Die Sache mit der Waschmaschine
Meine Waschmaschine musste in den ersten Stock, es half alles nichts.
Mein Vermieter wollte sie nicht mehr im Keller stehen haben, warum auch immer, es lohnt sich nicht, das auszudiskutieren. Also musste das Ding hoch in mein Bad. Wir montierten die Schläuche von den Hähnen, ich ging in die Knie, wie sich das gehört, bloß nicht aus dem Rücken heben, sondern bitteschön aus den Beinen. Wie ich mich und die Waschmaschine dann hochdrückte, machte es vernehmlich „Knack“ im Rücken, und ich war kurzfristig überzeugt, dass mir jemand mit einer Schaufel die Lendenwirbel zerhackt.
Wie ich mich allerdings schonmal aufgerichtet hatte, die Waschmaschine am langen Arm, war es eigentlich ganz okay – stehen war in Ordnung, nur das Treppensteigen lief ein bisschen unrund. So trugen wir die Maschine ins Bad. Nach dem Absetzen begann dann das Leiden, das mich schließlich in die Notaufnahme führte – diesmal, im Gegensatz zu meinem letzten derartigen Ausflug, immerhin bekleidet.
Es begrüßte mich ein junger Arzt. Er hatte einen Händedruck, als hätte er mir einen schlaffen Penis in die Hand gelegt, es schüttelte mich leise. Ich erklärte ihm, was geschehen war. Aha, sagte er, das sei ja nicht schön. Ich sagte, in den Beinen sei nichts taub oder so, alles super, nur im Rücken eben, dort ginge gar nichts mehr. Aha, meinte er, er wisse jetzt auch nicht, was man da tun könne, vielleicht ein Schmerztropf, dann müsse ich aber stationär bleiben, ob ich nochmal auf und ab gehen könne. Ich ging wie gewünscht auf und ab. Mmmmh, machte er nachdenklich, das sei ja kein schönes Gangbild, „was meinen Sie denn dazu?“ Ich sagte: Nein, nicht schön. Er sagte: Tja, und kratzte sich am Kinn, „wollen Sie nun bleiben, oder was sollen wir tun?“. Ich sagte: Auf Wiedersehen – und ging ins nächste Krankenhaus.
Dort öffnete mir ein junger Udo Brinkmann in persischer Ausführung die Tür, sein Händedruck war fest, seine Augen waren groß und dunkel, seine Unterarme kräftig. Er sagte, das Illiosakralgelenk sei blockiert, das sei samstags nichts Seltenes, dauernd trüge jemand Waschmaschinen, ich möge mich bitte vorbeugen. Er spritzte mir eine Zauberdroge in den Rücken, ich habe sie hinterher ergoogelt, Triamcinolon, es war fantastisch. Nach nur zwei Minuten konnte ich aufrecht gehen, mir fiel auf, dass ich eine Jogginghose trug und überhaupt ziemlich nach Samstag aussah, und ich war sehr beeindruckt von so viel Kompetenz und Schönheit. Er drückte mir noch zwei Pillen in die Hand, für die Nacht und für weitere Schmerzen, schüttelte noch einmal feste meine Hand, ich war hin und weg, natürlich wegen der Spritze und nichts anderem, und er schubste mich in den Gang hinaus.
Heute habe ich dann einen kleinen Genesungsspaziergang gemacht, die große Laufrunde durch den Wald. Jetzt ist alles wieder locker und frisch, und die Waschmaschine macht schon ihre dritte Tour.