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Tourblog #5 Lübeck – Kopenhagen: Test eines Mythos – Radfahren in Kopenhagen

28. 4. 2026 2 Kommentare Aus der Kategorie »Expeditionen«

Prolog | Dies ist der letzte Beitrag zu meiner Reise. Bald gibt’s wieder Alltag.

Wir fuhren nicht nur mit dem Fahrrad in die dänische Hauptstadt – auch in Kopenhagen nahmen wir ausschließlich das Rad. Das war nicht geplant, wir wären auch Metro gefahren. Aber es war einfach das Praktischste. Und erwies sich als wunderbar, um viel zu sehen und Zusammenhänge zu erkennen.


Nach Kopenhagen | Wir kamen aus dem Süden, die Küstenorte entlang, und fuhren über einen der Cycle Superhighways in Kopenhagen ein.

A cycle superhighway is defined both by its location, as well as its physical qualities. The highways connect work, study and residential areas as well as public transportation hubs making it easy to combine a commute with public transport. The routes are marked by road signs as well as orange signage spots in the asphalt making wayfinding easier for commuters – they simply follow the orange C.

Es gibt neun Cycle Superhighways, die Vororte mit Kopenhagen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln verbinden. Hier mehr dazu – mit Videos.

Es ist wirklich ausgesprochen kommod, mit dem Rad nach Kopenhagen einzupendeln. 20 Kilometer scheinen kein Problem zu sein: glatt asphaltierte, breite Wege, Beleuchtung, kein Autokontakt. Man ist sehr schnell, auch mit mittlerer Kondition. Wir fuhren auf Bio-Bikes, mit E-Bike kann man sicher auch weiter (oder noch schneller) einpendeln. Es macht auf jeden Fall Freude. Die Landschaft ist auch hübsch.

Zugegeben, es hat nicht geregnet. Dafür hatten wir satten Gegenwind.


In Kopenhagen | Weiter nach Kopenhagen rein fuhren wir über die Cykelslangen, Fahrradschlange, eine bekannte, knallorangene Fahrradbrücke in Kopenhagen. Sie verbindet den Südhafen mit dem Stadtteil Vesterbro, wo wir unser Hotel hatten. Mega.

Insgesamt verfügt Kopenhagen über rund 16 Brücken, die nur für Fahrräder und Fußgänger geöffnet sind und den Hafen mit verschiedenen Stadtteilen verbinden.

Brücke in Kopenhagen, fotografiert aus der Höhe. Nur Radfahrer und Fußgänger sind auf der Brücke unterwegs.

Dieses Konzept sorgt dafür, dass Fahrradfahrer deutlich schneller und geschmeidiger durch die Stadt kommen als Autofahrer. Wer ein Auto hat, muss Umwege fahren, um dasselbe Ziel zu erreichen.

So sieht es dann aus, wenn man von solch einer Fahrradbrücke runterkommt: Sie führt auf einen getrennten, breiten Fahrradstreifen. Hinter der Kreuzung sieht man: Fahrräder haben ebenso viel Platz wie die Autos.

Auf dem Foto sieht man die Rechtsabbiegerpfeile. Man ordnet sich entsprechend ein. Es ist Usus, Handzeichen zu geben, wenn man links oder rechts abbiegen oder andere überholen möchte. Außerdem hält man die Hand hoch, wenn man jenseits von Kreuzungen anhalten möchte und damit zum Hindernis für die nachfolgenden Radfahrer wird: Rechte Hand hochhalten – ich halte rechts, linke Hand hochhalten – ich halte links. Als wir da waren, haben sich wirklich alle daran gehalten; es gab keine Kamikaze-Fahrer oder Radrowdies.

Eindrücke aus der Stadt:

Auch jenseits der Vorzeigestraßen ist die Infrastruktur extrem gut.

Kopenhagen wird außerdem durchzogen vom Grünen Pfad, Den Grønne Sti, einem Fahrradwegeband, das jenseits der Straßen durch die Wohngebiete führt. Wir nutzten es, aber man ist so hurtig unterwegs, dass ich kein Foto gemacht habe; ich wollte auch kein Verkehrshindernis sein. Hier sieht man Bilder.

Abgesehen von der Infrastruktur fällt aber noch etwas anderes auf: Ich werde respektiert, wenn ich Fahrrad fahre, und bin gleichwertiger Verkehrsteilnehmer. Wenn ein Auto aus einer Einfahrt kommt, bin ich nicht in Lebensgefahr, sondern werde gesehen. Wenn ein Autofahrer rechts abbiegt, über den Fahrradweg hinweg, ebenso. Wenn man gemeinschaftlich auf Straßen und Wegen unterwegs ist, werde ich weder bedrängt noch weggehupt. Es ist klar: Radfahrer sind da, sie sind zurecht da und kein Übel.

Dann sind da noch die vielen Kleinigkeiten, die das Radfahren einfach machen: Muss man über einen Bordstein auf einen Fahrradweg fahren, ist dort eine kleine Rampe. An Ampeln gibt es Track Stands und Love Handles, um sich festzuhalten und nicht absteigen zu müssen. Allerorten gibt es ausreichend Fahrradparkplätze.

Fahrradäher parken vor einer Markthalle.

Einzig fürs Linksabbiegen hat auch Kopenhagen keine wirklich gute Lösung: Fährt man eine Autostraße entlang und muss über den Autoverkehr hinweg links abbiegen, so ist das nicht vorgesehen. Man nimmt den rechten Winkel: erst geradeaus, dann links – mit entsprechenden Wartezeiten an den Ampeln.


Zugfahren | Um mit dem Fahrrad Zug zu fahren, braucht man immer eine Reservierung. Sie ist in aller Regel einfach zu bekommen: Mit der Ticketbuchung in der App der Dänischen Staatsbahn. Es gibt genug Fahrradplätze.

Weil es regnete und schneite, fuhren wir eine Etappe mit dem Regionalzug. Es war ein Doppelstockzug, baugleich zu unseren in Deutschland – mit einem kleinen, aber entscheidenden Unterschied beim Fahrradabteil. In Deutschland haben wir auf beiden Seiten Klappsitze. Auf diesen Klappsitzen sitzen oft Menschen, besonders, wenn der Zug voll ist. Wenn dann jemand mit dem Fahrrad kommt, um es abzustellen, wo es vorgesehen ist, nämlich da, wo jemand sitzt, möchten sie nicht aufstehen. Würde ich auch nicht wollen. Konflikt per Design.

Die Dänen lösen das so:

Sie haben auch Klappsitze. Allerdings nur auf einer Seite des Waggons. Auf der anderen Seite ausschließlich Fahrradständer. Die Ständer sind so designt, dass man zwei Fahrrader gut nebeneinander stellen kann, ohne dass sich die Lenker verkeilen – das ist in deutschen ICs und ICEs nicht so. Man kann sogar das Gepäck dranlassen, so dass es nicht im Gang herumsteht und Mitreisende drübersteigen müssen. Außerdem – ein Blick auf die Pfeile am Boden: An einer Seite des Waggons steigt man mit dem Rad ein, hängt sein Rad in diese Richtung ein, an der anderen Seite steigt man aus. Konfliktminimierung per Design.

Nun kann man sagen: Wenn keine Fahrräder da sind, gehen jede Menge Sitzplätze verloren! Die Sache ist allerdings so: Als wir fuhren, waren wenig Leute unterwegs. Also auch wenig Leute mit Fahrrad. Wenn viele Leute unterwegs sind, sind auch viele mit Fahrrädern dabei. Die Frage stellt sich also nicht.


Die Etappen | Das war meine Fahrradreise von Lübeck nach Kopenhagen:

Demnächst geht’s wieder im normalen Alltag weiter. Und mit Meerschweinfotos.

Kommentare

2 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Chris sagt:

    Ähnliches habe ich in den Niederlanden erlebt. Es ist schön, wenn das zusammen und der Respekt füreinander wirklich funktionieren. Ich erlebe hier in Dresden ja gerade das Gehampel um die Neuplanung der Carolabrücke. Da sind jetzt ernsthaft 4 Spuren für den Autoverkehr in der Planung, obwohl der rückläufig ist. Bis wir auch nur in die Nähe dänischer (oder niederländischer) Verhältnisse kommen, wird es wohl noch sehr lange dauern.

  2. Rudi sagt:

    Wunderbar!
    Da könnte sich die Stadt Wien, und auch die ÖBB ein Scheiberl abschneiden!
    LG Rudi

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