Früher Vogel | Ich stand noch einmal früh auf und fuhr Schnucken gucken.

Es war neblig. Der Dunst lag schwer in den Feldern. Die Sonne brauchte fast zwei Stunden, bis ich sie sehen konnte.
Ich fuhr mich selbst über die Lippe – mit der Fähre Maifisch. Man steigt hinauf, dreht an einem großen Rad, das eine Kette bewegt, die die Fähre zieht. Self Service Ferry.

Krähen krächzten, Reiher standen nahbei, Vögel riefen, Tropfen fielen von den Bäumen ins Wasser. Auf der anderen Seite des Flusses: das Dorf und die Bäckerei, Feiertagsbrötchen.
Später in der Heide viel Gespinst. Ich traf eine Frau aus der nahe gelegenen Großstadt, die öfter morgens hierhin fährt, weil die Luft feucht ist und die sandigen Wege noch fest sind, weil die Spinnweben so schön in der Morgensonne glänzen und noch keine Spaziergänger da sind.

Entwicklung | So langsam regt sich Lebkuchenhunger.
Häusliches | Ich buk noch einmal Pflaumenkuchen. Jetzt reicht es aber auch damit.
Der Garten schenkte nach den warmen Tagen noch einmal reichlich Tomaten. Ich kochte eine Soße und machte sie in Gläsern ein. Wenn ich einmache, fühle ich mich immer sehr tüchtig, kompetent und hausfräulich – wie jemand, der mit Gläsern in einem Holzregal eine ganze Familie durch den Winter bringt.

Tatsächlich sind es nur zwei Gläser geworden, weil wir die übrige Soße direkt weggefuttert haben.
Gesehen | Adams Acht. Film über Ratzeburgs Ruder-Achter und seinen Trainer Karl Adam, der erste Deutschlandachter, der nach dem Zweiten Weltkrieg eine Goldmedaille gewann. Gut inszenierte Nachkriegszeit mit all ihren Spannungen. Ich erzählte meinem Vater, dass ich im Kino war, und als ich gerade ansetzte zu erklären, sagte er: „Ratzeburgs Adam – Kind! Weißt du, wie alt ich bin? Das brauchst du mir nicht erkären, das habe ich alles erlebt!“
Gelesen | Moa Herngren: Geschwister, aus dem Schwedischen von Katharina Martl. Der Vater stirbt und bringt die erwachsenen Geschwister Andrea, Ulrika und Rasmus zusammen. Ein Geheimnis, von dem nur Ulrika und die Mutter wussten, bricht auf – ebenso wie Jahrzehnte gehegte Gefühle. Hört sich kitschig ist, ist aber gut aufbereitet. Moa Herngren seziert insbesondere die Schwestern nüchtern und schonungslos. Nur das Kapitel über den Bruder ist blass.
Gehört | Anne Will spricht mit Nicole Diekmann und Lilly Blaudszun: Die AfD schlagen – geht das mit Social Media? Interessante Einblicke und pointierte Analysen von zwei klugen Frauen.
Und sonst | Heute beim Kunden gab es nicht einfach Kekse, sondern Pasticcini Sicialiani, fluffiges italienisches Mandelgebäck in verschiedener Ausführung, mit Schokolade, ohne Schokolade, mit und ohne Marmelade, mit Puderzucker und ohne alles. Habe dem Kunden zurückgemeldet, dass er beim zeitlich unbegrenzten Kundenkeksturnier direktemang aufs Treppchen durchmarschiert ist.
Schweine | Liebe oder Kampf, wer weiß das schon so genau.

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