Die Party-Evolution: Feierkultur zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr
Früher
Wilde, atemlose Gelage in Kellern und Garagen. Bierbänke und Bowle-Töpfe. Ghettoblaster, Klammerblues und Barfußschwoof. Whiskey-Cola aus der Flasche. Zu essen: Chips in Tüten. Gefummel, Geknutsche. Mit Zungen innerhalb, außerhalb und zwischen Mündern. Und der Gedanke an Sex, allgegenwärtig. Hormone, die man mit den Händen fangen kann. Noch vor Mitternacht: die Bullen. Kotze und Kippen im Vorgarten. Man plant: die Weltrevolution. Außerdem: Drama, mindestens eins, mit Tränen groß wie Kinderhände und vollkommenem Verlust des Lebenssinns. Am nächsten Tag: nachkriegsähnlicher Zustand. Verluste beim Mobiliär. In uneinsehbaren Ecken: Menschen mit Bewussteinsstörung. Aufräumen mit Gartenschlauch und Dampfreiniger.
Zwischendurch
Die Räume nun: gemietet. Zapfanlage, Papiertischdecken und Alu-Aschenbecher. Mitbring-Buffet und Warmhalteplatten – man kann von richtigem Essen sprechen. Für die Raucher draußen: ein Faltpavillon. Die Eltern: nicht mehr peinlich und deshalb eingeladen. Saufen ist ja auch nicht mehr verboten. Es gibt sogar Menschen, die Wasser trinken. Ansonsten: Pärchen, nichts als Pärchen. Und ein paar übrig Gebliebene. Musikanlage mit Lichteffekten. Menschen in unserem Alter, die Foxtrott tanzen. Am nächsten Tag: besenrein bis 12 Uhr. Man schafft es pünktlich.
Heute
Brunch. Tomaten-Mozzarella-Platte und Wurst mit Gesicht. Auch die Großeltern sind da. Schauplatz: Reihenhaus. Die Männer: direkt nach dem Brötchen raus auf die Terrasse, Bauschäden begutachten, Bier trinken, im Matsch stehen. Denn: Die Bepflanzung wird erst im Frühjahr gemacht. Die Frauen: im Haus. Unterhaltungen über Kinder und Handwerker. Nach Stunden: die Männer betrunken, die Frauen müde, die Kinder völlig durch. Trotzdem: Der Letzte geht erst um 20 Uhr. Die Gastgeber: am Ende ihrer Kräfte. Aber sie haben zwischendurch schonmal die Spülmaschine laufen lassen. Zum Glück.
Später
Vermutlich wie zwischendurch. Oder doch nicht?
