Urlaub oder so | Zwar habe ich noch Urlaub. Dennoch arbeitete ich etwas. Wenn Menschen Geld bei mir ausgeben möchten, bin ich auch zwischen Freibadschwumm und Renovierungsprojekten aufgeschlossen, Urlaub hin oder her. Außerdem sind die Entscheidungswege bei Kunden mitunter lang, so dass es hilfreich ist, wenn ich nicht zusätzlich für Verzögerung sorge, sondern mir zehn Minuten Zeit nehme, um Auskunft zu geben oder Terminvorschläge zu senden. Dann können andere weiterarbeiten, während ich wieder abtauche.
Herzwaffeln | Menschen aus dem Internet zu treffen, ist mir immer eine Freude. Ich habe noch keine schlechten Erfahrungen gemacht, besonders dann nicht, wenn man sich bereits seit Jahren gegenseitig liest, liked, verlinkt, boostet, wenn man sich seit vielen Lebensereignissen mit der anderen freut, mit ihr leidet und erlebt, was die andere teilt.
Dennoch war es verwunderlich, dass ich morgens um elf an Frau Herzbruchs Tür klingelte, wir in den Garten gingen, am neu erbauten Tisch Platz nahmen, ein wenig plauderten und es plötzlich dunkel war. Stockdunkel! Zwölf Stunden haben wir geredet – und wir hätten Gesprächsstoff für weitere gehabt.
Vor dem Besuch wurde ich gefragt, ob es recht sei, wenn Herr Herzbruch Waffeln backe. Er liebe Waffeln, habe dafür aber nie Publikum. Selbstverständlich erübrigte ich mich, Hashtag #immer_für_die_gute Sache_unterwegs.

Die Waffeln waren hervorragend und nah an der Zehn auf der Internationalen Waffelskala™: puristischer Teig ohne künstliche Aromen, optimale Dicke, angenehme Fluffigkeit und eine unaufdringliche Bräune. Erwähnt sei auch der begleitende Kaffeeservice.
Nach den Waffeln und bevor es dunkelte, fühlten wir erneut ein Hüngerchen. Frau Herzbruch erlegte ein Huhn, unterfütterte es mit Kartoffeln und Gemüse und buk es. Das war ebenfalls eine erfreuliche Angelegenheit. Die Kombination aus Süßkartoffeln und Feigen werde ich in mein Repertoire aufnahmen.

Alte Hood | Im Zusammenhang mit dem Besuch bei Frau Herzbruch besuchte ich meine alte Hood in Düsseldorf. Ich habe dereinst in Düsseldorf studiert, beginnend im vergangenen Jahrtausend, und währenddessen fünf Jahre in einem Dachgeschoss in Rath gewohnt. Rath ist ein, stadtpolitisch ausgedrückt, sozial und ethnisch segregierter Stadtteil mit deutlich kumulierten Problemlagen. Das war damals schon so und bescherte mir eine preiswerte Unterkunft während des Studiums.
Zu meiner Überraschung entdeckte ich inmitten Bekanntem ein völlig neues Quartier: die Neue Mitte Westfalenstraße.

Das gefiel mir gut. Ich kaufte mir ein Getränk und setzte mich eine Weile unter einen Baum.
Loslassen | Ich sortiere regelmäßig Bücher aus und stelle sie in den Bücherschrank hier im Dorf. Regel fürs Weggeben: Bücher, die ich nicht noch einmal lesen werde, verlassen den Haushalt. Ebenso solche, die ich leicht in der Stadtbücherei ausleihen kann, sollte es mich noch einmal überkommen.
Manchmal fällt es mir leicht, Bücher abzugeben, manchmal schwerer. Bei Bühlerhöhe und Rheinblick tat ich mich schwer. Als ich sie schließlich in den Bücherschrank stellte, gesellte sich eine Frau zu mir, weißhaarig, sie zog einen Hackenporsche hinter sich her. Sie fragte, ob ich etwas von dem empfehlen könne, was ich gerade hineingestellt habe. Ich riet ihr zu den beiden Titeln, und sie meinte: Das sei wunderbar, die Nachkriegszeit sei ihre Kinder- und Jugendzeit gewesen; damals habe man mit ihr allerdings weder über Politik noch über den Krieg gesprochen. Deshalb werde sie die Bücher mit Interesse lesen.
So war es dann einfach loszulassen.
Themen-Vorschlagsliste | Eine Frage von der Themen-Vorschlagsliste: „Was ist dein Lieblingsort in Deutschland und warum?“
Schwierige Frage. Darüber muss ich erstmal nachdenken. Ich nehme Sie mal mit in meine Gedankengänge, auch auf die Gefahr hin, dass es wirr wird. Die Frage ist ja: Berge oder Meer, Stadt oder Land, sind die Menschen der Maßstab oder ist es die Landschaft? Geht es um einen Ort im Sinne einer Gemarkung oder eher um ein Lieblingsfleckchen wie ein Café, das ich gerne mag? Mitunter sind Lieblingsorte Orte, mit denen ich etwas Besonderes verbinde, die für Außenstehende aber keinerlei Bedeutung haben. Oder der Lieblingsort ist nur das Gefühl, was ich an dem Ort hatte, und nicht der Ort selbst.
Ich mag die See und Schleswig-Holstein: freundliche, gut gelaunte Menschen in einem fortschrittlichen Bundesland. Ich mag die Berge – die Wanderung vom Herzogstand auf den Heimgarten ist eine der schönsten Deutschlands. Ich verbinde Gutes mit Chemnitz, mit den Menschen dort, dem Kulturangebot, dem Strukturwandel. Ich mag Berlin, das Durcheinander, das Wilde und Rotzige, die Cafés und Buchläden. Mir gefällt das Ruhrgebiet: Die Menschen sind Gold, es gibt viel Kultur, viel Neues entsteht. Ich möchte die Zeit, in der ich regelmäßig in München war, nicht missen – das waren tolle Jahre, die Stadt ist heimelig. Coconat Coworking Retreat in Bad Belzig. Ich verbinde Gutes mit Karlsruhe. Die Zugstrecke den Rhein entlang, im Eurocity an einem Wintertag, wenn der Rhein dampft. Hannover, Hamburg und Münster kann ich einiges abgewinnen. Heidelberg und der Philosophenweg mit seinem Blick auf die Stadt. Potsdam. Schwimmen im Niedersonthofener See im Allgäu. Auf einer Bank in Cuxhaven sitzen und die Schiffe in der Elbmündung angucken. Leipzig: die Straßen in Plagwitz rund um den Karl-Heine-Kanal.
Sie merken: Ich bin örtlich nicht so festgelegt. Mein allerliebster Ort ist immer dort, wo ich mit Herzensmenschen bin. Das kann auch ein Supermarktparkplatz sein.
Themen Vorschlagsliste | Und noch eine Frage aus der Liste: „Während der aktuellen und vergangenen Radreisen: was macht ihr bei Programmpunkten (Bergwerk, Dorfbummel etc) mit dem umfangreichen Fahrrad Gepäck? Einfach auf dem Rad lassen und auf ehrliche Passanten, die nix wegnehmen, hoffen?“
Wir lassen alles am Rad und wurden noch nie beklaut. Nur Wertsachen nehme ich mit; die habe ich in der Lenkertasche, die ich mir umhänge. Sollte jemand meine Gepäcktasche klauen, gratuliere ich zum Erwerb von vier Unterhosen, vier gealterten T-Shirts, einer kurzen Hose, einer langen Hose, zwei Büstenhaltern, einer Flasche Kontaktlinsenreiniger, Flip Flops von Woolworth, zwei zerdrückten Broten, einer Packung Cracker, einer braun-melierten Banane und Rei in der Tube. Have fun with it!
(Um die Taschen wäre es schade. Der Inhalt ist verkraftbar.)
Gelesen | Nils Minkmar war im französischen Feuer und erzählt von Evakuierung und Brandbekämpfung.
Gelesen | Markus über Liebe und so
Gelesen | Service von Frau Novemberregen:
Um 11 Uhr dann ein geplantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin, bei der es zum einen um ein Sachthema ging und zum anderen um ein persönliches Thema, nämlich das Verschicken von unangemessen formulierten Mails. Wir hatten darüber schon zweimal zuvor gesprochen, jedoch offensichtlich nicht nachhaltig. Daher stellten wir heute im Gespräch eine Liste auf, an der man erkennen kann, dass eine Mail, die man selbst schreibt, „verdächtig“ ist.
Es folgt eine Checkliste. Ich gehe voll mit und hätte es nicht so gut auf den Punkt bringen können. Respekt für diesen sachlichen, nicht verurteilenden Lösungsansatz.
Gelesen | Für Aus von Windkraftprojekten: Trump-Regierung zahlt RWE 1,2 Milliarden Dollar. RWE erhält von der US-amerikanischen Regierung viel Geld, um keinen Windpark zu bauen und stattdessen in fossile Projekte zu investieren. RWE nimmt das Angebot an. Die RWE-Aktie steigt um 2,2 Prozent. Keine Pointe.
Schweine | Steppenschweine im letzten Grün. Kein nennenswerter Regen seit drei Monaten.

Kommentare
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Da kommen Urlaubserinnerungen hoch. Schwimmen im Niedersonthofener See und dabei Kühe gucken, so schön!
Danke für die Erinnerung.
Herzliche Grüße
Nadine