Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Die Grand Dame ist tot

9. 9. 2026 5 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Schweine | Wir beginnen mit dem, was sonst zum Schluss kommt.

Das entrückte Schwein hatte einen guten Grund, entrückt zu sein: Es starb. Unsere Schweine-Oma Finja, sieben Jahre alt, hat nach und nach sämtliche Aktivitäten eingestellt. Sie lag viel, fraß kaum, auch keinen Heubrei. Sie wollte nichts mehr. Wir versorgten sie mit Schmerzmitteln, best supportive care – sie wurde zum Palliativschwein. Bei der Medikamentengabe in der Ambulanz:

Schwarz-weißes Meerschwein liegt auf einem Platzdeckchen in der Küche

Am Montag starb sie wie eine Grand Dame: präsent, mit großer Würde und aufrecht wie die Sphinx. Sie war die Grand Old Lady der Wiese, die Stilikone des Gartens. Sie liebte Ausflüge und Tomaten, Frühling, das Rosenbeet und Petersilie. Sie war Mentorin, Role Model und Ausbildungsleitung der Jungschweine. Ein kluges und freundliches Schwein, aufmerksam und herzenswarm.

Das Pionierschwein blieb vier Tage an ihrer Seite, bis sie starb – ein duldsames Sterbebegleitschwein, das ihr nie zu nah, aber auch nie weit weg war. Es war rührend.

Ein teilnahmesloses schwarz-weißes Meerschwein, daneben ein braunes Schwein, rege.

Ende dieser Woche ist Beisetzung – dann sind alle Kinder da, wir haben ausreichend Ruhe, und auch die Ursprungsfamilie kann dazukommen. Das Schwein zog einst als Witwe zu uns; die Herkunftsfamilie hat ihren Lebensabend auf Instagram verfolgt.

Bis zur Beerdigung liegt die Grand Dame eingetuppert im Kühlschrank in der Gemüseschublade. Die Trauergemeinde bereitet den Abschied vor.

Ein kleiner Kranz aus Trockenblumen in einer Tupperdose, eine Grabkerze, Stifte.

Bemerknis aus dem Broterwerb | „Es läuft zum Kunden so gut, weil es intern so gut läuft.“ Dieser Satz begegnete mir bei einem Kundentermin, und es ist so viel dran, dass ich ihn hier weitergebe.

Ich fragte nach, was „es läuft intern gut“ heißt. Die Antworten der Mitarbeitenden: Ich kann immer um Rat fragen. Ich darf Fehler machen. Ich weiß genau, was ich entscheiden darf. Wir haben klare Abläufe, dürfen darin aber frei agieren. Der Chef stärkt mir gegenüber Kunden und Lieferanten den Rücken, auch in Konflikten.


Dortmunder Hafen | Am Wochenende durfte ich eine Führung durch den Dortmunder Hafen genießen. Er ist der größte Kanalhafen Europas – mit zehn Hafenbecken, elf Kilometer Uferlänge und Anbindung an Amsterdam, Rotterdam, Antwerpen und die deutschen Seehäfen. Amazon und Ikea bekommen ihre Waren über den Hafen.

Wir sahen uns die Entwicklung im Hafen an, die Projekte, die schon umgesetzt sind, und das, was geplant ist. Der Hafen hat dreizehn Hektar Entwicklungsfläche. Fast 300 Millionen Euro Investitionen sind geplant. Unter anderem zieht die Borussia Brauerei in eines der Gebäude, saniert es und baut es zu einem Treffpunkt für Bierkultur und Stadtleben aus. Das dänische Architekturbüro Cobe macht aus einer Industriehalle eine offenen Campusstadt. Auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs entsteht ein modernes ICE-Werk. Hinzu kommen viele kleinere Projekte, Kreativorte und Gastronomien. Das wird alles großartig.

Zum Weitergucken: der Dortmunder Street-Art Künstler Dennis Klatt, Heimathafen Nordstadt, Fraunhofer-Institut für Software und Systemtechnik im Dortmunder Hafen, Lensing Media Port in der Speicherstraße, die Lerngastronomie Nansen, ausschließlich vegetarisch und vegan (und lecker, tolles Ambiente und sympathische Leute, ich war dort schon) und die Ausstellung „Intuitive Fotografie“.

Auf der Akademie für Theater und Digitalität – vor drei Jahren eröffnet – wächst ein Wald aus 30 Bäumen.

Schwarzes Gebäude vor blauem Himmel mit Wolken, darauf sieht man Bäume.

Wer das alles mit eigenen Augen sehen möchte, findet in Annette Kritzler von den Borsigplatzverführungen eine kundige Erklärerin.


Wahlgeschehen | In mir ist ein Gedankenwust, ob ich etwas zur Wahl vom Wochenende schreibe. Und wenn ja, was.


Gelesen | Roy Jacobsen: Der Sommer, in dem Linda schwimmen lernte, aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs. Finn wohnt mit seiner Mutter in einer Genossenschaftswohnung am Rande von Oslo. Die Mutter gibt ihr Bestes, den Sohn durchzubringen, arbeitet in einem Schuhgeschäft und nimmt einen Untermieter auf, damit zusätzlich Geld reinkommt. Dann kommt Linda in die Familie, die Tochter ihres Ex-Mannes. Finn bekommt eine Schwester – und verliert in diesem Sommer Stück Kindheit. Die Geschichte ist warm und zugleich unsentimental aus der Perspektive eines Zehnjährigen erzählt. Ein Buch, das mich darin bestärkt: Man darf Kindern viel zumuten – muss aber immer in Verbindung bleiben und viel erklären.

Gelesen | Herr Buddenbohm war in der Ausstellung „This is the modern world“ der Hamburger Kunsthalle – eine Ausstellung, auf die ich bei meinen vergangenen Hamburg-Besuchen bewusst verzichtet habe. Der Stil der Bilder … wie soll ich sagen … erquickt meine Seele nicht, und ich bin, wenn mir eine Kunst oder eine Epoche nicht gefällt, bisweilen recht unversöhnlich. Jedoch: Das ist ausschließlich meine Perspektive. Herr Buddenbohm ist mit großer Freude erfüllt, war es schon immer, was diese Periode und diesen Stil angeht. Lesen Sie deshalb gerne über sein Vergnügen.


Jingle Bells | Vom Freibad direkt in den Advent. Es fühlte sich etwas surreal an.

Beine in kurzer Hose und Adiletten, die vor einem Supermarktregal mit Weihnachtssüßwaren stehen.

Vorschlagsliste | Eine Frage von der Themen-Vorschlagsliste: Wie hat sich der Trommelkomposter bewährt? Gibt es Momente, wo Sie der Garten stresst?“

Mit dem Trommelkomposter bin ich sehr zufrieden (Bericht von der Anschaffung). Er tut, was er soll: schöne, nachrhafte Komposterde machen. Aktueller Blick hinein:

Manko: Er ist ziemlich schwierig herumzudrehen, man sollte für dieses Modell nicht kleiner und weniger kräftiger sein als ich. Das Konstrukt könnte außerdem ein bisschen stabiler sein: Der Stift, den man rauszieht, bevor man die Trommel dreht, ist nicht vertrauenerweckend. Andererseits hält der Komposter seit sechs Jahren – insofern alles prima. Ich fülle ihn mit Grünschnitt und Blättern, Eierschalen und Resten aus Blumentöpfen, dazu Kaffeeprütt aus der Siebträgermaschine. Gemüse- und Obstreste sind auch dabei; die meisten Reste – Möhrenschalen, Apfelknust, das Innere der Paprika – fressen allerdings die Schweine.

Blick in den Trommelkmposter auf (zumeist) Erde. Man sieht ein paar Stiele und Eierschalen.

Momente, in denen der Garten stresst? Wenige. Wenn es Größeres zu erledigen gibt. Nächstes Jahr müssen wir beispielsweise zwei Hochbeete austauschen. Also: Große Mengen Erde wegschaufeln, Beete aufbauen, große Mengen Erde wieder reinschaufeln. Das ist nervig und macht keine Freude – aber ist nicht wirklich Stress. Manchmal sehe ich, dass Dinge im Garten gemacht werden müssen. Doof ist, wenn ich gerade keine Zeit habe. Beziehungsweise: Wenn andere Dinge gerade wichtiger sind. Dann sprießt halt Unkraut, oder es gibt dann doch keine Kartoffeln im Beet.


Schweine | Minus eins.

Drei Meerschweine im Garten
Kommentare

5 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. PaulineM sagt:

    Die Schweine-Oma war ein Liebling der Internet-Freunde und wird vermisst. Und Hut ab vor dem Pionier-Schwein – ein echter Freund und Begleiter.

  2. Ina sagt:

    Machs gut, Finja. Du hattest es richtig gut in deinem letzten Zuhause und wurdest beim endgültigen entrücken liebevoll umsorgt, von Mensch und Pionierschwein, das ist schön.

  3. Sandra sagt:

    Ach je, aber würdevoll und immer noch frisch frisiert…Das zeugt von einer Grandezza die eine wahre Grand Dame ausmacht!
    (Ich erwarte Bilder von den Busladungen der Royals die hoffentlich zahlreich Anreisen! ;-) ;-) ;-) )
    Sie hatte einen feinen Lebensabend und wird ihn ausgiebig genossen haben!

  4. Berit sagt:

    Zum Wahlergebnis eine …ich weiß gar nicht ob Anekdote nicht sogar das falsche Wort ist, viell einfach ein Lebensausschnitt vom eigenen Abendbrottisch, der im schönen Sachsen steht:

    Kind: „Wenn die bei uns dann auch gewinnen, fehlt ja dann bald die Hälfte meiner Klasse.“
    Ich: „Ja…ja, das kann sein.“

    Beklemmung, weil es einfach nicht mehr fern und unwahrscheinlich ist, kein Zitat das man mit „Ach Quatsch“ abwedeln kann. Ich ging an diesem Abend lange aber ergebnislos spazieren. Große Fragezeichen im Freundeskreis, es gibt keine Patentlösung, am Ende ist jede Aktion, egal wie klein, wertvoll und richtig.

    Nur um am Ende wieder lesen zu dürfen, das dies ein ostdeutsches Problem ist und was denn mit „den da drüben“ los ist, oder einem gönnerhaft die Welt erklärt wird.

    1. Vanessa sagt:

      Ich halte es weniger für einen Ost-West- als für ein Stadt-Land-Unterschied. Die abhhängige Variable scheint mir eher die Ländlichkeit zu sein – auch wenn einzelne Ergebnisse aus Städten dem widersprechen.

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