Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Ein Ausflug an die Ostsee, kalt und doch wärmend, und einige Links

1. 2. 2026 3 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Expedition | Ich war an der Ostsee. Es war sehr kalt dort – ist es jetzt auch noch, sehe ich auf diversen Plattformen. „Gefühlt -13 Grad“ stand in der Wetteranzeige. Ich möchte das anzweifeln: Es fühlte sich kälter an. Der Hafen war zugefroren, vom Dach des Hotels hingen Eiszapfen, lang wie Schwerter. Der Wind drang durch jede Naht der Jacke und trieb Tränen aus den Augen bis in die Mütze.

Zwei Nadelbäume, dazwischen, von hinten fotografiert, eine Bank, die aufs Meer blickt. Das Meer kräuselt sich. Man sieht, wie kalt es ist.

Ich war an der Ostsee, weil ich für ein Teambuilding gebucht war. Ein Teambuilding mit Lkw-Fahrern und -Fahrerinnen (tatsächlich) eines Containerdienstes. Container, das sind die Dinger für Schüttgut, für Gartenabfälle und Bauschutt; ich sage das, weil ich zuletzt nur virtuell mit Containern zu tun hatte. In meiner Arbeit ist angelegt, dass ich meine Kundinnen und Kunden etwas mitgebe: neue Gedanken, neue Arbeitsweisen, einen Anstoß, etwas zu verändern, konkrete Schritte. Oft ist es aber auch so, dass ich etwas mitnehme. Aus diesem Engagement habe ich sehr viel mitgenommen.

Ein Tagungsraum in bunten, fröhlichen Farben, die Tische zu einem U gestellt. Hinten an der Wand bunte Schiffsschrauben, dafür ein geblümtes Sofa.

Es waren beeindruckende Menschen, die vor mir saßen. Wir sprachen viel über die Arbeit im Containerdienst, über das Fahren in der Großstadt, in der Hektik des Straßenverkehrs und auf Baustellen, die sich täglich verändern – auf denen man gestern noch gut etwas abstellen und aufladen konnte, heute aber nicht mehr. Ein Arbeitsalltag, der um fünf Uhr dreißig beginnt, in dem man selten eine Toilette hat, wenn man sie braucht, in dem man den Zorn der Menschen auf sich zieht, nur weil man da ist, und in dem man sich mit dem Gegenüber oft schlecht verständigen kann. Die Menschen, die mir gegenüber saßen, waren stolze Menschen, und sie können es sein: Die meisten sind woanders ins Berufsleben gestartet. Vor mir saßen zwei Köche, ein Bäcker, eine Pflegekraft und der Sohn eines Olivenbauers. Sie haben sich ihren Führerschein und ihre Anstellung hart erarbeitet – beeindruckende Lebensläufe sind das, wenn man tiefer in sie eintaucht, Biografien mit Schleifen, Umwegen, Rückschlägen und Lebenserfahrung. Es waren bereichernde zwei Tage.

Eine Sache, die ich gelernt habe, gebe ich hier weiter – ein Tipp von einem der Köche inmitten der Grünkohlzeit: unter den Kohl eine Dose Birnen mischen, aus der Konserve und püriert, einschließlich Saft. Das gebe eine unauffällige, feine Note, die niemand mit Birne assoziert, die aber das besondere Etwas ausmacht.


Handball | Die Firma hatte die Fahrer’innen in ein Wellness-Ressort eingeladen und so auch mich. Ich nutzte den Spa-Bereich nicht, genoss aber die Atmosphäre und die Mahlzeiten. Frühstück mit Blick auf die Ostsee – das war wunderbar.

Am Freitag wurde ich spontan eingeladen – von einer Mitstreiterin aus meiner Coaching-Ausbildung. Sie wohnt in Neustadt, sah auf Instagram, dass ich dort war, schrieb mich an und lud mich zum Handballgucken mit ihrer Familie ein: Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Kindern und Freund. Wir saßen im Wohnzimmer zwischen Kissen, aßen Pommes und kleine Pizzen, die Kinder rannte um uns herum, es war sehr warmherzig und ich fühlte mich für zwei Stunden adoptiert. Auch hier lernte ich etwas: Nämlich, dass man im Norden die Nationalspieler persönlich kennt – Flensburg und Kiel sind nicht weit, das Land ist flach, man kann weit gucken und entweder ist man verwandt, miteinander zur Schule gegangen oder kennt den Bruder, Onkel, Cousin.


An- und Abreise | Wie fast immer nahm ich die Bahn für die Langstrecke.

Bahnhof Neustadt, ein Zug steht am Gleis. Die Anzeige zeigt "Lübeck Hbf" an.

Sowohl Hin- als auch Rückfahrt waren kommod: Die Hinfahrt mit einer Weichenstörung und einer Stunde Verspätung, doch ich saß warm, es wurden Wasser und Schokolade gereicht. Die Rückfahrt war pünktlich mit drei reibungslosen Umstiegen in Lübeck, Hamburg und Münster. Als ich in Haltern aus dem Zug stieg, war es fünfzehn Grad wärmer als im Windchill Holsteins. Es war, als wäre ich in eine andere Welt gereist.

Bevor ich nach Neustadt fuhr, hatte ich in Dortmund zu tun. Also reiste ich mit meinem Gepäck zunächst nach Dortmund und schloss es dort ein. Zum Glück gab es noch ein Schließfach für mich.

Schließfächer, viele daovn mit einem "Defekt"-Aufkleber

Rund die Hälfte der Fächer war defekt. Solange es mit den pünktlichen Zügen nicht klappt, hat die neue Bahnchefin viele andere Möglichkeiten, das Bahnfahren besser zu machen.


Themenvorschlag | Eine Frage aus der Themen-Vorschlagsliste: „Welchen Beruf (ob Ausbildung oder Studium) würdest du heute wählen, wenn du nochmal 16/18 wärst?“

  1. Ein Medizinstudium. Ich verfolge medizinische Themen mit großem Interesse und finde die Arbeit zwischen Fachwissen, praktischem Leben, neuen Erkenntnissen und Methoden und menschlichen Eigenheiten sehr spannend. Ich könnte mir die Anästhesie und Notfallmedizin sehr gut vorstellen, das hausärztliche Fach und die Palliativmedizin. Nach dem Abi habe ich kurz mit dem Gedanken gespielt, Medizin zu studieren, hätte aber Wartesemester gehabt – und auf den Medizinertest hatte ich auch keine Lust.
  2. Eine Lehre zur Schreinerin. Die Arbeit mit Holz, Entwurf, Konstruktion, Bau – das wäre etwas. Möbel, Inneneinrichtung, Spielgeräte, Restaurierungen – und nach getaner Arbeit etwas zurücklassen, das lange bleibt. Das ist eine tolle Vorstellung. Außerdem habe ich einen Faible für gutes Werkzeug.

Gelesen | Die geschätzte Frau Kaltmamsell hat liebevoll kuratiert, was früher Tweets waren – jetzt von Mastodon.

Gelesen | Schreib mal wieder. Karsten schreibt über schriftliche Kommunikation. Die Älteren unter uns werden den Text gut nachfühlen können. Ich möchte etwas ergänzen – zu Sprachnachrichten, die die schriftliche Kommunikation vielfach ablösen, insbesondere bei den Jüngeren, aber auch im Freundeskreis. Ich empfinde Sprachnachrichten als eine Unsitte. Die meisten höre ich nicht an. Sprachnachrichten verlagern die Arbeit der Kommunizierens vom Absender auf den Empfänger, der sich zunächst Zeit und Raum nehmen muss, gegebenenfalls Kopfhörer heraussuchen muss, um sich die Nachricht anzuhören und in der meist Podcast-artigen Aufbereitung ungeordneter Gedanken die Botschaft herauszufiltern, die er danach nicht mehr wiederfinden wird, weil die Nachrichten nicht durchsuchbar sind. Ich halte Sprachnachrichten für grob unhöflich: Sie entlasten den Verfassenden, mehr nicht.

Gelesen | Karen schreibt übers Radfahren in Finnland. Jetzt, im Winter.

Gelesen | Markus Pfeifer ist nun eingebürgert, und wir können lesen, wie das vor sich ging. Ich war etwas irritiert, denn Einbürgerungen assoziiere ich nicht mit dem Namen „Markus Pfeifer“, obwohl das natürlich sein kann, wenn die Person eine schweizerische oder österreichischer Abstammung, vielleicht auch eine namibianische oder russlanddeutsche Historie hat. Ich las nach und erfuhr, dass Markus aus Südtirol kommt.

Gehört | Der Lieblings-Webworker hat ein Album herausgebracht. Sie können es auf allen gängigen Streaming-Plattformen anhören. Es läuft hier, während ich diesen Blogbeitrag schreibe. Gute Hintergrundmusik, anspruchsvoller als im Fahrstuhl, angenehmer als in der Sauna. Hören Sie mal rein, ich finde es behaglich.

Gelesen | Ein Nachruf auf Rita Süssmuth


Schweine | Bei aller Trauer um den Gold-Opa erkennen die vier Witwen: Ein Esser weniger – mehr Paprika für uns.

Vier Meerschweine an der Futterschale
Kommentare

3 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓

  1. Herzlichen Dank für die Verlinkung meines Artikels! Ihre Meinung zu Sprachnachrichten teile ich völlig.

  2. Ines sagt:

    „Sprachnachrichten verlagern die Arbeit der Kommunizierens vom Absender auf den Empfänger“

    Und genau deshalb bekommen Menschen sie von mir, wenn sie mir auf den Geist gehen mit dem, was sie von mir wollen (außerhalb von Freundinnengequatsche). Empfinde ich ein Anliegen als Zumutung, ist das die passende Antwortform.

  3. Bee.Tee.Berlin sagt:

    Ja, grundsätzlich teile ich die Meinung zu Sprachnachrichten. Nicht immer habe ich den ungestörten Raum, um diese anzuhören. Aber ich habe eine Bekannte, die eine starke Sehstörung hat – für sie sind Sprachnachrichten eine Erleichterung der Kommunikation. Das habe ich dann auch zu respektieren.

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