It ain’t over ‚til it’s over | Etwas Großes wirft seine Schatten voraus! Liebe Münchenerinnen, Bajuwaren und interessierte Reisende: Halten Sie sich den 24. Oktober frei!

Frau Kaltmamsell, Herr Mequito, Frau Direktorin Novemberregen und ich lesen ein paar feine Texte vor. In einem Boxring. Frau Klugscheißer organisiert, koordiniert und moderiert das Ganze. Ihr gelten Ruhm und Dank für die Initiative.
Einige der Lesenden tragen sich mit dem Gedanken einer ortsbezogenen Kleiderwahl: Jogginganzug. Oder goldene Boxhosen, Seide. Wir sind noch in der Findung. Kommen Sie zahlreich!
Termin: 24. Oktober 2026, 19 Uhr
Ort: Boxwerk, Schwindstr. 14, München
Eintritt frei – um eine Spende zur Unkostendeckung wird gebeten
Gelernt | Neues Wort gelernt: Umarell. Italienischer Ausdruck für Männer, die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor Baustellen stehen und den Bauarbeiten zuschauen.
Erdend | Zurzeit gehe ich viel schwimmen, meist 2.000 oder 2.5000 Meter. Ich spüre bereits eine vorweggenommene Trauer, wenn im September das Freibad schließt.
An einem der Morgende geschah etwas Spektakuläres. Es war das übliche Publikum auf der Bahn: Freizeitkrauler, Brustschwimmer und, wie ich sie nenne, die Olympiasiegerin 1972. Bei der Olympiasiegerin handelt es sich um eine weißhaarige Dame, die einen beeindruckenden Freistil schwimmt. Zügig zieht sie ihre Bahnen. Dabei setzt sie sich robust gegen sonnenbebrillte Menschen durch, die unbeirrt die Sportbahn beschwimmen. Ein Vibe passiver Aggressivität begleitet sie – aber so, dass sie sich jederzeit, sanft lächelnd, auf Oma-hafte Unbedarftheit zurückziehen kann. Eine Guerillakämpfer im Gewand von Mutter Beimer.
So war es also ein normaler Morgen – bis zum Auftritt einer jungen Frau: langer Neopren, Schwimmspielzeug. Außerdem eine weiße Badekappe, die auf beiden Seiten mit der Deutschlandflagge bedruckt war, darunter die Buchstaben „GER“. Sie ließ sich zu Wasser und – was soll ich sagen? Bislang hatte ich den Eindruck, es laufe ganz gut mit meiner schwimmerischen Entwicklung.
Eine erdende Demonstration von Technik und Schnelligkeit. Und faszinierend! Ich versuchte, mir etwas abzuschauen, aber es ging alles viel zu schnell. Ich wünsche unbekannterweise alles Gute für die sportliche Zukunft. Es war mir eine Ehre, einmal im gemeinsamen Wasser gelegen zu haben.
Gelesen | Lego hat Sets entwickelt, mit denen man medizinische Untersuchungen abbilden kann. Damit können Mediziner:innen Kindern Abläufe erklären – und Kinder der Erlebte nachbauen: Lego set makes treatment easier for child cancer patients.
Ausprobiert | Wetter von damals
Angeschaut | Ein Freund, ein Mörder. Das Dokudrama erzählt vom Mord an der 17-jährigen Emilie Meng, die im Juli 2016 in Dänemark verschwand. Der Täter war ein unauffälliger Bekannter aus dem Umfeld. Die Ereignisse werden aus Sicht der Freundesgruppe erzählt. Spannend und intensiv.
Empfehlung | Barcamps wirksam organisieren [PDF], ein 50-seitiger Praxisguide von Kristine Honig.
Premiere | Urlaub vorbei, ich bin wieder auf Arbeit. Nicht nur das: Ich habe zum ersten Mal einen Praktikanten. Ein Soziologiestudent absolviert sechs Wochen Pflichtpraktikum bei mir. Es macht schon nach zwei Tagen sehr viel Freude mit ihm. Ich nehme ihn mit zu meinen Kunden, in Workshops, Online-Termine und auf Seminare. Danke an alle Kundinnen und Kunden für ihre Offenheit! Rund um die Praxis nehme ich mir Zeit und erzähle Hintergründe: zum Kunden, zum Problem, zur Herangehensweise, zur Denkweise, zu meiner Haltung in der Arbeit, zur Konfliktklärung – zu Was-auch-immer-auftaucht.
Außerdem, und jetzt kommen Sie ins Spiel, habe ich ihm ein Praxisprojekt übertragen: eine Online-Veranstaltung konzipieren, organisieren und durchführen. Nächste Woche wird hier etwas angekündigt, ein Angebot für Sie. Bleiben Sie uns gewogen!
Garten | Der Reiseleiter und ich mussten die Tomaten mit einem Spanngurt sichern.

Sie tragen so viel, dass sie bald unter sich selbst zusammenbrechen. Hitze, ausreichend Wasser – die Tomaten finden’s geil.

Abgesehen von den Tomaten kommen die anderen Pflanzen ans Ende ihrer Kraft: Die Zucchini sind so gut wie durch, die Gurkenpflanzen pfeifen aus dem letzten Blatt. Ein Kürbis wächst noch, das war’s dann. Der Mangold ist abgeerntet, der Spinat ohnehin schon lange. Gestern gab’s noch einmal eine Ernte.

Frage | Eine Frage von der Vorschlagsliste: „Du berätst viele Menschen in (beruflichen) Veränderungsprozessen. Kannst du dir selbst vorstellen dich beruflich nochmal zu verändern?“
Das kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich habe mich in meinem Berufsleben schon mehrmals verändert. Als ich 2015 arbeitslos war und bei der Arbeitsagentur einen Beruf angeben sollte, war das eine knifflige Angelegenheit, denn ich hatte zu dem Zeitpunkt bereits sechs Berufe ausgeübt: Ich war ausgebildete Redakteurin, war bereits seit fünfzehn Jahren als Projektmitarbeiterin und Projektleiterin mit Digitalisierungsprojekten befasst, war wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin gewesen, hatte eine Stelle als Führungskraft im Marketing und war Autorin. Die Mitarbeiterin bei der Arbeitsagentur seufzte, denn im Formular war nur ein Beruf vorgesehen. Seither sind weitere drei Berufsfelder hinzugekommen: Organisationsentwicklerin, Mediatorin, systemischer Coach. Außerdem Qualifikationen, die Möglichkeiten eröffnen, zum Beispiel meine Erfahrungen im IT-Service-Management. Spannend wird es in der Kombination von allem – da wächst einiges zusammen. Wahrscheinlich geht es bis an mein Lebensende so weiter: dass ich immer Neues lerne. Ich kann es mir ehrlich gesagt nicht anders vorstellen, vorausgesetzt ich bleibe gesund und fröhlich.
Ich bewerbe mich manchmal auf Festanstellungen, wenn ich Ausschreibungen spannend finde. Weil mich die Aufgabe reizt und weil ich Lust habe, Verantwortung zu übernehmen, im Team zu arbeiten und langfristig an Themen dranzubleiben. Ich bin also offen.
Zweite Frage ebenfalls aus dem Kontext „Beruf“: „Wie würdest du dich selbst beschreiben, wenn du müsstest (wie bei einem Bewerbungsgespräch z.B.)?“
Sich selbst beschreiben, ist ja immer schwierig. Gehen Sie also bitte davon aus, dass es auch anders sein kann. Meine Perspektive, Berufs-Edition:
Ich bringe Dinge voran, suche nach Lösungen. Ich überlege, entscheide faktenbasiert, in Unsicherheit auch gerne mit dem Wisdom of the Crowd, im Team. Wenn sich aber eine Gelegenheit bietet, fackele ich nicht lange – siehe die spontane Reise nach Kroatien. Ich denke, dass ich eine gute Balance zwischen Risikobereitschaft und Überlegung habe. Ich bin ein 80/20-Typ, laufe nicht Gefahr, mich im Perfektionismus zu verlieren. Gleichwohl bin ich, wenn es wirklich auf Kleinigkeiten ankommt, sehr pingelig und auf hohe Qualität bedacht.
Ich kann gut zwischen unterschiedlichen Perspektiven und Interessen moderieren. Ich denke in Mustern, Strukturen und Zusammenhängen und kann sie gut analysieren. Ich habe ein Gespür fürs Miteinander, für Stimmungen, kann gut Sachen erklären und habe ein Fingerspitzengefühl, wann wer worüber informiert werden sollte. Ich kann Menschen mitnehmen und sie fördern. Ich bin ein ausgeglichener Mensch – und gleichzeitig pushy, wenn es nicht voran geht. Ich bin neugierig, wissbegierig, offen, lerne gerne dazu, erarbeite mir gerne Neues – und werde unleidlich, wenn zu viel Routine eintritt, wenn ich mich nicht entwickeln kann. Ich bin ein Teamplayer, tausche gerne Gedanken aus, nehme Ideen mit, entwickele sie gemeinsam weiter. Ich denke unternehmerisch und in die Zukunft: Mir gefällt es, wenn Dinge effizient sind, wenn sie ineinander greifen.
… und wie man an der Beschreibung merkt, mangelt es mir nicht an Selbstbewusstsein. Was aber nicht heißt, dass ich mich nicht hinterfrage. Ich überlege oft: Was kann ich von anderen lernen? Was brauche ich, brauchen meine Kunden zusätzlich? Deshalb ist die Zusammenarbeit mit meinem Praktikanten so spannend. Er hat mir dank seines soziologischen Hintergrunds und seines frischen Blicks schon mehr Ideen geschenkt, als er Tage bei mir ist.
Reicht das erstmal? Übrigens: Mich kann man kaufen.
Schweine | Sonntäglicher Schlendrian.

Kommentare
13 Antworten: Bestellung aufgeben ⇓
Wow, was für eine tolle Selbstbeschreibung! Ich lese hier schon lange genug mit, von daher gehe ich fest davon aus, dass du eine Bereicherung für jedes Team wärst.
Aber wie würdest du die kategorische Bewerbungsfrage nach deinen Schwächen in deinem Arbeitsumfeld beantworten? Ich finde diese Frage immer so merkwürdig und bin mir auch gar nicht sicher, ob das wirklich was über einen Bewerber aussagt…
Schöne Grüße,
Nadine
Ehrlich gesagt: Wenn diese Schablonenfragen kommen, sinkt meine Lust, in dem Unternehmen zu arbeiten, unmittelbar um 50 Prozent. Denn wenn diese 90er-Jahre-Frage stellvertretend für die Führungs- und Personalentwicklungskultur im Unternehmen steht – nun ja.
Interessanter ist ja zu erfahren, was jemand heute anders machen würde als früher. Wann er mit einer Idee, einem Projekt, einem Vorhaben gescheitert ist und wie er damit umgegangen ist. Wie er heute auf seine Leistung von vor fünf Jahren guckt. Und so weiter.
Vielleicht würde ich die Frage als Ausgangspunkt nehmen zu erzählen, wann ich etwas gelernt habe. Wann ich unpassend agiert habe – und was ich heute anders machen würde. Und sagen, dass ich auch in Zukunft Fehler machen werde. Aber jetzt noch nicht sagen kann, welche.
Ich könnte auch eine Schwäche nennen, die eigentlich eine Stärke ist – und dann auf die Meta-Ebene gehen und sagen, was passiert ist: „Sie haben eine Schablonenfrage gestellt, ich habe eine Schablonenantwort gegeben – lassen Sie uns lieber darüber sprechen, wie wir uns Schwächen spiegeln und damit umgehen.“
Danke für den mir neuen Begriff „Umarell“!
Ist das möglicherweise eine dringend gebrauchte Rolle im deutschen Baustellenwesen?
Nach meinen Beobachtungen ist diese Rolle bereits besetzt. Möglicherweise liegt Potential darin, ihr Aufgaben zu übertragen.
Gerne gelesen. Wie so oft gibt es Denkanstöße für mich. Danke.
Umarell ist herrlich, hier ist der Begriff aber klar durch „Opa Wolfgang“ besetzt, meinem Schwiegervater.
Der Lego-Artikel erfrischt mein Herz :) Ich hab ihn allerdings so gelesen, dass die MA des Krankenhauses dieses Set entwickelt haben, nicht das Lego es direkt als käuflich zu erwerbendes Set herausgebracht hat.
Wohingegen es ein Beerdigungs-Set von Lego tatsächlich zu kaufen gibt, inklusive Sarg und offenem Grab.
Umarell, schön und gut, aber wo bleibt die Bezeichnung für Frauen, die mit Kindern – eigenen oder beruflich zu betreuenden – gern und oft an Baustellen rumstehen?! Frage für eine Freundin.
Eine tragisch vernachlässigte Spezies. Dabei sind Baufahrzeuge, Müllabfuhr und Blaulichtsituationen ein Garant für entspannte Betreuungsminuten.
Mich beschäftigt vor allem der Umarell. Männer, die mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor Baustellen stehen und den Fortgang kontrollieren, ohne irgendeine Zuständigkeit zu besitzen – das ist keine italienische Marotte, sondern ein bislang sträflich unterschätztes Gesellschaftsmodell.
Man stelle sich vor, man übertrüge dieses Prinzip auf Workshops, Behörden oder größere Digitalisierungsprojekte. Zwei ältere Herren stünden schweigend daneben, nickten gelegentlich missbilligend und würden nach zwanzig Minuten sagen: „So wird das nichts.“ Vieles ließe sich vermutlich erheblich beschleunigen.
Fast noch überzeugender finde ich allerdings die Olympiasiegerin 1972 im Schwimmbad. Weißhaarig, schnell, robust und jederzeit in der Lage, sich bei Konflikten auf omahafte Harmlosigkeit zurückzuziehen. Das ist strategisch nahezu vollkommen.
Vielleicht sollte man beide Rollen kombinieren.
Ein Umarell beobachtet vom Beckenrand, die Olympiasiegerin räumt im Wasser auf.
Damit wäre zumindest im Freibad die Governance geklärt.
Das ist ein spannender Vorschlag: Die Olympiasiegerin als Speerspitze des Projektvortriebs, der Umarell als passiv-aggressive Begleitung, Urlaubsvertretung und zugewandter, aber schonungsloser Beobachter.
Da ich aus Niederbayern bin freue ich mich schon sehr auf die Lesung in München. Sehe ich das richtig, dass es keinen Kartenvorverkauf gibt?
Ja, genau. Einfach kommen. Es reisen auch etliche Leute von weiter weg an.