Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Anmerkungen zu einem Fahrstuhl, zu Jugendlichen, zu einem Coaching, zu meinem Serviceclub, zur Haselnuss – und Urlaubsvorbereitungen

31. 3. 2026 2 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Fundstück | Im Parkhaus am Hauptbahnhof Duisburg. Möglicherweise ist die Kundschaft etwas angespannt.

Schild "Kundeninformation. Der Aufzug wird wegen wiederholten Vandalismusschöden in der Zeit von Mo - So (abgeklebt) außer Betrieb genommen. VIelen Dank für Ihr Verständnis!" Darauf die Anmerkungen: "Verständnis ist aufgebraucht. Und: "Kann langsam mal wieder in Betrieb genommen werden."

Urlaubsvorbereitungen | Noch sechs Tage bis Urlaub. Dann geht’s erst in den Zug und dann aufs Rad: Der Reiseleiter und ich radeln von Lübeck nach Kopenhagen. Mit Blick auf die Wetteraussichten schieben wir uns gegenseitig die Schuld zu, wer auf diese blöde Idee kam. Aber es nützt nichts: Die Temperatur ist, wie sie ist. Drücken Sie uns die Daumen, dass es nicht allzu viel regnet.

Der Reiseleiter hat bereits Urlaub und unsere Räder reisefertig gemacht: Ketten geputzt, Rahmen gesäubert, alles justiert und geölt. Ich schreibe schon an einem Packzettel, damit ich nichts vergesse – Handschuhe, Mütze, Gamaschen, Sonnenbrille und was sonst noch hilfreich sein wird. Ein Badeanzug kommt auch mit. Wer weiß, wofür er gut ist.


Broterwerb | Vor einigen Tagen endete ein Coaching. Mein Coachee war eine IT-Fachkraft. Gemeinsam haben wir mehrere Monate lang zusammen gearbeitet, um seine Wirkung im Unternehmen zu vergrößern. Seine Worte zum Abschluss:

Du warst ein guter Spiegel.

Du kannst dich gut auf die Person einstellen, die dir gegenübersitzt.

Ich habe meinen Horizont erweitert. Das Coaching war wie eine Abkürzung. Ich hätte für die Entwicklung sonst zwei, drei Jahre länger gebraucht.

Ich habe mich sehr gefreut, denn genau so soll Coaching sein: Der Coachee geht seinen Weg selbst. Meine Fragen und Rückmeldungen sind Impulse für die Bewegung.


Leser’innenfrage | Eine Frage auf der Themen-Vorschlagsliste: „Haben Sie Lust, etwas über Ihren Serviceclub zu schreiben? Ich habe die Website angesehen, aber zum Beispiel nicht gefunden, wo man sich trifft und wie man Mitglied werden kann. Es klingt interessant!“

Das kann ich gerne tun. Ich bin Mitglied im Agora Club Tangent. Wir sind Frauen über 45, die netzwerken und Freundschaften pflegen – und wenn Kapazitäten da sind, auch Spenden sammeln. Als lokaler Club sind wir Teil eines größeren Netzwerks: Es gibt nicht nur uns, sondern auch Agora Clubs in anderen Städten. Gemeinsam sind wir Teil von Agora Club Deutschland. Agora Club Deutschland ist wiederum Teil von Agora Club International.

Wer unter 45 Jahre alt ist, geht nicht in den Agora Club, sondern in den Ladies‘ Circle. Das ist unser Schwesterclub. Dort war ich vorher. Warum es zwei Clubs gibt? Damit der Ladies‘ Circle nicht überaltert: Wenn die Gruppe gemeinschaftlich alt wird, wird es irgendwann schwierig, junge Frauen, die in einer ganze anderen Lebensphase stecken, für die Mitarbeit zu begeistern. Die Ladies und der Agora Club sind eng befreundet – nicht zuletzt, weil viele ältere Frauen vorher im Ladies‘ Circle waren.

Agora Club und der Ladies‘ Circle haben jedes Jahr ein gemeinsames nationales Serviceprojekt. Das heißt: Alle Clubs in Deutschland sammeln ein Jahr lang für dieses Projekt Spenden. Dieses Jahr ist es das Projekt Buusenfreundinnen – für Frauen, die von Brustkrebs betroffen sind. Wir stellen Sammeldosen bei unseren Geburtstagen auf oder beteiligen uns an Aktionen, die Spenden generieren. Eine Aktion ist zum Beispiel „Pfandraising“ gemeinsam mit dem Dortmunder Ladies‘ Circle: Wir stehen vor Supermärkten, fragen, ob die Leute uns ihr Flaschenpfand geben und spenden den Erlös. An guten Tagen kommen so ein paar hundert Euro zusammen.

Im Zentrum des Ganzen steht allerdings die Freundschaft: sich vernetzen, sich unterstützen. Als Dortmunder Club treffen wir uns immer am ersten Mittwoch im Monat – entweder in einer Lokalität oder eine von uns lädt ein. Einmal im Jahr fahren wir gemeinsam für ein Wochenende weg. Wir sind allesamt Frauen, die im Berufsleben stehen. Das heißt, wir geben uns auch gegenseitig Hilfestellung: als Ärztinnen, Rechtsanwältinnen, Pädagoginnen, Unternehmensberaterinnen, Übersetzerinnen – oder welchen Beruf wir auch immer haben.

Auf nationaler und internationaler Ebene gibt es jedes Jahr zahlreiche Club-Veranstaltungen, die man besuchen kann (aber nicht muss). Dieses Jahr ist das internationale Annual General Meeting, das Jahrestreffen aller weltweiten Agora Clubs, in Rotterdam. Das nationale Meeting ist in Husum. Hinzu kommen Club-Jubiläen, Neugründungen und Halbjahrestreffen. Alle Mitglieder, egal aus welchem Land, egal aus welchem Kontinent, sind außerdem über eine App vereint. Wenn ich also beispielsweise nach Neu Delhi reisen möchte, könnte ich die Mitglieder des Agora Clubs Neu Delhi fragen, ob sie Tipps für mich haben oder ob sie mir vielleicht sogar ihre Stadt zeigen möchten.

Wenn Sie Mitglied werden oder sich das Ganze mal anschauen möchten, gucken Sie einfach, wo es in Ihrer Nähe einen Club gibt (Übersicht). Für alle, in deren Nähe es keinen Club gibt, existiert der E-Club. Die E-Mail-Adressen der Clubs finden Sie unter der jeweiligen Stadt. Wenn Sie Lust auf Dortmund haben, können Sie mich auch direkt anschreiben.


Gelesen | Wie die Wohnungskrise existentiell wurde. Die Ökonomen Sara Schulte und Max Krahé haben die wohnungspolitischen Programme der vergangenen 60 Jahre analysiert, haben Haushaltspläne und Subventionsberichte durchforstet und Ableitungen getroffen, wie es zur Wohnungskrise gekommen ist. Zusammenfassung: Bis in die1980er Jahre hinein hat der Staat verstärkt den Bau von gefördertem Wohnungsbau gesetzt, ab den 1990ern gingen die Investitionen massiv zurück. Stattdessen werden seither Mieter’innen bezuschusst – und damit indirekt Vermietende, insbesondere frei wirtschaftende Wohnungsunternehmen. Aus dem Original-Aufsatz:

Der Schwerpunkt hat sich von Objektförderung – also der Förderung von Bau, Erwerb, oder Modernisierung von Wohnraum – zu Subjektförderung – der finanziellen Unterstützung bedürftiger Haushalte – verschoben. Damit hat sich die Wohnungspolitik in eine teure Zwickmühle manövriert. Während die Subjektförderung kurzfristig soziale Härten abfedert, lässt sie strukturelle Probleme unberührt und treibt die Mietpreise teils noch höher. Die Objektförderung ist zwar im Aufwärtstrend, aber fällt im historischen Vergleich schwach aus. Die Wohnungsfiskalpolitik so weiterzuentwickeln, dass sie dauerhaft bezahlbaren Wohnraum liefert, aber dabei selbst bezahlbar bleibt, wird eine zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre.

Gelesen | Das Fraunhofer ISI hat untersucht, welche Maßnahmen die Verkehrswende in deutschen Städten erleichtern können, welche nicht und warum: Bequemlichkeit wichtiger als ökologisches Gewissen

Gelesen | Deutschlands größte Suchtklinik für Kinder und Jugendliche, die Dietrich Bonhoeffer Klinik in Alhorn (Kreis Oldenburg), schließt. Mit der Schließung gehen 60 der bundesweit nur 85 Betten für süchtige und suchtgefährdete junge Menschen verloren. Den nun 25 Betten stehen 200.000 Jugendliche gegenüber, die von Sucht betroffen sind.

Passend dazu möchte ich kurz von Sebastian Kurtenbach berichten, Professor für Sozialpolitik an der FH Münster, der vor zwei Wochen in meiner Stadt zu Gast war. Ich empfehle in diesem Zusammenhang sehr das Buch Kinder – Minderheit ohne Schutz, das er gemeinsam mit dem Soziologen Aladin El-Mafaalani geschrieben hat.

Aus meinen Notizen:

  • Bildungsinstitutionen fragen heute: „Was kannst Du?“ Darauf sind sie getrimmt. Wichtig wäre aber auch, andere Fragen zu stellen zum Beispiel: „Wie geht‘s dir?“ Das fragt niemand. 
  • Die wichtigste Frage, um das Wohlbefinden von Kindern zu messen, ist: „Gibt es einen Erwachsenen hier in der Schule, dem Du wichtig bist?“ Wenn die Kinder diese Frage mit Ja beantworten, ist auch ihr Wohlbefinden hoch. Es gibt Schulen, an denen sagen das nicht einmal fünfzig Prozent der Kinder. Das ist kein Vorwurf an die Lehrkräfte. Das System kann das nicht stellen. 
  • Kita, Grundschule und weiterführende Schule haben grundlegend andere Modi (repräsentative Umfrage unter Pädagog’innen an den jeweiligen Einrichtungen): Die Kitas sehen ihre Aufgabe darin, Kooperation und Zusammenleben zu fördern. Die Grundschule sieht ihre Aufgabe darin, Grundkompetenzen zu vermitteln, alle an die Startlinie zu stellen und auf das gleiche Niveau zu schieben. Die weiterführende Schule: Mit Didaktik möglichst viel Wissen vermitteln. Alle drei Systeme sind aber nicht aufeinander abgestimmt.
  • Vorschlag Kurtenbach/El-Mafaalani, um Kinder mit dem zu fördern, was an Ehrenamtspotential im Stadtteil vorhanden ist: ein Stadtteilcampus neben der Schule – ein Gebäude, das Vereine und alle Menschen nutzen können unter der Bedingung, dass sie Kindern etwas beibringen. Jemand spielt dort Klavier, weil er kein eigenes hat, und gibt das Können an ein Kind weiter. Ein Repair-Café mit einen knurrigen Rentner. Eine Fahrradwerkstatt. Ein freiberuflicher Musikschullehrer nutzt die Räumlichkeiten für Unterricht. Der queere Stammtisch trifft sich und lässt Schüler’innen dabeisein.
  • Die Top-3-Gründe der Stadtverwaltungen, warum das nicht geht: 1. Es gibt keinen Platz. Neben der Schule gibt es keine geeignete Liegenschaft. 2. Kinderschutz: Schulfremde Erwachsene arbeiten mit Kindern. 3. Die wichtigste Frage, in allen Kommunen: Haftungsfragen. Wer darf einen Schlüssel haben? Wer ist am Ende verantwortlich, wenn etwas kaputt geht oder jemand sich den Fuß verstaucht? (Alle drei Fragen lassen sich lösen, wenn man will.)
  • Um Jugendlichen mehr Repräsentation und eine Stimme zu geben: ein Zukunftsrat in der Gemeinde (und auf Landes- und Bundesebene). Das ist ein ein Gremium, das Stellungnahmen schreiben darf – und das Beschlussgremium (in der KOmmune der Stadtrat) muss sich öffentlich damit befassen.

Abschlussworte, Gedächtnisprotokoll: „Wir halten Jugendliche nicht mehr aus, ohne dass sie pädagogisiert oder kontrolliert werden. Stellen Sie sich folgende Szene vor: Es ist Abend, zwanzig 16-Jährige treffen sich an einer Bushaltestelle in der Innenstadt. Und, andere Szene: Zwanzig 60-Jährige an der Bushaltestelle. Bei welcher Szene ist die Wahrscheinlichkeit, dass jemand die Polizei ruft, größer?“


Unverwüstlich | Ein Beitrag aus: „Pflanzen, die Eiszeiten und Meteoritenangriffen trotzen würden“ – im Winter habe ich die Haselnuss im Dortmunder Garten geschnitten. Drei Äste habe ich der Küchen-Orchidee zukommen lassen, zur Stabilisierung. Die Nuss treibt nun aus.

Eine Orchidee, darin steckt - zur Befestigung - ein dicker Ast. Am Ende des Astes sind rote Blätter

Ich lasse das erstmal so.


Schweine | Der Dicke, selbst mit Brokkoli gedüngt, düngt seit zwei Monaten die Blumen. Erfolgreich! Er liegt unter der aktuell schönsten Stelle im Garten.

Kommentare

2 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Ines sagt:

    Vielen Dank für die Informationen zum Serviceclub. Die Idee, die Clubs nicht überaltern zu lassen, finde ich super. Ich war Mitglied bei den Ehrbaren Kaufleuten zu Hamburg (VEEK) und hatte nach einigen Jahren keine Lust mehr, dort alte Rentner zu treffen, die ein Frauenbild haben, das nicht zu meinem passt.

    Wie schön, dass die Blumen dem Schwein so die Ehre erweisen.

  2. PaulineM sagt:

    Interessante Themen und tolles Lob vom Coachee!
    Die Studie vom Fraunhofer ISI zeigt, dass wir Themenbereiche doch mehr verknüpfen und aufeinander abstimmen müssen, was vielleicht in Deutschland besonders schwerfällt.

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