Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Doch kein Abschwimmen und ein entrücktes Schwein

31. 8. 2026 Keine Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Prolog | Dieser Beitrag entsteht in einem Hotelzimmer in Damme, Niedersachsen.

Hotelzommer mit einem großen Bett (rechts), einem Ohrensessen vor einem Terrassenfenster (geradeaus) und einem Schreibtisch (links)

Freibad | Das Freibad, mein Hausfreibad, hat Karibische Nacht gefeiert, ein großes Fest mit Bühne, Live-Band, Nachtschwimmen, Smoothies, Waffeln, Würstchen, Cocktails und DJ. Es findet jedes Jahr zum Ende der Sommerferien statt und ist ein großes Ereignis im Dorf. Ein tolles Orga-Team ist viele Tage lang auf den Beinen, dazu verschiedene Vereine und viele Freiwillige. Ich habe mich am Spülstand für schöne Schwimmstunden revanchiert. Von 20 bis 22 Uhr regnete es aus Kübel. Danach war es trocken, und es wurde ein rauschendes Fest.

Am nächsten Tag Abschwimmen, letzter Freibadtag. Ich ließ mich zu Wasser und schwamm 3.000 Meter, 60 wunderbare Bahnen durch Sonnenschein, prasselnden Regen und sanften Wind. Es war fantastisch und eines Abschlusses würdig.

EIngang zum Freibad Sythen mit Drehkreuz, im Hintergrund die Becken

Heute erfuhr ich, dass das Freibad die Saison verlängert und noch zwei weitere Wochen öffnet. Ich fühle großes Glück.

(Es ist auch noch zu warm für einen Freibadabschluss. Am letzten Freibadtag muss man durch auf dem Wasser treibendes Blattwerk schwimmen, bibbernd aus dem Becken kommen, durch eine steife Brise zur Dusche laufen und am ganzen Körper fühlen: Ja, das war es, es ist genug.)


Post für Sie | Ich veröffentlichte einen Newsletter zur Frage: Warum ist jemand motiviert und warum nicht? Sie können ihn hier nachlesen. Falls Sie auch meinen Newsletter bekommen möchten – ich versende ihn ungefähr einmal im Monat -, können Sie ihn hier abonnieren.

Die Septemberausgabe wird mein Praktikant Paul gestalten. Er wird darüber schreiben, wie er die Praktikumszeit erlebt, wie sein Blick auf meine Arbeit ist, was er aus seinem Studium der Soziologie wiedererkennt und was seine wesentlichen Erkenntnisse sind.


Garten | Spätsommerfreuden: Die Fette Henne blüht, die Bienen und Hummeln rasten aus.

Zwei Hummeln in einem großen rosa Blütenpuschel

Oldie, but Goldie | Vor dem Wochenende war ich beim Friseur, und ich habe festgestellt: Ich bekomme graue Haare. Das ist eine gute Nachricht. Ich dachte schon, ich sei ein Zombi.


Vorschlagsliste | Bevor die Sommerferien endgültig vorbei sind, hier eine Frage von der Vorschlagsliste, die noch Sommer- und Urlaubsbezug hat: „Wie sieht ein perfekter Urlaubstag für dich aus?“

Ich habe keine Vorlieben. Der einzelne Urlaubstag kann sowohl faul als auch aktiv sein, in der Natur oder in der Stadt; alles finde ich super. Nur jeweils nicht zehn Tage am Stück.

Ich mag es, nichts zu tun: im Bett bleiben, lesen, nochmal einschlafen, zu Hause rumpruscheln, aufs Sofa gehen, eine Serie gucken, wieder einschlafen … besonders an regnerischen Herbst- oder Wintertagen. Die gleichen Tätigkeiten mag ich auch an Urlaubsorten, kombiniert mit frischer Luft, einem Museumsbesuch und, ganz wichtig, einem Gang ins Café. Dort wieder lesen, Leute angucken. Ich mag deshalb auch Winterurlaube, beispielsweise an der See.

Gleichermaßen – und Sie ahnen es schon, wenn Sie hier länger lesen -, sind auch aktive Urlaubstage perfekte Urlaubstage: Radreise, Wandern, sowas. Es darf anstrengend sein, ich bin leidensfähig. Das Gute an diesen Aktivtagen: Ich habe keine Kapazitäten, über irgendetwas nachzudenken. Alles Blut geht in die Beine, fürs Hirn bleibt nichts übrig.

Kurzum: Es gibt keinen perfekten Urlaubstag, nur einen perfekten Urlaubstag im Kontext des Gesamturlaubs.


Lokaljournalismus | Das Netzwerk Recherche, eine Vereinigung von investigativ arbeitenden Journalistinnen und Journalisten, hat ein Lokaljournalismus-Fellowship gestartet. Reporter:innen erhalten Stipendien, dank derer sie sich mehrere Monate lang voll auf eine Recherche zu konzentrieren können. Hintergrund ist, dass der Lokaljournalismus immer mehr ausdünnt; in manchen Landkreisen gibt es gar keine Redaktion mehr. Die ersten Recherchen sind nun online: Es geht um um Ausbeutung in der 24-Stunden-Pflege, um Rechtsextremismus in Mecklenburg-Vorpommern, um Wohnbedingungen in Münster, um Maskendeals in Baden-Württemberg und um rechtsextrem Kampfsport in Unterfranken. (via Daniel Drepper)


Geguckt | Während ich diesen Beitrag tippe, läuft im Hotelfernseher „Land unter Druck – 50 Stimmen aus dem Volk“ in der ARD. Die Stimmen sind erstaunlich klar und nachvollziehbar: Bürgerinnen und Bürger, Bürgermeisterinnen, Landräte und Engagierte aus Vereinen erzählen, wie sie Demokratie vor Ort erleben, worüber sie sich sorgen und was die Herausforderungen in den Kommunen sind.

Gelesen | Timo Feldhaus schreibt in derfreitag zum Freibadsterben und zur Leere in den ländlichen Freibädern [€]. Was ich auch erlebe: Das Freibad ist an vielen Sommertagen, wenn es nicht gerade 34 Grad heißt ist, erstaunlich leer.

Wieso ist hier niemand? Obwohl in Quakenbrück […] nicht nur genauso viele Menschen leben wie um 1990, sondern sogar 34 Prozent mehr! […]

Die Leute kommen nicht mehr, denn sie haben heute eigene Pools. Die haben zu Hause, haben sich selbst was in den Garten gestellt. So einen aufklappbaren Pool kann man offenbar für 400 Euro kaufen, es passen 17.000 Liter Wasser hinein, und wieder ist da der Hauch der Gefahr, des Rückzugs, das Symptom der Atomisierung der Gesellschaft. Die Jugendlichen wollen nicht mehr in Grüppchen auf andere Grüppchen treffen und sich abchecken und verlieben? Die kleinen wollen kein Bum-Bum mehr und die Pommes macht man jetzt zu Hause im Airfryer?

[….] wie lange wird sich die Aufrechterhaltung der gelebten Demokratie hier noch lohnen? Wenn niemand mehr kommt?

Gelesen | Jørn Lier Horst: Felicia forsvandt – En William Wisting Krimi. Straßenarbeiten – unter einem Radweg wird die Leiche einer Frau gefunden. Wahrscheinlich liegt sie seit mehr als zwei Jahrzehnten dort. Wenige Tage später verschwindet eine junge Frau. Wie sich herausstellt, steht sie in einer Beziehung zum Opfer von vor zwanzig Jahren. Familienbeziehungen, falsche Spuren und die Frage: Wer war’s denn nun? Ein schlichter und guter Cold-Case-Krimi. Gerne gelesen.


Schweine | Die Schweine-Oma hatte eine Phase: Sie wollte abends nicht in den Stall. Ich stellte knackiges Gemüse ins Haus, damit sie ihre Kameradenschweine kauen und knuspern hört. Aber sie kam nicht.

Die Sache ist: Man kann das Schwein nur schwer einfangen. Es hält mich für einen gefräßigen Habicht, rennt durch den Garten (Fluchttier, ey!), versteckt sich unterm Stall, in Häuschen oder unter Büschen. Es ist kein streichelzahmes Hausschwein, das entspricht nicht seinem Selbstverständnis. Es fühlt sich als Wildschwein, als wildes Andenschwein, das nur durch Zufall im Münsterland gelandet ist.

Die Schnwauze eines schwarz-weißen Schweins zwischen Grünzeug, unter einem Busch

In der Vergangenheit, als wir die Oma einfangen mussten, etwa zum Haareschneiden, haben wir einen Wäschekorb über sie geworfen. Wenn wir das allerdings jeden Abend machen, kriegt das Tier Stresspilz.

So saß ich also mehrere Abende auf der Terrassenstufe und wartete, bis das Schwein eingerückt war – um dann schnell die Stalltür zu schließen.

Seit zwei Tagen ist die Phase nun vorbei, und das Schwein geht wieder fristgerecht heim. Steckste nicht drin!

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