Eskalation | Der Garten eskaliert. Erst viel Regen, nun Sonne, jetzt geht es ab. Die Salate wachsen schneller, als wir sie essen können; die Schweine – immer für die gute Sache unterwegs – helfen. Der Mangold ist fertig, der Spinat auch bald. Nicht mehr lange, und alles wird in die zweite Runde gehen.

Die Tomaten haben den Regen, trotz Freiland, gut überstanden. Ich sehe die ersten Früchte. Nur Zucchini und Kürbis schwächeln, erstaunlicherweise. Dabei habe ich die Samen an einer guten Adresse gekauft, direkt in München am Viktualienmarkt, während des Ausflugs im März. Aber es hilft nichts – ich habe den Früchtejuwelier in der Stadt besucht und nochmal zwei Pflanzen gekauft. Jetzt wird es wohl gelingen.

Auch die Rosen blühen nun, die Holzwand verschwindet, und auch das Schattenbeet macht sich. Drei Jahre lang war es ein kummervoller Ort, nun endlich sprießt es – vor allem dank dreier Hosta.


Im vergangenen Jahr habe ich ein Pfirsichbäumchen geerbt. Nachdem es sich eingewöhnt und auch den Winter überstanden hat hat, trägt es nun kleine, pelzige Früchte. Ich bin gespannt! Nebenan, zuverlässig wie immer: die Feige.


Die Meisenkinder sind dem Nistkasten entflogen. Ich saß beim Frühstück und konnte es beobachten, welch Geschenk! Ein wuscheliger Kopf schaute heraus, nahm mehrmals nickend Anlauf, dann taumelte das Meislein, halb fliegend, halb hüpfend, in den einen Meter entfernten Ahornbaum. Die Geschwister folgten. Die Eltern kamen zum Füttern und Schulterklopfen. Habt ein gutes, langes Leben!
Broterwerb | Ich war beim Kunden, ein Training zu guter Kommunikation und ein Teamworkshop. Beim Training beschäftigten wir uns – ungeplant, aber ich hatte es in der Hinterhand – mit dem Phänomen, dass ein Vorstand, eine Geschäftsführung oder ein Management Anliegen von Mitarbeitenden mitunter keine Beachtung schenken. Sie sehen den Punkt nicht, den Mitarbeitende vorbringen, sie verstehen die Dringlichkeit nicht, sie treffen keine Entscheidungen oder unterstützen nicht bei Veränderungen, die sie selbst initiiert haben – und bei denen noch Fragen offen sind.
Ein Grund – aus meiner Erfahrung ein verbreiteter – ist, dass Mitarbeitende und Management in unterschiedlichen Logiken unterwegs sind: Mitarbeitende, Expertinnen und Experten ihres Gebiets, kommunizieren in ihrer Fachlogik, das Management hingegen denkt in Managementlogik. Dass das so ist, merkt man als Mitarbeitender an klassischen Ungeduldssignalen, die der Gegenüber im Gespräch sendet: „Müssen wir das heute besprechen?“, „Was heißt das jetzt?“, „Was schlagen Sie vor?“, „Ist das abgestimmt?“ und so weiter.
Mitarbeitende sind frustriert, dass sie nicht verstanden werden – dabei tragen sie selbst dazu bei. Gleichzeitig sagt ihnen niemand, wie sie besser kommunizieren können. Ich werde dazu etwas in meinem nächsten Newsletter schreiben. Hier geht’s zur Anmeldung.
Mein Kunde hat übrigens eine tolle Wildblumenwiese auf der Kreuzung vor seinem Standort gesät. Sie hat mein Herz erfreut.

Angebadet | Den ganzen Winter über bin ich nicht krank gewesen. Jede Welle habe ich überstanden, sogar die schlimmen Januar- und Februarinfekte, mit hustenden Menschen neben mir im ÖPNV. Nun haben wir die ersten schönen Tage, und ich liege siech auf dem Terrassensofa, der Kopf voll Rotz – ergiebiger Männerschnupfen. Ich prangere das an.
Ungeachtet des Leidens begab ich mich ins Freibad. Es ist Ende Mai und damit ein Zeitpunkt, an dem dringend angebadet werden muss. Das Becken war proppenvoll, ich ließ mich zu Wasser und schwamm vier Bahnen. Dann sank ich ermattet zurück aufs Handtuch, wohltuend heruntergekühlt.
Gelesen | Arno Frank: Ginsterburg. Das Panorama einer Kleinstadt zwischen 1935 und 1945. Die Menschen verhalten sich – sie folgen der Macht, geraten in den Sog, manche hinterfragen, viele nicht. Die meisten versuchen durchzukommen, das Beste d’raus zu machen – die einen auf Kosten anderer, die anderen versuchen lediglich, unter dem Radar zu bleiben. Gerne gelesen.
Gelesen | Carolin Otto: Berchtesgaden. Wenn man die beiden Bücher hintereinander liest, Ginsterburg und Berchtesgaden, kommt man leicht durcheinander. Denn das Sujet ist ähnlich: eine kleine Stadt, Zweiter Weltkrieg, der Mikrokosmos der Bewohner. Berchtesgaden beginnt dort, wo Ginsterburg endet, im Jahr 1945. Die Amerikaner befreien die Stadt, erobern den Lieblingsort des Führers, erklimmen den Obersalzberg und übernehmen das Kommando. Das Buch hat mich positiv überrascht: Ich erwarb es für ein paar Euros auf dem Büchermarkt; mehr wollte ich nicht ausgeben, weil der Klappentext sehr schnulzig daherkam. Die Sprache ist tatsächlich etwas holzschnittartig, Carolin Otto lässt wenig Raum für eigene Gedanken. Dennoch ein gutes Buch, besser als erwartet, gerne gelesen zwischen Terrasse und Freibad.

Gelesen | Maria Larrea: Die Kinder von Bilbao, aus dem Französischen von Corinna Rodewald. Ein autobiografisches Buch: Maria erfährt mit Ende Zwanzig, dass sie adoptiert ist. Sie begibt sich auf die Suche nach ihren Wurzeln und erzählt uns die Geschichte ihrer spanischen Familie, die irgendwie in Paris gelandet ist. Drei Kindheiten – Vater, Mutter, Maria – und eine vielschichtige Identität.
Gelesen | Marco Bolzano: Wenn ich wiederkomme, auf dem Italienischen von Peter Klöss. Daniela verlässt ihre Familie in Rumänien. Als illegale Arbeitsmigrantin geht sie nach Mailand und pflegt Alte. Sie hat die Arbeit nicht gelernt, und die Patienten sind herausfordernd: dement und aggressiv, nicht dement und trotzdem grantelnd, ihre Kinder fordernd und erniedrigend. Eine Geschichte in drei Kapiteln: das erste aus der Perspektive des Sohnes Manuel, zurückgelassen am Rande der Pubertät. Das zweite: Daniela, wie sie von der Arbeit in Italien erzählt, am Bett des verunglückten Sohnes sitzend. Das dritte aus der Perspektive der Tochter Angelica. Ein gutes Buch – mit Ausnahme der Unfall-Geschichte. Sie hätte es nicht gebraucht, um die Perspektiven und Gefühle alles Beteiligten zu erzählen; im Gegenteil: Sie schwächt das Buch, setzt einen drauf, wo es nichts mehr gebraucht hätte.
Gelesen | Florian Kling: Ein Oberbürgermeister, der gern Sachen ausprobiert. Ein Mann, der Dinge einfacher, digitale und bürgernäher macht – zwischen Verwaltungakten, Datenschutz und dem Wunsch nach hundertprozentiger Rechtssicherheit.
Warum machen andere Städte das nicht nach? Vielleicht, weil sie noch nicht davon gehört haben. »Ich habe das lange nicht an die große Glocke gehängt«, sagt Kling. Er wollte Fakten schaffen, bevor ihn jemand aufhalten konnte. […]
»Die Sorge, sich nicht rechtmäßig zu verhalten, lähmt sehr viele Prozesse in Deutschland.« Die Digitalisierung der Verwaltung sei nur ein Beispiel. Kling hat damals für 50.000 Euro eine sogenannte Datenschutzfolgeabschätzung in Auftrag gegeben, um sich abzusichern. Trotzdem spricht er noch heute nicht gern über alle Details: »Ich sage Ihnen zum Beispiel nicht, welche Software wir nutzen.« Diese Themen böten zu viele Anhaltspunkte für Datenschützer, »um uns mit Papier zu überschwemmen«.
Gelesen | Neuer Höchststand bei Schulabgängern ohne Abschluss. Gut, dass unsere Regierung Benzin steuerlich begünstigt! Dann kann die arbeitslose Jugend wenigstens ziellos umherfahren.
Themenvorschlagsliste | Eine neue Frage auf der Themenvorschlagsliste: „Thema Handball :) Ich sehe im TV-Handball, dass man den Ball kaum noch dribbeln kann. Recherche: die Bälle sind mit „Klebezeug“überzogen, damit sie nicht aus den Händen flutschen. Für mich macht es das Spiel echt unästhetisch :( Frage: wird das auch im Amateurhandball so exzessiv verwendet? Wenn ja – wie kriegt man Hände und Hallenparkett eigentlich wieder sauber?“
Das Klebezeugs ist Harz, natürlich oder synthetisch. Es wird in verschiedenen Viskositäten verkauft. Es ist ab der Regionalliga, also der dritthöchsten Liga, obligatorisch und verbessert die Ballkontrolle. Darunter ist es meist verboten, es wird jedoch unterschiedlich gehandhabt. Meiner Erfahrung nach wurde im Herrenbereich immer schon viel geharzt – die Herren halten sich bereits in der Kreisklasse für die Meister der Trickwürfe -, bei den Damen wird, zumindest bis in die Oberliga hinein, nicht geharzt. Die Ballqualität hat seit meiner Jugend auch erheblich zugenommen; die heutige Bälle sind deutlich griffiger als die ollen Lederbälle der 1990er.
Ob man harzen darf, bestimmt der Halleneigentümer, meistens die Kommune. Wie man die Halle wieder sauber kriegt: Ich kenne es so, dass die harzenden Vereine die Halle in regelmäßigen Abständen reinigen. Entweder haben sie sich ein entsprechendes Gerät angeschafft und jemand erübrigt sich, es zu bedienen, oder es werden drei Kästen Bier hingestellt, und an einem lustigen Trainingsabend kriechen alle Verursacher – die harzenden Mannschaften – zu Boom-Box-Musik über den Hallenboden, mit Lappen und Spüli.
Mit Harz sind Ballannahmen einfacher, vor allem einhändige, und man kann einfacher Trickwürfe machen, etwa von den Außenpositionen („Dreher“). Ein geharzter Ball verhält sich allerdings anders als ein ungeharzter. Man muss üben, mit Harz zu spielen. Steigt eine Mannschaft von der Ober- in die Regionalliga auf, braucht sie eine Halle, in der sie harzen darf (mitunter ein Problem in der Kommune), und muss sich entsprechend anpassen.
Man kann mit Harz genauso dribbeln wie ohne. Es wird jedoch insgesamt weniger gedribbelt, habe ich den Eindruck. Das liegt nicht am Harz, sondern daran, dass das Spiel schneller und Pass-intensiver geworden ist. Das hat unter anderem mit Regeländerungen zu tun, die es in der Vergangenheit gab, zum Beispiel der „schnellen Mitte“, dem schnellen Anwurf nach einem Gegentor. Je höher die Liga, desto höher die Pass- und Laufintensität. Sie steigt mit dem technischen und konditionellen Vermögen der Spieler’innen.
Schweine | Ein Bild, das mich erwartet, wenn es zuletzt vor zehn Stunden eine barbarisch kleine Portion Gemüse gab:*

*… und dazwischen nichts außer 40 Quadratmeter Gras, zwei vollen Raufen Heu und frisch gezupfte Petersilie. Eine Schande ist das!
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