Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Das leise Ende eines Schweins

22. 1. 2026 1 Kommentar Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Schweine | Ich beginne ausnahmsweise mit dem Schluss – den Schweinen. Der Dicke ist gestorben – leise, gelassen und unerwartet. Ich fand ihn am Morgen im Stall, entrückt und teilnahmslos, nahm ihn auf und spürte sofort, dass er stirbt. Ich legte ihn auf meinen Unterarm, er tat noch drei Seufzer und war tot.

Ein hellbraunes, plüschiges Meerschwein in einer weidenrolle. Das Augenlid hängt leicht.

Er war der Kuschelminister und Brokkoli-Baron, der Gold-Opa und die Ikone des Schweinestalls. Er hatte eine Leidenschaft für Löwenzahn, Petersilie und das Pionierschwein – und das weichste Fell im Garten. James, Du warst ein tolles Schwein. Wir vermissen Dich. Mach‘s gut, lieber Freund. 


Koinzidenz | An dem Tag, an dem das Meerschwein starb, begann ich folgendes Buch:

Foto des Buches: "Am Meerschwein übt das Kind den Tod", von Nora Gomriinger - auf dem Cover ein alte, Sepcia-farbenes Bild einer Frau mit einem Rasenmäher, daneben ein kleines Mädchen. Das Buch liegt neben Osterglocken und einer Tasse kaffee.

Ich hatte es mir am Abend zuvor auf den Nachttisch gelegt. Es war nicht geplant.


Broterwerb | Ich war mit zwei tollen Frauen unterwegs (Linked.In-Beitrag): Gemeinsam mit Bettina Brenennstuhl, Vorständin der Dortmunder Hafen AG, und Patricia Erb-Korn, Direktorin des Binnenhafens Karlsruhe, habe ich überlegt, wie Binnenhäfen dem Fachkräftemangel begegnen können – und darüber, welche Rolle Frauen dabei spielen sollten. Die beiden sind nämlich zwei der wenigen Frauen, die einem deutschen Binnenhafen vorstehen.

Im Vorfeld habe ich Studien und Aufsätze konsultiert, weil ich wissen wollte – jenseits meines Gefühls -, was Frauen hindert, sich beruflich zu engagieren und Führungsverantwortung zu unternehmen. Es ergab sich das Bild:

  1. hohe Auslastung durch Beruf plus Sorgearbeit; ungleiche Aufgabenverteilung in Partnerschaften; Mental Load
  2. fehlende Entwicklungsperspektiven
  3. Mikroaggressionen und mangelnde psychologische Sicherheit
  4. fehlende Unterstützung bei unangemessenem (männlichen) Verhalten; wenig Vertrauen in Meldewege
  5. unflexible Arbeitsmodelle und Präsenzzwang
  6. gesundheitliche Herausforderungen (Menstruations- & Wechseljahrsbeschwerden, Fertilität)
  7. fehlende Sponsoren, die Türen öffnen und Talent sichtbar machen

Die Reihenfolge der Nennung stellt keine Gewichtung dar. Wer als Unternehmen hier entgegenwirkt und unterstützt, ist ziemlich gut unterwegs, das Potential von Frauen zu heben. Sie sind gerade für männerdominierte Branchen ein großer Talentpool, um resilienter und innovationsfähiger zu werden.

Diese Woche hatte ich außerdem ein Briefinggespräch für ein Seminar: Ein Unternehmen hat Ausbildungskoordinatoren in seinen Fachabteilungen. Die Koordinator:innen wollen besser darin werden, ihre Auszubildenden einerseits zu stärken und zu coachen, andererseits Kritisches – zum Beispiel schlechte Leistungen in Schule oder Betrieb – klar und frühzeitig anzusprechen. Wir haben zwei Tage zur Verfügung. Ich schlug vor, die Zeit zu nutzen, um nicht nur über, sondern auch mit den Azubis zu reden. Sie kommen nun für einen Vormittag dazu und wir hören ihre Perspektive. Ich bin sicher: Das wird für Aha-Effekte sorgen.


Gelesen | Alles Licht, das wir nicht sehen von Anthony Doerr, übersetzt von Werner Löcher-Lawrence. Der Zweite Weltkrieg aus der Perspektive zweier Jugendlicher: Hans, ein deutscher Waisenjunge, schmächtig und still, landet wegen seines technischen Geschicks in einer Spezialeinheit der Wehrmacht. Marie-Laure, Tochter eines Angestellten im Pariser Naturkundemuseum, neugierig und wissbegierig, flieht mit ihrem Vater aus der Stadt. Die Handlungsstränge werden in kurzen Kapiteln parallel erzählt, das war angenehm. Erst am Ende der Geschichte treffen sich die beiden. Mir gefiel die Mehrschichtigkeit: Das Böse ist nicht nur böse, das Gute nicht nur gut.

Dias Buch wurde als Mini-Serie verfilmt und ist auf Netflix zu sehen. Ich werde sie aber erstmal nicht anschauen. Ich möchte nicht, dass Lars Eidinger durch meine Bilder, meine Version der Geschichte läuft.

Gelesen | Die Antwort liegt im Blut [€]. Ein Forscherteam macht Menstruationsblut für Diagnostik nutzbar. Das Werkzeug: ein Teststreifen in einer Binde.

Am ersten Tag seiner Promotion stieg Lucas in die Recherche ein und machte sich auf die Suche nach Daten zu Menstruationsblut. Ein tabuisierter Stoff, der kaum erforscht war. Er stöberte in Datenbanken, las Paper, klickte sich durch Archive und fand fast nichts. „Ich dachte erst, ich hätte etwas übersehen“, sagt Lucas. 

Menstruationsblut war bislang nie im Fokus vom Forschung – dabei verliert ein menstruierender Mensch dreißig Liter Blut in seinem Leben. Das Material enthält Informationen zu Entzündungen, Krebsvorstufen und anderen Erkrankungen.

Beim Forschen entdeckte das Team, was für einzigartige Spuren im Menstruationsblut stecken: Werte, die in venösem Blut nicht vorkommen. 


Und sonst | Ich habe Fotos auf meiner Website ausgetauscht: auf der Startseite und „Über mich“. Die bisherigen waren fünf Jahre alt. Jetzt bin ich auf meiner Website genauso gealtert wie im Leben, hervorragend. Die Texte muss ich auch mal überarbeiten, es hat sich Einiges entwickelt – //*Notiz auf To-Do-Liste


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Schweine |  Trostflocke für die trauernde Gefährtin.

Meerschwein, das sich nach einer Erbsenflocke reckt, die ihm hingehalten wird
Kommentare

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  1. Nihilistin sagt:

    Hach. Möge LeBron James ein gutes ewiges Leben im Schweinehimmel haben. Obwohl Leben und Sterben unter Ihrer Schirmherrschaft schon 100 von 100 Punkten war.
    Hoffen wir, das die Youngsters, die Oma und der Entdecker jetzt gut miteinander klarkommen.. auch ohne den Dicken.

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