Draußen nur Kännchen Kaffeehaus mit ♥

Am Rande des Jahres

26. 11. 2025 4 Kommentare Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

TÜV | Es ist diese Zeit im Jahr, in der Menschen Schubladen aufziehen, in Papp-Ordnern blättern und Pinnwände absuchen, um ein kleines, weißes Stempelheft zu finden und es in eine Zahnarztpraxis zu tragen. Stets eine unangenehme Sache, eine Mischung aus TÜV und Klassenarbeit. Ist man noch tauglich? Hat man ausreichend beigetragen? Oder kassiert man eine Rüge, die ein über Monate immer wieder aufflackerndes schlechtes Gewissen nach sich zieht?

Ziel: kein Reparaturen. Bonusziel: Nicht auf die Nutzung von Zahnseide hingewiesen werden. Beides: check.


Jahresendaktivitäten | Das Jahresende wirft weitere Schatten: Ich habe Tannengrün für den Adventskranz gekauft, der bei uns seit einigen Jahren nichts Weiteres ist als ein großes Kerzenständer – Zweige, vier Blockkerzen, dazu Dekor aus dem Bestand. Ich entziehe mich den Kaufangeboten, für die man mittlerweile seinen Bankberater konsultieren muss. Diese Woche werde ich dekorieren, ich bin wild entschlossen.

Bei den Weihnachtsgeschenken liege ich deutlich vor Plan. Es ist noch nicht einmal Dezember, das Aufwändige ist bereits organisiert, Einiges gekauft, anderes bestellt, und am Samstag geht es in die Stadt zum lokalen Einzelhandel. Noch vor dem ersten Advent!

Dazu das Geschäftliche: Die Neujahrskarte ist in Druck. Dazu gibt es dieses Jahr ein Goodie.


Broterwerb | Wieder ein Bahnfahrt, nur Regionalverkehr, aber das macht es kniffliger. Den Fernverkehr schleust die Bahn durch, sie gewährt ihm Vorfahrt und tut alles, damit wenigstens die silbernen Züge leidlich pünktlich ankommen. Währenddessen bleibt der Regionalverkehr stehen, lässt die ICEs vorfahren, wartet, wird frühzeitig beendet. Je höher die Nummer des Regionalexpresses, desto weniger Prio bekommt er.

Eine zweistellige Regionalverkehrsnummer – thrilling! – führte mich zum Bahnhof Duisburg. Der Bahnhof ist seit drei Jahren Baustelle, drei weitere werden folgen. Zu den Gleisen führt ein gekachelter Tunnel. Seine Seiten sind dekoriert mit Schaukästen, die in Zeitlöcher führen: Ledertaschen, Mickey-Mouse-Sweatshirts, vergilbte Plakate. Dazwischen die Fronten von Brezel- und Wurstständen. Zur Weihnachtszeit versucht man, dem Ganzen ein Hauch von Heimeligkeit zu geben: Licherketten und künstliches Tannengrün säumen die Decken und zeugen von tragischem Bemühen.

Auf den Gleisen: Baustelle. Der Charme zerfallener Industrie weicht, die Gleise bekommen geschwungene Dächer. Wie Wellen werden sie sich über den Reisenden auf und ab schwingen. Wichtiger als das Design: Es regnet nicht mehr schwallartig auf die Gleise.

Ein großes Baufahrzeug auf Gleis 10 im Bahnhof Duisburg. Es steht auf Brettern.

Auf dem Gleis versammeln sich die müden Gesichter von Menschen, die ihren Tag in Büros und auf Baustellen verbracht haben. Kinder quengeln in Kinderwägen, die Mütter – es sind allesamt Mütter – schuckeln und reichen Laugenbrezeln. Junge Männer, die Hosen tief, die Haare hoch, lassen Energy Drinks kreisen. Junge Frauen tippen mit klackernden Fingernägeln auf Handys, zeigen sich die Displays, lachen.


Gelesen | Frische Brise feiert 19 Jahre Liebe. Schön.

Gelesen | Frauen in Führung: Wozu der Stress für 300 Euro mehr? Ich denke, Frauen wägen mehr ab, sehen das Für und Wider einer Führungsposition und weniger das Prestige. Je mehr Bürokratie im Unternehmen ist, je unausgereifter die Führungskultur, je größer die Dynamik des Boys‘ Club in der Organisation, je mehr Präsenz zu Tagesrandzeiten, desto eher sagen sie: Das Geld ist es mir nicht wert. Vorausgesetzt, es gibt überhaupt deutlich mehr Geld für das Mehr an Verantwortung. Das ist dann ein weiterer Grund.

Rumgeklickt | Stadtteile in Großstädten: Welcher Stadtteil passt zu mir? Es läuft auf Hannover-Linden hinaus. Damit kann ich gut leben. Ein Teil meines Käte-Paulus-Buches ist in Hannover-Linden entstanden. Schön dort.


Leser:innenfragen | Keine neuen Themen in der Vorschlagsliste.


Schweine | Auf der Suche nach versteckten Erbsenflocken.

Zwei Meerschweine an der Futterschale, der dicke such sehr konzentriert nach Erbsenflocken. Im Hintergrund das schwarz-weiße Schwein in der Tür eines Häuschens
Kommentare

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  1. Britta B sagt:

    Hallo,

    in Linden habe ich früher gewohnt, 10 Jahre lang, bester Stadtteil.

    Da ich den Test nicht machen kann, bleibe ich dabei :-).

    Viele Grüße
    Britta

    1. Vanessa sagt:

      Was soll da schon anders rauskommen als Linden?!

  2. Elke sagt:

    Frauen in Führungspositionen – in der Pflege ist die Mehrzahl der Beschäftigten immer noch weiblich, aber die Leitungspositionen sind weit überproportional mit Männern besetzt. Eigenschaften und Verhalten, das man einer Frau angekreidet, gereicht dem Mann zum Vorteil. Aber die Mädchen folgen willig, wenn sie zum Einspringen und Aushelfen gerufen werden …

    1. Vanessa sagt:

      Ich habe Trainings zur Selbstführung in der Pflege geben. Das ist sehr diffizil. Es waren interessante Diskussionen. Denn einerseits ist es wichtig für die psychische Gesundheit, sich abzugrenzen, andererseits ist der moralische Druck real – ebenso die emotionale Verpflichtung den Patient:innen gegenüber. Wir haben das sehr lange reflektiert. Ich denke, dass es ein paar Leitplanken gibt, ebenso wie ein paar zentrale Gedanken, die in die jeweilige Entscheidung – jetzt einspringen oder nicht? – einfließen, aber jede auch ihre eigene Balance finden muss.

      Es wäre interessant zu erfahren, was die Frauen abhält. Schlechte Bezahlung? Die unattraktiven Tätigkeiten, die zu tun sind – eben jenes Betteln ums Einspringen, weil die Personaldecke nicht mehr hergibt? Oder etwas anderes?

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