuffet.
Wir freuen uns weiterhin auf Anmeldungen. Es sind noch Plätze frei! Bitte eine kurze E-Mail an lc63@ladiescircle.de. Dann können wir das Buffet besser planen.
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Nachholbedarf | Am späten Nachmittag bin ich zwei Stunden tief und fest auf dem Balkon eingeschlafen. Bin jetzt zart angebräunt und muss noch etwas arbeiten. Die reguläre Arbeitszeit habe ich ja verpennt.
Broterwerb | Den Tag beim Kunden verbracht. In den vergangenen Wochen bin ich immer, wenn ich dort war, von Termin zu Termin zu Workshop zu Termin gesprungen. Das hat geschlaucht und ließ keine Zeit, einen Schritt zurückzutreten und Dinge aus der Ferne zu betrachten. Dazu ist diese Woche etwas Luft. Das ist gut.
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The Uber Game | Die Financial Times hat ein Nachrichtenspiel programmiert. In dem Spiel kann man ausprobieren, wie es ist, als Uber-Fahrer zu arbeiten. Man kann unter andere auswählen, ob man in Sacramento (geringere Lebenshaltungskosten, aber weniger Fahrten) oder in San Francisco (höhere Kosten, mehr Einkommen) seiner Arbeit nachgeht – oder ob man in Sacramento wohnen bleibt, aber nach San Francisco pendelt, um dort Fahrgäste zu transportieren.
Das Spiel basiert auf Berichten sowie auf Interviews mit Uber-Fahrern und -Fahrerinnen.
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Gelesen und gehört | In den vergangenen Tagen hörte ich mit Erstaunen, dass es immer noch Therapien gibt, die Homosexuelle „heilen“ sollen: Bastian Melcher kommt aus einem gläubigen Elternhaus und hat solch eine „Konversionstherapie“ gemacht, in der Hoffnung, dass sein Schwulsein verschwindet. Gerade im evangelikalen Kontext soll das noch verbreitet sein. Erst mit der Zeit konnte er zu seiner Homosexualität stehen. Die Psychiaterin Liselotte Mahler, die ebenfalls in dem Beitrag spricht, plädiert im Interview mit ZEIT Online für gesetzliches Handeln: „Allein das Signal eines Verbots ist enorm wichtig“.
Der Staat treibt Steuern ein. Dafür ist er seinen Bürgern gegenüber zur Auskunft verpflichtet. Anders versteht es die Kirche. Der Staat treibt für sie Steuern ein. Die Kirche sagt aber, sie sei nicht Teil des Staates und damit nicht zur Auskunft verpflichtet.
Die Klage hat ihren Anfang in Recherchen zum Klimawandel genommen: Correctiv wollte vom Erzbistum Köln wissen, ob die Katholische Kirche ihr Geld in Einklang mit ihren moralischen Werten anlegt – zum Schutz der Schöpfung. Das Bistum habe, so heißt es, zuletzt 2,8 Milliarden Euro am Finanzmarkt investiert.
Am Donnerstag entscheidet das Kölner Verwaltungsgericht.
Broterwerb und Alltagserlebnisse | Am Dienstag war ich beim Kunden, die A1 runter. Von dort aus fuhr ich am späten Nachmittag die A1 und A2 hoch, nach Hannover.
Dort geschäftliches Abendessen; nicht allzu formell:
Ich übernachtete bei C, der wochentags in Hannover lebt.
Am nächsten Tag moderierte ich einen Workshop für meinen Kunden – mit Teilnehmern und Teilnehmerinnen von verschiedenen Standorten, deren Mitte Hannover ist. Am Abend fuhr ich die A2 hinunter zurück nach Dortmund. Dabei stand ich in einer Vollsperrung bei Beckum – zum Glück kurz vor einer Ausfahrt: Nach 20 Minuten konnte ich abfahren. Angekommen in Dortmund, packte ich aus, wusch eine Maschine Wäsche, und fiel todmüde ins Bett.
Am Donnerstagmorgen fuhr ich wieder zum Kunden die A1 runter, am Abend die A1 wieder rauf. Ich erwähne das nicht immer gesondert, aber es ist jeden Tag ein geselliges Ereignis.
Abends wusch ich erneut Wäsche, goß das Gewächshaus, schnitt die Tomatenpflanzen, räumte rum und packte Koffer fürs Wochenende.
Am Freitag stieg ich früh wieder ins Auto und fuhr die A1 runter. Erstaunlicherweise gab es diesmal keinen Stau, nicht im Ansatz, auch nicht vor der Baustelle in Volmarstein; ich war nachhaltig verwirrt und fragte mich mehrere Minuten lang äußerst eindringlich, ob es tatsächlich Freitag und nicht vielleicht schon Wochenende sei. Im Geiste sah ich mich auf einen irritierten Pförtner zulaufen und ihn „Nun auch samstags im Einsatz?“ fragen. Doch es war kein Wochenende, es war tatsächlich Freitag; es fand nur kein Stau statt. Verrückt!
Ich verbrachte den Vormittag beim Kunden. Dann fuhr ich wieder hoch ins Ruhrgebiet. Diesmal hatte alles seine Ordnung: Ich stand gebührend im Pfingststau. In Mülheim übergab ich das Geld des Autoverkaufs vom Montag und wurde im Nachfolgeauto, einem Benz des Baujahrs 1991, Probe gefahren.
Der Wagen gab mir einen wohligen Ausblick aufs Rentnerdasein – während ich zwischen Echtholzfurnier auf meinen gefederten Sitz saß, glitt er brummend durch die Felder. In einem Eiscafé wurde ich für meine Verkaufsdienste mit Spaghettieis bezahlt.
Danach fuhr ich weiter nach Duisburg. In Duisburg sammelte ich C und die Jungs ein, und wir fuhren in die Eifel.
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Brötchenteilung, die Zweite | C und ich haben uns nach dem Blogbeitrag weiter über die Teilung von Brötchen unterhalten, und C hat noch eine entscheidende Variable genannt. Wichtig für die Art der Teilung sei, ob er das Brötchen alleine esse oder mit jemandem teile.
Wenn er das Brötchen alleine esse, sagt C, habe es durchaus seinen Reiz, eine Ein-Drittel-zwei-Drittel-Teilung zugunsten des Fluff vorzunehmen. Teile er das Brötchen allerdings mit jemandem und sei er der Durchschneider (während der Andere sich die Hälfte aussucht), sei zu vermuten, dass der Aussucher sich das größere Drittel greife und er als Durchschneider auf der mickrigen Hälfte sitzenbleibe. Das schmalere Drittel kann C deshalb nur genießen, wenn (Zitat) „ich sicher weiß, dass der Fluff auf mich wartet.“ Also plädiert C bei Brötchenteilung mit Dritten für 50:50.
Feldversuche mit Kindern stehen noch aus und können das Ergebnis in ein völlig anderes Licht rücken. Wir bleiben dran.
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Eifel | In der Eifel verbrachte ich das Wochenende im digital detox. Deutschland bietet bekanntermaßen Landstriche an, in denen man so richtig down to earth sein kann, ohne Neuland, ohne Erreichbarkeit. An so einem Ort war ich.
Ich spielte Tischtennis und nahm an Wasserballschlachten teil, rätselte, spielte Fußball und unternahm einen Ausflug ins nahe Kronenburg.
Es gab Großfamilie, Grillhütte und Gruppenraum, ein Mörderspiel und eine perfide Mörderin, Bitterballen und polnischen Wodka, den Einsatz eines Notfallschnurrbarts und 3D-Wettpuzzeln mit gruppendynamischen Exzessen. Das alles mit 37 Erwachsenen und acht Kindern aus NRW, Bayern, Schleswig-Holstein, Berlin und den Niederlanden.
Vier Tage ohne Außenwelt. Das war sehr schön und erholsam. In zwei Wochen wiederholen wir das mit weniger und anderen Leuten, aber gleichem Prinzip an einem anderen Ort.
Gewitter | Am Morgen Platzregen und ein beeindruckendes Gewitter. Irgendwo in der Nähe schlug der Blitz ein: Es blitzte und krachte gleichzeitig ohrenbetäubend. Die apathische Gartentaube fiel fast vom Baum.
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Drei nicht allzu große Taten | Am Nachmittag fuhr ich zu einem Abschleppdienst. Dort stand seit einem Unfall das Auto eines Freundes, wirtschaftlicher Totalschaden. Weil er selbst nicht zugegen sein konnte, übergab ich das Auto einem Käufer, kassierte das Geld und bezahlte die Standgebühr.
Das war auch schon die größte Tat des Tages, abgesehen vom Rasenmähen, das danach folgte.
Dritte Tat: Ich brachte eine Hose und ein Kleid zur Schneiderin. Die Hose wird gekürzt, das Kleid braucht einen neuen Reißverschluss.
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Relationship Goals | Neulich tauschten C und ich unsere Meinung über Brötchenteilung aus. C schätzt sowohl die untere als auch die obere Brötchenhälfte gleichermaßen; er teilte deshalb ein Brötchen immer so, dass beide Hälften gleich groß sind.
Ich hingegen bin der Meinung, dass die untere Brötchenhälfte flacher zu schneiden ist als die obere, schließlich ist oben der Fluff drin, und Fluff, so will es das Gesetz, muss komplett erhalten bleiben. Außerdem braucht es eine Brötchenhälfte zum Genuss des Brötchens, also ein Verhältnis von viel Brötchen zu Belag, und eine Brötchenhälfte zum Genuss des Belages, also wenig Brötchen im Vergleich zu Belag.
Wir tauschten uns intensiv zu diesem Thema aus. C fuhr eine Testreihe. Sein kritisches Ergebnis: Meine Argumentation ist schlüssig. Er teilt nun ebenso wie ich Brötchen im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel.
Nicht mehr lange, und wir tragen Funktionskleidung im Partnerlook.
Gelesen |Sven möchte ein eBike, hat (Zitat) „lächerlich wenige Anforderungen“ und scheitert daran. Die Kombination „großer Mensch“, „wenig Bumms“ und „Nabenschaltung“ scheint nirgendwo vorgesehen zu sein.
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