Leser’innenfrage | „Wird es jemals wieder einen Newsletter geben?“ Ja! Gehen Sie schonmal zur Tür, ölen Sie die Briefkastenklappe. Am Mittwoch kommt ein Newsletter. Ich werde aus meiner Arbeit 2025 berichten – genauer von zwei Problemen, die ich gelöst habe. Hier geht’s zur Anmeldung.
Wenn Sie auch eine Frage haben: die Themen-Vorschlagsliste.
Leibesübungen | Das neue Fitnessstudio hat Geräte, mit denen ich verreisen kann. Ich trete, und auf dem Bildschirm vor mir zieht eine wunderschöne Landschaft vorbei.

Gestern bin ich nach Andalusien gereist, am Freitag war ich an der Algarve. Ich fühle mich tatsächlich urlaubig dabei, wie auf Wander- oder Radelreise. Allerdings hat die Sache einen Haken: Es geht niemals bergab. Also – auf dem Video schon, nicht aber auf dem Gerät. Video und Widerstand sind entkoppelt. Ich strampele also den Berg hinauf, ächze über die Kuppe, fahre danach auch optisch bergab, es bleibt aber gleichermaßen anstrengend. Es schließt sich der Kreis zum Spinning-Kurs. „Mit mir geht es nur aufwärts“, sagte der Trainer. Ein Umstand, der sich schön anhört, aber nicht schön ist.
Broterwerb | Vorbereitungen auf ein Teamtraining. Es knirscht und hakt im Team. Ich habe den Kunden gebeten, dass ich, bevor wir in einen Workshop gehen, Vorgespräche mit den Mitarbeitenden führen darf. In emotionalen und konflikthaften Situationen ist das sinnvoll, damit ich erfahre, worum es den Beteiligten geht – aus erster Hand, aus allen Perspektiven und nicht nur aus der Perspektive der Fühurngskraft. So kann ich besser einschätzen, was das Team von mir braucht. Ich laufe nicht ins offene Messer, und wir können den Tag bestmöglich nutzen. Die Kernfrage ist nämlich, ob die Unstimmigkeiten ihre Ursache tatsächlich auf der Beziehungsebene haben oder ob sie sich nur dort zeigen, weil strukturell etwas nicht passt. Dazu habe ich dank der Offenheit der Beteiligten nun konkrete Thesen und kann den Tag gut vorbereiten.
In einem zweiten Unternehmen berate ich die Geschäftsführung. Es geht um Führung im Unternehmenswachstum, um das Orchestrieren von Anpassungen, um einen gesunden Rhythmus in dieser Veränderung und wie fast immer auch um den Umgang mit Konflikten. Ich bin sehr dankbar, so spannende und tolle Kunden zu haben.
Für das Jahr 2026 habe ich übrigens noch Kapazitäten. Melden Sie sich also gerne, wenn Sie denken, dass Sie mich gebrauchen können.
Gehört | Die Lage der Nation zu Gast beim Unternehmen Nordwolle. Der Unternehmer Marco Scheel erzählt von seinen Erfahrungen mit Behörden. Es geht um den Ausbau seiner Scheunen, um die Nutzng der Gebäude für sein Unternehmen und um die Schwierigkeiten bei der Anstellung von Menschen mit nicht-deutschem Pass. Er spricht zugespitzt und eloquent und trifft mit seiner Kritik auf den Punkt. Gleichzeitig fehlte mir eine Einordnung.
Zentrale Logiken der Bürokratie sind, dass Entscheidungen rechtssicher und nachvollziehbar sein müssen und dass alle Menschen gleich behandelt werden – unabhängig davon, wer sie bearbeitet. Es ist also gewollt, dass der einzelne Sachbearbeitende keine oder nicht viel individuelle Entscheidungsgewalt hat. Das verhindert Willkür und Vetternwirtschaft; deshalb pocht die Verwaltung so sehr auf Zertifikate, Nachweise und Gutachten. Dass dieses sinnvolle Ansinnen mitunter allzu wilde Blüten treibt, wissen wir alle, und dass die Blüten in Scheels Fall äußerst bunt sind, wird im Podcast auch klar. Wir brauchen weniger, nicht mehr Bürokratie – und auch verständlichere Bürokratie. Zur journalistischen Aufbereitung gehört für mich, beide Perspektiven einzunehmen, das Spannungsfeld aufzuzeigen und Lösungen zu diskutieren. Die Kommentare zur Folge machen dieses Defizit ein bisschen wett, ohne dabei die Probleme durch Überbürokratisierung und sperriges Verwaltungsverhalten zu negieren.
Gelesen und gehört | Thomas Gigold echauffiert sich über den Kanzler. Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander ordnen im Podcast Machtwechsel den CDU-Parteitag ein.
Gesehen | Die ersten beiden Folgen von Schwarzes Gold, eine historische Serie über den Ölboom in der Lüneburger Heide – und ich frage mich: Warum sind inländische Produktionen so fürchterlich schlecht? Ein vorhersehbarer Plot, tumpes Gut und Böse, Figuren ohne Tiefe und eine Hauptdarstellerin, die nur einen Gesichtsausdruck kennt. Das Western-Ambiente ist stark überstrapaziert, die moderne Sprache unpassend: „Er ist ausgerastet“ – „Sie hat was mit dem Boxer“ Seltsam für eine Serie, die um 1900 spielt.
Gesehen | Mit großer Freude sah ich hingegen The Investigation – Der Mord an Kim Wall, verfügbar in der arte-Mediathek. Die Serie basiert auf einem wahren Fall: Die Journalistin Kim Wall begibt sich an Bord eines U-Bootes, zusammen mit dessen Konstruktur. Das U-Boot sinkt, Kim Wall verschwindet. Die Serie zeigt die akribische Ermittlungen von Jens Møller und seinem Team – und verweigert dem Täter konsequent die Bühne. Sehr sehenswert.
Und sonst | Breaking News aus der Nachbarschaft: Der Storch ist zurück aus dem Winterurlaub und wurde im Nest gesichtet. Großes Hallo in der WhatsApp-Nachbarschaftsgruppe.
Schweine | Frühstück: Möhren und Tomate an einem Rucola-Bouquet, begleitet von Kohlrabi, garniert mit Blättern von der jungen Petersilie.

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