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Tourblog#3 Lübeck – Kopenhagen: Brücken, Tunnel und Fähren – ein Beitrag für den Freundeskreis Ingenieurskunst

20. 4. 2026 Keine Kommentare Aus der Kategorie »Expeditionen«

Prolog |  Heute möchte ich von den Brücken erzählen, die wir überquerten, von den Tunneln, die gebaut werden, und von der Fährfahrt mit dem Fahrrad.


Die erste große Brücke | Als wir am zweiten Tag in Schashagen losfuhren, waren wir wehmütig. Denn die Wohnung dort, die wir nur eine Nacht bewohnten, war ausgesprochen hübsch: In einem alten Haus gelegen, mit großer Küche und einer kleinen Stube.

Eine Perle im Nichts. Mit dem Auto ist möglicherweise alles ganz nah: der Strand, die Promenaden, das Meer. Mit dem Fahrrad war das Haus im Nirgendwo.

Wir fuhren nach Grömitz, frühstückten dort und fuhren weiter durch die Küstenorte. In Großenbrode, kurz vor der Überfahrt nach Fehmarn, machten wir noch einmal Pause, gingen in den Supermarkt und speisten Bananen und Kekse auf dem Parkplatz.

Dann trafen wir auf die erste große Brücke der Reise, knapp einen Kilometer lang: die Fehmarnsundbrücke.

Panoramaaufnahme: links die Brücke im Gegenlicht der Sonne, man erkennt einen Mann und Fahrräder. Der Rad- und Fußwegist schmal und durch eine niedrige Betonwand von der Fahrbahn getrennt. Rechts Wasser und blauer Himmel, in der Ferne Wiesen.

Fußgänger und Fahrradfahrer sind auf dieser Brücke nicht wirklich vorgesehen. Hinter einer niedrigen Betonwand gibt es zwar einen kombinierten Rad- und Fußweg. Aber weder können sich zwei Fahrräder begegnen, noch ein Fahrradfahrer und ein Fußgänger. Vorbeifahrende LKWs sind eine Armlänge entfernt – ein intensives Erlebnis.

Wer Fahrrad fährt, so sagen es Schilder, soll absteigen und schieben: Mit Auf- und Abfahrt auf die Brücke sind das mehr als zwei Kilometer, fast fünf Stadionrunden. Wir fuhren. Denn wir waren fast allein: Auf der Brücke begegnete uns nur ein weiteres Pärchen. Wir hielten an, grüßten uns, tauschen ein paar Worte aus und ließen einander passieren.

Ein Tunnel soll irgendwann in den kommenden Jahren die Fehmarnsundbrücke ersetzen. Vermutlich wird es eher ein Jahrzehnt werden, bis er fertig gestellt ist. Die Brücke allerdings wird bleiben und soll dem Rad- und Fußverkehr sowie dem regionalen Autoverkehr vorbehalten sein. Hoffentlich bekommen Rad- und Fußweg dann mehr Priorität.

Die Brücke vom Flußufer aus

Die Fähre | Wir durchquerten Fehmarn, aßen in Burg ein Brötchen, sahen den Touristen beim Bummeln zu und radelten weiter. Der Wind wehte uns entgegen. Es zog sich. Als wir den Fähranleger erreichten, was es bereits 18 Uhr.

Fahrradfahrer haben hier eine eigene Spur: direkt die erste. Wir hatten sie für uns alleine und parkten unsere Räder neben den Autospuren.

Als die Fähre anlegte, durften wir als erstes los. Wir fuhren zu einem Glashäuschen. Darin: ein Mann, der die Lkws aufs untere Deck einwies. Wir warteten und sahen den Lkws beim Auffahren auf die Fähre zu. Als das untere Deck voll war, durften wir auch rauf. Wir stellten die Räder hinter den Lastwagen ab.

Fahrräder lehnen auf der Fähre an einer Wand. Im Hintergrund ein Deck voller Lkws.

Die Autos parkten ein Deck über uns.

Wir gingen hinauf ans Licht und ließen uns den Wind um die Ohren brausen. Auf dem Schiff: viele Fernfahrer, Pendler, einige Familien. Es begann zu dämmern. Ein Kiosk verkaufte Cola, Chips und Schokoriegel.

Wer als letztes auffährt, darf nicht als erstes wieder runter: Wir warteten bei unseren Rädern, bis die Lkws anfuhren, und verließen hinter dem letzten die Fähre.

Unsere Unterkunft: Hages Badehotel in Rødby, einen Katzensprung vom Hafen entfernt. Zum Abendessen gab es Spezialitäten aus der Convenience-Theke des örtlichen Discounters.


Der Tunnel | Am nächsten Tag besuchten wir die große Tunnelbaustelle. Denn die Fähre wird es in dieser Form bald nicht mehr geben. Der 18 Kilometer lange Fehmarnbelttunnel wir sie ersetzen.

Ich fühlte mich an den Braunkohletagebau erinnert.

In der Mitte, etwas dunkler als der Rest, sieht man das zukünftige Tunnelportal, die Einfahrt in den Tunnel.

Der Fehmarnbelttunnel wird der längste und tiefste kombinierte Straßen- und Eisenbahntunnel der Welt. Statt 45 Minuten Fähre – mit Wartenzeit noch länger – wird man in Zukunft nur noch zehn Minuten von Fehmarn nach Dänemark brauchen, mit dem Zug noch weniger. Der Tunnel ist Teil der Vogelfluglinie, der direktesten denkbaren Verbindung zwischen Hamburg und Kopenhagen.

Der Fehmarnbelttunnel ist ein Absenktunnel. Das heißt: Er liegt auf dem Meeresboden auf. Die Senkkästen, aus denen der Tunnel besteht, werden an Land gefertigt, auf den präparierten Meeresboden heruntergelassen und dort miteinander verbunden.

Die Tunnelelemente werden direkt vor Ort hergestellt: Auf dem Baustellenfoto oben sieht man auf 9 Uhr schimmernde Dächer. Das ist die Tunnelfabrik. Sie besteht aus drei Produktionshallen, die ziemlich groß sind: 240 Meter lang, 200 Meter breit und 30 Meter hoch. In jede Halle passen sieben Jumbo Jets. In den Hallen werden die Tunnelemente gefertigt: 79 Standard- und zehn Spezialkästen.

Grafik der Absenkelemente mit mehreren Röhren

Auf der Tunnelbaustelle und in der Fabrik arbeiten durchgehend zwischen 3.000 und 4.000 Beschäftigte. Es gibt eine eigene Containerstadt (Tunnel By) neben dem Areal, in der die Menschen wohnen.

Der Reiseleiter fuhr sich auf der Baustelle irgendwas in den Reifen und bekam einen Platten.


Die zweite große Brücke |  Die Fähre und später der Tunnel führen auf die dänische Insel Lolland. Auf ihr: die Euro-Velo-Route 10, der Ostseeküstenradweg.

Laternenpfahl mit Aufklebern: Pilgrumsroute, Radsymbol und Schrift "Hamburg - Copenhagen"

Wir bogen alsbald auf den Radweg ab. Man kann ihn gut fahren – auch wenn Lolland im April etwas zermürbend ist. Dafür kann der Radweg aber nichts.

Schönste Rast: Maribo.

Panoramaaufnahme: Links eine Kirche, in der Mitte ein Mann an einem Tisch, neben zwei Fahrräder, rechts zieht sich ein See mit einem Steg ins Bild.

An der Kirche befand sich, wie fast überall in Dänemark, ein Friedhof. Auf dem Friedhof fand, während wir Käse aßen und Kakao tranken, eine Beerdigung statt. Wir hielten uns im Hintergrund und verschoben das Flanieren, bis die Beisetzung beendet war und die Trauergemeinde den Friedhof verlassen hatte.

Wir durchquerten Lolland in einem Tag und fuhren am Abend auf die Insel Falster. Auch diesmal fuhren wir über eine Brücke; wie sie aussah, habe ich allerdings vergessen. Es muss in Nykøbing gewesen sein, ich war bereits müde und offensichtlich unaufmerksam. Oder die Brücke war kein Foto wert. Ich glaube, es war beides.

Am nächsten Tag führte uns eine Brücke von der Insel Falster hinunter, die nicht zu übersehen war, auch nicht bei Müdigkeit: die neue Storstrømsbroen, offiziell auch Dronning Margrethe II’s Bro. Sie ist frisch eröffnet, aber noch nicht eingeweiht; das passiert im Juni. Der Bahnverkehr nutzt noch die alte Brücke.

Im Gegensatz zur Fehmarnsundbrücke gibt es auf der Storstrømsbroen einen ordentlichen Fuß- und Radweg, mit einem Geländer von der Fahrbahn getrennt, und ausreichend breit.

Ein Radweg auf einer Brücke, durch ein Geländer abgetrennt von der Fahrbahn. Ein großer Brückenträger fächert sich darüber aus. Ein Fahrrad lehnt am Geländer.

Die Storstrømsbroen ist viermal länger als die Fehmarnsundbrücke, knapp vier Kilometer (Luftbild). Man fährt zunächst zwei Kilometer leicht bergauf und dann, ab dem zentralen Pylonen, leicht bergab. Trampeln mussten wir hinauf wie hinab – wegen des Gegenwindes. Die Brücke schwingt dabei gehörig – zumindest tat sie das, als wir drüberfuhren. Ich habe es nicht sofort bemerkt, sondern hatte zunächst nur ein diffuses Übelkeitsgefühl. Möglicherweise lag es am starken Wind. Im Auto wird man es nicht wahrnehmen.

Wieder unten, fühlte ich mich an Fontane erinnert:

„Wann treffen wir drei wieder zusamm?“
„Um die siebente Stund, am Brückendamm.“
„Am Mittelpfeiler.“
„Ich lösche die Flamm.“
„Ich mit.“
„Ich komme vom Norden her.“
„Und ich vom Süden.“
„Und ich vom Meer.“
„Hei, das gibt einen Ringelreihn,
Und die Brücke muß in den Grund hinein.“
„Und der Zug, der in die Brücke tritt
Um die siebente Stund?“
„Ei, der muß mit“
„Muß mit.“
„Tand, Tand
Ist das Gebilde von Menschenhand!“


Die Zahlen | Baustellen sind eine hervorragende Gelegenheit, sich mit dänischen Zahlen vertraut zu machen. Ständig wird über Länge und Breiten gesprochen, wie viele Menschen wo arbeiten, was wie viel wiegt und wie viele Tonnen verbaut werden.

Wenn Sie zu dem Personenkreis gehören, der bereits das französische Zahlensystem als unangenehm verkopft empfindet – quatres-vingt, vier 20er gleich 80 -, werden Sie den dänischen Zahlen mit Skepsis gegenüberstehen. Während die Franzosen immerhin noch mit ganzen Zahlen rechnen, multiplizieren die Dänen wild mit halben: 50 sind halv-tredje sinde tyve, 2 ½ x 20, 70 sind halv-fjerde sinde tyve, 3 ½ x 20 und 90 sind halv-femte sinde tyve, also 4 ½ x 20. Weil die Wörter durch die Rechnerei unpraktisch lang werden, kürzt man sie ab: 50 sind halvtreds, 70 sind halvfjerds und 90 sind halvfems. Und weil die Dänen nichts so aussprechen, wie man es schreibt, hören sie sich die Zahlen ganz anders an.


Die Etappen | Auf der nächsten Etappe erzähle ich von der dänischen Entscheidung, konsequent für Wohlbefinden zu sorgen. Das Tourblog:

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