Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ein Ausflug nach Chemnitz und ein Webinar dazu, wie wir Vergangenheit inszenieren

25. 8. 2026 Keine Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Broterwerb | Ich reiste nach Chemnitz. Die Stadt ist auf zweierlei Weise ein besonderes Vergnügen für mich: Zum einen mag ich die Menschen sehr, mit denen ich dort zusammenarbeite. Es sind überaus kluge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, kreativ und mit großer geistiger Gewandtheit – und außerdem herzenswarme Menschen.

Schild: "Technische Universität Chemnitz - Fakultät für Maschinenbau und Verfahrenstechnik"

Zum anderen mag ich die Stadt. Ich kann gar nicht sagen, warum; vielleicht, weil es ein bisschen ruhrgebietig ist in Chemnitz: eine Mischung aus Aufbruch und Industrietradition, Kunst, Subkultur und Schönheit auf den zweiten Blick. Ganz sicher auch wegen der guten Ost-Schrippen, die es dort zum Frühstück gibt – sowas kriegt hier kein Bäcker hin, eine Œuvre aus Knusper und Fluffigkeit.

Der Praktikant begleitete mich und bekam einen authentischen Einblick in das Handlungsfeld „Geschäftsreisen mit der Deutschen Bahn“. Chemnitz ist immer eine Himmelfahrt, drei Umstiege und sieben Stunden Fahrt Minimum. Diesmal aber stand die Strecke Hannover – Leipzig nicht zur Verfügung, Bauarbeiten, diesdas, ich hinterfrage das nicht mehr. Wir fuhren über Berlin, vier Umstiege auf der Hinfahrt, fünf auf der Rückfahrt. Dabei stellte sich heraus, dass ein Praktikant auf Geschäftsreisen einen Vorteil mit sich bringt, den ich bis dato nicht bedacht hatte: Als wendiger Mittzwanziger sprintet er bei zwei- und vierminütigen Umstiegen zum Gleis und wirft sich in die ICE-Tür, bis die Chefin angekommen ist. Starke Einsätze – und das nach 18 Uhr an einem Freitag. Sein Zertifikat als Junior Change Manager ist ihm sicher.

Ein Linked.In-Beitrag des Kunden zu meiner Reise.


Angebot | Der Praktikant – er heißt Paul – begleitet mich nicht nur im Alltag. Ich habe ihm ein Praktikumsprojekt aufgebrummt. Man lernt ja immer am besten, indem man selbst Dinge tut. Der Auftrag: „Führe eine ansprechende Online-Veranstaltung durch, interaktiv und Augen öffnend, zu einem interessanten Thema – inklusive Organisation, Ankündigung und Kommunikation mit den Teilnehmenden.“

Auf der Fahrt nach Chemnitz unterhielten wir uns über sein Studienfeld Public History: Geschichte für, in und mit der Öffentlichkeit. Brettspiele, Filme, Bücher, Serien, Gaming, Werbung, aber auch Straßennamen und alle historischen Darstellungen, die im öffentlichen Raum zu sehen ist, sind Public History. Sie formen unser Bild von Vergangenheit und Zukunft – und unser Denken.

Paul bietet Euch dazu nun ein Webinar an: Mittelalter mit Filter, Geschichte mit Agenda: Wie wir Vergangenheit inszenieren – von Stummfilm bis TikTok

In dem Webinar bekommt Ihr Beispiele von Public History und Geschichtskultur – also öffentlich sichtbarer und erfahrbarer Geschichte im Alltag. Ihr erfahrt, warum und wie tieferliegende Interessen Geschichtsbilder formen. Besonders schauen wir darauf, wie sich die Bilder zwischen 1930 bis 2026 immer wieder gewandelt haben. Nach dem Webinar …

  • kannst Du auf der nächsten Party erzählen, dass Robin Hood nicht gleich Robin Hood und König Artus nicht gleich König Artus ist
  • nimmst Du aufmerksamer wahr, wie Videospiele versuchen, das Mittelalter abzubilden und erlebbar zu machen
  • wirst Du sehen können, inwieweit hinter jedem Geschichtsbild ein Grund für diese Darstellung liegt
  • gehst Du aufmerksamer durch die Welt, weil du überall Public History entdeckst
  • erkennst Du, dass es viele Bilder von Geschichte gleichzeitig gibt

Datum: Mittwoch, 23. September 2026, 17 – 19 Uhr – hier geht’s zur Anmeldung. Kommt zahlreich! Die Teilnahme ist kostenlos.


Garten | Die Fette Henne blüht. Die Insekten rasten aus.

Zwei Erdhummeln an einer Blüte, eine ist sehr bepackt mit Blütenstaub.

Gelesen | Elena. Sie fehlt so sehr in diesem Internet.

Gelesen | Thomas Gigold ist in drei Tagen von Leipzig nach Svenljunga, Schweden, gefahren: 680 Kilometer. Mit dem Fahrrad.

Gelesen | Aus aktuellem Anlass: Die NS-Geschichte von Kühne+Nagel, ein Artikel aus 2020.

Gehört | Warum sagt der Kanzler nichts zum Extremsommer 2026? Das steckt dahinter. Eine Analyse von Ann-Kathrin Büüsker und Katharina Thomas beim Deutschlandfunk.

Gesehen | Was haben wir gelacht im Schlosstheater Münster. Dass Thomas Gottschalk so touchy war, hatte ich auf dem Schirm. Aber Harald Schmidt – uff. In der Dichte der Ausschnitte ein bedrückender Film. Erinnerte mich an meine frühen Jahre im Lokaljournalismus Mitte der 1990er, als ich Schützenfeste und Karnevalssitzungen besuchte.


Radltour | Der Reiseleiter und ich fuhren mit dem Rad zum Kino, 45 Kilometer von Haltern nach Münster. Strava zeigte hinterher die schnellsten 20 Kilometer meines Lebens an. Die Landschaft flach wie ein Bügelbrett, dazu ein bisschen Rückenwind, tolle Sache. Eispause in Senden:

Fahrrad von hinten vor einer Eisdiele

Schweine | Nach drei Tagen Regen – den ersten seit drei Monaten – wächst das Gras wieder. Die Schweine nehmen es mit einer Mischung aus Melancholie und Vergnügtheit zur Kenntnis.

Zwei Meerschweine, eins schwarz-weiß, eins braun-weiß, auf der Wiese. Das vordere Schwein schaut melancholisch in die Kamera.
Kommentare

Bestellung aufgeben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.



In diesem Kaffeehaus werden anonym Daten verarbeitet. Indem Sie auf „Ja, ich bin einverstanden“ klicken, bestätigen Sie, dass Sie mit dem Datenschutz dieser Website glücklich sind. Dieser Hinweis kommt dann nicht mehr wieder. Datenschutzerklärung

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen