Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ein Ausflug an den Neckar, wirre Träume und atlantischer Seegang

15. 10. 2026 Keine Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Ausflug | Am Freitag setzte ich mich in den Zug und fuhr nach Heidelberg. Das klingt mühelos, war es jedoch nicht. Die gebuchte Verbindung lag in Schutt und Asche, ich erwischte einen verspäteten ICE nach München, in Mannheim waren die S-Bahnen unpünktlich und die Informationssituation unklar. An den Bahnsteigen bittere Kälte, kurz vor Mütze, es zog wie Hechtsuppe. Letztendlich kam ich sogar früher in Heidelberg an als mit der Ursprungsverbindung, es fühlte sich jedoch später an.

Die Turnschwester nahm mich in Empfang. Wir dinierten, unseren Gebräuchen folgend, im Salerno in Neuenheim, nahmen geistige Getränke zu uns und flanierten, leicht einen im Schuh, heim.

Am nächsten Tag bestes Wetter.

Foto von der Mitte der Neckarbrücke auf den Neckar mit Heidelberg links und rechts. Das Wasserkräuselt sich vom Wind. Am Himmel Schäfchenwolken.

Eine Freundin stieß zu uns: Die liebe Steffi hatte tags zuvor das Frauenfußballspiel Deutschland gegen Australien journalistisch begleitet und kam aus Karlsruhe herübergecruist.

Wir frühstückten und taten anschließend nichts von Belang, lustwandelten am Neckar entlang, ließen uns durch die Geschäfte treiben, berieten uns in Modefragen und kauften mediterrane Häppchen, die wir – wieder zu Hause – verspeisten.

Am Abend besuchten wir das Basketballspiel der MLP Academics gegen SBB Börde Baskets aus Wolmirstedt (Bericht) – wobei wir zunächst schauten, wo Wolmirstedt ist (Erkenntnis: bei Magdeburg). Die Wolmirstedter dominierten über alle vier Viertel das Spiel; ein schöner Basketball, viele verwandelte Dreier, gelungene Spielzüge. Ich durfte das aber nicht laut sagen, denn wir waren ja für die Heidelberger da.

Männer spielen dynamisch Basketball in einer gut besetzten Halle. Eine Mannschaft träge rosa Trikots.

Passend zum Pinktober, dem Aktionsmonat gegen Brustkrebs, spielten die Academics in rosa Trikots. Man konnte die Triktos auch am Fan-Stand erwerben, ich sah jedoch davon ab: Mit 48 Jahren weiß ich, welches Kleidungsstück etwas für mich tut und welches nicht. Stattdessen kaufte ich mir rosa Pinktober-Sportsocken. Sie werden mich im Fitnessstudio hervorragend kleiden.

In den Pausen tanzten Cheerleader. Ich erlebe diesen Brauch stets mit leichtem Befremden: Während Männer den Sport betreiben, den man mit Eintritt und Bezahlung honoriert, tanzen die Damen leicht bekleidet am Rand. Auch wenn Cheerleading unbestritten Training, Übung und Talent verlangt, bleibt für mich ein fader Beigeschmack.

In der Nacht träumte ich, dass ich beim Sponsor aus Wolmirstedt – SBB, der Segment-Behälter-Bau GmbH – als Azubi im Anlagenbau beginnen würde. Der Traum war, als ich ihn träumte, völlig schlüssig, im Nachgang jedoch äußerst wirr: Es kamen Basketballer, ein frei laufender Bär und das Technische Hilfswerk drin vor. Grundsätzlich gefiel mir der Job aber gut.

Am Sonntag frühstückten wir im Schriesheimer Marktcafé – eine weitere kulinarische Tradition, die ich sehr schätze. Anschließend spazierten wir durch die Weinberge und genossen die Sonne. Dann fuhren wir heim.


Lesung | Ich habe mit meinem Lesungstext begonnen. Die Worte fielen mir ein, als ich – noch im Banne des Azubi-Traums – auf dem Handschuhsheimer Schlafsofa erwachte. Ich notierte sie direkt.

Rocky - Die Lesung: 24. Oktober 2026, 19 Uhr, Boxwerk, Schwindstraße 14, München

Vor der Lesung werde ich noch einmal zum Friseur gehen, damit ich auf dem Kopf in Ordnung bin. Außerdem ist das Lesungsoutfit eingetroffen. Die große Frage ist jedoch, ob ich damit im Anschluss auch in die Kneipe gehen möchte. In Duisburg wäre die Kleidung vollkommen angemessen. Wir befinden uns jedoch in München, und ich möchte nicht unangenehm auffallen.

Hinweis für Anreisende: Einlass ist bereits ab 18:15 Uhr. Wir wissen nicht, wie viele Menschen kommen und ob alle sitzen können. Ich empfehle ein frühes Eintreffen – oder bequemes Schuhwerk beziehungsweise ein Sitzkissen, so dass man auch ohne Stuhl kommod zuhören kann.


Leibesertüchtigung | Der Spaziergang in Schriesheim war sehr schön. Ich wiederholte das Konzept am nächsten Morgen daheim, packte mir einen Rucksack auf den Rücken, brachte Bücher in den Bücherschrank, ein Paket weg und marschierte acht Kilometer durch Feld und Wald. Das war hervorragend.

Waldweg. Sonne blinzelt durch die Bäume.

Es groovt sich ein, dass ich – auch ohne Freibad – einmal in der Woche schwimmen gehe, jeweils 3.000 Meter, 120 Bahnen. Am besten geht das morgens um 7 Uhr: Ich bringe K1 zum Schulbus in die Stadt und fahre danach ins Hallenbad. Zwischen 7 und 8 Uhr sind viele Rentnerinnen und Rentner im Becken, dann wechselt das Publikum zum Schulschwimmen, zwanzig Teenager springen ins Becken, die Rentner fliehen, der Seegang wird atlantisch, und neben den Schulschwimmbahnen wird paradiesisch Platz frei. Um 9 Uhr bin ich daheim, frühstücke und beginne anschließend mit der Arbeit.


Gesehen | Inas Nacht mit zwei Daniels: Daniel Günther und Daniel Donskoy. Ich erfuhr, dass Daniel Günther beim Auto- und Busfahren schlecht wird, genauso wie mir. Sofortiges Solidaritätsgefühl.

Gelesen | Daniel Drepper, Investigativjournalist und Mitgründer des Recherche-Netzwerks Correctiv, gründet seine eigene Redaktion: Otter News, eine Klima- und Umweltredaktion. In seinem Newsletter erzählt er darüber. Zum Start benötigt er 3.000 Otter, die ihn bei der investigativen Recherche zu Klima- und Umweltthemen unterstützen. Für 8 Euro im Monat kann man Daniel unterstützen. Ich bin dabei und kann es Euch nur wärmstens ans Herz legen – in Zeiten, in denen guter Journalismus wichtiger denn je ist. Daniel ist wirklich ein top Journalist: integer, engagiert und fachlich hervorragend – ich durfte ihn in seinem Studium an der TU Dortmund als Dozentin begleiten. Im vergangenen Jahr war er Niemann Fellow an der Harvard University in New York. Dort hat er sich nochmal weitergebildet und international vernetzt. Mehr zu ihm bei der Wikipedia.

Gelesen | Franziska Bluhm hat in ihrem jüngsten Newsletter StrateKI Breakfast Club Forschungserlebnisse zu den Folgen von KI-Nutzung zusammengefasst. Zusammenfassung: KI macht uns dümmer und unkreativer – allerdings kommt es stark darauf an, wie wir sie einsetzen.


Vorschlagsliste | Keine neuen Fragen oder Themen auf der Vorschlagsliste. Das ist Ihre Gelegenheit!


Und sonst | Ich bin nun Mitglied des dffw, des Dortmunder Forums Frau und Wirtschaft – ein wunderbar warmherziges und stärkendes Netzwerk kompetenter Frauen: Geschäftsführerinnen und weibliche Führungskräfte, Selbstständige und Expertinnen aus ganz unterschiedlichen Branchen und Unternehmen. Der Afterwork Talk, den ich diese Woche besuchte, war super. Ich hätte bis Mitternacht bleiben und mich austauschen können, so viele interessante Frauen waren da.


Schweine | Nach dem Housekeeping bekommen die Schweine immer etwas Leckeres – als Kompensation für die unmenschliche Belastung, die sie durchleiden müssen, während ich durchfeudele.

Drei Meerschweine sitzen im frisch gefeudelten Stall und mampfen Petersilie.

Ein staksiges Jung-Rotkehlchen begleitete mich interessiert beim Saubermachen. Es ist neu im Garten, freundlich und vorwitzig. Ich hoffe, es bleibt lange bei uns, und fällt mit seiner Neugier und Unbedarfheit keiner Hauskatze zum Opfer.

Rotkehlchen vor dem Schweinestall
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